Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Die meisten Figuren, die im Tabletop eingesetzt werden, stehen auf Bases. Als Base wird die Grundfläche bezeichnet, auf welcher die Figur befestigt wird. Dadurch erhält die Figur die notwendige Standfestigkeit auf dem Spielfeld. Die meisten Figuren würden ohne die Base umkippen.

Doch gehört die Base dadurch zur Figur oder ist sie lediglich ein notwendiges Übel? Fest steht, dass zumindest eine einfache Basegestaltung bei den meisten zur ordentlichen Bemalung der Figur gehört. Auch bei Turnieren, bei denen es eine Bemalpflicht gibt, gehört die Gestaltung der Base dazu.

Unterschiedliche Bases

Je nach Spiel gibt es die Bases in allen möglichen Formen und Größen. Am weitesten verbreitet sind quadratische, rechteckige, sechseckige und runde Bases. Auch beim Material gibt es Unterschiede. Meistens sind sie aus Plastik, aber es gibt sie auch aus Metall oder sogar aus einer Magnet-Plastik-Mischung.

Einige Beispiele für die unterschiedlichen Base-Typen.
Einige Beispiele für die unterschiedlichen Base-Typen.

Weiterhin gibt es bei den Bases einige, die eben abschließen und einige, bei denen der Rand erhöht ist („Lippe“ genannt). Wenn die Base eben abschließt, gibt es sie mit glatter oder mit rauer Oberfläche. Weiterhin kann man die Bases daran unterscheiden, ob sie eine Vertiefung haben, um einen vorgesehenen Teil der Figur zu versenken, oder ob die Figur auf die ebene Oberfläche geklebt wird.

Für Spiele, in denen Flugzeuge, Raumschiffe oder Ähnliches zum Einsatz kommen, werden oft sogenannte Flugbases verwendet. Das sind Bases aus durchsichtigem Plastik, bei denen die Figuren mit dünnen Stäben nach oben versetzt werden, um das Fliegen darzustellen.

Ein Flieger der Chinese Federation aus Dystopian Wars auf Flugbase.
Ein Flieger der Chinese Federation aus Dystopian Wars auf Flugbase.

Regeltechnischer Aspekt

Die verwendeten Bases werden in der Regel vom Spielsystem vorgegeben, da diese oft spieltechnische Auswirkungen haben. Die Auswirkungen kommen meist bei Bewegungen und im Nahkampf zur Geltung.

Bei der Bewegung kann es zum Beispiel entscheidend sein, wie groß die Base ist und ob eine Engstelle passiert werden kann oder nicht. Für den Nahkampf muss in vielen Systemen Basekontakt hergestellt werden. Je nach Base kann Basekontakt aber unterschiedlich definiert werden. Bei runden Bases gibt es da nur die Möglichkeit der einfachen Berührung. Bei einer quadratischen Base kann eine einfache Berührung reichen, manchmal muss aber auch eine Berührung über mehr als 50% der Basekante bestehen, wie zum Beispiel bei Freebooter’s Fate.

Gestaltung der Bases

Ob man für oder gegen die Gestaltung der Base ist, bleibt jedem selber überlassen. Mit wenig Aufwand kann man auf jeden Fall große Effekte erzielen. Die Bases können beklebt, bemalt oder gestaltet werden. Es gibt sogar Figuren, bei denen eine gestaltete Base im Lieferumfang enthalten ist. Ebenso kann man bereits gestaltete Bases erwerben.

Schnell und einfach geht es, wenn man die Base beklebt. Hierfür schmiert man die Base zum Beispiel mit Holzleim ein und gibt dann Sand oder Grasstreu (aus dem Bastelbedarf) darauf. Fertig ist die Base. Ein einfaches Verfahren erzielt sichtbaren Erfolg. Da aber auch einiges daneben krümelt, sollte man hier über einer kleinen Schüssel arbeiten. So kann man das Streugut erneut verwenden und es verursacht deutlich weniger Dreck. Am schwierigsten ist es, darauf zu achten, dass die Figur nicht beklebt wird.

