Die Nighthaunt haben damals die zweite Edition von Age of Sigmar eingeleitet. Daher ist es gut und recht, dass diese nun endlich ein neues Kriegsbuch erhalten. Mit frischen Helden und einer neuen Einheit wird die Auswahl der Geister merklich erhöht. Doch ist das Upgrade gelungen?
Endlich, nach einer längeren Durststrecke 2021, hat die Geschwindigkeit der Regelveröffentlichungen für Warhammer: Age of Sigmar wieder Tempo aufgenommen. Inzwischen heißen die Battletomes auf Deutsch Kriegsbuch und bilden den gewohnten Mix aus Hintergrund und Regeln. Damals, 2018, bildeten die Nighthaunt eine der Hälften der damaligen Grundbox. Seitdem hat sich einiges getan und aus dem anfänglichen Rumpf ist eine ausstaffierte Armee geworden. Mit dem neuen Kriegsbuch gibt es, neben einigen wenigen Einheiten, auch Unterfraktionen als große Neuigkeiten. Doch wer sind eigentlich die Nighthaunt?
Inhaltsverzeichnis
Die Geister, die ich rief – Der Hintergrund
Die Nighthaunt sind eine der jüngeren Armeen der Fraktion des Todes, wobei inzwischen die Ossiarch Bonereapers die letzte wirklich neue Iteration darstellen. Während diese aus Knochen neu zusammengesetzt wurden, stellen die Nighthaunt eine schon fast klassische Geisterarmee da. Diese entstand im Zuge des sogenannten Nekrobebens, als der oberste Nekromant Nagash versuchte, in seiner auf dem Kopf stehenden schwarzen Pyramide ein großes Ritual zu vollziehen, um sich das Land des Lichts unter den Nagel zu reißen. Leider störten einige Skaven sein Ritual, das durch unbeabsichtigte Anwesenheit von Chaosmagie gehörig schief ging und dafür sorgte, dass sich die schwarze Pyramide wie ein gewaltiger Bohrer in die Erde drehte und so ungeheure magische Energie freisetzte. Nagash versuchte so viel wie möglich davon zu absorbieren, die überschüssige Kraft floss jedoch unkontrolliert in die anderen Länder und sorgte dort dafür, dass wahllos geisterhafte Tote aus den Gräbern getrieben wurden. Die Nighthaunt waren geboren.
Wer gerade bei dieser Erzählung kopfschüttelnd zurückbleibt, ist wahrscheinlich auf dem richtigen Weg. Seit jeher wird im Hintergrund von Age of Sigmar geklotzt und nicht gekleckert. Die Abstrusität kann man durchaus nicht mögen, gut geschrieben ist sie jedoch trotzdem. Das aktuelle Kriegsbuch führt den Hintergrund etwas weiter, ohne leider wirklich tief ins Detail zu gehen. So gibt es in dem aktuellen Teil der Zeitlinie, der sogenannten Era of the Beast, die Beschreibung einiger weiterer kleiner Ereignisse, ohne dass diese den Hintergrund der Nighthaunt ernsthaft voranbringen. In unseren Augen eine vertane Chance. Die optische Aufbereitung des Ganzen ist wiederum ein klarer Augenschmaus. Fantastische Zeichnungen, eine hübsch gemachte Karte, all das hat die gewohnte Games Workshop-Qualität. Doch was gibt es denn Neues abseits des Hintergrundes?
Rekruten aus den Gräbern – Neue Einheiten

