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In der Welt Arvendor treffen Mystik und Relikt-Technologie aufeinander. Als eine Gruppe Auserwählter mit mystischen Fähigkeiten können die Charaktere verborgene Kräfte erwecken oder jagen. Sie können die gefährlichen Ruinen einer untergegangenen Zivilisation erforschen und uralte Geheimnisse enthüllen. Wer wird die Wunder Arvendors entdecken oder ihren Gefahren zum Opfer fallen?

Die Welt von Arvendor ist ein ambitioniertes Pen-and-Paper-Rollenspielprojekt, das der privaten Initiative von Philip und Larissa Fuchs entsprungen ist. In diesem einzigartigen Science-Fantasy-Setting verschmelzen geheimnisvolle Technologien mit den Mysterien einer uralten untergegangen Kultur. Was als persönliches Herzensprojekt begann, sollte durch eine Kickstarter-Kampagne veröffentlicht werden, die jedoch leider nicht erfolgreich war. Aktuell befindet sich Arvendor in einer Phase der Überarbeitung und Weiterentwicklung. Dabei setzen die Autor*innen stark auf die Einbindung der Community, um das Spielerlebnis gemeinsam zu formen. Eine innovative Ergänzung stellt ein Aufbauspiel dar, das die Welt von Arvendor zusätzlich gestalten soll. Der Einsatz von KI-Tools während des Entwicklungsprozesses wird ausdrücklich als Werkzeug zur Gestaltung der Spielwelt verwendet. Auf der Webseite gibt es weitere Details zu der Entstehung dieses Projektes.

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Nach dem Sturm – Die Welt Arvendor

Arvendor ist eine Welt, deren Geschichte von den Altvorderen geprägt wurde, einer einstigen Hochkultur. Sie hinterließen beeindruckende monumentale Städte, geheimnisvolle Anlagen und die sogenannte Reliktech, deren Funktionsweise oft im Dunkeln liegt. Das plötzliche Verschwinden dieser Zivilisation gab ihre Errungenschaften dem Verfall preis.

Die heutige Außenwelt Arvendors präsentiert sich als gefährliches und ungezähmtes Land. Instabile Reliktech liegt in der Wildnis verborgen und eine unberechenbare Flora und Fauna stellen ständige Bedrohungen dar. Die einstigen Wunder der Altvorderen sind nun von der Natur erobert, was das Leben außerhalb der befestigten Siedlungen riskant macht.

Umgeben von Mauern – Die Enklaven

Die Völker Arvendors leben nicht verstreut, sondern in klar abgegrenzten, befestigten Enklaven. Diese oft voneinander isolierten Siedlungen dienen primär dem Schutz vor den Gefahren der Außenwelt.

So gleicht keine Enklave der anderen. Jede von ihnen ist ein Mikrokosmos, geformt durch die ansässigen Völker, die lokal verfügbaren Ressourcen und tief verwurzelte Traditionen. Diese Vielfalt manifestiert sich in ihrer Bauweise; manche Enklaven sind beeindruckende, in den Fels geschlagene Städte, andere wiederum thronen als hohe Turmfestungen über der Landschaft oder präsentieren sich als verwirrende Labyrinthe aus Gassen und Gebäuden.

Auch kulturell weisen die Enklaven ähnlich unterschiedliche Muster auf. Unterschiedliche Hierarchien prägen die sozialen Gefüge der Enklaven und uralte Gesetze regeln das Zusammenleben. Diese Traditionen werden oft über Generationen weitergegeben und sind tief in der Identität der jeweiligen Enklave verwurzelt.

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt vieler Enklaven ist ihre Verbindung zu den Altvorderen. Nicht selten finden sich unter den Enklaven versiegelte Katakomben, die Geheimnisse und möglicherweise auch Gefahren aus einer längst vergangenen Ära bergen.

Die erwachte Reliktech kann Fluch oder Segen sein.
Die erwachte Reliktech kann Fluch oder Segen sein.

Vor etwa 30 Jahren fegte ein magischer Urkraft-Sturm über Arvendor. Dieses Phänomen erweckte Reliktech auf der ganzen Welt zu neuem Leben. Lange schlummernde Mächte und Wesen erwachten. Dieses Ereignis prägt seither die Geschichte und die Gegenwart von Arvendor.

