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Monster jagen, erledigen und mit den gewonnenen Ressourcen die Ausrüstung aufbessern – und wieder geht’s von vorne los. Monster Hunter Rise kommt bei Fans der Reihe gut an. Aber wie viel Spaß macht das Spiel tatsächlich und wie gut funktioniert der Einstieg für Neulinge?

Mit 23 veröffentlichten Titeln und 17 Jahren auf dem Buckel ist Monster Hunter von Capcom bereits ein alter Hase unter den Videospiel-Reihen. Das Franchise erfreut sich inzwischen so großer Beliebtheit, dass es sich mittlerweile auch mit einem Kinofilm schmücken kann. Das grundlegende Spielprinzip ist dabei recht einfach: Begleitet von tierischen Gefährten machen wir uns auf in die Wildnis, um gigantische Monster zu bekämpfen. Anschließend bedienen wir uns an den Überresten und verwenden diese, um neue Ausrüstung herzustellen. Mit neuer Rüstung und neuen Waffen geht es dann wieder auf die Jagd, denn das nächste Monster wartet bereits.

Mit Monster Hunter Rise kam im März 2021 ein neuer Teil der Reihe raus. Diesmal verschlägt es uns in das Dorf Kamura, das durch erhöhte Monster-Aktivität in Bedrängnis gerät. Es gilt erneut, auszuziehen und Monster zu jagen, um die Zukunft des Dorfs sicherzustellen. Wie viel Spaß macht der Hybrid aus Beat ‚em Up und Action-RPG? Kann der Grind uns mit seinem Suchtpotential in seinen Bann ziehen oder hat Capcom ein Monster geschaffen?

Willkommen in Kamura

Endlich haben wir es geschafft: Nach langer Zeit des Trainings werden wir endlich zum vollwertigen Monster Hunter ernannt. Damit dürfen wir nun ausziehen und dem Dorf helfen, indem wir uns auf die Jagd nach den wilden Ungeheuern aufmachen. Viel tiefer ist die Story von Monster Hunter Rise nicht. (Falls es doch lieber ein Action-Adventure mit mehr Story sein soll, könnte beispielsweise Immortals: Fenyx Rising einen Blick wert sein.)

Die Aufträge, die wir erhalten, sind gestaffelt und werden nach und nach verfügbar. Zwischendurch kommt es zu Dialogen, bei denen uns die Dorfbewohner*innen bitten, ihre Probleme in Form von Sidequests zu lösen. Die eigentliche Story schreitet aber in Form von zentralen Missionen voran, die wir meist sofort erledigen müssen. Das dient jedoch mehr der Heranführung an die zahlreichen Elemente und Modi des Spiels und hat weniger mit einer packenden Story zu tun. In mehr als einer Hinsicht mutet das Spiel an wie ein MMORPG – man spielt es nicht wegen der tiefen Story oder dem hohen Immersionsgrad. Monster Hunter Rise spielt man wegen des hohen Suchtpotentials und der spannenden Kämpfe.

Die niedlichen Palicoes sind bereits aus früheren Teilen der Reihe bekannt.

Begleitet werden wir bei der Ausführung von Aufträgen von zwei tierischen Gesellen: Neben den bereits aus älteren Teilen bekannten anthropomorphen Katzen namens Palico steht uns auch ein treuer Palamute zur Seite. Bei letzteren handelt es sich um eine Art großer Hunde, auf denen wir reiten können, um uns schneller fortzubewegen.

Der Großteil der Missionen besteht darin, Monster zu jagen und zu vernichten. Dazu gilt es, Angriffe und Spezialmanöver zu mächtigen Combos zu verbinden. Auch der Einsatz von Verbrauchsgegenständen wie Bomben und Fallen kommen dabei zum Einsatz. Treffen zwei Monster aufeinander, gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, eines der beiden zu reiten. Einmal aufgesattelt, können wir das Monster dann so steuern, dass es das andere attackiert. Alternativ können wir es auch in eine Wand krachen lassen, um ihm Schaden zuzufügen. Haben wir das Monster besiegt, bedienen wir uns an den Überresten und kehren zurück ins Dorf.

Kämpfe sehen nicht nur episch aus, sondern fühlen sich auch so an.