Kein Kriegsbuch kommt ohne neue Einheiten und Regeln daher und auch die Nighthaunt sind hier keine Ausnahme. Einige neue Charaktermodelle machen dabei den Anfang. Awlrach The Drowner ist dabei wahrscheinlich das auffälligste Modell, fährt der gute Mann doch in einem geisterhaften Schiff aus morschem Holz und Knochen übers Schlachtfeld. Er bekämpft Feinde nicht nur mit seinem hölzernen Paddel, sondern er kann eigene Einheiten vom Schlachtfeld entfernen und sich zusammen mit diesen an einer anderen Stelle wieder aufstellen. Eine gute Möglichkeit für eine so auf den Nahkampf orientierte Armee wie die Nighthaunt.
Der Scriptor Mortis wiederum ist eine Art Attentäter gegen gegnerische Charaktermodelle. Dieser kann sie in sein Buch schreiben und so in jeder Schlachtrunde nach der ersten potenziell tödliche Wunden verursachen. Da das Modell selbst fragil ist, sollte man ihn aus allen Kämpfen heraushalten. Der Krulghast Cruciator verhindert einen Teil des Schadens, den gegnerische Einheiten in der Nähe von Nighthaunt-Modellen anrichten würden. Seine Reichweite ist jedoch recht begrenzt, was den Einsatz schwierig machen könnte.

Den Abschluss bildet schließlich die Craventhrone Guard, die einzige neue Einheit aus mehreren Modellen und die erste Fernkampfeinheit der Nighthaunt. Wobei Fernkampf hier ein großes Wort ist, hat die Einheit doch eine Reichweite von 12 Zoll. Ob sich diese dann lohnen, ist doch fraglich, sind sie doch deutlich teurer als beispielsweise Ghrimghast Reapers, die deutlich mehr Schaden machen dürften. Insgesamt fügen sich die neuen Einheiten aber ausgezeichnet ins Gesamtbild ein. Kutten, geisterhafte Erscheinungen und schwebende Einheiten bilden weiterhin das Bild einer Armee, die schnell einen einheitlichen Look bekommt, auch ohne große Malkünste.

Die bisherigen Einheiten müssen sich, auf Grund des recht jungen Alters, noch nicht vor den Neuveröffentlichungen verstecken. Auch dort zeigt sich eine gute Mischung aus europäischer Geistergeschichte und Spukschlossromantik. Lady Olynder, die Mortarchin und damit Anführerin der Nighthaunt, könnte auch direkt aus einem Gruselroman entsprungen sein. Vor allem in einer einheitlichen Bemalung sieht die Armee daher gut auf dem Schlachtfeld aus und erscheint wie eine endlose Flut aus schemenhaften Gestalten und Klingen, die sich auf den Gegner zubewegen.
Im Tod vereint – Neue Regeln
Neben den neuen Einheiten haben sich auch die allgemeinen Regeln der Nighthaunt leicht verändert. So gibt es erstmals vier verschiedene Fraktionen innerhalb der Geister, die jeweils einen unterschiedlichen Vorteil mitbringen. Die Grieving Legion verhindert, dass gegnerische Einheiten sich zurückziehen, wenn sie sich mit großen Nighthaunt-Einheiten im Nahkampf befinden. Der Emerald Host wiederum wählt zu Beginn zwischen zwei und vier gegnerische Einheiten aus, die jede Runde Schaden bekommen. Scarlett Doom und Quilksilver Dead wiederum verstärken einzelne Einheiten. Schön gelöst ist der Umgang mit besonderen Charaktermodellen. Diese gehören zwar alle der Grieving Legion an, verhindern aber durch ihre Anwesenheit in einer Armee nicht, dass man die Sonderregeln einer anderen Fraktion nutzt. Sie selbst profitieren davon dann jedoch nicht. Die restlichen Fähigkeiten drehen sich im großen Stil um das Thema Angst und die geisterhafte Erscheinung der Nighthaunt.

