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Minna eifert ihrer im geheimnisvollen Bücherlabyrinth verstorbenen Mutter nach und möchte Büchersucherin werden. Erfolgreich überredet sie den griesgrämigen Antiquar Raban Krull, sie als Lehrling aufzunehmen. Doch die Lehrlingszeit gestaltet sich nicht so einfach wie gedacht, denn Minna deckt Geheimnisse auf, die besser verborgen geblieben wären.

Mit Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen veröffentlicht die Autorin Alina Metz den ersten Teil einer Jugendbuchdilogie. In diesem taucht die 16-jährige Minna in die geheimnisvolle Welt des Bücherlabyrinths ein, das sich weit unter ihrer Heimatstadt erstreckt. Entfernt erinnert es damit an Susanne Clarkes Roman Piranesi und sein Labyrinth, das sich jedoch in einem Haus entfaltet. Einst durchstreifte ihre Mutter als Büchersucherin die geheimen Gänge des Labyrinths, verlor dort jedoch ihr Leben. Nun möchte Minna ein vor Jahren ihrer Mutter gegenüber gegebenes Versprechen einlösen und dieser nacheifern. Sie schafft es, den griesgrämigen Antiquar Raban Krull zu überzeugen, sie als dritten Lehrling aufzunehmen, und beginnt ihre Laufbahn als angehende Büchersucherin. Diese verläuft holpriger als gedacht, denn ohne es zu wollen, stolpert Minna über Geheimnisse, die besser im Verborgenen geblieben wären. Da ist es gut, dass die beiden Lehrlinge Jascha und Gulliver ihr zur Seite stehen können. Doch kann sie ihnen vertrauen?

Triggerwarnungen

Tod eines Familienmitglieds, (Verbale) Gewalt in der Familie 

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Story

Die Geschichte Minnas beginnt mit einer einfachen Szene, die bereits viel über die Protagonistin verrät. Minna betritt das Antiquariat Krull – Märchen & Mehr, um sich um eine Lehrlingsposition zu bemühen. Sie wird auf einen jungen Ladendieb aufmerksam und versucht, diesen am Verlassen des Ladens zu hindern. Doch statt dass diese heroische Tat den Ladenbesitzer positiv stimmen würde, reagiert dieser ob des entstandenen Tumults ungehalten, Minna erschreckt und fliegt in diesem Moment in die Dekoration des Schaufensters. Hierbei werden durch sie gleich mehrere Bücher beschädigt. Doch trotz dieses eher fehlgeschlagenen Einstands nimmt Raban Krull Minna als Lehrling und angehende Büchersucherin auf. Ihr Ziel ist es fortan, möglichst viel über das geheimnisvolle Bücherlabyrinth unter der Stadt, dessen Gefahren, Eigenheiten und Möglichkeiten zu lernen. Unerwartet stolpert Minna gleich in ihrer ersten Nacht als neuer Lehrling über ein Geheimnis im Bücherlabyrinth, das ihre Welt aus den Angeln heben könnte: Ihre Mutter lebt noch. Sie ist gefangen im Spiegellabyrinth und es ist an Minna, sie nicht nur aus diesem zu befreien, sondern ihre bloße Anwesenheit dort zu verschweigen. Denn ihre Mutter kämpfte einst gegen Anonymus, einen Widersacher, dessen Identität niemals geklärt werden konnte. Dieser ist zwar seit Jahren verschollen, doch nach wie vor auf freiem Fuß. Minna darf ihn auf die Existenz ihrer Mutter nicht aufmerksam machen und weiß daher nicht, wem sie vertrauen kann und wer vielleicht doch heimliche*r Anhänger*in von Anonymus ist.

Dieses Geheimnis zwingt Minna zunächst, die beiden Lehrlinge, die mit ihr durch die strenge Schule Raban Krulls gehen, außen vor zu lassen. Doch nach und nach entwickelt Minna Vertrauen und lernt den tollpatschigen Gulliver und wortkargen Jascha genauer kennen. Im Verlaufe der Geschichte erleben die drei immer mehr gefährliche Abenteuer in den Tiefen des Bücherlabyrinths. Sie gehen bis an ihre Grenzen und lösen das ein oder andere Abenteuer. Gemeinsam wachsen sie über sich hinaus, bis sie ganz zuletzt ihren größten Gegner*innen gegenüber stehen und sich entscheiden müssen, was ihnen wirklich wichtig ist.

Die Geschichte ist hierbei ab der ersten Seite, die die Lesenden die junge Minna begleiten, spannend. Gemeinsam mit Minna erfahren sie mehr über die Welt des Bücherlabyrinths und seiner Bewohnenden. Die Spannung steigert sich von Kapitel zu Kapitel bis hin zu einem fulminanten Abschluss, der Lust auf den Folgeband Das Herz des Labyrinths macht, der im Juli 2025 veröffentlicht wurde. Intelligent flechtet die Autorin stets Hinweise auf den Fortgang der Geschichte und mögliche Widersacher*innen ein, ohne Lesenden zu viel preiszugeben. Jede Aktion wie auch Reaktion wird logisch erarbeitet. Auch das Ende schließt die Handlung konsequent ab, obwohl es trotzdem mit der ein oder anderen Überraschung für Lesende wie auch Protagonist*innen aufwartet.

