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Deckbau-Mechanismus, freispielbare Schachteln, Illustrationen von The Mico: Bei wem jetzt alle Spielglocken klingeln, ist wahrscheinlich genauso musikalisch wie die Bard*innen von Bardwood Grove. Perfekte Voraussetzung, um aus einem Kartendeck schöne Lieder zu komponieren und damit auf Bühnen aufzutreten, Fans für sich zu gewinnen, Sagen zu erzählen oder Kreaturen zu besänftigen.

Das Land der Fünf Reiche ist manchen vielleicht schon dank Merchants Cove bekannt. Neben Zwergen, Troblingen, Elfen und Menschen sind hier auch Halblinge zu Hause. In ihrem Reich befindet sich Bardwood Grove, ein Ort, an dem aus kristallenen Bardensteinen und Holz von Bardwoodbäumen einzigartig magische Lieder entstehen. Wie immersiv diese Melodien am Brettspieltisch klingen, haben wir für euch getestet.

Triggerwarnungen

keine typischen Trigger

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Spielablauf

Banjo, Trommel, Horn oder Harfe: Zu Spielbeginn wählen alle Bard*innen ein eigenes Instrument und damit auch ein individuelles Deck. Damit ziehen sie mit dem dazugehörigen Charakter in ihre Probenhöhle mit magnetischer Halbling-Tür ein.

Die Probenhöhle des Blechblas-Bariton bei Spielbeginn
Die Probenhöhle des Blechblas-Bariton bei Spielbeginn

Und schon kann das Komponieren losgehen. Dafür haben alle Bard*innen zwei Handkarten und müssen der Reihe nach wählen, welche Karte zum Lied rechts neben der Probenhöhle hinzugefügt und welche abgeworfen wird. Beim Abwerfen wird der untere Teil der Karte ausgelöst, mit dem Temporad (Halbling-Tür) und Lautstärke beeinflusst werden. Je nachdem, auf welches Viertel die Rune vom Temporad zeigt, darf sich dann ein bis drei Schritte auf dem Spielplan bewegt werden.

Überschreitet das Runenzeichen den Blumenkasten über der Tür der Probenhöhle, wird das komponierte Lied gesungen und die zentralen Symbole auf den Karten ausgelöst. Außerdem darf auf dem Spielbrett jedes Feld ausgeführt werden, an dem die eigene Spielfigur aktuell angrenzend steht. Die Reihenfolge darüber bestimmt jede*r Bard*in selbst, was zu einem klischeehaften Künstler*innen-Chaos führen kann. Denn es gibt zwar die sogenannte Box des Grauens, in der erhaltene und ausgegebene Texte und Melodien (Ressourcen) visualisiert werden können. Allerdings muss währenddessen auch im Blick behalten werden, welcher Teil des Liedes bereits gesungen wurde und welches angrenzende Feld schon besucht wurde, um das Beste aus der Performance herauszuholen.

Loux Mondlied kann alle vier angrenzenden Felder besuchen, zum Beispiel die Bühne im Bardrock Café

Auf dem Spielplan können mit den Texten aus dem Lied zum Beispiel Sagen erzählt werden, um Siegbedingungen für das Spielende freizuspielen. Werden die Texte auf einer Bühne wiedergegeben, bringen sie Siegpunkte in Juwelenform und hilfreiche Fans, die dem eigenen Deck hinzugefügt werden. Das Deck kann aber auch erweitert werden, indem im Laden weitere Karten mit Münzen gekauft oder Kreaturen mit Melodien besänftigt werden. Während eines Liedvortrags kann es nach Spieler*innen-Typ und -Anzahl zu längerer Downtime kommen.

Denn die Lieder der anderen sind nur dann interessant, wenn dadurch selbst eingeplante Bühnenplätze belegt werden oder die*der Bard*in eine andere Spielfigur im gleichen Feld herausfordert. Auch hier zählt die Währung Melodie, für die es bei gemeisterter Herausforderung eines der gegnerischen Abzeichen gibt. Das wiederum kann für andere Belohnungen eingelöst werden. Mit mehr Mitspielenden steigen hier sowohl die Interaktion als auch die Downtime.