Natürlich gibt es auch andere Materialien, die man aufkleben und kombinieren kann. Gerne werden kleine Steinchen und Samen verwendet.

Eine kleine Truppe vom Wyldfolk aus Godslayer, deren Bases mit Gras beklebt  sind.
Eine kleine Truppe vom Wyldfolk aus Godslayer, deren Bases mit Gras beklebt
sind.

Eine andere Methode ist das Bemalen. Ähnlich wie die Figur selber, bemalt man die Base direkt. Allerdings ist es deutlich schwieriger einen vergleichbaren Effekt zu erzielen. Eine Grundfarbe ist einfach aufgetragen, aber das sieht schnell platt und wie gewollt und nicht gekonnt aus. Für ein ordentliches Ergebnis bedarf es der richtigen Figuren, der richtigen Idee und des Könnens des Malers. Kommen diese Punkte nicht zusammen, sollte man sich für eine andere Art der Basegestaltung entscheiden oder die Base schwarz lassen.

Für die Gestaltung gibt es auch einige spezielle Farben unter anderem von Games Workshop oder Vallejo. Diese Spezialfarben gibt es mit unterschiedlichen Effekten, zum Beispiel Farben, die beim Trocknen rissig werden und wie trockene Erde aussehen.

Eine andere Möglichkeit liegt in der eigenen Gestaltung der Base. Gerne wird zum Beispiel ein gefallener Gegner auf das Base gebracht und die eigentliche Figur steht auf ihrem Opfer. Andererseits kann man auch andere Bits (bislang ungenutzte „Figurenteile“) auf der Base anbringen, um sie lebendiger oder dynamischer zu gestalten. Manchmal modelliert man auch eigene Aspekte selber hinzu. Hier kann man beispielsweise eine Base mit hohem Rand mit Modelliermasse füllen und Steinoptik hinein ritzen, um eine Straße zu simulieren.

Die Einheit von der Reichsarmee aus dem Spiel Schicksalspfade auf einer modellierten Straße aus Sandstein.
Die Einheit von der Reichsarmee aus dem Spiel Schicksalspfade auf einer modellierten Straße aus Sandstein.

Natürlich kann man auch verschiedene der angesprochenen Techniken kombinieren. Beispielsweise kann man die Base mit Steinchen bekleben und mit Farbe bürsten. Anschließend kann punktuell Grasbüschel aufbringen. Mit Bits und kleinen Geländeteilen abgerundet, kann man außergewöhnliche Effekte erzielen. Natürlich kann man umso mehr Techniken nutzen je größer die Base ist.

Ein Beispiel für eine kombinierte Basegestaltung.
Ein Beispiel für eine kombinierte Basegestaltung.

Alternativ kann man sich auch schon fertig modellierte Bases kaufen. Diese gibt es mittlerweile für sehr viele Themengebiete vom Friedhof bis zur futuristischen Alienbase. Sie sind meistens aus Resin und müssen noch selber bemalt werden, was aufgrund des Detailgrades oft im Bereich von mittlerem bis höherem Aufwand liegt.

Meiner Meinung nach sind fertig modellierte Bases eine schöne Alternative, aber ich bevorzuge es bei der Basegestaltung gerade bei Spielen mit vielen Figuren, eine kostengünstigere und einfachere Methode zu wählen. Ganz auf die Gestaltung zu verzichten, kommt für mich aber nicht in Frage.

Alternativ gibt es auch einige wenige Figuren, die ihre eigene bereits gestaltete Base mitbringen. Die Base ist in diesen Fällen individuell auf die Figur angepasst. Löcher, in welche die Figur eingesteckt wird, sind schon vorgegeben. Auch können Mauern, auf denen die Figur hockt oder über die sie springt, zur Kombination aus Base und Figur gehören.

