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Seit ihrer Einführung ins Spielsystem waren die Drukhari stets darauf ausgelegt, ihren Feinden Schmerz zuzufügen, um aus diesem Leid neue Lebensenergie zu schöpfen. Doch stellt sich die Frage: Können die Drukhari diesen Anspruch auch heute noch für sich erheben – oder sind sie mittlerweile selbst auf der leidgeplagten Seite angekommen?

Bereits vor Erscheinen ihres aktuellen Armeebuchs erhielten die Drukhari ein zusätzliches Kontingent, da das erste trotz einiger Anpassungen nicht mehr konkurrenzfähig wirkte. Mit diesem Hintergrund blickt man nun mit gemischten Gefühlen auf das neue Armeebuch: Werden alte Fehler wiederholt, oder gelingt es diesmal, eine stimmige und spielstarke Umsetzung zu schaffen? Gerade gegen Ende einer Edition sind die Indices erfahrungsgemäß oft etwas schwächer, auch wenn Games Workshop in dieser Edition insgesamt ein gutes Maß an Ausgewogenheit gefunden hat – vor allem im Vergleich zu früheren Versionen. Grund genug also, sich den neuen Codex genauer anzusehen und dabei auch die Unterschiede zwischen Codex und Index unter die Lupe zu nehmen.

Keine Trigger, abseits bekannter Tabletop/Wargaming-Merkmalen

Die Klinge der Furcht – Der neue Codex

Schmerz ist der Weg zur Macht – Armeeregeln und Kontingente

Die zentrale Armeemechanik der Drukhari, die Schmerzfähigkeit mit den dazugehörigen Schmerzmarkern, ist auch im neuen Codex erhalten geblieben. Neu hinzugekommen ist, dass Spieler*innen zu Beginn jeder eigenen Befehlsphase automatisch einen weiteren Schmerzmarker erhalten. Im Gegenzug entfällt jedoch die bisher feste Anzahl an Markern, die abhängig von der Armeepunktgröße zu Beginn des Spiels vergeben wurde.

Ein wesentlicher Unterschied ist zudem, dass nun jede Einheit der Armee über einen eigenen Bonus verfügt, wenn Schmerzmarker für die zweite Armeeregel Gestärkt durch Schmerz ausgegeben werden. So erhalten etwa die Mandraks die Stärkung Verschwinden, die es ihnen erlaubt, in die strategische Reserve verschoben zu werden – solange sie nicht im Nahkampf gebunden sind. Die Incubi wiederum profitieren von Enthauptende Hiebe: Ihre Nahkampfattacken erhalten gegen feindliche Infanterie die Sonderregel Verheerende Verwundungen.

Auch das bekannte Kontingent der Realraum-Plünderer aus dem Index wurde überarbeitet. Statt nur einen Schmerzmarker für den jeweiligen Anführertyp zu generieren, gibt es nun zwei – sodass bereits zu Spielbeginn bis zu sechs Marker verfügbar sein können. Das Kontingent legt besonderen Wert auf das Zusammenspiel der drei klassischen Armeeteile: Kabale, Hekatrix-Kult und Haemonculus-Zirkel.

Die Verbesserung Dunkle Lebenskraft sorgt dafür, dass die Einheit des Trägers stets als gestärkt gilt – die Wahl der richtigen Einheit wird dadurch noch bedeutsamer. Ergänzend kommt die Gefechtsoption Instinktive Boshaftigkeit hinzu: Zu Beginn der Fern- oder Nahkampfphase können bis zu zwei Linientrupps ausgewählt werden. Gibt man für sie einen Schmerzmarker aus, erhalten sie gegen feindliche Einheiten, die sich unter halber Sollstärke befinden, einen Bonus von +1 auf den Trefferwurf und generell +1 auf den Verwundungswurf.

