Vier neue Stars betreten das Spielfeld – und bringen frischen Wind in die Blood Bowl Arena. Ob Rowana Forestfoot mit Gnomenflair glänzt, Anqi Panqi Echsenpower entfesselt, Rashnak Backstabber hinterlistig punktet oder Guffle einfach alles und jeden platt walzt – wir haben sie alle getestet. Wer überzeugt wirklich?
Während der Brettspielklassiker Blood Bowl (immerhin erschien die erste Edition von Jervis Johnson bereits 1986) an sich schon zu den eher komplexeren Brettspielen zählt, bringen die besonderen Individuen, welche Starspieler*innen genannt werden, noch eine besondere Ebene auf den blutigen Rasen. Als optionale Ergänzung bieten sie entweder interessante Charaktere, spannende Eigenschaften oder eine fiese Überraschungen für die gegnerischen Spielenden. Idealerweise alles gleichzeitig. In diesem Artikel widmen wir uns vier dieser besonderen Individuen: Rowana Forestfoot, eine Gnomin, die einen Hirsch reitet und mit dessen unglaublicher Sprungkraft aufwartet. Anqi Panqi, ein Blocker der geheimnisvollen Echsenmenschen. Guffle Pusmaw, mehr Maul als Mann. Und schließlich Rashnak Backstabber, ein Hobgoblin unter Hogbgoblins.
Fantasy-Gewalt, Body-Horror
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Dass Blood Bowl ein Spielklassiker ist, wurde ja bereits erwähnt. Das solide Grundgerüst hat sich immer wieder an die Bedürfnisse eines halbwegs ausgewogenen Spiels angepasst, sich aber niemals so weit verändert, dass man es nicht wiedererkennen würde, wenn man Jahre später wieder einsteigt.
In einer Parodie beziehungsweise liebevollen Hommage an American Football, vor dem (losen) Hintergrund der Welt von Warhammer Fantasy prügeln, laufen, foulen und passen (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge) eine Gruppe von mindestens drei und maximal elf Halbirren mit- und aufeinander ein, um einen Ball in die gegnerische Endzone zu bekommen. Wer dies am häufigsten schafft, gewinnt das Spiel (mit den meisten Verletzten auf der gegnerischen Seite als wichtige B-Wertung). Dank der großen Vielfalt an Völkern aus der Welt von Warhammer Fantasy ist für alle Coaches etwas dabei – während die Elfen eher das Passspiel bevorzugen, hauen die Orks wie auf dem Schlachtfeld auf ihre Gegner*innen. Und die Halblinge… sind dazwischen. Dank dieser Vielzahl an Mannschaften und der Möglichkeit, seine Mannschaft in einem fortdauernden Turnier wachsen zu sehen, ist der Wiederspielwert trotz des eingeschränkten Szenarios und der simplen Grundregeln enorm hoch. Man sollte halt immer darauf vorbereitet sein, dass ein schlechter Würfelwurf das Spiel in jede Richtung drehen kann – der Glücksfaktor lässt sich zwar durch gutes Spiel etwas verringern, aber er bleibt in jedem Fall hoch.
Ausstattung
Die Miniaturen kommen in eng verpackten Blistern, welche nicht ganz leicht zu öffnen sind. Zumindest hatte ich beim Öffnen mit Taschenmesser und Schere das Problem, die beigelegten, eng an das Plastik geschmiegten Regelkarten für die Spieler*innen herauszulösen, ohne sie zu beschädigen. Etwas kleinere, dafür aus stärkerem Papier gefertigte Karten wären hier toll gewesen. Aber gut, das mag hauptsächlich am eigenen Ungeschick liegen.
Neben den eigentlichen Regeln (schließlich haben alle Starspieler*innen eine kleine Besonderheit, welche näher erläutert werden muss) finden sich auf den Karten auch die Anleitungen zum Zusammenbau der Miniaturen. Außer bei Rashnak Backstabber, was aber nicht allzu schlimm ist, schließlich ist bei ihm sehr leicht zu erkennen, was wohin gehört. Die Karten sind umklappbar, sodass nur die relevanten Spieldaten samt Portrait vorne und die Fluff-Spieldaten (Alter, erzielte Touchdowns, Anzahl der verspeisten Goblins…) samt der Bauanleitung hinten sind. Die Boxart und die Gesundheitswarnung (mehr dazu später) können damit versteckt werden.