Wave of Terror lässt Einheiten beispielsweise sich schlechter gegen angreifende Nighthaunt-Einheiten verteidigen, je weiter diese vor dem Angriff vom Ziel entfernt waren. Eine schöne thematische Idee, um zu simulieren, dass die Geister viel schlimmer sind, wenn man nicht genug Zeit hatte, sich diese anzusehen. Um die unterschiedlichen Effekte dieser Fähigkeit auf dem Schlachtfeld darzustellen, liegen dem Kriegsbuch eine ganze Reihe Papptoken bei. Frightful Touch ist eine weitere Fähigkeit und lässt Trefferwürfe von 6 automatisch verwunden. Vanishing Phantasms schlussendlich sorgt dafür, dass man bis zu drei Einheiten in Reserve aufstellen darf, um diese am Ende einer Bewegungsphase mehr als neun Zoll von einer gegnerischen Einheit entfernt ins Spiel zu bringen. Insgesamt unterstützen alle Regeln den Stil der Nighthaunt. Im Nahkampf mit maximalem Effekt zuschlagen und dabei möglichst Ziele vermeiden, die einem selbst gefährlich werden können. Und damit kommen wir zum nächsten Punkt: dem Spielstil.
Ein wohlüberlegtes Manöver – Die Nighthaunt auf dem Schlachtfeld
Wie schon zuvor angedeutet, müssen Züge mit den Nighthaunt wohl überlegt werden. Wer blindlings vorwärts stürmt, gewinnt mit der Armee meist keinen Blumentopf. Stattdessen sollte man alle Fähigkeiten gezielt einsetzen, um zu triumphieren. Große Einheiten aus einfachen Infanteriemodellen können schnell dazu verleiten, dass man diese nach vorne wirft und das Beste hofft. Viel effektiver ist es jedoch, die unglaublichen Bewegungsweiten auszunutzen und Gegner auch einmal in die Irre zu führen. Warum nicht eine starke Einheit auf einer Flanke aufstellen und dann mit dem neuen Charaktermodell diese die Flanke wechseln lassen, so dass der Gegner plötzlich im Nichts ohne Ziel steht? Wer Spaß an solchen Überlegungen hat, wird hier potenziell eine Armee für sich finden. Gleichzeitig verlangt einem die Armee einen offensiven Kampfstil ab. Wenige Fernkampfeinheiten zwingen einen ganz automatisch in den Nahkampf, wo die Geister ihre Stärken ausspielen können. Das ist logischerweise nicht etwas für jede*n Spieler*in. Wer sich jedoch auf diese Idee einlassen kann, findet hier eine Armee, die durchaus überzeugen kann und gute Spielzüge direkt belohnt.

Auch zum Anmalen lohnt sich die Armee, bietet sie doch eine großartige Kombination aus geraden Linien und feinen Details. Wer eine klassische Geistergeschichte aufs Feld führen möchte, die dort Angst und Schrecken verbreitet, kann sich mit unterschiedlichsten Farbpaletten austoben. Neben einem klassischen grün-weiß können auch exotischere Varianten in Rot oder Violett gut aussehen.
Wer Nighthaunt sammeln möchte und vielleicht eine*n Bekannte*n hat, der*die die Hexenschwestern der Daughters of Khaine spielt, könnte über die Anschaffung der Arena of Shades-Box nachdenken. In dieser finden sich auf Nighthauntseite ein Librarian Mortis, 5 Craventhrone Guards, 10 Bladegheist Revenants, 1 Spirit Torment, 2 Chain Hashes und 4 Myrmourn Banshees. Eine gute Möglichkeit, eine bestehende Armee auszubauen oder aber eine neue zu beginnen.
Die harten Fakten:
- Verlag: Games Workshop
- Erscheinungsjahr: 2022
- Sprache: Deutsch/Englisch
- Preis: OVP
- Bezugsquelle: Fachhandel, Games Workshop, KuTaMi
Alles gut bei den Geistern? – Ein Fazit
Das neue Kriegsbuch der Nighthaunt tut eigentlich alles, was es soll. Vorher etwas unsaubere Enden der Armee werden zusammengeführt, neue Einheiten werden vorgestellt und passende Regeln untermalen die gruseligen Untoten. Trotzdem hätte es von vielen Dingen noch etwas mehr sein können. Mehr neue Einheiten und vor allem mehr Hintergrund.
So kann man zwar immer noch rundherum zufrieden mit dem neuen Buch sein, aber ein gewisses „Und nun?“ bleibt trotzdem bei einem zurück.

- Gute Erweiterung der bestehenden Armee
- Großartige Artworks
- Cineastische Regeln
- Nur eine neue Infanterie-Einheit
- Der Hintergrund wurde nicht fortgeführt.
Artikelbilder: © Games Workshop
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Saskia Harendt
Fotografien: Markus Kastell
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.


