Die Bases der Amazonen aus Freebooter's Fate geben einen Einblick in die Möglichkeiten von mit der Figur gelieferten, bereits gestalteten Bases.]
Die Bases der Amazonen aus Freebooter’s Fate geben einen Einblick in die Möglichkeiten von mit der Figur gelieferten, bereits gestalteten Bases.]

Fazit

Ganz gleich für welche Variante man sich entscheidet, alle haben Vor- und Nachteile. Die einfachste Möglichkeit ist, die Base schwarz zu lassen, allerdings ist das optisch nicht besonders ansprechend.

Die Base mit Sand und Gras zu gestalten bedeutet nur ein wenig mehr Aufwand und der optische Gewinn ist groß. Bemalen ist eher schwierig, viel Aufwand und ein gutes Ergebnis erzielen nur die wirklich Guten.

Darüber hinaus gehende Basegestaltung ist noch etwas aufwendiger. Neben dem Modellieren und Gestalten muss die Base auch angemalt werden. Bereits gestaltete Bases erleichtern hier die Arbeit enorm, da nur noch mit der Farbe gearbeitet werden muss. Aber es bleibt eine Kostenfrage. Wenn die Base modelliert mitgeliefert wird, ist die Entscheidung relativ einfach. Die Base wird genutzt, da die Figur sonst auch nicht richtig steht. Hier kann man weniger seine eigenen Ideen einbringen und wenn, dann ist es mit deutlich mehr Aufwand verbunden.

Die Base einer Figur lässt sich ohne große Schwierigkeiten deutlich von dem schwarzen Plastik abheben. Es ist schade, wenn man drauf verzichtet. Wie viel Arbeit, Zeit und Geld man in die Base investieren möchte, bleibt aber jedem selber überlassen. Auch wenn sich jemand entscheidet, mit schwarzer Base zu spielen, ist das seine Entscheidung und sein gutes Recht.

Diskutiert mit uns und lasst uns Eure Meinung wissen!

Artikelbilder: Fotografien Roger Lewin, Thorsten Dasbach
Abgebildete Miniaturen: Spartan Games, Games Workshop, Ulisses Spiele, Freebooters Miniatures

 

1 Kommentar

  1. Ein Thema, (fast) so alt wie das Tabletop selbst ;)
    Im Großen und Ganzen ist schon alles gesagt, ich möchte aber noch etwas aus meinem Erfahrungsschatz anbringen:
    Viele Spieler mit unbemalten Armeen argumentieren damit das sie nicht gut bemalen können. Heutzutage sollte das mit Dips, Tuschen und der Technik des Trockenbürstens kein allzu großes Problem mehr sein. Was aber kaum jemand bewusst ist, die Base ist ein großer Bestandteil (manchmal sogar der Größte) der Miniatur. Selbst die simpelste Basengestaltung wertet die Miniatur extrem auf.
    Zusätzlich kann man durch über die Basengestaltung einen Zusammenhörigkeitseffekt für die gesamte Armee erzielen. Von „wir laufen alle auf dem selben Untergrund“ bis hin zu Basen die eine Geschichte erzählen gibt es viele mögliche Zwischenschritte.
    Mir ist es schon oft so gegangen das ich auf dem ersten Blick von einer Armee sehr begeistert war, dann aber beim genaueren Betrachten erkannt habe das es kein besonders hoher Malstandard ist. Aber gerade bei Systemen mit großen Einheiten achtet man weniger auf den einzelnen Infantristen im 20-30Block sondern eher auf den Gesamteindruck. Alle Modelle auf einheitlichen Basen, das macht davon mindestens 30-40% aus.
    Wer es nicht glauben mag, soll einfach mal zwei gleiche (oder ähnliche) Modelle bemalen, wenn die fertig sind, ein Modell basen, das andere nicht.
    Dann beide Modelle nebeneinander stellen und betrachten. Ihr werdet überrascht sein ;)

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein