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Oft geht es in den Artikel über die Spitze des Imperiums um die Engel des Todes, die Space Marines. Doch die wahre Elite sind die Custodes, die Leibwächter des Imperators. Nun hat Games Workshop neue Modelle und Regeln angekündigt. Wir werfen einen Blick auf die Neuheiten.

Der letzte Artikel zu den Custodes liegt bereits etwas länger zurück, genauer gesagt im Juni 2024. Doch Games Workshop bringt regelmäßig neue Inhalte heraus, so auch vor nicht allzu langer Zeit die neue Edition der Horus Heresy, und hat es sich daher nicht nehmen lassen, zu Beginn dieses Jahres neue Figuren anzukündigen. Nun bekommen die Custodes der Horus Heresy Verstärkung – und das nicht nur als Buch, sondern mit einer ganzen Reihe neuer Plastikfiguren. Aus der großen Auswahl an Neuheiten wurde uns die komplette Armeebox zur Verfügung gestellt. Bleibt also die Frage: Lohnt es sich, diese von Hand erschaffenen Krieger der Adeptus Custodes der eigenen Sammlung hinzuzufügen?

Keine Trigger, abseits bekannter Tabletop/Wargaming-Merkmale

Die Streitkräfte des Adeptus Custodes – Der Aufbau des Liber Custodes

Eine schnelle Einführung und nicht stimmige Bilder

Wie die bisherigen Armeebücher der Horus-Heresy-Reihe gliedert sich auch das Liber Custodes in mehrere klar strukturierten Abschnitte: einen kurzen Hintergrundteil beziehungsweise organisatorischen Aufbau der Armee, gefolgt von den Einheitenprofilen, Sonderregeln und Ausrüstung. Auffällig ist dabei vor allem der vergleichsweise kurze Lore-Abschnitt zu Beginn des Bandes. Für die Einführung in die Custodes nimmt sich das Buch lediglich sechs Doppelseiten Zeit, von denen ein großer Teil durch Übersichten und Artworks eingenommen wird. Bereits auf einer der ersten Seiten findet sich eine 3D-modellierte Darstellung eines Sentinel Guard, die im gleichen Stil gehalten ist wie das Frontcover des Buches. Insgesamt finden sich sechs solcher Modellzeichnungen im Band. Leider wirken diese eher deplatziert und transportieren nicht die Atmosphäre, die man aus den üblichen Hintergrundbüchern gewohnt ist. Erst auf den späteren Seiten finden sich wieder Zeichnungen, die stilistisch besser zum gewohnten Erscheinungsbild passen.

Hier zeigt sich die 3D-Optik direkt von Anfang.

Das goldene Heer – Die Regeln für Warhammer 30.000.

Nach der Einführung geht das Armeebuch schnell auf den bekannten Aufbau der Armeeauswahlen ein. Also zuerst die Einheiten mit ihren Werten und danach die Sonderregeln mit dem anschließenden Waffenarsenal. Positiv hervorzuheben ist, dass hier auch noch einmal alle Sonderregeln aufgeführt und erklärt werden, welche diese Armee betreffen. Hier lässt die Nostalgie aus älteren Editionen grüßen. Wer an den großen Bruderkrieg denkt, sieht riesige Handgemenge von Space Marines vor sich, die sich gegenseitig zu vernichten versuchen. Hier werden jedoch die elitäre Ausrüstung und die hervorragenden Werte der Adeptus Custodes dafür sorgen, dass es nicht viele Modelle auf das Schlachtfeld schaffen werden – was sich wiederum sehr gut in den Hintergrund der Armee einfügt. Im Folgenden schauen wir uns daher die Figuren aus der Armeebox etwas genauer an.

Dieses Charaktermodell fordert förmlich das Duell heraus.
Dieses Charaktermodell fordert förmlich das Duell heraus.