Besonders gelungen sind der Autorin die Charakterisierungen der drei Hauptprotagonist*innen Minna, Jascha und Gulliver. Alle drei bringen ihre eigene Vorgeschichte, ihren Charakter und ihre eigene Art der Bewältigung der Geschehnisse mit. Es handelt sich zwar um jüngere Protagonist*innen, doch mit diesen können sowohl jüngere wie ältere Lesende problemlos mitfiebern. Tinte, Staub und Schatten steht hier anderen Jugendbüchern, die auch von erwachsenem Publikum gerne gelesen werden, in nichts nach. Auch die älteren Protagonist*innen, insbesondere Raban Krull oder Minnas Mutter, kommen in ihrer Charakterisierung nicht zu kurz, wobei der Fokus der Geschichte ganz klar auf den drei jungen Lehrlingen liegt. Einzig die Handlungen der Erwachsenen treten manchmal etwas zu sehr in den Hintergrund, sodass der Eindruck entsteht, sie würden außerhalb ihrer Szenen kaum von der Stelle kommen oder eigene Agenden verfolgen.

Schreibstil

Alina Metz beschreibt die Welt Minnas in einer Art und Weise, die Lesende sofort in diese hineinzuziehen vermag. Gekonnt wird Minnas Gedankenwelt dargestellt. Insbesondere das Lesen der Passagen über das geheimnisvolle Bücherlabyrinth und die vielen actionreichen Geschehnisse bringen Freude. Die Art, wie sie die Welt beschreibt, lässt Lesende mit dem Wunsch zurück, selbst Teil dieser Welt sein zu können. Sie schafft somit etwas, von dem viele Autor*innen nur träumen können. Sie erschuf eine Welt, von der Lesende nicht genug bekommen können. Die Welt um das Bücherlabyrinth, deren eigene Wesenheiten oder Gottheiten, die sich stets verändernden Gänge als auch die omnipräsente Gefahr im Labyrinth lassen es geheimnisvoll und anziehend wirken. Dass in dieser Welt mehr als nur die zweiteilige Geschichte Minnas Platz findet, kann nur erhofft werden, denn es macht Spaß, immer mehr über das Labyrinth voller Bücher zu erfahren.

Die Autorin

Tinte, Staub und Schatten – Das Buch der Verlorenen ist Alina Metz’ Debütroman. Sie wurde 1994 in Wiesbaden geboren, lebt dort und studierte Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie gewann mit ihrer Erzählung Das Weltenhaus 2019 den PAN-Kurzgeschichten-Wettbewerb und konnte 2022 in der Kategorie Debüt ein PAN-Stipendium ergattern.

Erscheinungsbild

Umschlag wie auch Innenillustrationen wurden von der rumänischen Künstlerin Lia Visirin erschaffen. Das Cover zeigt die Hauptprotagonistin Minna im Bücherlabyrinth, gerahmt von passenden Verzierungen und Andeutungen auf den Buchinhalt. Insbesondere die leuchtend roten Haare Minnas kommen sehr gut zur Geltung. Innerhalb der Kapitel finden sich immer wieder Illustrationen Lia Visirins von wichtigen Protagonist*innen, Gegenständen oder Initialen. Auf dem Vorsatz finden sich Darstellungen verschiedener Wesenheiten, die im Bücherlabyrinth leben. Insgesamt ziert das Buch ein inhaltlich stimmiges Bild. Die Künstlerin hat damit eine wunderschöne Gesamtkomposition erschaffen.

Die harten Fakten:TSuS - Cover

  • Verlag: Ueberreiter Verlag
  • Autorin: Alina Metz
  • Erscheinungsdatum: Februar 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 384
  • ISBN: 978-3764152987
  • Preis: 18,00 EUR (Print) + 14,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon

 

Fazit

Minna will ihrer im geheimnisvollen Bücherlabyrinth verstorbenen Mutter nacheifern und Büchersucherin werden. Hierzu überzeugt sie den griesgrämigen Antiquar Raban Krull, sie als Lehrling anzunehmen, um fortan in die Geheimnisse des Bücherlabyrinths eingeweiht zu werden. Die Geschichte entfaltet eine spannende, gefährliche Welt voller Geheimnisse, in der Minna und die beiden weiteren Lehrlinge Krulls, Jascha und Gulliver, gemeinsam wachsen und gegen unsichtbare Gegner*innen handeln müssen. Alina Metz gelingt es stilistisch, die Atmosphäre des Labyrinths greifbar zu machen und die Leser*innen in Minnas Blickwinkel zu ziehen. Die Charaktere sind klar gezeichnet, jede*r bringt eigene Stärken und Schwächen mit, was die Dynamik der Gruppe spannend hält. Besonders gelungen ist die Balance aus Abenteuer, Rätseln und persönlichen Konflikten.

Die Welt wirkt konsistent konstruiert, mit wiederkehrenden Motiven wie Staub, Tinte und Spiegeln und logischen Ereignissen, die auf Handlungen der Protagonist*innen folgen. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, wodurch die düstere, magische Atmosphäre greifbar wird. Der Cliffhanger am Ende bereitet die Bühne für den Folgeband Das Herz des Labyrinths.

  • Lebensnahe Charakterisierungen
  • Atmosphärische Welt
  • Hohe Spannung
 

  • Erwachsene eher statisch dargestellt

 

Artikelbilder: © Ueberreuter Verlag
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Katrin Holst

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