Auch das zweite Index-Kontingent, Himmelsschlag, wurde in den neuen Codex übernommen – sogar ohne Änderungen an seiner zentralen Kontingentsregel Grausamer Regen. Diese erlaubt es einer ausgewählten Drukhari-Einheit, für einen Zug mit ihren Fernkampfwaffen Deckung ignorieren und im Nahkampf den Bonus Lanze zu erhalten. Ebenso wurden sämtliche Gefechtsoptionen unverändert übernommen. Lediglich die Verbesserung Brennpunkt des Sadismus wurde angepasst: Nun kann ein Transportfahrzeug innerhalb von 6 Zoll ausgewählt werden, dessen Trefferwürfe wiederholt werden dürfen. Der Fokus dieses Kontingents liegt also weiterhin klar auf der engen Synergie mit Transportfahrzeugen.

Beim Aussteigen aus Transportern erhalten die Drukhari verschiedene Boni.
Beim Aussteigen aus Transportern erhalten die Drukhari verschiedene Boni.

Als neues Element kommt das Kontingent Schauriges Spektakel hinzu, das den Hekatarii-Kult in den Mittelpunkt stellt. Dessen Kontingentsregel Kampfdrogen erlaubt es, zu Beginn der eigenen Befehlsphase allen Hekatarii-Einheiten für die Dauer bis zur nächsten Befehlsphase entweder einen gezielt ausgewählten Bonus zu verleihen oder mit zwei Würfeln auf einer Tabelle zu würfeln. Im zweiten Fall können Boni mehrfach während des Spiels auftreten, zeigen jedoch beide Würfel das gleiche Ergebnis, wird nur ein Bonus aktiv. Zu den möglichen Effekten zählen etwa eine um 2 Zoll erhöhte Bewegung oder ein um 1 gesteigerter Widerstand. Die Verbesserung Zeitscherbe verleiht einem Succubus und ihrer Einheit einmal pro Schlacht die Fähigkeit Erstschlag. Ergänzt wird das Kontingent durch die Gefechtsoption Akrobatische Darbietung, die einer Hekatarii-Einheit einen 5+ Rettungswurf gegen Fernkampfattacken gewährt.

Den Hekatarii folgt konsequenterweise der Haemonculus-Zirkel mit einem eigenen Kontingent: der Koterie der Haemonculus-Zirkel. Ihre Kontingentsregel Zusammengenähte Ungetüme verbessert die Defensive, indem bei Attacken, deren Stärke den Widerstandswert der Einheit übertrifft, 1 vom Verwundungswurf abgezogen wird. Die Verbesserung Meister aller Zünfte erhöht diesen Effekt zusätzlich, indem der Haemonculus selbst einen zusätzlichen Lebenspunkt und seine Einheit +1 Widerstand erhält. Offensiv sorgt die Gefechtsoption Konzentrierte Furcht dafür, dass eine Haemonculus-Zirkel-Einheit im Nahkampf gegen erschütterte Gegner Verheerende Verwundungen austeilt.

Das fünfte und letzte neue Kontingent widmet sich schließlich den Kabalen. Das Kabalenkartell operiert mit der Regel Mörderische Agenda, die auf der Jagd nach Verträgen basiert. Zunächst wird einer von drei Verträgen ausgewählt, danach eine feindliche Einheit, die den Kriterien entspricht. So erfordert etwa der Machtdemonstrations-Vertrag die Auswahl eines gegnerischen Fahrzeugs oder Monsters. Im Anschluss erhalten alle Kabalen- und Gedungene-Mörder-Modelle die Fähigkeit Tödliche Treffer für ihre Attacken gegen diese Kategorie von Einheiten. Unklar bleibt allerdings, ob sich der Bonus ausschließlich auf die ausgewählte Vertragseinheit bezieht oder allgemein gegen alle entsprechenden gegnerischen Modelle gilt – eine Feinheit, die wohl erst durch FAQ oder Errata geklärt werden dürfte. Erfüllt die Armee den gewählten Vertrag, erhält sie drei Schmerzmarker. Die Verbesserung Maßlose Arroganz steigert zudem den Moralwert und den Missionszielkontrollwert einer Einheit, die von einem Archon angeführt wird, um jeweils +1. Mit der Gefechtsoption Den Standpunkt verdeutlichen erhält eine Einheit Kabalenkrieger oder Hand-des-Archons in der Schussphase +1 auf ihre ballistische Fähigkeit und +1 Durchschlag auf alle Fernkampfwaffen.

