Spider-Man ist immer noch die bekannteste Figur aus dem Marvel-Universum. Kein Wunder, dass die Reihe so viele Spin-Offs kreierte. Diesen Marvel Monthly schauen wir uns ein paar Neuerscheinungen an, die etwas mit der Spinne zu tun haben: Black Cat klaut, Spider-Ham nervt und Miles Morales reist durch das Spider-Verse.
Als Marvel im Jahr 2014 mit der Story Spider-Verse diverse Spinnen aus ihrer Mottenkiste hervorkramte und auch neue dazu erfand, konnte keiner ahnen, wie gut diese Geschichte ankommen würde. Mit dem tollen Spider-Man: A new Universe hat das bunte Spinnen-Universum auch schon eine filmische Würdigung bekommen. Der Film war so erfolgreich, dass sich das Erfolgskonzept wieder auf die Comics überträgt. Schon im Spider-Geddon hatte Miles Morales die Hauptrolle inne. Doch dort wurde das Netz zerstört, das sämtliche Universen zusammenhält.
In Spider-Verse: Spider-Zero darf Miles dieses wiederherstellen und stolpert dabei über diverse Spinnen-Leute, wie Spider-Man Noir, Spider-Ma’am, Peni Parker oder den Westernhelden Web-Slinger. Eine der gleichzeitig beliebtesten und verteufelten Figuren Spider-Ham bekommt gleich seinen ganz eigenen Comicband, in dem er in die Hauptrealität wechselt, während seine eigene Realität von einer unbekannten Macht bedroht wird. Peter Parker darf derweil bei einem Coup mit Black Cat ihre Hochzeit vortäuschen. Dazu bricht sie noch bei Iron Fist und Wolverine ein und man erfährt mehr über den Krieg mit der Diebesgilde. Für Spider-Man Fans ist also viel neues Material dabei. Hier erfahrt ihr, ob sich diese Bände auch lohnen oder in einem Spinnennetz hängen bleiben.
Inhaltsverzeichnis
Spider-Verse: Spider-Zero
Erde-001 (auch Loomworld genannt) ist das Zentrum des Marvel-Multiversums. Von hier aus erstreckt sich ein Netz über alle Welten und verbindet diese. Am Ende des Events Spider-Geddon wurde dieses Netz aber vollkommen zerstört. Am Anfang des neuen Bandes wird Miles Morales aber trotzdem von einem Spinnenfaden getroffen und aus der eigenen Realität gezogen. Anscheinend hat sich das Netz regeneriert und eine neue Heldin mit dem Namen Spider-Zero schickt Miles daraufhin durch alle Welten, um Annie-May Parker, Peter und MJs Tochter aus einem alternativen Universum, zu finden. Denn nur sie kann den Nexus heilen.
Der Grundaufbau der Geschichte ist nur ein Aufhänger für bunte Abenteuer in diversen Welten. Jedes der Einzelabenteuer schlägt dabei einen völlig anderen Ton an. So haben wir ein Abenteuer in der Welt von Spider-Ma’am. Einer Tante May, die im Gegensatz zu ihrem Neffen die Spinnenkräfte bekommen hat und dann Onkel Ben retten konnte. Im nächsten Kapitel geht es direkt weiter zu SP//dr, einem Mädchen, das einen Mech steuert und sich gegen einen Kraven behaupten muss. Weiter geht’s im wilden Westen mit dem einsamen Draufgänger Ponderosa Parker. Hin zu Spider-Man Noir, der in einem alternativen 1933 als Privatdetektiv verhindern will, dass Nazis die Macht eines Spinnen-Totems nutzen können. Am Ende wird noch versucht, die Geschichten wieder zu vernetzen, doch dies gelingt nur leidlich.
Die Erzählung ergibt nur wenig Sinn, dafür ist aber jede Einzelhandlung für sich abgeschlossen und jedes Mal recht charmant. Unterbrochen werden die Kapitel von Konzeptzeichnungen von weiteren Spinnen-Leuten, die von jungen Künstlern gezeichnet wurden. Es wird gar nicht erst versucht, eine weitreichende Story zu entwickeln, bei der das Multiversum wieder vor der Gefahr steht, komplett zerstört zu werden. Stattdessen gerät Miles immer zufällig in die verschiedenen Episoden und verschwindet ebenso schnell, wie er gekommen ist.