Nach der Jagd ist vor der Jagd

Bevor wir die nächste Mission beginnen, ist es meist sinnvoll, Vorbereitungen zu treffen. Im Zuge dieser Vorbereitungen haben wir unterschiedliche Möglichkeiten. So können wir Ausrüstung schmieden und verbessern. Dabei gibt es nicht nur eine Vielzahl verfügbarer Waffen sondern auch eine Menge an Rüstungs-Sets, die jeweils aus den Ressourcen gebaut werden können, die wir den besiegten Monstern entnehmen.

Waffen können entlang eines Waffen-Baums geschmiedet werden.

Auch Verbrauchsgegenstände wie Heiltränke, Bomben und Fallen können hergestellt werden. Je nach verwendeter Waffe kann unterschiedliche Munition benutzt werden, um bestimmte Effekte zu erzielen. Auch diese Munition kann hergestellt werden. In der Regel werden zu diesem Zweck Ressourcen verwendet, die während der Quests nebenbei eingesammelt werden können.

Entscheiden wir uns schließlich für einen Quest, können wir noch eine Mahlzeit zu uns nehmen, um gewisse Effekte zu erhalten. Beispielsweise kann der Schaden reduziert oder die Wirksamkeit von Heiltränken verstärkt werden. Gestärkt und gerüstet machen wir uns dann schließlich auf in eines von fünf Gebieten, die jeweils eigene Monster beherbergen. Die unterschiedlichen Ortschaften wimmeln zudem vor Ressourcen: Es gibt Kräuter zu sammeln, Käfer zu fangen, Fische zu jagen. In der Welt sind darüber hinaus besondere Vögel namens Spiribirds verstreut. Begegnet man diesen, erhält man einen Bonus auf verschiedene Werte für den Rest des Auftrags. Rote Spiribirds bieten etwa einen Boost auf Angriffsstärke, grüne erhöhen die Lebenspunkte. Es kann sich also lohnen, vor der Auseinandersetzung mit einem Monster die Umgebung zu erkunden.

Spielmodi

In Monster Hunter Rise gibt es unterschiedliche Arten von Quests. In den meisten geht es darum, ein großes Ungeheuer zu jagen und zu besiegen. Es gibt jedoch auch Missionen, bei denen wir mehrere kleinere Monster erledigen müssen. Wieder andere Aufträge verlangen von uns, Gegenstände zu sammeln.

Für jede Mission haben wir 50 Minuten Zeit. Das ist in der Regel reichlich, um das Gebiet zu erkunden, Ressourcen zu sammeln, uns zu stärken und dem Zielmonster den Garaus zu machen. Zusätzlich gibt es noch die Hub-Quests, die sich durch höhere Schwierigkeit auszeichnen und erst später im Spiel oder mit Gefährt*innen bestritten werden sollten.

Im Questauswahlmenü können wir uns für eine Mission entscheiden.

Online-Koop

Neben dem Solospiel ermöglicht Monster Hunter Rise sowohl das Zusammenspiel mit Freund*innen als auch mit zufälligen Spielenden im Internet. Dazu brauchen alle jeweils eine eigene Switch und ein Spiel – eine Couch-Koop-Option gibt es nicht.

Das gemeinsame Spiel kann auf zwei Arten stattfinden. Eine Möglichkeit ist, eine Lobby zu eröffnen und sich mit anderen auf diese Weise zu verknüpfen. Die Mitspielenden tauchen dann im eigenen Dorf auf und können sich wie gewohnt auf eine Mission vorbereiten. Alle Mitspielenden können eine Hub-Quest annehmen. Sobald alle anderen ihre Zustimmung gegeben haben, kann die Mission losgehen.

Bei der anderen Variante ziehen wir allein los, um einen Hub-Quest zu absolvieren. Haben wir die Funktion zuvor aktiviert, so können andere Spielende sich unserer Mission anschließen. Sie tauchen dann während des Quests auf und unterstützen uns beim Kampf gegen das Monster. Anschließend können alle ihre Belohnungen abstauben. Gleichermaßen ist es möglich, andere bei ihren Hub-Quests zu unterstützen.