Stetige Intrigen sind an der Tagesordnung – Änderungen in den Einheiten

Mit dem neuen Codex mussten die Drukhari einige Einbußen hinnehmen. Viele Einheiten besitzen nun einen um eins verschlechterten Moralwert im Vergleich zum Index, was bereits einen spürbaren Nachteil darstellt. Auch bei den Waffen gab es Kürzungen: Bestimmte Optionen stehen einzelnen Einheiten nicht mehr zur Verfügung oder wurden in ihrer Schlagkraft reduziert. So können etwa die Raubjäger keinen Peiniger mehr ausrüsten, und die Kabalenkrieger bewegen sich um einen Zoll langsamer.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen. Die Hekatarii profitieren von einer höheren Attackenanzahl und erhalten zusätzliche Waffenoptionen, während die Hellions über einen besseren Rüstungswurf von 4+ verfügen. Zudem wird bei den Harpyien erstmals zwischen Modellen mit schweren Waffen und solchen mit Splitterkarabinern unterschieden. Neben diesen Anpassungen hat das neue Armeebuch auch einige neue Einheiten hinzugefügt. Allerdings musste ein Veteran der Armee weichen: Urien Rakarth, der legendäre Haemonculus, begleitet die Drukhari seit der 3. Edition, hat es jedoch nicht mehr in den Codex der 10. Edition geschafft.

Schreckensbringer des Untergangs – Fürstin Malys, die neue Archontin

Die neue Fürstin Malys, die neue Archontin

Zuerst werfen wir einen kurzen Blick auf die Gussrahmen der beiden Archontenmodelle. Wie gewohnt, hat Games Workshop hier eine gute Gussqualität und auch der Zusammenbau der vielteiligen Figuren gestaltet sich ohne Probleme und ist schnell erledigt. Auch sind hier keine Baufehler in den einzelnen Figuren.

Die Archontin ist eine Strategin und repositioniert Truppen kurz vor dem Beginn der Schlacht.
Die Archontin ist eine Strategin und repositioniert Truppen kurz vor dem Beginn der Schlacht.

Mit dem neuen Armeebuch betritt auch eine neue Archontin das Spielfeld: Fürstin Malys. Ihr Profil ähnelt zwar dem klassischen Archonten, doch bringt sie als epische Heldin einige entscheidende Abweichungen mit. So verfügt sie nicht über das übliche Schattenfeld, sondern lediglich über einen 4+ Rettungswurf, dafür aber über einen erhöhten Missionszielkontrollwert von 2. Besonders stark ist ihre Fähigkeit Vorahnungen, mit der sie vor Beginn der Schlacht drei eigene Einheiten umstellen oder sogar in die strategische Reserve versetzen kann. Hinzu kommt die Sonderregel Messerscharfer Intellekt, die den gegnerischen Spieler zwingt, einen zusätzlichen Befehlspunkt auszugeben, wenn eine Gefechtsoption in 12 Zoll um Malys eingesetzt wird. Abgerundet wird ihr Profil durch Verletzungen ignorieren 5+.

Im Nahkampf verzichtet sie auf Fernkampfwaffen und setzt stattdessen auf die Klinge der Fürstin, eine Waffe mit Durchschlag -3, Schaden 3 und der Sonderregel Verheerende Verwundungen. Allerdings trägt sie auch die Einschränkung Riskant. Ergänzend dazu führt sie einen Fächer, mit dem sie zusätzliche Attacken gegen Infanterie ausführen kann. Wird für Malys ein Schmerzmarker ausgegeben, erhalten ihre Waffen je nach Wahl entweder Trefferhagel 1 oder Tödliche Treffer.