Zusammenbau

Neue Figuren zusammenzubasteln ist immer eine reine Freude. Und hier verhält es sich absolut nicht anders. Passend zu ihrem vorgestellten Charakter sind die Modelle von recht einfach bis überaus komplex zusammenzubauen. Während Guffle Pusmaw ein einfacher Fänger ist (immerhin begnügt er sich mit sechs Teilen, aus denen er zusammengebaut wird) und bei Rashnak Backstabber auch nur die Hände und der Kopf an den Körper appliziert werden müssen, wird es bei Rowana Forestfoot und Anqi Panqi schon bedeutend komplexer im Zusammenbau.
Die beiden Modelle sind dabei nicht nur wegen der größeren Anzahl an Einzelteilen herausfordernder, die eine höhere Anzahl an zu entfernenden Gussgraten mit sich bringen. Dank ihrer besonders filigranen Einzelteile sind sie eine Aufgabe für fortgeschrittene Bastler*innen. Schließlich gilt es, die beiden Geweihstränge des Hirsches einzeln anzubringen, mit jeweils einer Taube drauf und extrem engen Klebestellen (immerhin wurde dabei auch die alte Frage geklärt, wie viele Tauben ein einzelnes Games Workshop-Modell tragen kann. Mal eine Abwechslung zum Schädelzählen). Bei Anqi Panqi hingegen gilt es, etliche Zwischensegmente aus den zu erhaltenden Teilen des Modells herauszutrennen, um seinen Schmuck gebührend zur Geltung zu bringen.
Grundsätzlich sind alle Modelle mit Geduld und Sorgfalt zusammenbaubar. Bei Rashnak Backstabber und Guffle Pusmaw wären mir keine Gussgrate oder Lücken aufgefallen, die man schließen muss. Bei Rowana Forestfoot werde ich noch die Geweihansätze und den Po des Hirsches mit etwas Liquid Green Stuff bearbeiten müssen, damit die Übergänge schön glatt sind.
Bei Anqi Panqi hatte ich Probleme, seine Schädelplatte schön passend an den Kopf anzuschmiegen (eventuell habe ich zu viel Milliput als Klebeverstärkung benutzt, war zu ungeschickt oder das Modell wurde etwas verzogen gegossen – vermutlich eine Kombination aus den beiden ersten Gründen). Bei seinem Kiefer und dem Übergang des Halses zum Körper werde ich jedenfalls noch etwas „nachglätten“ müssen.
In Summe muss aber gesagt werden, dass der Detailgrad, die Passgenauigkeit und die Freude am Zusammenbau definitiv groß waren.
Die Starspieler
Rowana Forestfoot ist eine Beastmasterin der Gnome, die auf ihrem Hirsch aufs Feld reitet. Eine eigentlich friedliche und taubenliebe Gesellin, bietet sie auf den zweiten Blick wesentlich mehr für das Team der Gnome.

Mit der Kombination ihrer Fertigkeiten Dodge, Dump-off, Guard, Horns, Jump Up, Leap und Loner (4+) und ihrer recht eindrucksvollen Attributswerte stellt sich die Frage, für welchen Einsatz diese Dame nicht geeignet ist. Den Ball aufheben und Richtung Endzone laufen? Einem Gegner den Ball entreißen und aus einer gefährlichen Situation hüpfen? In eine enge Lücke hinein springen und damit die gesamte Kampflinie der Gnome um einen weiteren Unterstützer verstärken, vollkommen egal, welche Tacklezonen gerade aktiv sind?
Rowana ist wohl eine der vielseitigsten Spieler*innen, die ich auf dem Feld gesehen habe. Der Umgang mit dem Ball ist hier ebenso möglich wie eine Unterstützung im Kampf. Oder auch ein eigenständiger Angriff: Die Gnomin erreicht im Angriff potentiell eine Stärke von 4 und ist damit einem Saurus ebenbürtig! Und einmal pro Spiel darf sie alle negativen Modifikationen bei einem Sprung ignorieren, muss das aber vorher ansagen. Keine Leerstelle ist vor diesem Gnom sicher!