Die Welt von Monster Hunter: So groß wie die Ungeheuer darin

Bei einem Franchise, das bereits seit 17 Jahren besteht, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich über die Jahre hinweg ein gewisser Grad an Komplexität entwickelt hat. Entsprechend kompliziert sind die Systeme in Monster Hunter Rise. An sich ist das nicht weiter schlimm. Leider gibt das Spiel sich nicht ausreichend Mühe, um Neuankömmlingen in diesem Franchise unter die Arme zu greifen.

Das wahre Monster: Tutorials

Gleich zu Beginn des Spiels werden wir mit zahlreichen, textlastigen Tutorial-Fenstern konfrontiert. Diese erklären uns zentrale Spielmechaniken wie Fortbewegung, Kampf und Schmieden. Leider kommen diese Tutorials so schnell nacheinander und so zahlreich, dass die Aufmerksamkeitsspanne nicht immer ausreicht, um alle wichtigen Details zu behalten. Darüber hinaus ist das Timing nicht immer günstig gewählt. Mitunter tauchen die Tutorials früher auf als sie wirklich relevant werden, sodass die erlernten Mechaniken noch nicht ausprobiert werden können. Somit passiert es, dass wir wichtige Informationen bereits vergessen haben, wenn wir sie benötigen.

Wer Monster Hunter Rise spielen will, muss sich durch eine Menge Text wühlen.

Das ist besonders schade, weil es nicht schwer wäre, die Lernkurve abzuflachen und die Informationsflut zu reduzieren. Warum soll ich etwa am Anfang des Spiels lernen, dass ich schmieden kann, wenn ich noch gar keine Ressourcen dazu habe? Es wäre wesentlich wirksamer, den Info-Text erst dann anzuzeigen, wenn ich zum ersten Mal wirklich etwas schmieden kann. Alternativ könnte das Fenster jedes Mal angezeigt werden, es sei denn, wir setzen ein „Nicht noch mal zeigen“-Häkchen.

Darüber hinaus wird bei weitem nicht alles Wichtige in den Tutorials abgehandelt. Um die zahlreichen Systeme im Spiel zu durchdringen, ist es sinnvoll, die weiterführenden Informationen aus der „Hunter Info“ abzurufen, einer Art In-Game-Lexikon, in dem weiterführende Informationen nachgelesen werden können. Das ist eine Menge Text für ein Spiel, dessen Fokus eigentlich auf Jagd und Action liegt. Veteran*innen werden vermutlich kein Problem haben, in Monster Hunter Rise einzutauchen. Neulinge hingegen haben eine steile Lernkurve vor sich, die nur mit viel Geduld und Konzentration überwunden werden kann. Das ist schade, weil es wahrscheinlich dazu führt, dass manche frühzeitig aufgeben, obwohl ihnen das eigentliche Spielgeschehen eine Menge Spaß bereiten könnte.

Zu früh zu viel auf einmal

Mit der richtigen Waffe macht das Spiel eine Menge Spaß – doch die will mitunter erst gefunden werden.

Ein weiterer Ansatzpunkt sind die Quests. Diese könnten etwa so entworfen sein, dass sie dazu anregen, unterschiedliche Ansätze auszuprobieren. Gleich zu Beginn des Spiels gibt es beispielsweise 14 Waffenarten zur Auswahl, die sich alle unterschiedlich spielen, doch eine Einführung in die verschiedenen Typen gibt es nicht.

Wer keine Muße hat, alle Waffen einmal auszuprobieren, bemerkt möglicherweise erst spät im Spiel, dass es eine geeignetere Waffe für den persönlichen Spielstil gibt – oder gibt vorher auf. Für solche Fälle könnte es Missionen geben, die mit unterschiedlichen Waffen durchgeführt werden müssen, um die verschiedenen Spielstile kennenzulernen.

Auch die vielen Verbrauchsgegenstände werden nicht ausreichend vorgestellt. Gleich zum Spielstart ist das Inventar voll mit Fallen, Bomben und Krimskrams, doch wie und wozu wir die Sachen verwenden, erfahren wir nicht. Wenn wir hingegen erst nach und nach mit den Unmengen an Gegenständen konfrontiert würden, hätten wir die geistigen Kapazitäten zur Verfügung, uns mit diesen zu beschäftigen. Stattdessen werden wir von Beginn an mit unüberschaubar vielen Möglichkeiten überfrachtet.

