Talentiert und in gefährlichen Situationen zur Stelle: Hilfs-NSC sind eine beliebte Möglichkeit, den Charakteren der Spielenden in der Kampagne als Begleitungen beizustehen. Je nach Powerlevel können sie kleinere Aufgaben erledigen oder als mächtige Verbündete auftreten. Dabei sollte jedoch auf eine ausgewogene Balance geachtet werden, damit genug Spielspaß garantiert bleibt.
Was wäre Der Hobbit oder Der Herr der Ringe ohne Gandalf? Als übergroße Mentor*innen-Figur trifft der mächtige Zauberer im grauen und weißen Gewand stets dann ein, wenn er es beabsichtigt. Er hat für die Belange der anderen Charaktere ein offenes Ohr, lässt ihnen aber genug Freiraum in der Geschichte, damit diese ihre eigenen Herausforderungen bewältigen können. Und wie langweilig wäre es für die Handlung, wenn Gandalf und die Adler mit ihren Fähigkeiten das Problem um Saurons Ring allein lösen würden? Der „Graue Pilger“ ist ein hervorragendes Beispiel für einen Hilfs-NSC und wie Spielleitungen diese einsetzen können, um die Gruppe bei ihrem Abenteuer zu unterstützen. Bevor es um die Details geht, braucht es zunächst eine Definition.
Keine typischen Trigger.
Inhaltsverzeichnis
Hilfs-NSC? Eine Begriffsklärung
Ein klassisches Pen-and-Paper dreht sich in der Handlung um eine Gemeinschaft an Abenteurer*innen, die gemeinsam vor Aufgaben gestellt werden. Alle übrigen Nicht-Spielenden-Charaktere (NSC) werden von der Spielleitung verkörpert und interagieren mit den Charakteren. Die NSC können eine Reihe an Aufgaben in der Geschichte erfüllen. Unter anderem können sie als Antagonist*innen die Gruppe bedrohen oder sie als Questgeber*innen in einen neuen Handlungsstrang einführen. Im Falle von Hilfs-NSC sind Personen in der Erzählung gemeint, die den Hauptcharakteren in der ein oder anderen Form ihre Unterstützung anbieten und/oder sie während des Abenteuers begleiten. Was das konkret bedeuten kann, wird in den folgenden Abschnitten erläutert.

„Du kommst mit uns mit!“
Eines vorneweg: Nicht alle Hilfs-NSC müssen über eine lange Hintergrundgeschichte verfügen oder bei ihrem Einstieg in die Handlung komplett vorgeschrieben sein. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall. Die Spielenden entscheiden sich unerwartet dazu, eine schnell erdachte Nebenperson zum neuesten Mitglied der Gruppe zu machen. Statt die Idee auszuschlagen, kann die SL sich entscheiden, der Figur mehr Tiefgang zu verleihen. Womöglich reist der*die einfache Handwerker*in für ein paar Tage mit, und muss dann vor den weiteren Gefahren des Abenteurer*innen-Lebens beschützt werden. In der aktuellen Version von Dungeons & Dragons wird sogar ein Sidekick-System vorgestellt, um solche Persönlichkeiten ins Spiel zu integrieren. In der Regel sollten die wichtigeren Hilfs-NSC jedoch bewusst und mit Überlegungen im Vorfeld eingeführt werden in die Geschichte.
Was braucht ihr? Arten von Hilfs-NSC
Je nach Herausforderung können Hilfs-NSC eine Reihe an Aufgaben übernehmen. Ähnlich wie die Charaktere der Spielenden erfüllen sie häufig eine Rolle oder einen Archetyp. In der Gruppe befinden sich nur Fernkämpfer*innen? Dann kann ein*e Frontkämpfer*in mit starker Rüstung die ideale Verstärkung sein. Die Quest führt in einen Dschungel voller Gefahren? Für sicheres Geleit sorgt ein*e Späher*in mit Ahnung über die Flora und Fauna vor Ort. Die Charaktere haben alle keine exzellente Schulbildung genossen und sprechen deshalb kein Altgriechisch? Kein Problem, sofern sie Kontakt zu dem*der Professor*in aufbauen können.
Oder es braucht Plätze auf der Gästeliste der großen Party? Gegen einen Aufpreis kann der*die Charmeur*in noch ein paar Namen ergänzen lassen. Wie die Beispiele zeigen, gibt es für Spielleitungen eine Menge Möglichkeiten zur Entfaltung. Allerdings sollte auf eine gewisse Balance bei der Unterstützung geachtet werden. Schließlich sollen die Spielenden nicht alles auf dem Silbertablett serviert bekommen.