Neben Melodien, Texten, Lautstärke und Münzen sind auch die kristallenen Bardensteine wertvolle Ressourcen. Um die Reichweite für Herausforderungen oder Besänftigungen zu erhöhen, gibt es rote Weitsteine. Die lilafarbenen Bardensteine sind auch für Farbfehlsichtige von den roten gut zu unterscheiden und können als Joker anstelle von Melodien oder Texten ausgegeben werden.

Die Spieldauer wird von einem festgelegten Pool aus Juwelen bestimmt. Ist dieser leer, darf jedes ausliegende Lied noch einmal ertönen, und dann werden ganz klassisch die Siegpunkte gezählt.

Die Schachteln

Ein Teil der Deluxe-Materialien im Vergleich zum Standardmaterial
Ein Teil der Deluxe-Materialien im Vergleich zum Standardmaterial

Nach der ersten Partie können weitere Spielinhalte freigespielt werden. Dafür gibt es in der Anleitung Vorschläge für einen schnellen, normalen oder langsamen Pfad, um nach und nach alle Schachteln in zwei, fünf oder zehn Partien zu öffnen. Wer direkt das volle Spielerlebnis möchte, kann aber auch schon das gesamte Material ab dem ersten Spiel integrieren.

Was ist in den Schachteln?

Mit den ersten vier Schachteln kommen neue Bard*innen, Kristalle und dazu passende Karten hinzu. Auch die neuen Kristalle sind für farbfehlsichtige Spielende unterscheidbar und bringen neue Eigenschaften mit, wodurch das Spiel abwechslungsreicher wird. Zum Beispiel braucht es mit einem gelben Handelsstein weder Geld noch einen angrenzenden Laden, um eine Karte zu erwerben. In der fünften Schachtel gibt es verbesserte Karten zum Austausch des Startdecks, die während des Spiels erworben werden können und etwas mehr Spieltiefe bringen. In jeder Schachtel gibt es eine Inhaltsübersicht, damit das Spiel zurückgesetzt werden kann. Wer wenig Geduld hat, wird dabei auf die Probe gestellt. Eine kleine Markierung auf den Kartenvorderseiten wäre an dieser Stelle die elegantere Lösung gewesen.

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Solomodus

Mit dem Solomodus kommt der Rivale mit extra Material auf den Tisch. Um gegen diesen Automa zu spielen, muss eine weitere Anleitung gelesen und einige zusätzliche Regeln gelernt werden. Diese sollten in der ersten Partie am besten in Sichtweite liegen, denn der Rivale agiert auf fast allen Feldern anders. Bis sich das flüssig in den Spielablauf integriert, braucht es mindestens eine Partie. Wer auch danach den Verwaltungsaufwand des Automa nicht scheut, kann in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gegen den Rivalen antreten.

Ausstattung

Die idyllische Atmosphäre von Bardwood Grove ist schon auf dem Schachtel-Cover erkennbar und zieht sich mit den Illustrationen von The Mico über Karten und Spielplan. Unterstrichen wird das auch mit kleinen Überschriften aus der Literatur- und Musikszene.

Liebevolle Anspielungen aus Schachtelinhalten

Im Laufe des Spiels kommen zum Beispiel der Orkester-Fan, Heer der Klinge oder das La-La-Pa-Loo-Za dazu.

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Die Pogo-Plattform, auf der sich die Fans rangeln, ist während der Partie leider nicht sichtbar, da sie zu den Feldern gehört, die auf dem ohnehin vollen Spielfeld – vermutlich aus Platzgründen – mit Karten belegt sind.

Die Anzeige bei der Box des Grauens ist mal wieder verrutscht
Die Anzeige bei der Box des Grauens ist mal wieder verrutscht

Die Karten sind leicht beschichtet und dünn, dafür ist das Spieltableau doppellagig und macht vor allem wegen der magnetischen Halbling-Tür Spaß. Weniger Spaß macht die Box des Grauens, deren Räder sich leider viel zu leicht verstellen lassen, sodass die Ressourcen-Anzeige eher Last als Unterstützung ist.

