Die Shortlist zum diesjährigen Phantastikpreis steht fest. Drei Titel aus unterschiedlichen Segmenten des Genres zeigen, wie vielschichtig aktuelle phantastische Literatur sein kann und wie sensibel sie gesellschaftliche Fragen verhandelt.
Keine üblichen Trigger
Die Fachjury des Phantastikpreises der Stadt Wetzlar hat drei Titel für die Shortlist 2025 benannt: Nominiert sind City of Trees von Chantal-Fleur Sandjon (Thienemann), Antichristie von Mithu M. Sanyal (Hanser) sowie Lyneham von Nils Westerboer (Klett-Cotta). Der mit 4.000 Euro dotierte Preis wird seit 1983 verliehen. Die öffentliche Preisverleihung ist für den 12. September 2025 im Rahmen der Wetzlarer Tage der Phantastik geplant.
Der Jugendroman City of Trees arbeitet mit lyrischen Elementen und strukturellen Brüchen, die eine vielstimmige Erzählweise ermöglichen. Die Darstellung kultureller Vielfalt steht im Zentrum des Textes, welche sich in der Geschichte rund um Lindiwe zeigt, die nach dem Verschwinden ihrer Schwester Khanyi eine tiefgreifende Verbindung zur Natur entwickelt und sich zunehmend selbst zu verändern beginnt.
Antichristie erzählt von der Drehbuchautorin Durga, die zwischen der Gegenwart und dem kolonialen London von 1906 hin- und herreist. Zeitreise wird dabei nicht als Spektakel inszeniert, sondern dient als Analysewerkzeug gegenwärtiger Erzählungen, um koloniale Narrative, historische Gewalt und postkoloniale Erinnerung kritisch zu hinterfragen.
Mit Lyneham steht ein Science-Fiction-Roman auf der Liste, der zentrale Fragen nach Verantwortung, technologischem Eingreifen und der Reproduktion gesellschaftlicher Muster im All verhandelt. Erzählt wird die Geschichte einer Familie, die auf einen fernen Mond übersiedelt, nachdem die Erde unbewohnbar geworden ist. Lyneham ist ein vielschichtiger Roman, der zeigt, dass wir uns selbst auch im All nicht entkommen.
Der Phantastikpreis der Stadt Wetzlar würdigt literarische Arbeiten, die dem Genre neue Impulse geben. Die Shortlist 2025 zeigt drei unterschiedliche Zugänge zur phantastischen Literatur, die sowohl formale als auch thematische Vielfalt abbilden.
Die Entscheidung über die Preisvergabe fällt im Juli.
Artikelbilder: © Thienemann,© Carl Hanser, © Klett-Cotta, © depositphotos | escapejaja
Layout und Satz: Roger Lewin


