Zuviel des Guten – Wenn Hilfs-NSC stören
Es ist eine wiederkehrende Geschichte aus diversen Rollenspiel-Horror-Storys: In der Erzählung der Spielleitung tritt immer wieder ein wichtiger NSC auf. Dieser Charakter sieht zufällig wie eine idealisierte Version der SL aus, besitzt unglaubliche Fähigkeiten und löst im Vorbeigehen den Plot. Gegen diesen „Hilfs-SC“ vorzugehen ist zwecklos. Nicht nur erkennt die Figur jeden Hinterhalt, sondern weiß die Situation perfekt zu kontern. Hinzu kommen eine Unmenge an Trefferpunkten und mächtige magische Artefakte, um selbst Horden an Monstern mit einer Hand vernichten zu können.
Solche Erscheinungen werden hin und wieder böswillig als „SL-Spielercharakter“ bezeichnet, eine überzeichnete Verkörperung der Spielleitung. Diese ist zu präsent in der Erzählung vertreten und macht die Gruppe obsolet. Statt eine Geschichte zu erleben, fühlen sich die Spielenden in diesen Situationen wie Zuhörer*innen in einer Lesung. Spaß und Kooperation sehen anders aus.
Zeit am Spieltisch
Die gemeinsame Zeit für die Pen-and-Paper-Runde ist je nach Sitzung zeitlich begrenzt. Gerade bei größeren Gruppen ist es daher sinnvoll darauf zu achten, dass alle Spielenden genügend Zeit zur Verkörperung ihres Charakters bekommen. Wenn nur eine Person die Aufmerksamkeit bekommt oder die Handlung aktiv voranbringt, kann am Spieltisch schnell Frust aufkommen. Wie oben angedeutet ist das speziell für Spielleitungen eine Gefahr.
Eine SL übernimmt je nach System gut ein Drittel bis die Hälfte aller Redebeiträge. Jeder permanente Hilfs-NSC im Gefolge der Gruppe nimmt auf Dauer weitere Spielzeit und damit Handlungsmöglichkeiten weg. Manchmal lässt sich das kompensieren, in dem diese sich nicht aktiv an der Szene beteiligen – etwa, weil sie anderweitig mit Kämpfen beschäftigt sind oder weil sie andere Erledigungen für die Truppe tätigen. Die Hilfs-NSC sollten jedoch langfristig nicht komplett ignoriert werden. Wozu sind sie sonst dabei?
Machtlevel und das Spiel

