In nur einem halben Jahr bekamen wir 2021 bereits drei Marvel-Filme geboten. Nun folgt mit Spider-Man: No Way Home der von vielen Fans sehnsüchtig erwartete dritte Teil der Spider-Man- Doch was kann der Film wirklich bieten?
Spider-Man: No Way Home ist bereits der vierte Marvel Cinematic Universe-Film, der in diesem Jahr in die internationalen Kinos kommt. Und wohl kaum einer der Filme, die Marvel Studios uns präsentiert hat, wurde so sehnsüchtig erwartet, gab es doch im Vorfeld eine Menge Gerüchte darüber, worum es gehen sollte. Denn die Tatsache, dass es sich um einen Multiverse-Film handeln würde, war wohl eins der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse in der Geschichte von Hollywood.
Doch das brachte eine Menge anderer Fragen mit sich: Welche Figuren aus den anderen Spider-Man-Filmen würden vorkommen? Würde es Überschneidungen mit den animierten Filmen geben? Und stimmten die Gerüchte, dass Tobey McGuire und Andrew Garfield im Film auftauchen würden?
Nun, zu viel wollen wir euch nicht verraten, sehr wohl aber unsere Meinung zu dem Film.
Inhaltsverzeichnis
Story
Dieser Spider-Man-Film setzt dort an, wo der letzte aufhörte: J. Jonah Jameson enthüllt die Identität von Spider-Man als Peter Parker vor der ganzen Welt. Auf einmal wissen alle, wer Spider-Man ist – und viele glauben weiterhin die Version der Mysterio-Geschichte, in der dieser ein Held aus einem anderen Universum war. Entsprechend teilen sich die Meinungen über Peter Parker: Die einen sehen ihn und Spider-Man als Helden an, die anderen als einen gefährlichen Vigilanten. Dies sorgt nicht nur für teilweise gewalttätige Anfeindungen ihm, seiner Familie und seinen Freund*innen gegenüber, sondern auch dafür, dass er, Ned und MJ von sämtlichen Colleges und Universitäten abgelehnt werden.
Verzweifelt über seine Situation begibt sich Peter zu Doctor Strange, in der Hoffnung, dass dieser etwas an seiner Situation ändern kann. Und während der Magier die Vergangenheit nicht länger manipulieren kann, hat er schon eine Idee: Er kann die Welt vergessen lassen, dass Peter Parker Spider-Man ist. Doch der Zauber geht schief und auf einmal tauchen allerhand seltsame Gestalten in New York auf – allesamt auf der Suche nach Spider-Man …
Das war die Geschichte, die man anhand der Trailer erahnen kann – wie es von da aus weitergeht, verraten wir allerdings nicht. Wer sich jetzt denkt: „Das klingt allerdings schon nach einer Menge“, dem*der sei gesagt: Das ist wirklich nur der Anfang des Films. Nicht einmal die Hälfte des ersten Akts.
Genau damit kommen wir zum größten Problem, das dieser Film in Sachen Aufbau hat: Es gibt einen langen und unnötig komplizierten ersten Akt. Es braucht wirklich sehr, sehr lang, ehe der zweite Akt zum Rollen kommt. Zwar dient der erste Akt dazu, dass sowohl Peter, als auch MJ und Ned, weiter als Charaktere ausgebaut werden und das Ende des letzten Films mehr Gravitas bekommt, doch zieht es sich in die Länge. Vor allem gibt es einige Szenen, die in erster Linie als Witze dienen, die zu lang geraten sind und sich dabei oftmals unangenehm und wenig lustig anfühlen.
Prinzipiell ist die Struktur des Films etwas unausgeglichen. Das Gewicht zwischen den drei Akten stimmt nicht so ganz – vor allem nicht, weil der dritte Akt in erster Linie aus einer einzigen Action-Szene besteht. Ironischerweise ist der Film in der Hinsicht dem zweiten Venom-Film nicht unähnlich: Was dort der zweite Akt zu wenig hat, fehlt hier am dritten.
Außerdem gibt es noch ein anderes Problem in der Art, wie der Film seine Geschichte erzählt. Darauf können wir jedoch nicht eingehen, ohne große Teile des zweiten Akts zu verraten. Daher geht es weiter im Spoiler.