Nach dem Urkraft-Sturm wurden auf der ganzen Welt Kinder geboren, die als Alesii bekannt sind und mystische Fähigkeiten besitzen. Ihre Geburt und ihre besonderen Gaben spalteten die Gesellschaften der Enklaven. In einigen Gesellschaften werden die Alesii gefeiert und als etwas Besonderes angesehen, während sie in anderen verdammt werden.

Spitze Ohren – Die Völker

Eine Auswahl der nichtmenschlichen Völker.
Eine Auswahl der nichtmenschlichen Völker.

In Arvendor gibt es sieben spielbare Völker. Die Baumlinge sind Humanoide mit pflanzlichen Merkmalen und tief mit der Natur verbunden. Die handwerklich begabten Gnome brillieren in Technik aller Art. Menschen sind weit verbreitet und passen sich flexibel jeder Umgebung an. Die Mondsichtigen besitzen spirituelles Wissen und eine Assoziation zum Mond. Reptolianer zeichnen sich durch Widerstandskraft und scharfe Sinne aus, was sie zu Überlebenskünstlern macht. Tieflinge sind von überirdischer Erscheinung und verfügen oft über dunkle Kräfte. Die großen und kräftigen Oger leben bevorzugt in sozialen Gemeinschaften.

Würfel und Waffen – Die Regeln

Die aktuellen Regeln sind als Open Beta-Version auf der Webseite zum Download verfügbar.

Es gibt neun Attribute für Charaktere. Die körperlichen Attribute sind Stärke, Geschicklichkeit und Konstitution. Die für Geist; Klugheit, Wahrnehmung, Kreativität und die Seele wird durch Mut, Intuition und Charisma repräsentiert.

Proben werden mit einem W20 gewürfelt und sind bestanden, wenn das Wurfergebnis gleich oder niedriger ausfällt. Die Spielleitung kann das Ergebnis durch Erschwernisse oder Erleichterungen modifizieren.

Fähigkeiten werden aus dem Mittelwert von drei dazu passenden Attributen plus einem Bonus errechnet. Eine Fähigkeitsprobe ist erfolgreich, wenn das Ergebnis eines W20 gleich oder unter diesem Fähigkeitswert liegt.

Das Kampfsystem ist, wie üblich, rundenbasiert. Jeder teilnehmende Charakter hat Aktionspunkte, die für Aktionen wie Bewegung, Waffenfähigkeiten oder mystische Fähigkeiten eingesetzt werden können. Jede*r Teilnehmende hat 10 Aktionspunkte.

Als Alternative ist noch ein weiteres Kampfsystem im Beta-Regelwerk enthalten. Mit dem sogenannten Zeitleisten-System wird der Kampf auf einer Zeitleiste festgehalten. Durch die Initiative wird die Startposition festgelegt und durch Aktionspunkte einer verwendeten Fähigkeit rückt ein*e Teilnehmende*r weiter Richtung Null. So können Charaktere mit hohem Initiativewurf als Erstes handeln und mit schnellen Aktionen mehr Handlungen durchführen. Kampfaktionen unterteilen sich in Angriffs- und Verteidigungsaktionen und in unterschiedliche Waffenfertigkeiten, wie zum Beispiel einen gezielten Angriff oder akrobatisches Herumwirbeln.

Die mystischen Kräfte der Charaktere werden mit Fähigkeitsbäumen dargestellt, die mit mehr Erfahrung freigeschaltet werden können. Es stehen Zeitmanipulation, Schattenmacht, Biomantie, elementare Beherrschung, Illusionskunst, Metamorphose, mentale Kraft, Ätherschöpfen und Naturmystik zur Auswahl.

Die Charaktererschaffung

Die Charaktererschaffung ist im Beta-Regelwerk enthalten und ermöglicht damit einen direkten Einstieg ins Spiel. Die Auswahl des Volkes bringt Attributsboni, -mali, passende Modifikationen für Fähigkeiten und spezielle Talente mit sich.

Waffen und Reittiere können ganz unterschiedlich sein.
Waffen und Reittiere können ganz unterschiedlich sein.