In einer Reihe an Pen-and-Paper-Abenteuern begibt sich die Gruppe auf eine Reise, um gemeinsam eine nahende Bedrohung abzuwenden. Dabei können die Hilfs-NSC mal als Begleitung, mal als besondere Kraft für spezielle Fälle in Erscheinung treten. Je nach Machtlevel der Figur sollten Spielleitungen sich überlegen, inwiefern die Unterstützer*innen der Charaktere in die Geschehnisse involviert werden sollen. Womöglich haben die Hilfs-NSC andere Aufgaben zu erledigen, die sich auf einem größeren Level abspielen. Während die Gruppe ein Dorf vor einer Horde Untoter rettet, sucht der Hilfs-NSC derweil nach dem Lich, der für den Angriff verantwortlich ist. Ein paar Beispiele, wie die SL einen mächtigeren Nicht-Spielenden-Charakter in die Handlung einbauen kann, sind im Folgenden aufgelistet.
Rettung in letzter Sekunde
Nicht immer ist das Glück auf der Seite der Spielenden. Ein paar misslungene Würfe oder taktische Fehler können ausreichen, dass das Überleben der Charaktere am seidenen Faden hängt. In solchen Notfällen können Hilfs-NSC den frühzeitigen Tod der Gruppe gerade noch verhindern. Je nach Art der Bedrohung können die Unterstützer*innen beispielsweise mit einer Finte die Monster in die Flucht schlagen oder sich heroisch opfern, um den anderen die Chance zur Flucht zu ermöglichen. Die Hilfe kann kurzfristig genutzt werden, damit die SC verschnaufen können. Je nach emotionaler Verbindung können sich ebenso spannende Rollenspiel-Szenen entwickeln, wenn um den Hilfs-NSC getrauert wird. Wichtig ist, dass die Rettung nicht inflationär genutzt wird. Andernfalls fällt für Spielende die Bedrohung der Situation weg, wenn sie nicht direkt scheitern können.
Der Diebstahlschutz in Person
In vielen klassischen Fantasy-Systemen wie etwa Dungeons & Dragons gibt es für Abenteurer*innen hin und wieder Geschäfte für magische Gegenstände. Auf der Suche nach Heiltränken und anderen Verbesserungen für die Ausrüstung kommt die Gruppe gerne vorbei, wenn sie denn über das nötige Kleingeld verfügt. Die oftmals schrullig-liebenswerten Händler*innen bieten viel Potenzial als unterstützende Kräfte. Sie können beispielsweise Hinweise für Quests geben oder an ihre Kontaktpersonen weiterleiten. Mit der Freundlichkeit ist es jedoch schnell vorbei, wenn die Charaktere etwas aus dem Regal stehlen wollen. Wie in alter JRPG-Manier erinnert sich der Hilfs-NSC an seine Tage als Schwertkämpfer*in oder Magier*in und zeigt den Dieb*innen, dass sie sich mit der falschen Person angelegt haben. Für den Rest der Truppe bleibt zu hoffen, dass sie nur Hausverbot bekommen …

Göttlicher Beistand
Die antike Mythenwelt ist voller Erzählungen, in denen Gött*innen unter den Menschen wandeln und diese in Verkleidung beeinflussen. Das kann auch für ein Pen-and-Paper als Idee genutzt werden. Die Spielleitung sollte sich zuvor Gedanken um die Motivation der Gottheit machen. Will diese die Gruppe prüfen? Ist sie hier, um Späße mit den Sterblichen zu treiben? Und wieso kann sie ihre übermächtigen Kräfte nicht für die Lösung des Konfliktes einsetzen? Die gläubigen Charaktere können dieses Aufeinandertreffen nutzen, um religiöses Rollenspiel zu betreiben und womöglich Anerkennung zu sammeln. Bei den eher agnostischen Persönlichkeiten kann gerade der Kontrast mit einem göttlichen Wesen dagegen für interessante Diskussionen im Spiel sorgen.
Fazit: Hilfs-NSC lieber sorgsam streuen

Wie die Beispiele zeigen, sollten Spielleitungen bei den unterstützenden Nicht-Spielenden-Charakteren lieber auf Qualität statt Quantität setzen. Die Hilfs-NSC können eine Reihe an Aufgaben in der Handlung übernehmen, je nach Powerlevel von einfachen Botengängen bis hin zu zentraler Unterstützung im Kampf. Der Fokus der Aktion sollte jedoch stets bei den Spielenden liegen. Sie sind es, die mit der Gruppe eine Geschichte erleben und die Welt verändern. Hilfs-NSC sollten dagegen wie Gandalf agieren: Stets zur passenden Zeit am passenden Ort sein, aber nicht alle Probleme im Alleingang lösen. Wer weitere Anregungen für glaubhafte NSC sucht, kann hier gute Tipps finden.
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Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Sabrina Plote


