Wenn das Inventar gleich zu Beginn so voll ist, fällt es schwer, einen Überblick zu bekommen.

Technische Merkmale

Das Spiel läuft insgesamt sehr flüssig und kommt mit vergleichsweise kurzen Ladezeiten aus. Es ist leider nicht Standard, dass Spiele, die so gut aussehen, auf der Switch so flüssig laufen. Hier hat Capcom gebührend Zeit in die Optimierung der Performanz investiert, was für ein angenehmes Spielerlebnis sorgt. Auch im Online-Spiel konnten wir keine Probleme feststellen. Monster Hunter Rise läuft durchgehend stabil und flüssig.

Während die Hintergrundmusik auf dem Marktplatz von Kamura definitiv zu aufdringlich ist (die Musik kann im eigenen Haus angepasst werden), schafft es der Soundtrack doch im Allgemeinen, die Atmosphäre des Spiels passend zu stützen. Besonders im Kampf mit den großen Monstern passt die musikalische Untermalung hervorragend zum Spielgeschehen und hält sich bei der sonstigen Erkundung der Wildnis angenehm zurück.

Die harten Fakten:

  • Entwicklerstudio: Capcom
  • Publisher: Capcom
  • Plattform: Nintendo Switch (PC-Version für Anfang 2022 geplant)
  • Sprache: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Russisch
  • Genre: Action-RPG
  • Releasedatum: 26. März 2021
  • Spielstunden: 20+
  • Spieler*innen-Anzahl: 1-4 im Online-Koop
  • Altersfreigabe: USK 12
  • Preis: EUR 39,95
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Fazit

Monster Hunter Rise besticht mit einem Spielprinzip, das gleichzeitig einfach und kompliziert ist. Der Auftrag ist klar: Töte das Monster. Wie wir das anstellen, ist hingegen eine ganz andere Geschichte. Bei den unzähligen Waffen, Ausrüstungen, Hilfsmitteln und Combos kann man schnell den Überblick verlieren. Besonders für Neulinge kann das so eine große Hürde sein, dass der Spaß in der Verwirrung untergeht. Zwar ist es nicht notwendig, gleich zu Beginn alle Systeme zu verstehen, doch das Waten durch den Nebel der Überforderung kann sich dennoch negativ auf den Spielspaß auswirken.

Dabei hat Monster Hunter Rise eine Menge zu bieten. Mit steigendem Durchblick entwickeln sich die Kämpfe von einem chaotischen Button-Mashing zu taktischen und spannenden Herausforderungen. Es macht Spaß, Combos hinzukriegen und gerade rechtzeitig auszuweichen, wenn ein Monster zum vernichtenden Schlag ausholt. Da der Fokus auf den Kämpfen mit einzelnen, großen Monstern liegt, kommt es selten zu chaotischen Spielsituationen. Stattdessen haben wir die Möglichkeit, uns voll und ganz auf ein Monster zu konzentrieren und so taktisch und gezielt zu agieren.

Der Kampf gegen einzelne Monster ermöglicht ein stressfreies Spielerlebnis.

Die größte Schwäche von Monster Hunter Rise ist der Umgang mit Informationen. Diese werden teilweise zum falschen Zeitpunkt und in zu großer Menge auf die Spielenden abgeladen – oder gar nicht. Viele Informationen müssen wir selbst einholen, indem wir das In-Game-Lexikon konsultieren. Intuitive und spaßige Spieler*innenführung geht anders.

Auch die Story ist eher mau – doch ähnlich wie ein MMORPG spielt man das Spiel nicht wegen der Story. Man spielt es, weil es ein Leichtes ist, Stunde um Stunde in Kamura zu verbringen. Nur noch eine Mission. Nur noch die eine neue Rüstung bauen. Nur noch schnell das Monster erledigen, das ich dafür brauche. Monster Hunter Rise bedient sich der bewährten Formel aus spannender Herausforderung und kostbarer Belohnung – und die macht süchtig.

  • Spannende Kämpfe
  • Hohes Suchtpotential
  • Kooperative Spielmodi
 

  • Schwieriger Einstieg durch dürftige Einführung
  • Story

 

Artikelbilder: © Capcom
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Denise Hollas
Dieses Produkt wurde privat finanziert.

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