Der Shield Captain ist dabei mehr als nur eine solide Grundlage. Bei fast allen Werten ist sein Profil um eins besser als das eines Space Marine Centurion. Damit ist diese vergleichsweise einfache Anführereinheit in nahezu allen Belangen überlegen – was man von einem handgefertigten, genetisch perfektionierten Krieger auch erwarten darf. Mit den Sonderregeln Eternal Warrior und Vanguard 3 ist diese Einheit hervorragend für den Nahkampf gerüstet und eignet sich gut, um feindliche Missionsziele zu erstürmen. Bereits das Eternity Blade ist eine Waffe mit starken Boni und einem Durchschlag von Zwei und damit perfekt dafür, sich nahezu jedem Gegner zu stellen. Hinzu kommen vier weitere Sonderregeln, die den Träger besonders für Duelle und das Ausdünnen größerer Trupps von Space Marines vorbereiten. Vor allem Critical Hit (6+) und Shred (4+) sind hier nicht zu unterschätzen. Das einzige Manko besteht darin, dass sich diese Figur nur in dieser Variante bauen lässt. Es ist also nicht ohne größere Umbauten möglich, das Modell stattdessen mit einem Speer auszurüsten.

Grundsätzlich sind beide Varianten der Custodian Guard-Sodality in ihren Grundwerten identisch, abgesehen vom Rettungswurf. Dieser Unterschied ergibt sich daraus, dass eine der Auswahlen einen Praesidium Shield trägt. Dadurch verfügen diese Modelle über einen Rettungswurf von 5+ statt 6+. Dies führt allerdings auch zu einem möglichen Problem beim Zusammenbau: Mit den enthaltenen Teilen kann lediglich eine Einheit mit Schwert und Schild sowie eine Einheit mit Speeren gebaut werden. Es ist also nicht möglich, zwei identische Einheiten vollständig auszustatten. Beide Einheiten verfügen beispielsweise über die Sonderregeln Vanguard (2) und Lightning Blows. Damit zeichnet sich bereits ab, dass diese Armee eher darauf ausgelegt ist, feindlich gehaltene Missionsziele zu erstürmen, statt lediglich die eigenen zu verteidigen. Dies spiegelt sich auch in den Guardian Spears und Sentinel Warblades wider. Beide Waffenarten verfügen erneut über Shred (5+), wobei die Speere im Nahkampf minimal stärker ausfallen, während bei der Schwert-und-Schild-Variante mehr Wert auf defensive Fähigkeiten gelegt wird.

Sowohl der Contemptor-Achillus Dreadnought als auch der Contemptor-Galatus Dreadnought lassen sich durch den Bausatz gut zusammenbauen. Besonders erwähnenswert ist, dass sich Arme beziehungsweise Hände relativ leicht magnetisieren lassen, wodurch beide Varianten flexibel genutzt werden können. Mit einem Widerstand von sieben und sechs Wunden ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Cybots lange im Kampf bestehen. Was zuvor bereits bei den beiden Varianten der Custodian-Guard-Sodalities deutlich wurde, gilt im Grunde auch hier: Die Speer-Variante des Cybots legt mehr Wert auf offensive Fähigkeiten, was sich in Reichweite und Schadenspotenzial zeigt, während die Schwert-und-Schild-Variante des Galatus stärker auf Defensive ausgelegt ist. Dennoch erfüllen beide Cybots unterschiedliche Rollen auf dem Schlachtfeld. Die Achillus-Variante eignet sich besonders zur Jagd auf stark gepanzerte Ziele oder Fahrzeuge, während der Galatus beispielsweise mit seinem Schwert und der Sonderregel Reaping Blow (3) hervorragend dazu geeignet ist, sich durch gegnerische Infanterie zu kämpfen.

Mit dieser Armeebox lässt sich allerdings nur die Standardvariante des Caladius Grav-tank bauen. Für die Annihilator-Variante fehlen die entsprechenden Bauteile, was etwas schade ist. Wer sich jedoch auf die spielerischen Werte konzentriert, findet hier dennoch ein sehr solides Fahrzeug. Eine Panzerung von 13 an Front und Seite sorgt dafür, dass der Großteil des Beschusses problemlos abgefangen werden kann. Selbst wenn ein Treffer durchkommt, lassen sich kleinere Schäden dank Auto-repair (3+) schnell beheben. Standardmäßig ist das Fahrzeug mit einer Lastrum Bolt Cannon ausgestattet, die einen soliden Schadenswert von zwei aufweist, sowie mit einer Illiatus Accelerator Cannon, die zusätzliche Feuerkraft liefert.

