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Genre-Frischzellenkur aus Deutschland! Mit Songs of Silence will ein Münchner Studio der traditionsreichen Heldentaktik zu neuen Ideen und Höhenflügen verhelfen. Dafür setzen die Entwickler*innen von Chimera Entertainment auf eine etablierte Spielmechanik der letzten Jahre und einen fantastischen Artstyle. Kann das bereits im Early Access erfolgreich aufgehen?

Zum Einstieg klingt vieles bekannt: Ein Königreich wird von einer externen Macht, in diesem Falle der namensgebenden „Stille“, bedroht und in Folge ringen verschiedene Völker und Fraktionen darum, sich dieser Bedrohung entgegenzustemmen. Dafür gilt es, die Geschicke des eigenen Heeres plus Anführer*in zu lenken. Chimera Entertainment hat bisher größtenteils mit Mobile Games wie X-Com Legends Erfolge feiern können. Songs of Silence ist der erste größere Titel, der dank einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne den Entwicklungsstart und nun die Ankunft im Early Access feiern durfte. Neben bewährten Stärken des Genres soll das Aufgreifen von populären Spielelementen der letzten Jahre zu einer neuen, gelungenen Mischung beitragen, um Spieletradition erfolgreich mit modernen Spielegepflogenheiten zu verbandeln – ein Versuch, der mehr als aufgehen kann, wie gerade erst das großartige Against the Storm bewiesen hat.

Triggerwarnungen

Keine

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Alt trifft neu – Rundenstrategie trifft Auto-Battler

Dass die Münchner*innen Fans der Strategie-Historie sind, zeigt sich schon beim groben Umreißen von Songs of Silence. In bester Tradition der Heroes of Might & Magic-Serie schiebt ihr euren Held*innentrupp rundenweise über die Weltkarte. Es gilt Städte zu belagern, Ressourcenlager zu erobern, neutrale Wegelagerer*innen zu vertreiben und der Landschaft ihre Geheimnisse zu entlocken. In eroberten Städten rekrutiert ihr Truppennachschub, je nach Beschaffenheit und Ausbaustufe fällt die Mannschaftsauswahl unterschiedlich aus. Dank aufgerüsteter Kaserne kann kräftige Kavallerie für die nächste Keilerei angefordert werden, während ein eroberter Tempelorden euch Mönche anheuern lässt, die himmlische Diener für die nächste Schlacht beschwören. Alles natürlich das entsprechende Gold und Holz vorausgesetzt. Genre-Vetran*innen der ersten Stunde dürften beim Lesen dieser Zeilen gehörige Flashbacks zu Heroes of Might & Magic III bekommen und das nicht von ungefähr.

Aller Anfang ist bekannt und (noch) nicht allzu schwer

Erste Neuerung allerdings: Songs of Silence stützt sich auf einen simplen Deckbuilding-Mechanismus, um das eigene Reich zu managen. Statt lediglich aktionsgebunden Entscheidungen für euer Reich zu treffen, verschaffen euch Entdeckungen und Entwicklungen Zugriff auf unterschiedliche Handkarten. Diese könnt ihr auf eine Lokalität spielen, um den gewünschten Effekt auszulösen. Prosperiert euer Reich wird so beispielsweise alle paar Runden eurer Hand eine Upgrade-Karten hinzugefügt. Diese muss nicht zwingend der Hauptstadt zugutekommen, stattdessen kann auch der nahe Tempel erweitert werden, um die Produktion an Glaubenspunkten anzuregen. Oder das Upgrade wandert zu einem nahen Druidenhain, welcher euch fortan mächtige Treants für die eigene Armee anpflanzen lässt. Auch wenn dies in der aktuellen Fassung noch etwas grob daherkommt, da die Kartenauswahl übersichtlich ausfällt, erweitert diese Komponenten die taktischen Möglichkeiten. Denn die mächtigen Karten können nur von Anführer*innen gespielt werden, die sich auch in passender Reichweite befinden.

