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Eines der ersten Open-World-Spiele ist zurück: Mafia. In einen neuen (grafischen) Anzug gesteckt, kehrt man mit Tommy Angelo in der Definitive Edition zurück nach Lost Heaven, um mit überarbeiteter Spielmechanik einen Klassiker neu aufgelegt zu erleben. Können die 1930er Jahre erneut begeistern?

Die großen Mafiafilme und -geschichten hatten immer einen besonderen Reiz: Legendär war nicht nur Der Pate, sondern auch Scarface oder Good Fellas. Der Charme einer Gemeinschaft, die auf eine lange Geschichte von Verbrechen und einer engen, familienähnlichen Bindung zurückblickt, hat das Publikum gefesselt. Die amerikanische Mafia hatte großen Anteil am Alkoholschmuggel während der Prohibition und in dieser Zeit begleiten wir Tommy Angelo auf seinem Werdegang vom Taxifahrer zum Mafia-Soldato.

Lost Heaven

Mafia spielt in den 1930er Jahren in der fiktiven US-Amerikanischen Stadt Lost Heaven, die ein wenig an New York City erinnert. Zwei Familien beherrschen die Stadt, geführt von Don Salieri und Don Morello. Der Taxifahrer Thomas Angelo gerät ungewollt zwischen die Fronten, als er den beiden Mafiosi Paulie und Sam in einer wilden Verfolgungsjagd zur Flucht verhilft. So rutscht er als Fahrer in die Familie, steigt zu einem der Lieblinge von Don Salieri auf und findet sogar seine große Liebe in Sarah, der Tochter des Barkeepers Luigi.

Schon im Intro sieht man, wie schön Lost Heaven ist.
Schon im Intro sieht man, wie schön Lost Heaven ist.

 

Tommys Aufstieg zum Mafioso

Es läuft gut für Tommy, der sogar zum Rennfahrer avanciert, um dem Don eine Menge Geld einzubringen. Paulie, Sam und Tommy werden Freunde, schmuggeln Alkohol während der Prohibition, stehen schwere Zeiten durch und retten sich gegenseitig das Leben. Irgendwann spitzt sich der Konflikt zwischen den beiden konkurrierenden Familien zu und Tommy muss viele riskante Entscheidungen treffen. Neben den Geschäften finden sich immer wieder Momente aus dem Privatleben Tommys, in denen klar wird, was für eine Art Mensch er ist. Er spricht mit dem Consigliere Frank über die Vergangenheit, heiratet Sarah und hat sogar eine gute Beziehung zum stotternden Automechaniker Ralph.

Das Leben als Soldato einer Mafiafamilie ist nicht immer leicht und so erfahren wir direkt zu Beginn des Spiels, dass Tommy die ganze Geschichte rückblickend einem Polizisten erzählt. Wie alles ausgeht, sollte jede*r selbst im Spiel erfahren.

In der Bar wird nicht gerannt

Mafia war eines der ersten Open-World-Spiele, sodass es einige Elemente des Genres aus heutiger Sicht besitzt, aber nicht alle. Die Story ist linear und nicht zu beeinflussen, doch zwischen den Aufträgen kann man oft frei umherfahren und die Stadt Lost Heaven erkunden. Während des Voranschreitens der Geschichte sind viele Veränderungen wahrzunehmen: Die Radiosender teilen aktuelle Nachrichten mit, die Prohibition wird im Dezember 1933 aufgehoben, es sind auf einmal Werbetafeln für Alkoholika zu sehen und vieles mehr.

Gerade die Radiosender, die es nur auf Englisch gibt, sind eine Neuerung zum Original. Statt einzelner Musikstücke für gewisse Stadtteile, wie das berühmte „Chinatown, My Chinatown“, das während der Einfahrt in den gleichnamigen Stadtteil startete, laufen die beiden Radiosender überall in Lost Heaven. Unwetterwarnungen kündigen eine wilde Nacht an und die Lost Heaven Lancers, das lokale Baseball-Team, gewinnen die 1933er Gold Series gegen die Empire Bay Cannons, was natürlich ausgiebig verfolgt wird. Fährt man durch den Tunnel, wirkt sich das auch auf den Radioempfang aus.

Während der Fahrt, an den Schauplätzen und in der Bar finden Gespräche statt, die man durch Türen hören kann und denen zuzuhören sich lohnt. In der Bar kann man auch nicht rennen, was nervig sein kann, aber zum Charme des Spiels beiträgt: Man benimmt sich gefälligst und macht dem Don keine Schande! Das Outfit von Tommy passt sich der Zeit und dem Anlass an, die deutsche Synchronisierung ist hervorragend, auch wenn die englischen Originale noch ein wenig besser sind, und der Zwiespalt in den verschiedenen Idealen der amerikanischen Cosa Nostra wird immer wieder aufgegriffen. Der Umgang mit dem Drogenhandel, die Omertá (Schweigepflicht) und die Tributzahlungen an den Don sind häufig Thema. All diese kleinen Dinge sorgen für eine dichte Atmosphäre eines 1930er Mafia-Films.