Wie es die Gerüchteküche schon lange verraten hat: In dem Film kollabieren die Universen aller drei Spider-Man-Filmreihen (die aktuelle, die Amazing Spider-Man-Duologie, sowie die Trilogie mit Tobey Maguire) und Tom Hollands Spider-Man sieht sich Green Goblin, Doctor Octopus, Sandman, the Lizard und Electro gegenüber. Dabei wird Spider-Man/Peter relativ bald klar, dass diese Bösewichte jeweils vom Moment kurz vor ihrem Tod in den jeweiligen Filmen in sein Universum gebracht wurden. Er setzt es sich daher in den Kopf, sie zu retten, indem er die Ursachen für ihre Psychosen, und der damit einhergehenden Verwandlung zum Bösewicht, heilt.
Und das gelingt … Überraschend leicht. Innerhalb von kürzester Zeit hat er Otto Octavius geheilt. Zwar kommt es danach zu einigen Problemen, doch mit der Hilfe der anderen beiden Peter Parkers, die aus ihren jeweiligen Universen da sind, schafft er es, im Schullabor seiner Schule innerhalb von ein paar Stunden Heilungen herzustellen. Das fühlte sich sehr aus der Luft gegriffen an, bedenkt man, was in den etwaigen Filmen zum Teil alles versucht wurde, um diese Bösewichte zu retten! Vor allem im Zusammenhang damit, dass sie alle „Zutaten“ vermeintlich in einem Schullabor finden können.
Allgemein kommt leider häufig das Gefühl auf, der Film wolle mit viel, viel Fanservice über einige Schwächen hinwegtäuschen.
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Figuren & Darsteller*innen
Tom Holland sagte selbst in Interviews, dass es ihm etwas schwerer als sonst gefallen ist, wieder in den Charakter von Peter Parker hereinzukommen, nachdem er nun in mehreren Filmen deutlich ältere Figuren gespielt hat. Das ist etwas, das in diesem Film sehr durchscheint. Während Zendaya und Jacob Batalon durchaus noch überzeugende Schüler abgeben, wirkt Tom Holland wie das, was er ist: Ein Mitte-20er, der versucht, einen Teenager zu spielen. Das kann in einigen Szenen wirklich herausreißen, selbst wenn es fraglos dem Umstand geschuldet ist, dass für die Figuren – dank dem Blip – weniger Zeit vergangen ist, als für die Schauspieler*innen.
Vom Drehbuch wird Peter in diesem Film allerdings deutlich mehr Entwicklung gewährt, als im zweiten Film, der sich im Nachhinein vor allem wie ein Vorgeplänkel für diesen Film anfühlt. Er hat einen deutlichen Charakterbogen – selbst wenn das Ende etwas forciert daher kommt.
Genau so sollte man an dieser Stelle loben, dass MJ, Ned und auch Tante May mehr Charakterentwicklung und einige Szenen mehr haben, in denen sie Dinge zu tun bekommen. Das wirkt sich absolut positiv auf den Film aus, selbst wenn keine*r von ihnen auch nur annähernd die Charakterentwicklung bekommt, die Peter in diesem Film kriegt. Natürlich, mag man nun sagen, ist Peter die Hauptfigur, doch kommen dadurch einige Entscheidungen der Figuren sehr plötzlich.
Und natürlich ist da noch Doctor Strange, der die Handlung des Films überhaupt erst richtig ins Rollen bringt. Dieser ist wie immer sehr charmant und treffend von Benedict Cumberbatch gespielt, wieder mit Unterstützung von Benedict Wong, der seinen eigenen Namensvetter spielt.
Andrew Garfield und Tobey Maguire sind natürlich sehr vertraute Gesichter als Spider-Man und Spider-Man. Es fällt allerdings auf, dass Garfield sich seit seiner Performance als Peter Parker deutlich weiter entwickelt hat als Schauspieler, selbst wenn ihm wenig Möglichkeit geboten wird, davon viel zu zeigen.
Was die Bösewichte angeht, haben wir sehr vertraute Darstellungen. Willam Dafoe ist als Norman Osborne natürlich ikonisch und kann dies auch in diesem Film halbwegs zeigen – nur, dass ihm die Technologie teilweise im Weg steht. Genau so sehen wir Alfred Molina als einen sehr nuancierten Doc Octopus.