Die Jugendstil-Illustrationen sind eine wirkliche Augenweide

Der zweiten großen Neuerung begegnen Spielende, wenn sie das erste Mal auf eine feindliche Armee treffen und zum Kampfbildschirm wechseln. Denn statt auch hier rundenweise Einheiten zu verschieben und Angriffe zu befehlen, gehen die Meuten in Songs of Silence völlig selbstständig aufeinander los. Wie in einem Mechabellum stehen sich die Heere gegenüber und agieren auf das Rundenstartsignal hin völlig eigenständig. Eure Tempelritter beschwören Lichtwesen, die an ihrer statt in den Kampf ziehen und Belagerungskatapulte feuern aus den hintersten Linien ins Gefecht. Eure Held*inneneinheit ist ebenfalls als mächtige Einzelfigur vertreten und mischt ordentlich mit. Lenkend Eingreifen lässt sich in das Schlachtenglück auch hier per Aktionskarten. Mit dem Ausspielen markiert man beispielsweise ein Ziel für den mächtigen Sturmangriff gepanzerter Kavallerie oder heilt die eigenen Einheiten im Zielradius. Die Karten sind von Stufe und Einheitengattung der mitgebrachten Truppen abhängig und stehen nach kurzem Cooldown erneut zur Verfügung.

Da gehen noch einige Runden ins Land. Hoffentlich.

Mit diesem Gerüst zeigt Songs of Silence eine schöne, einheitliche Vision und Stoßrichtung, in welche der Titel zielen möchte, und eine willkommene Nische zum Ausfüllen. Die Mischung aus Rundenstrategie mit automatischen Kämpfen zeigt eine entspannte Alternative auf, die Spieler*innen weniger Entscheidungen im Sekundentakt abverlangt und so den Fokus auf die Entscheidungen in der Königreichsverwaltung legen kann. Gerade im Vergleich zu einem getreuen Genre-Erben wie dem Namensvetter Songs of Conquest zielt dieser 4X-Stratege auf noch ungenutztes Potenzial ab.

Klar ist allerdings nach nur wenigen Spielstunden, dass Songs of Silence noch viele Meter vor sich hat auf dem Weg zur Indie-Strategieperle. Der Early Access ist wörtlich zu nehmen. Sowohl bei Inhalt als auch Balance steckt der Titel noch in den Kinderschuhen. Es fehlt noch an Kartenauswahl, um die taktischen Tiefen des Kartenmanagements zu ergründen, stattdessen sind die Einsatzmöglichkeiten für das eigene Königreich meist sehr offensichtlich. Gleiches gilt für die automatischen Kämpfe, hier gibt es für Spielende noch wenig Möglichkeiten zur Beeinflussung des Ergebnisses. Die Cooldowns der einzelnen Karten sind recht lang, meist können diese nur ein- bis zweimal eingesetzt werden, bevor die Schlacht entschieden wurde. Auch in Sachen Aufstellung gibt es hier wenig zu entscheiden, da der Kampfausgang innerhalb eines Scharmützels entschieden wird. Ein Mechabellum punktet hier, indem nach jeder Auseinandersetzung neue Auswahl- und Platzierungsmöglichkeiten hinzukommen, um die Strategie des Gegners zu kontern. Songs of Silence kann hier über Karten und Einheitenvielfalt langfristig viel gewinnen, um zu motivieren. Auch, dass zwischen den Schlachten Einheiten in die Reserve verschoben oder aus dieser berufen werden können, um frisches Kämpfer*innenmaterial an die Front zu werfen, könnte langfristig motivieren. Zum aktuellen Zeitpunkt wird dies allerdings nur angedeutet.

Den Schlachten fehlt es zu diesem Zeitpunkt noch etwas an Schwung und Sound

Auch fehlt es den Kämpfen in diesem Stadium noch am nötigen Lärm. Die zweckmäßige Grafik wäre vertretbar, die Kämpfe vermitteln aber weder optisch noch akustisch wirkliches Schlachtgefühl. Wenn schwer gepanzerte Elitekavallerie dank Sturmangriffskarte in die gegnerischen Reihen prescht, muss es hier scheppern, Feinde durch die Luft werfen und in den Ohren wummern. Stattdessen rennen die Horden wenig spektakulär dünnhäutig durcheinander.