Features

Mafia teilt das Spiel in zwei Elemente: Story und Freifahrt. Der Storymodus beinhaltet die lineare Geschichte von Tommy Angelo, dem Soldato der Salieri-Mafia. Des Weiteren gibt es dort nebenbei Sammelobjekte zu finden und erst nach Abschluss der Story sind alle Elemente im Freifahrt-Modus zugänglich. Insgesamt kann für die Story mit 11 bis 14 Stunden Spielzeit gerechnet werden, je nach Schwierigkeitsgrad und Einstellungen. Grafisch ist das Spiel ordentlich aufpoliert worden.

Klassisches Feeling oder viele Hilfen?

Einfachere Schwierigkeitsgrade geben zum Beispiel Gegnermarkierungen auf der Minikarte und verringern den Schaden am Auto, was besonders im Grand-Prix die Herausforderung massiv senkt. Zielhilfen senken den Herausforderungsgrad auch. Außerdem können einige Fahrten automatisch übersprungen werden, wenn man auf diese verzichten will. Das senkt den Zeitaufwand, nimmt aber sehr viel Flair aus dem Spiel. Im Klassik-Modus ohne Fahrtzeitenskipping hat die Story im Test 13 Stunden Spielzeit gehabt, wobei ohne Eile gespielt, aber nicht alle Sammelobjekte gefunden wurden.

Eine weitere Anpassung zum Original sind die Straßenschilder, die an relevanten Kreuzungen auftauchen, wenn ein Wegpunkt auf der Karte gesetzt ist. Diese Mechanik stammt aus den Nachfolgespielen und ist gerade in hektischen Situationen hilfreich, ohne die hübsche Optik der Spielwelt zu stören.

Mafia lebt von der Atmosphäre, von rauen Soldati, die rauchend in Anzügen Geld eintreiben und Diskussionen über die Polizei oder die andere Familie führen. Der Auftrag mit einem Tresorknacker aus Sizilien, der verzweifelt versucht, mit Tommy zu sprechen, weil dieser kein Sizilianisch und Tresorspezialist Salvatore kaum Englisch kann, zeigen eine gewisse Liebe zum Detail.

Salvatore und Tommy führen ein interessantes Gespräch.
Salvatore und Tommy führen ein interessantes Gespräch.

Freie Fahrt für freie Gangster

Ein neues Feature sind die fahrbaren Motorräder im Spiel. Das ist eine schöne Idee, sie lassen sich aber fürchterlich fahren. Die Steuerung der Fahrzeuge ist insgesamt sehr eigen, was gewollt ist, bei den Motorrädern führt das aber zu einem unangenehmen Fahrerlebnis. Die Steuerung hat noch einige andere Mankos: Das eingeführte Deckungssystem funktioniert nicht immer reibungslos und wenn man sich bei Büchsenmacher Vincenzo Waffen holt, ist es eine rechte Herausforderung, auf Anhieb die richtige zu erhalten.

Die Freifahrt lässt Spielende die Stadt ohne eine richtige Mission erkunden. Wie immer können Autos, die bereits erworben wurden, aus der Garage gewählt und zur Ausfahrt genutzt werden. Oder Tommy stiehlt eines vom Straßenrand.

Vor allem mit Maus und Tastatur sind einige Belegungen seltsam: Nahkampfangriffe mit „Q“ und Ausweichen mit „Alt“ sind ja noch akzeptabel, aber der Tempobegrenzer liegt standardmäßig auf „L“ und die Hupe auf „T“. Es ist nicht mal möglich, die vierte und fünfte Maustaste zu belegen. Ein Test mit einem PS4-Controller machte es nur bedingt besser.

„Geheime“ Zusatzinhalte

Der Freifahrt-Modus bietet außerdem einige versteckte Bonusaufgaben. So kann man besondere Autos erhalten, wenn man mit Lucas Bertone spricht und seinen Hinweisen folgt. Auch einige Telefonzellen bieten zusätzliche Herausforderungen. Es macht Spaß, die Stadt und das Umland noch einmal ohne Mission zu erkunden.

Einige Gebiete sind leider nicht mehr zu bereisen, wenn man sich nicht im Storymodus befindet. Die Rennstrecke gehört dazu. Hier hätte man sicherlich eine Möglichkeit einbauen können, Rennen zu fahren.