Letztere verfügt über ausreichend Reichweite und kann mit sechs Schuss normale Space Marines ohne große Mühe in Angst und Schrecken versetzen. Darüber hinaus sollte der*die gegnerische Spieler*in genau darauf achten, wo Einheiten aus der Reserve platziert werden. Die Hauptwaffe dieses Panzers verfügt über die Sonderregel Rapid Tracking. Dadurch kann für einen Reaktionspunkt ein Abfangmanöver gestartet werden, sobald eine Sichtlinie auf die entsprechende Einheit gezogen werden kann.

Der schnelle Grav Panzer bringt sich schon in Position.
Der schnelle Grav Panzer bringt sich schon in Position.

Zehntausendjahre eines ewigen Konfliktes – Die neuen Figuren in Warhammer 40.000

Das Gute an dieser Armeebox ist außerdem, dass sie auch für das Spielsystem Warhammer 40.000 relevant ist, da die enthaltenen Modelle dort ebenfalls verwendet werden können. Das ist zunächst sehr zu begrüßen, denn im Hintergrund ist es durchaus plausibel, dass ein Adeptus Custodes eine derart große Zeitspanne zumindest teilweise miterlebt. Allerdings zeigt sich hier auch eine kleine Problematik: Es können jeweils nur sechs Wächtermodelle mit der entsprechenden Bewaffnung gebaut werden. Die möglichen Einheitengrößen liegen jedoch bei vier oder fünf Modellen – nicht bei sechs.

Auch der Shield-Captain besitzt zwar solide Werte für das vorherige Spielsystem, doch wer kompetitiver spielen möchte, würde hier beispielsweise eher zur Kastellanaxt greifen als zur Kombination aus Schwert und Schild. Dennoch bleibt festzuhalten, dass es sehr erfreulich ist, für beide Systeme auf derart hoch detaillierte Miniaturen zurückgreifen zu können.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Games Workshop
    Der komplette Inhalt der Armeebox.
    Der komplette Inhalt der Armeebox.
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Sprache: Deutsch
  • Preis:
  • Liber Custodes 42,00 EUR
  • Legio Custodes Battle Group 206,00 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, KuTaMi

 

Die Meister der Kriegsführung – Ein Fazit

Die Armeebox der Adeptus Custodes überzeugt in erster Linie durch ihre sehr hochwertig gestalteten Miniaturen. Die Modelle sind detailreich und fügen sich stilistisch hervorragend in das bekannte Erscheinungsbild der Custodes ein. Gleichzeitig wird durch ihre starken Profilwerte und ihre elitäre Ausrüstung schnell deutlich, warum diese Armee auf dem Spielfeld meist nur aus wenigen Modellen besteht. Die Custodes sind bewusst als kleine, aber extrem leistungsfähige Streitmacht konzipiert, was sich sowohl im Hintergrund als auch in den Spielregeln widerspiegelt. Diese Einheiten der Armeebox wollen sich auf den Feind zubewegen und diesen von den Missionszielen entfernen.

Ein weiterer positiver Punkt ist die systemübergreifende Nutzbarkeit der Figuren. Die Modelle können sowohl im Setting von Warhammer 30.000 als auch im Spielsystem Warhammer 40.000 eingesetzt werden. Das macht die Box besonders attraktiv für Spieler*innen, die beide Systeme nutzen oder ihre Sammlung flexibel erweitern möchten. Allerdings bringt die Box auch einige kleinere Schwächen mit sich. Die im Buch enthaltenen 3D-Modellbilder wirken stellenweise etwas deplatziert und transportieren nicht ganz die gewohnte Atmosphäre der klassischen Illustrationen. Zudem sind die Bauoptionen der enthaltenen Miniaturen teilweise eingeschränkt. Bestimmte Waffen- oder Ausrüstungsvarianten lassen sich nur begrenzt darstellen.

  • Endlich Regeln für die Custodes der 3. Edition
  • Neue Modelle für beide Spielsysteme nutzbar
  • Hoher Detailgrad der Figuren
 

  • 3D-Bilder im Liber Custodes
  • Einschränkungen beim Bau der Modelle

 

Artikelbilder: © Games Workshop
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat:Rick Davids
Fotografien: Robert Wolfes

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