Die Leibwache – Die Hand des Archons.

Beide Figuren zeigen die Eleganz und die Verschlagenheit der Drukhari.
Beide Figuren zeigen die Eleganz und die Verschlagenheit der Drukhari.

Neben Malys bringt das Armeebuch auch eine neue Eliteeinheit ins Spiel: die auserwählten Krieger, auch bekannt als Hand des Archons. Ihr Profil unterscheidet sich von dem der Kabalenkrieger vor allem durch einen geringeren Missionszielkontrollwert, da sie nicht als Linientruppen zählen. Dafür steht ihnen die gesamte Waffenkammer der Kabale offen, was flexible Anpassungen an verschiedene Aufgaben erlaubt. Zudem verfügen sie über die Sonderregel Kundschafter 7 Zoll, die ihnen taktische Vorteile beim Aufstellen verschafft. Anders als normale Kabalenkrieger können sie Missionsziele jedoch nicht dauerhaft halten, wenn sie selbst nicht mehr auf ihnen stehen. Mit der Regel Auf Befehl des Archons können die Auserwählten allerdings in der ersten Schlachtrunde ein Missionsziel bestimmen, das sie stärken: Solange sie in Reichweite bleiben und nicht erschüttert sind, verbessert sich ihr Rettungswurf auf 5+ und ihr Missionszielkontrollwert steigt auf 3. Wird ein Schmerzmarker auf diese Einheit verwendet, erhalten alle ihre Waffen – mit Ausnahme von Schattenpistolen, Schattenkatapulten und Schattenlanzen – die Fähigkeiten Tödliche Treffer und Präzision für die gesamte Phase.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Games Workshop
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Preis:
  • Codex: Drukhari 50,00 EUR
  • Armeebox Realraum-Plünderer 190,00 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, KuTaMi

 

Meister der Verdammnis – Ein Fazit

Der neue Codex der Drukhari präsentiert sich als vielseitiges Werk, das für jede Spielweise ein passendes Kontingent bereithält. Spieler*innen können sich entscheiden, nur eine der drei Fraktionen – Kabale, Hekatarii-Kult oder Haemonculus-Zirkel – ins Feld zu führen, oder eine gemischte Armee aufzustellen, die alle Aspekte miteinander vereint. Besonders hervorzuheben ist die überarbeitete Armeeregel, die stärker als zuvor erfordert, jede einzelne Einheit und ihre Sonderregeln im Detail zu kennen. Doch gerade diese Herausforderung macht den Reiz aus, denn wer die Mechaniken der Armee beherrscht, wird reich belohnt.

Die neuen Modelle sind schön und entsprechen dem Charakter der Drukhari: anmutig, schön und stets in Bewegung für die nächste Gräueltat. Dies spiegelt sich auch im Zusammenbau wider, welcher einfach von der Hand geht.

Weniger erfreulich ist, dass Urien Rakarth nicht aus dem Index in den Codex übernommen wurde – ein Verlust, der gerade Veteranen-Spieler*innen schmerzen dürfte. Ebenso wirft die Kontingentsregel des Kabalenkartells Fragen auf. Falls hier keine Änderung folgt, ist der erhaltene Bonus für die Wahl von Vertragsziel gegen alle feindlichen Einheiten einsetzbar, was einen zu starken Bonus darstellt. Hoffentlich ist dies auf Unsauberkeit in der deutschen Übersetzung zurückzuführen, hier muss Games Workshop rasch für Klarheit sorgen.

  • Schöne, neue Modelle und Einheiten
  • Ausgeglichenes, neues Armeebuch
  • Neue Spielstile und überarbeitete Armeeregel
 

  • Regelungenauigkeiten bei einem Kontingent
  • Urien Rakarth wurde als Einheit entfernt

 

Artikelbilder: © Games Workshop
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Robert Wolfes

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