Sehr überraschend ist Jamie Foxx als Electro – vor allem dadurch, dass er den Charakter komplett anders spielt als in Amazing Spider-Man 2. Deutlich nuancierter.
Inszenierung
Über die Inszenierung in Marvel-Filmen zu sprechen, ist mit der Zeit sehr eintönig. Marvel Studios ist eine gut geölte Maschine, die regelmäßig in Sachen visueller Qualität zumindest solide Filme hervorbringt. Genau ist es auch hier zum großen Teil: Der Film ist solide. Nicht herausragend, nicht Marvels beste Arbeit, aber solide.
Ja, hier und da fällt doch ins Auge, dass die Hintergründe komplett digital wirken. Ab und an wirkt so ein Spider-Man ein wenig zu schwerelos. Auch mag die Kameraführung gerade in den Dialogszenen sehr uninspiriert sein. Doch alles ist in dem Rahmen, wie man es von einem Marvel-Film mittlerweile erwartet. Nicht besser, aber auch nicht wirklich schlechter.
Nur eine Sache gibt es bezüglich digitaler Effekte zu kritisieren: Der Film benutzt bei mehreren Filmen „Digital De-Aging“, sprich, die Figuren wurden digital jünger gemacht. Dies ist leider in einigen Fällen nicht wirklich gelungen und sorgt dafür, dass in diesen Fällen die Gesichter wie Masken wirken, die vor den Köpfen der Figuren schweben.
Musikalisch ist der Film ebenfalls sehr solide. Michael Giacchino, der auch in den vergangenen beiden Spider-Man Filmen für den Soundtrack verantwortlich war, versteht es, die Emotionen der Figuren zu untermalen, aber auch Hommagen zu anderen Filmen an den richtigen Stellen einzubringen.
- Regie: John Watts
- Darsteller*in(nen): Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon, Benedict Cumberbatch et al
- Erscheinungsjahr: 2021
- Sprache: Englisch (OV)
- Format: Film
- Preis: Preis der örtlichen Kinokasse
- Bezugsquelle: Kino
Fazit
Letzten Endes ist Spider-Man: No Way Home ein schwer zu bewertender Film. Es steht außer Frage, dass der Film Fans sowohl vom MCU-Spider-Man als auch von Spider-Man allgemein viel Spaß machen wird. Es gibt einen großen Nostalgie-Faktor in diesem Film, was viele Fans überzeugen wird können. Denn sehen wir es, wie es ist: Nur die wenigsten schauen sich die Marvel Studios-Filme für ihre großartigen Geschichten und introspektiven Figuren an.
Dennoch ist es genau der Bereich, in dem der Film schwächelt – auch stärker schwächelt, als es Filme im Franchise üblicherweise tun. Die Struktur des Films ist nicht besonders gut, vor allem durch einen langen und sehr vollen ersten Akt und der Tatsache, dass der Film letzten Endes mit sehr vielen Figuren jongliert und damit heillos überfordert ist. Auch wenn die Handlung in ihrer Moral fraglos das Herz am richtigen Fleck hat, so ist der zentrale Konflikt zu komplex, die Lösung am Ende zu einfach, als dass sich der Abschluss verdient anfühlt.
Und während die Inszenierung allgemein recht solide ist, sind es vor allem die Effekte, die für das Digital De-Aging einiger Figuren benutzt wurden, die Gesichter wie Masken wirken lässt und somit durchs Uncanny Valley führt.
Das sind Schwächen, über die in unseren Augen auch der Fanservice hinwegtäuschen kann. Deswegen kriegt der Film nur eine mittelmäßige Bewertung. Dies soll allerdings auf keinen Fall Fans von Spider-Man davon abhalten, den Film im Kino zu sehen.

- Großer Nostalgie-Faktor
- Guter Soundtrack
- Gut inszenierte Action
- Schlecht strukturiert
- An einigen Stellen Deus Ex Machina
- Digital De-Aging führt zu Uncanny Valley
Artikelbilder: © Sony Entertainment © Columbia Pictures
Layout und Satz: Roger Lewin
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.



