Die Anleitung ist vom Aufbau etwas ungewöhnlich, aber durch große Überschriften und viele Bilder übersichtlich gestaltet. Die Rückseite wird sinnvoll für eine Symbolübersicht genutzt. Für alle Mitspielenden gibt es außerdem noch eine große Übersichtskarte mit Zugablauf und Glossar, die durch doppelseitigen Druck auch halb so groß hätte ausfallen können.

In der Retail-Version sind nur die Spielfiguren aus dickem Holz. Der Unterschied zur Deluxe-Version wird besonders deutlich bei den Münzen und Kristallen, die hier aus Pappe bestehen und daher im Vergleich traurig abschneiden. Mit der Deluxe-Variante gewinnt das Spiel deutlich an haptischem und optischem Spielspaß. Das gesamte Material kommt in der Schachtel in einem Inlay aus festem Plastik unter, wodurch für Ordnung gesorgt werden kann.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Giant Roc, Final Frontier Games
  • Autor*in(nen): Carl Van Ostrand, Drake Villareal
  • Illustrator*in(nen): Mihajlo Dimitrievski “The Mico”
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Sprache: deutsch
  • Spieldauer: 90 – 120 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 4 (Empfohlen mit 2, nicht empfohlen mit 4)
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Preis: 80 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus/Downloadcontent

Neben den englischen Regeln für das Spiel ab zwei Personen finden sich auf BoardGameGeek auch die Soloregeln und die Kurzübersicht für den Automa in englischer Sprache.

Für ein besonders atmosphärisches Spielerlebnis gibt es bei Amazon Music den Original Board Game Soundtrack von Risto Trajkovski.

Sowohl das Deluxe Upgrade als auch die Erweiterung Geister des Hains sind für knapp 20 EUR erhältlich.

Fazit

Bardwood Grove kommt mit einem schönen Thema und einer netten Spielidee daher. Die Illustrationen und die liebevollen Anspielungen auf Literatur- und Musikszene verleihen dem Spiel einen niedlichen Charme. Aber durch die Unübersichtlichkeit beim Liedvortrag, der aus Abhandlung von Karten, Feldern und Ressourcentausch besteht, konnte bei uns leider kein immersives Gefühl aufkommen.

Ein Highlight des Spielmaterials sind die magnetischen Halbling-Türen, während das andere Spielmaterial aus Pappe im Vergleich zur teureren Deluxe-Variante, die den Gesamtpreis auf über hundert Euro hebt, bedauerlicherweise an Wert verliert. Dies stellt für uns das Preis-Leistungs-Verhältnis in Frage. Zwar tragen die individuellen Decks und auch die freispielbaren Schachteln zum Wiederspielwert bei, allerdings konnten wir letztere – ähnlich wie bei Revive – schneller ins Spiel integrieren als empfohlen. Davon waren wir etwas enttäuscht, denn vom Öffnen der Schachteln hatten wir uns mehr Reiz und Spannung erhofft. Nichtsdestotrotz bringt jede Schachtel etwas mehr Abwechslung ins Spiel, und wer das gerne nach und nach integrieren möchte, hat mit den freispielbaren Empfehlungen sicher Spaß.

Freund*innen des Solospiels können mit extra Material in verschiedenen Schwierigkeitsstufen gegen den Automa antreten. Der kommt allerdings mit vielen Extra-Regeln daher und hat bei uns mehr Verwaltungsaufwand als Spielspaß auf den Tisch gebracht.

Alles in allem konnte uns Bardwood Grove nicht so richtig überzeugen und deshalb jubeln bei uns nur drei von fünf Fans auf der Pogo-Plattform.

 

  • Schönes Thema
  • Liebevolle Anspielungen

 

  • Wenig Immersion
  • Unübersichtlichkeit
  • Preis- Leistungs- Verhältnis

Artikelbilder: © Giant Roc
Layout und Satz: Mika Eisenstern

Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Nele Peetz
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