Ganz nett ist manchmal doch genug
Das Kapitel, das am schlechtesten funktioniert, ist das letzte. Dies ist das einzige, das sich bemüht einen roten Faden zu erzeugen. Die epische Schlacht endet mal wieder mit einem Deus Ex Machina. Dabei kommt weder Spannung auf, noch ist irgendwas davon besonders einprägsam. Letztendlich hätte es Miles als Hauptfigur gar nicht gebraucht, denn die verschiedenen Spinnen tragen ihre Geschichten schon ganz allein. Für den nächsten Spider-Verse-Comic sollte sich Marvel einfach darauf beschränken.
Zeichnerisch wie erzählerisch sind die Comics von völlig unterschiedlicher Qualität. Je nach eigenem Gusto mag die ein oder andere Geschichte besser gefallen. Optisch ergeben die Geschichten und die dazugehörigen Bilder immer ein rundes Gesamtwerk. So ist der Noir-Teil hauptsächlich in Grautönen gehalten, die durch wenige rote Farbspritzer erweitert wurden. Damit wurde hier alles richtig gemacht.
Möchte man dem Comic eine Wertung geben, wäre das für die meisten Leser wohl ein „ganz nett“. Niemandem wird alles gefallen, was hier präsentiert wird. Aber jeder, der mit Spider-Man und alternativen Universen etwas anfangen kann, wird gut unterhalten und findet einen Charakter, mit dem er sympathisieren kann. Der Band liest sich flott und es kommen keinerlei Längen auf. Dies ist keine Geschichte, an die man sich lange erinnern wird, aber das muss es auch gar nicht. Manchmal reicht es, wenn ein Superheldencomic einfach nur ganz nett ist und er genau das hält, was er verspricht.
Die harten Fakten
- Autoren: Christos Gage, Jed MacKay, Ryan North
- Zeichner: Arthur Adams, Juan Frigeri, Juan Gedeon, Pere Pérez
- Seitenanzahl: 140
- Preis: 17 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Panini-Comics, Amazon, idealo
Black Cat #2: Auf Beutejagd
Schon im ersten Band, den wir vor einem halben Jahr besprochen haben, geriet Black Cat Felicia Hardey in Konflikt mit der Diebesgilde und brach bei diversen Superhelden ein. Diesmal sind Iron Fist und Wolverine an der Reihe. Dazu erfährt man mehr über die Antagonistin Odessa Drake, die immer mehr an Charakter gewinnt. Und auch Felicias Verhältnis zu ihrer Mutter wird thematisiert. Dabei verliert der Comic zeitweise seinen humorvollen Unterton, nur um im nächsten Augenblick wieder einen gut platzierten Gag zu präsentieren.
Dem Band gelingt es besser, als noch in der ersten Ausgabe, einen eigenen Ton einzuschlagen. Black Cat ist eine verspielte Figur, die Spaß bei allem hat, was sie tut, aber auch die Krallen ausfahren kann, wenn es an der Zeit ist. Black Fox ist in diesem Band schwächer, füllt aber immer noch die Rolle als Vaterfigur aus, der sie auf den Gaunerpfad geführt hat. Diesmal muss er sich aber von seiner ehemaligen Schülerin retten lassen. Besonders charmant war das Date zwischen Felicia und Batroc, dem französischen Schurken, der sehr gut mit dem Humor der Katze harmoniert. Die Hochzeit mit Spider-Man dagegen ist nichts weiter als ein Marketing-Gag und kann getrost ignoriert werden.
Wer den ersten Band mochte, wird auch den zweiten lesen
Zu Stil der ersten Kapitel kann ich die Kritik wiederholen, die auch schon beim ersten Paperback genannt wurde: Der reduzierte Stil passt nicht zum schrillen Ton der Handlung. Eventuell war dies auch Marvel bewusst, denn es werden immer wieder neue Künstler ausprobiert. Erst bei den letzten beiden Kapiteln ist mit Kris Anka ein Zeichner involviert, der es schafft, den Humor auch über die Bilder zu transportieren. Hierbei helfen übertriebene Gestik und ein besseres Pacing durch unterschiedlich große Panelgrößen.
Im Grunde ist diese Kritik gar nicht mehr nötig. Alles was zum ersten Band geschrieben wurde, trifft hier in ähnlicher Form wieder zu: der Humor funktioniert, die Figuren sind sympathisch und optisch ist der Comic verbesserungswürdig. Dazu kommt, dass die Handlung nicht unmittelbar zusammenhängt. Es wird niemals erklärt, warum die verschiedenen Einbrüche durchgeführt werden. Letztendlich ist das aber auch egal. Denn jeder Einbruch ist ein großer Spaß, der durch Anspielungen auf alte Geschichten oder zusätzliche Anekdoten angereichert wird.
