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Hat der Black Panther Film dein Interesse an den Comics geweckt? In Marvel Knights: Black Panther muss sich der König von Wakanda mit dem kriminellen Abschaum New Yorks herumschlagen, während der Teufel persönlich auf ihn wartet. Wir sagen euch, ob sich der Band lohnt.

Christopher Priest ist einer der wichtigsten Autoren, die Black Panther jemals ihren Stempel aufgedrückt haben. Sein einflussreicher Run aus den Jahren 1998-2003 präsentiert eine sehr urbane Version des afrikanischen Superhelden. Passend zum Kinostart von Black Panther, hat Panini nun die ersten Ausgaben dieses Runs neu herausgebracht.

Handlung

Everett Ross sitzt, ohne Hosen, bedroht von einer Ratte, in einer Sozialwohnung und wartet auf T‘Challa. Ein Mädchen, das Gesicht einer Image-Kampagne Wakandas, wurde tot aufgefunden. Der Black Panther kommt mit Okoye, Nakia und Zuri nach New York, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ross, das Empfangskomitee der Regierung, ist mit der ganzen Situation überfordert. Die gesamte Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt, wobei er wild von einem Handlungsstrang zum nächsten springt.

Die nicht lineare Erzählweise führt dazu, dass es anfangs schwer ist zu verstehen, um was es eigentlich geht. Dadurch entfaltet der Comic aber auch einen wilden Drive und erzeugt so Spannung. Wer sich den Lesespaß nicht verderben will, sollte den folgenden Spoiler überspringen. Nur so viel: Achebe, ein Flüchtling mit einem wahnsinnigen Grinsen, und Mephisto, der Teufel des Marvel Universums, sind in die Geschichte verwickelt.

Spoiler

 Achebe ist in einem Flüchtlingscamp in Wakanda untergekommen und will sich dafür rächen, dass ihm alles genommen wurde. Dafür geht er einen Pakt mit Mephisto ein, durch den er an die Herrschaft Wakandas gelangt. Das getötete Mädchen ist nur der Aufhänger, um T‘Challa in die Geschichte zu holen. Letztendlich muss Black Panther Mephisto austricksen und den Pakt zwischen ihm und Achebe lösen. 

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Die Geschichte ist auf Grund der Flüchtlingsthematik zeitlos und aktuell. Eigentlich hat sie zu dem Thema aber nicht wirklich etwas zu sagen, sondern will hauptsächlich unterhalten. Es bleibt nur Hintergrund für ein wenig Thrill und Action. Eine richtige Kriminalstory will sich aber nicht entwickeln, da der Leser nötige Informationen etwas zu spät bekommt. So ist es schwer möglich, eigene Theorien darüber zu entwickeln, wie die Geschehnisse zusammenhängen. Das Produkt macht trotzdem Spaß und wer keinen gehobenen Anspruch hat, wird gut unterhalten. Die Handlung ist in sich geschlossen, auch wenn sie mit einem Cliffhanger endet und starkes Interesse am Fortgang des Runs weckt.

Charaktere

Die Charaktere könnten genauso gut aus einem Batman-Comic stammen. T‘Challa ist der stille Millionär mit den coolen Gadgets, der auf Gerechtigkeit aus ist. Achebe ist der Clown, der über das Fernsehen seine irren Botschaften in die Welt hinaus sendet und seine Spielchen mit dem Helden spielt. Doch besser gut kopiert als schlecht erfunden.

Black Panthers Elitetruppe, die Dora Milaje sind, wie er, schweigsam und gnadenlos. Sie helfen dabei, T‘Challa noch cooler wirken zu lassen, so dass die Gruppe eine leicht überlegene Aura umgibt. Zuri ist da ein deutlicher Gegensatz, der das Klischee des eher stumpfen Hünen bedient. Die gesamte Entourage des Königs von Wakanda bekommt aber nur wenig Raum, sich zu entfalten.

Mit Everett Ross erhält man einen Sidekick an die Hand, der dabei hilft leicht in die Geschichte zu kommen und außerdem für einige Lacher sorgt. Er ist die Identifikationsfigur und gleichzeitig der Erzähler. Das funktioniert und ist bitter nötig, um einen Zugang zu finden.

Zeichenstil

Die Zeichnungen von Mark Texeira unterstützen den kaltschnäuzigen Stil durch sehr dunkle Bilder, die immer wieder von grellen Farben durchbrochen werden. Die Linien sind leicht verwaschen, was dem Ganzen eine gewisse Dynamik gibt. Bewegung ist allgegenwärtig und es macht Spaß, der Handlung zu folgen.

Der letzte Teil wurde von Vince Evans gezeichnet, der sehr viel klarere Linien führt, wodurch aber auch viel Dynamik verloren geht. Auch die Gesichter wirken statischer und emotionsloser. Ein einheitlicher Zeichner hätte dem Comic gutgetan.

Beide Zeichner verzichten auf viele Details und lenken den Fokus auf das Relevante. Auch die Kolorierung weiß zu gefallen.

Erscheinungsbild

Panini überzeugt wieder einmal durch die übliche Qualität. Der Band ist angenehm zu lesen und es gibt nichts zu beanstanden.

Das Cover ist vom ersten Band der Reihe übernommen und zeigt, wohin es gehen soll. Etwas schade ist, dass eben dieses Cover vor kurzem schon von Hachette für ihren Black Panther Band ausgewählt wurde. So hat der Sammler vermutlich zwei Bände mit einem ähnlichen Cover im Regal stehen.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor(en): Christopher Priest
  • Zeichner(in): Mark Texeira, Vince Evans
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Softcover
  • Seitenanzahl: 132
  • Preis: 15,99
  • Bezugsquelle: Amazon, Panini Comics

 

Fazit

Wenn man diesen Comic als Einstieg in die Welt von Black Panther liest, ist das eine gute Wahl. Der Erzähler Everett Ross hat genauso wenig Ahnung davon, was um ihn herum passiert, wie der Leser selbst. Vorkenntnisse werden also nicht benötigt. Man muss aber mit dem Erzählstil, der vom Comic selbst als „Pulp Fiction rückwärts“ beschrieben wird, klarkommen. Dadurch ist das Heft nichts für jeden. Der Antagonist erinnert erstaunlich stark an den Joker. Glücklich wird mit dem Heft derjenige, der sich in der dreckigen Welt von Daredevil oder Batman wohlfühlt.

Man findet hier einen urbanen Trip und kein futuristisches Abenteuer in Wakanda. Leichte Abzüge gibt es dafür, dass die Handlung dann doch eher trivial ist und nur von der Erzählform aufgewertet wird. Der Band ist ein solider Comic, der Lust auf mehr macht.

Artikelbilder: Panini Comics
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

 

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