Stilsichere Stille

Wo der 4X-Titel dagegen heute schon punktet, ist eine optische Aufmachung, die sich sehen lassen kann. Die Rede ist dabei von dem gemäldegleichen Jugendstil-Artwork, welches sich durch alle Spielebenen zieht. Die farbenstarken, oft floralen Zeichnungen erwecken ein Sehvergnügen als hätte man Zeichnungen Alfons Muchas auf die Figurendarstellung eines Hades treffen lassen, um der Spielwelt Leben einzuhauchen. Die Illustrationen sind kein Selbstzweck, sondern beleben die Spielwelt auf allen Ebenen, vom Charakterbild in den Dialogsequenzen bis hin zum Karten-Artwork auf dem Schlachtfeld. Besonders die Detailbildschirme der einzelnen Städte und Lokalstätten sind großzügig bebildert. Dank dieser optischen Highlights gelingt es Songs of Silence von der eher bedarfsgerechten Geschichte um Licht und Schatten sowie die namensgebende „Stille“, die das Reich überzieht, gekonnt abzulenken. Alleinstehend ist diese wenig interessant, die drei Fraktionen aus Lichtgestalten, feurigen Kreuzrittern und grünen Baumschmusern profitieren ebenfalls von den belebenden Bildern. In der Masse an herausragenden Fantasy-Taktikspielen, die inzwischen die Spielelandschaft bewandern, haben die Köpfe hinter Chimera Entertainment mit dieser Entscheidung (und dem dazu gehörigen Illustratorentalent) jetzt schon eine ansehnliche Kerbe für ihr Spiel herausgeschlagen.

Die harten Fakten:

  • Entwicklerstudio: Chimera Entertainment
  • Publisher: Chimera Entertainment
  • Plattform: PC
  • Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Japanisch, Polnisch, Portugiesisch Chinesisch, Russisch, Koreanisch
  • Mindestanforderungen:
    • Setzt 64-Bit-Prozessor und -Betriebssystem voraus
    • Betriebssystem *: 64-bit Windows 7 oder neuer
    • Prozessor: Intel® Core™ i5-8400T CPU @ 1.70GHz
    • Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
    • Grafik: NVIDIA GTX 1050
    • DirectX: Version 10
    • Speicherplatz: 5 GB verfügbarer Speicherplatz
  • Genre: Strategie
  • Releasedatum: 04. Juni 2024
  • Spielstunden: 12
  • Spieler*innen-Anzahl: 1
  • Altersfreigabe: USK 12
  • Preis: 39,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, idealo, MMOGA

 

Fazit

Zum Ende dieses „Angespielt“ ist ein vorläufiges Fazit nur schwer zu fassen. Songs of Silence lockt mit einer tollen Optik und einer innovativen Frischzellenkur für die Fantasy-Taktik, der sich neugierige Augen nur schwer entziehen können. Zu Beginn können auch die zweckmäßige Grafik und die unoriginelle Story nicht davon abhalten, mit Neugierde die Welt zu erkunden, neue Schauplätze sowie Einheiten zu entdecken und erste Schlachten zu schlagen.

Das Potenzial zu einem Glanzstück für ein frisches Subgenre zeigt sich zu Genüge, ebenso aber die Grenzen, welche der aktuelle Early Access noch zieht. Der Taktik fehlt es noch an Tiefe, dem Deckbuilding noch an Kartenauswahl, den automatischen Kämpfen noch an interessanten Entscheidungspunkten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Entscheidung für Songs of Silence somit ein klares Bekenntnis dazu einen innovativen, selbstbewussten Titel auf seiner Entwicklungsreise zu begleiten und dies über einen noch längeren Zeitraum. Es ist dagegen kein Erwerben eines fertigen, ausgereiften Titels, der dutzende Spielstunden garantieren kann. Welchen Preis man dafür veranschlagen kann und will muss hier jede*r für sich selbst entscheiden.

  • Fantastische illustriert
  • Frische Mischung aus Deckbuilding und Auto-Battler
 

  • Noch wenig Inhalt und Wiederspielwert
  • Grafik und Sound noch etwas zu dünn

 

Artikelbilder: © Chimera Entertainment
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Maximilian Düngen

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