Der Comic bleibt stets seicht, weiß aber gleichzeitig zu unterhalten. Dazu wird über Gaunerehre und dem Reiz des Diebstahls schwadroniert. Wem diese Mischung zusagt, kann sich den ersten Band gleich mit holen. Dem Charme der schwarzen Katze kann man sich nur schwer entziehen und so will ich auch wissen, wie es weitergeht.
Die harten Fakten
- Autor: Jed MacKay
- Zeichner: Kris Anka, Travel Foreman
- Seitenanzahl: 148
- Preis: 18 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Panini-Comics, Amazon, idealo
Peter Porker: Spider-Ham – Zwischen Zeit und Raum
Spider-Schwein Peter Porker ist mitnichten ein Schwein, das von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde. Nein der Held dieser Geschichte stammt aus einem Cartoonuniversum, das an Looney Tunes erinnert und war eine Spinne, bis er von May Porker, einem Sau gebissen wurde, die gerade ein Experiment mit einem atomgetriebenen Haartrocker durchgeführt hat.
Diese bescheuerte Origin-Story stammt aus dem Jahr 1983. Peter Porker hat es seitdem in über 100 Comic-Hefte geschafft. Doch erst mit dem Spider-Verse von 2014 wurde er einer großen Öffentlichkeit bekannt. Nun ist er zurück mit einer eigenen Mini-Serie:
Seit Peter Porker zusammen mit den anderen Spinnen-Held*innen das Multiversum gerettet hat, fühlt sich alles was in seinem eigenen Universum passiert so langweilig an. Er verpasst den Kampf der Sca-Vengers gegen Moletron und dabei nervt er seine Kollegen wie Captain Americat oder Iron Mouse mit purer Arroganz. Wie bei vielen narzisstischen Personen steckt eine tiefe Selbstverachtung dahinter, die hier natürlich übertrieben humorvoll überspitzt wird. Nach einem Streit mit den anderen Superhelden, gelangt Spider-Ham durch den Bee-Yonder in das uns bekannte Marvel-Universum 616. Doch in seiner Welt taucht gleichzeitig eine Gefahr auf, welche sie ganz zu verschlingen droht.
Ein Comic für Freunde des schlechten Wortspiels
Der Comic ist genauso albern gezeichnet, wie es sich für die Handlung gehört. Geschickt ist dabei, dass Figuren aus dem Primäruniversum stets realistische Proportionen einnehmen, während sich der Raum um die Cartoonfiguren zu krümmen scheint. Trotzdem sind auch die bekannten Marvel-Held*innen nicht vor Satire gefeit. So darf Peter Parker Joaquin Phoenix’ Joker mimen. Zwischenzeitig wird auch Family Guy zitiert und The Dark Knight Returns persifliert.
Die meisten Gags drehen sich aber um Wortspiele in der Welt der Cartoonhelden. Aus Ant-Man wird dort Ant-Ant, aus Namor der Sub-Marsupial und aus Professor X wird der Dinosaurier Professor Rex. Dazu tauchen Figuren wie Mooster Fantastic, Crocktor Strange oder Dr. Octopussycat auf. Es gibt sogar eine Szene, in der die Figuren darüber diskutieren, wie das große Event (also die Haupthandlung) heißen soll. Wer von solchen Witzen nicht genug bekommen kann, sollte unbedingt in den Comic gucken.
Für wen ist dieser Band also geeignet? Auf jeden Fall für Freunde des schlechten Wortspiels, aber auch für jeden, der tief im Marvel-Fandom steckt und sich darüber amüsieren will. Ein Gelegenheitsleser wird hiermit wohl nicht glücklich werden, da er die meisten Anspielungen nicht versteht und somit das beste verpasst. Als Superhelden-Persiflage sind auch Fans von Funnys die Zielgruppe, die immerhin eine Grundahnung vom Genre haben und einmal in eine Marvel-Publikation hineinschnuppern wollen. Wer über diese Form des Humors nicht lachen kann, sollte dagegen einen großen Bogen um den Band machen.
Die harten Fakten
- Autor: Zeb Wells
- Zeichner: Will Robson
- Seitenanzahl: 116
- Preis: 14 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Panini-Comics, Amazon, idealo
Artikelbild: Panini Comics
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Nina Horbelt
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.


