Anstelle fester Klassen wählen Spielende aus verschiedenen Kampfstilen den aus, welchen der Charakter beherrschen soll. Zur Auswahl stehen beispielsweise schnelle Einhandklingen, wuchtige Zweihandhiebwaffen oder präzise Fernkampfwaffen wie Bögen und Armbrüste. Auch defensive Optionen wie der Schildkampf oder heimliche Angriffe mit Wurfwaffen und Dolchen stehen zur Auswahl. Besonders reizvoll ist, dass mystische Fähigkeiten allen Charakteren offenstehen. So lassen sich einzigartige Kombinationen erschaffen, etwa eine Schildkämpferin mit Illusionsmagie oder mentalen Kräften, was die Einzigartigkeit der Charaktere in Arvendor betont.

Ankunft in der ewigen Stadt – Das Einstiegsabenteuer

„Ankunft in der ewigen Stadt“ ist das Einstiegsabenteuer, welches auf der Arvendor-Webseite zum Download verfügbar ist.

Die Charaktere finden sich unversehens in der geheimnisvollen Stadt Aman-Thul wieder, wo Reliktech der Altvorderen erwacht ist. Es gilt, diese neue Bedrohung zu bannen und die verborgenen Geheimnisse der ewigen Stadt zu lüften. Das Abenteuer ist für 4 bis 7 Personen insgesamt ausgelegt und verspricht 3 bis 5 Stunden Spielspaß.

Es stehen sieben vorgefertigte Beispielcharaktere, die alle Völker und Kampfstile von Arvendor abdecken, für einen direkten Einstieg zur Verfügung, aber es können mit dem Beta-Regelwerk auch eigene Charaktere erstellt werden.

Das Abenteuer enthält die primären Themen des Systems und eignet sich daher gut für einen Einstieg in die Welt von Arvendor.

Projekt Genesis – Das strategische Aufbauspiel

Das Startabenteuer führt in eine Ruinenstadt der Altvorderen.
Das Startabenteuer führt in eine Ruinenstadt der Altvorderen.

Über diese Pen-and-Paper-Regeln hinaus gibt es noch ein strategisches rundenbasiertes Aufbauspiel für Arvendor. Ähnlich wie ein Forumsspiel wird auf Discord gespielt.

Das Aufbauspiel verfolgt einen abstrakteren Ansatz als Pen-and-Paper-Spielabende und ist im Prinzip mit Aufbausimulationen am Computer wie Civilisation vergleichbar.

Ziel des Spiels ist es, die Welt von Arvendor vor dem Urkraft-Sturm zu gestalten. Es sollen Regionen, Enklaven und Epochen gemeinsam mit den Mitspielenden entwickelt werden. Dabei haben die Mitspielenden die Möglichkeit, eine Fraktion (also beispielsweise ein Stamm, eine Sippe, ein Orden oder eine politische und religiöse Bewegung) zu entwickeln und deren Historie mitzugestalten. Die Ideen und Entwicklungen sollen dann in den Kanon Arvendors übernommen werden.

Als SL werden die Entwickler*innen das Spiel leiten und Szenarien, Quests und Ereignisse erstellen, worauf die Mitspielenden reagieren können. Mitspielen können alle Patreons von Arvendor.

Bonus/Downloadcontent

Auf der Webseite des Systems gibt es ein gratis Startabenteuer und das Open Beta-Regelwerk.

Fazit

Arvendor präsentiert sich als vielversprechendes Rollenspiel, das sich im Science-Fantasy-Genre einordnet. Die interessante Welt voller Magie, erweckter Relikte, geheimnisvoller Ruinen der Altvorderen und die Vielfalt von sieben spielbaren Völkern laden zu spannenden Abenteuern ein. Obwohl sich das System noch in der Entwicklung befindet, unterstreicht die Einbindung der Community und die Idee des Aufbauspiels den kollaborativen Ansatz. Das Einstiegsabenteuer ist dabei ideal, um alle zentralen Themen des Systems kennenzulernen. Arvendor verspricht ein fesselndes Spielerlebnis, bei dem die Grenzen zwischen Technologie und Magie verschwimmen.

Artikelbilder: © Philip Fuchs
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Giovanna Pirillo

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