Obwohl Rowana so teuer ist wie ein Baummensch und ein Gnom zusammen, fällt es mir schwer, eine Situation zu finden, in der man sie nicht gerne auf dem Spielfeld haben möchte. Noch dazu passt sie mit ihrem Hirsch mehr als gut in das tierzentrierte Team.
Und wenn wir schon von Saurus gesprochen haben…

Anqi Panqi ist eine Tempelwache, wie sie im Buche (oder eher auf den goldenen Tafeln der Alten) steht. Bedrohlich in der „Anpfiff!“-Pose, mit der linken Hand auf einem Schädel ruhend, verkörpert Anqi Panqi die Essenz der Saurus auf dem Spielfeld: Dran, Drauf, Drüber! Dieser Blocker bringt die Fertigkeiten Block, Grab, Loner (4+) und Stand Firm mit sich und kann einmal pro Spiel bestimmen, alle seine geworfenen Blockwürfel einmal zu wiederholen. Zusammen mit Stand Firm und dem spannenden einen Punkt mehr Bewegung als seine Saurusbrüder zu haben, hält er ein umkämpftes Zentrum. Und das sollte er auch, kostet er doch mehr als doppelt so viel wie ein Saurus.
Anqi Panqi scheint mehr etwas für Liebhaber zu sein, die seine bedrohliche Pose schätzen. Er sieht auch sehr gut aus, aber ob seine Fertigkeiten gleich 190.000 Goldstücke wert sind, erscheint doch eher zweifelhaft. Und leider hat er nicht die Fertigkeit Horns mitbekommen. Angesichts seines einer echten Tempelwache angemessenen Helms ist das doch sehr schade.
Guffle Pusmaw verdankt seine aktuelle Position als Fänger – sieht man doch an seinem gewaltigen, aus dem Bauch wachsenden Maul – einem tragischen Versehen: Man wechselt schließlich sein Trikot nach dem Spiel schlicht nicht mit einem Spieler, der Nurgle huldigt! Zumindest haben die furchtbaren Veränderungen, die sein Körper durchmachen musste, nicht seine Liebe zum Spiel unterbrochen. Schließlich liebt auch Großväterchen Nurgle all seine Kinder.

Regeltechnisch haben sich die Designer hier an die Bloater aus dem Nurgleteam gehalten, also ein von Nurgles Seuchen zerfressener Chaoskrieger. Das ist auch in Ordnung, allerdings haben sich einige Unterschiede eingeschlichen. Wie der zuvor erwähnte Anqi Panqi, hat Guffle eine Bewegung mehr als seine Entsprechungen aus dem Grundkader. Im Gegensatz zu den Bloatern hat er jedoch keine Disturbing Presence und Regeneration, dafür aber bereits die Mutation Monstrous Mouth sowie die Fertigkeiten Nerves of Steel und On the Ball.
Überdies darf Guffles Maul einmal pro Spiel (danach ist es offenbar satt) einen benachbarten Spieler, der gerade den Ball fängt, beißen und somit einen Rüstungs- und eventuell Verletzungswurf verursachen. Bei einem Durchbruch der Rüstung schnappt sich Guffle den Ball. Man merkt schon, dass man hier einen Mann des Pass- und Laufspiels vor sich hat, passend zu einem Fänger mit Vorliebe für Manndeckung.
Mit Agility 4+ ist natürlich jedes andere Ballspiel eher eine Sache des Glaubens als eine praktikable Taktik (nicht umsonst sind die Rotters einem Gott geweiht). Noch dazu schlägt Guffle mit 180.000 Goldstücken Kosten heftig zu Buche, vor allem für ein Starterteam. Für ihn sprechen allerdings sein gewinnendes Äußeres sowie die Tatsache, dass sein offenes Maul einfach für Nurgle steht. Und wer weiß… vielleicht schnappt sein Maul doch das eine oder andere Mal den Ball?
Rashnak Backstabber ist ein echter Veteran des Spiels und die einzige der hier vorgestellten Persönlichkeiten, die schon im Living Rulebook 5.0 vorkam (das war Ende der Nuller Jahre aktuell). Eine wunderschöne Ergänzung zu jeder Mannschaft der Chaoszwerge, ist er eine spezialisierte Version der Sneaky Stabba, welche mit ihren Dolchen den Gegner bearbeiten wollen.