Die Sammelobjekte sind teils auch im Story-Modus verteilt. Wer alle haben möchte, muss sich also ordentlich umsehen!

Das Remake wurde erweitert

Neben der deutlichen Verbesserung der Grafik wurde auch an anderen Stellen erweitert und veredelt: Es gibt neue Zwischensequenzen und die Charaktere wirken insgesamt lebendiger und weniger steif. Die großartige Story wird dadurch noch besser.

Lediglich einige Schwachstellen kann man ausmachen: Die Animation beim Herunterfallen sieht regelrecht albern aus, der Nahkampf ist reichlich veraltet und manchmal gibt es den ein oder anderen Grafikschluckauf. Das sind aber insgesamt Kleinigkeiten, die vor dem Hintergrund des Gesamtwerkes untergehen.

Die harten Fakten:

  • Entwicklerstudio: Hangar 13
  • Publisher: 2K Games
  • Plattform: PC
  • Sprache: deutsch
  • Mindestanforderungen:
    • Setzt 64-Bit-Prozessor und -Betriebssystem voraus
    • Betriebssystem: Windows 10 64-bit
    • Prozessor: Intel Core-i5 2550K 3.4GHz / AMD FX 8120 3.1 GHz
    • Arbeitsspeicher: 6 GB RAM
    • Grafik: NVIDIA GeForce GTX 660 / AMD Radeon HD 7870
    • DirectX: Version 11
    • Speicherplatz: 50 GB verfügbarer Speicherplatz
    • Soundkarte: DirectX Compatible
  • Genre: Action
  • Releasedatum: 24.09.2020
  • Spielstunden: 13–15
  • Spieleranzahl: 1
  • Altersfreigabe: 18
  • Preis: 39,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Fazit

Mafia ist ein Klassiker mit fesselnder Story und packenden Charakteren. Selbst im Original wurde das trotz der geringen Details sehr gut transportiert. Das Remake verbessert die Grafik und erweitert die Story um einige Szenen, um den Charakteren mehr Raum zu geben, sich zu entfalten. Die Geschichte von Tommy Angelo zu erleben fühlt sich rund an und aufwühlend. Die ganze Stadt ist lebendig und aufregend mit einem unbeschreiblichen Charme der 1930er Jahre. Hier macht Hangar 13 alles richtig!

Bei der Steuerung hätte man sicherlich noch ein paar Verbesserungen anstreben können. Zwar gibt es ein Deckungssystem und auch die Möglichkeit, weniger offensiv zu spielen, doch gibt es damit immer mal wieder kleinere Probleme. Die Deckung zu verlassen fühlt sich ruckartig an und auch die Fahrzeuge – vor allem die Motorräder – reagieren manchmal allzu träge. Die Tastenbelegung ist teils unnötig kompliziert und nicht ausreichend anpassbar.

Nützliche Mechaniken aus Folgespielen des Originals wurden übernommen und die Spielschwierigkeit ist auf viele Arten und Weisen individuell einstellbar, wobei der klassische Modus das beste Originalerlebnis bietet.

Über zu wenig Action braucht man sich bei Mafia nicht zu beschweren.
Über zu wenig Action braucht man sich bei Mafia nicht zu beschweren.

Der Freifahrt-Modus ist mit kleinen Zusatzaufträgen versehen und erlaubt allen Spielenden, Lost Heaven auf eigene Faust zu erkunden und zu genießen. Leider sind nicht alle Gebiete uneingeschränkt befahrbar. Der Wiederspielwert ist durch die Sammelobjekte und den Freifahrt-Modus gegeben und dadurch, die Story noch einmal zu erleben. Doch verändern kann man an dem Verlauf der Geschichte nichts.

Es gibt eine große Anzahl an Remakes oder Remasters. Die Mafia Definitive Edition hatte hohe Erwartungen zu erfüllen und gerade wegen einiger schlechten Erfahrungen mit eben solchen Remakes stiegen die Erwartungen noch mehr. Das Spiel hat diese Erwartungen jedoch erfüllt und nur kleinere Mängel senken die Spielfreude. Für knapp 40 Euro erhält man einen großen Batzen liebevoll aufbereitete Nostalgie und auch ohne das Original zu kennen hat man mit der Mafia Definitive Edition ein hervorragendes Spiel an der Hand – voller Charme und großen Gefühlen.

Ein großartiges Remake
mit leichten Abzügen bei der Steuerung.

 

Artikelbilder: © 2K Games
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Alexa Kasparek
Screenshots: Norbert Schlüter
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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