Als Connoisseur der Gifte darf er sich einmal pro Spiel und nach dem erfolgreichen Durchbrechen der Rüstung eines Gegners durch die Aktion Stab dazu entscheiden, auf den Verletzungswurf eine 1 zu addieren. Das kann durchaus den Unterschied ausmachen zwischen einem Gegner, der den Chaoszwergen noch weiterhin Kopfweh bereitet, und einem Gegner, der nie wieder jemandem in die Quere kommt. Leider muss Rashnak dazu die Rüstung zuerst durchbrochen haben, bevor das Gift wirken kann.
Seine weiteren Fertigkeiten als Sneaky Stabba sind ebenfalls nicht zu verachten. Leider ist auch er ein Loner (4+). Dazu erhält er ergänzend zu den normalen Fertigkeiten seiner Position auch noch die Fertigkeiten Sidestep und Sneaky Git, beides sehr wertvoll, um ihn zu schützen beziehungsweise das ein oder andere Foul mehr als sonst zu wagen. Und wenn auch nur ein Foul durchgeht, sind seine Kosten von 130.000 Goldstücken (grad einmal etwas weniger als zwei Sneaky Stabba) schon wieder hereingeholt. Vor allem in Ligen äußerst gemein.
Natürlich wird Rashnak deswegen auch gerne das Ziel gegnerischer Aufmerksamkeit werden, hat er mit Rüstung 8+ doch gerade einmal das Äquivalent eines frisch gestärkten Bademantels an. Dennoch – wer eine alte Legende des bekanntesten Brettspiels von Games Workshop aufs Feld führen möchte, kann schon eine wesentlich schwächere Auswahl als diesen Hobgoblin treffen.
Resin
Diese Rezension wäre ohne die Erwähnung eines gewichtigen Faktors unvollständig: Resin. Das Kunstharz, aus dem die Miniaturen gegossen sind und das Games Workshop schon seit mehreren Jahren verwendet, um besonders detaillierte Güsse durchführen zu können, ist leider ziemlich gesundheitsschädlich. Nicht umsonst steht bei jeder Figur im Webshop und auf der Verpackung, dass man den Staub nicht einatmen soll und die Miniatur gesundheitsschädlich ist. Erschwerend kommt hinzu, dass schon beim Öffnen der Blister etliche hauchdünne Scheiben Resin herausfallen, was die Bearbeitung der Figuren umso umständlicher macht.
Und gerade bei Games Workshop weiß man, dass sie großartige Miniaturen aus Hartplastik herstellen können. Ja, auch dieses Material sollte man nicht einatmen. Aber schade ist es dennoch, dass man sich zur Verwendung dieses Materials entschlossen hat. Seid vorsichtig beim Basteln!
- Verlag: Games Workshop
- Erscheinungsjahr: 202
- Sprache: Englisch
- Spieldauer: ca. 2 Stunden
- Spieler*innen-Anzahl: 2
- Alter: ab 15
- Preis: je Starspieler*in 29 EUR[UVP]
-
Bezugsquelle: Fachhandel
Fazit
Diese kleine Auswahl an Starspieler*innen zeigt die große Bandbreite sowohl von Games Workshops Fähigkeiten beim Modellieren als auch des großartigen Spiels, das sie seit den Achtzigern produzieren. Ob man gerne den Ball fliegen lässt, seine Gegner in den Boden stampft (oder von hinten in den Rücken sticht) oder einfach nur mit seinem aus dem Bauch wachsenden monströsen Maul den Ball aus den Händen seines Nachbarn beißen möchte (und wer hat noch nicht an so etwas gedacht?), diese Stars sind eine interessante Bereicherung für das Spiel, die man gerne aufs Feld führt.
Ob ihre Einzelkosten in einem harten Turnier oder einer Liga überzeugen können, muss der Langzeittest zeigen und zumindest für zwei der beschriebenen Starspieler wird sich ein Platz in meinen Teams finden.

- Sehr fein detaillierte Miniaturen
- Ergänzen ihre Teams um interessante Fähigkeiten
-
Charaktervolle Spieler*innen
- Resin als Materialwahl
- Punktkosten relativ hoch
-
Keinesfalls für Bastelanfänger geeignet
Artikelbilder: © Games Workshop
Layout und Satz: Konstantin Paessler
Lektorat: Katrin Holst
Fotografien: Johannes Haslhofer
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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