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Sie sind tatsächlich zurückgekehrt und das auch noch in Plastik. Mit dem Sisters of Battle Armeeset bringt Games Workshop eine der am meisten erwarteten Warhammer 40.000-Fraktionen zurück. Wir haben das Set vorab erhalten, unseren Bolter geschultert und gehen mit euch auf eine Reise im Namen der Ekklesiarchie.

Tabletop ist ein Hobby, das, verglichen mit anderen Beschäftigungen, nicht so oft vor der eigentlichen Veröffentlichung von einem Hype ergriffen wird. Die Rückkehr der Adepta Sororitas oder auch Sisters of Battle hingegen hatte schon vor der Veröffentlichung Begeisterungswellen ausgelöst. Diese zeigten sich auch am Vorbestellungstag, als unter dem Ansturm der neugierigen Fans die Homepage von Games Workshop (im Folgenden GW) schlicht zusammenbrach. Die verfügbaren Boxen des neuen Armeesets waren auch bei diversen Wiederverkäufern innerhalb von Minuten komplett vergriffen. GW hat als Reaktion auf diesen ungewöhnlichen Ansturm zwar angekündigt, dass am Veröffentlichungstag, dem 29.11.2019, noch einzelne Armeesets verfügbar sein würden, doch wer dann eins ergattern will, sollte am besten gleich zur Ladenöffnung da sein.

Wir haben vorab eine Ausgabe von GW erhalten und möchten mit euch nun überprüfen, ob sich das Anstellen für euch auch lohnt. Neben den neuen Modellen soll es daher auch um den neuen Codex gehen, der der Box beiliegt.

Vorwärts im Namen des Glaubens! – Der Hintergrund

Die Adepta Sororitas entstanden aus den sogenannten Töchtern des Imperators im 36. Jahrtausend während des Zeitalters der Apostasie. Sie agieren in allen Glaubensfragen als kämpfender Teil der imperialen Kirche. Das Besondere ist, wie der Name Schwesternschaft schon klar macht, dass alle Mitglieder weiblich sind. Es gibt zwar einige männliche Optionen innerhalb der Armeeorganisation, diese gehören dann jedoch nicht zu den Adepta Sororitas, sondern zur Ekklesiarchie, dem übergeordneten Organisationsstrang.

Die eigentlichen Sisters of Battle sind nicht nur fest im Glauben, sondern auch ausgezeichnet ausgerüstet. Fast die gesamte Armee trägt Servorüstungen, die sonst Space Marines und hochrangingen Inquisitoren vorbehalten sind. Ihnen fehlen zwar die genetischen Verbesserungen der Elite-Krieger des Imperiums, ihre Kampffähigkeiten müssen sich jedoch hinter denen der großen Brüder nicht verstecken.

Der neue Codex beleuchtet auf den ersten knapp 60 Seiten recht umfassend den Hintergrund. Sowohl die Entstehungsgeschichte, als auch unterschiedliche Orden innerhalb der Adepta Sororitas werden vorgestellt. Auch der schon altbekannte Zeitstrahl fehlt nicht und beleuchtet eine ganze Reihe Ereignisse nach dem Cicatrix Maledictum.

Der Hintergrund ist insgesamt gut gelungen, wirft jedoch in gewohnter Weise mit Superlativen um sich. So sind auch direkt mal alle Planeten eines kompletten Systems mit einer Seuche des Nurgle befallen, welche dann gereinigt werden müssen. Diesen Stil muss man nicht mögen, langweilig zu lesen ist er jedoch definitiv nicht.

Illustriert wird der Hintergrund mit vielen neuen Artworks, vor allem das Material zu den einzelnen Orden sticht mit vielen neuen Bildern und kleinen Hintergrundschnipseln positiv hervor.

Mit Melter und Flammenwerfer – Die Armeekonzeption

Die Canoness.

Mit einem neuen Codex geht es bei 40k logischerweise auch immer um neue Truppen. Die Adepta Sororitas können dabei auf eine gute Mischung aus alten Bekannten und neuen Einheiten zurückgreifen.

Die meisten Armeen werden von einer Canoness angeführt, die nicht nur den Ankerpunkt des Glaubens bildet, sondern auch Schwestern in der Umgebung stärkt.

Das Rückgrat aller Armeen der Adepta Sororitas bilden Battle Sister Squads, die man in Blöcken von fünf bis fünfzehn Modellen nutzen kann. Ähnlich wie klassische taktische Space Marines kann man diese Trupps mit einer Auswahl von besonderen Waffen aufrüsten.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein Banner mit ins Gefecht zu führen, ein sogenanntes Simulacrum Imperialis.

Durch die hohen ballistischen Fähigkeiten und die Servorüstungen eignen sich diese Einheiten ausgezeichnet für den Fernbeschuss. Aus Nahkämpfen sollte man die Modelle jedoch unbedingt heraushalten.

Die fünf Seraphim.

Ikonisch neben den eigentlichen Battle Sisters waren seit jeher die Seraphim, Schwestern des Ordens, die sich auf Sprungmodulen in die Schlacht stürzen und dabei jeweils mit zwei Pistolen wild um sich feuern.

Als Nahkampfvariante kommen die Zephyrim neu hinzu. Diese ersetzen eine ihrer Pistolen durch ein Energieschwert und besitzen eine zusätzliche Attacke, womit sie deutlich stärker auf den Nahkampf ausgelegt sind. Diese besetzen einen Slot als Elite- und nicht als Sturmauswahl wie die Seraphim.

Gerade unter den genannten Eliteauswahlen hat man eine Vielzahl von Optionen, seien es einzelne Schwestern mit speziellen Regeln zur Unterstützung oder auch dezidierte Nahkampfeinheiten.

Sisters Repentia sind beispielsweise Schwestern, die eine Verfehlung begangen haben und sich nun als Buße ohne Rüstung mit zweihändigen Kettenschwertern auf den Feind stürzen.

Arco-flagellants gehen dabei noch einen ganzen Schritt weiter. Diese Verbrecher sind nur noch ferngesteuerte Überreste ihres früheren Seins. Nun werden sie, vollgepumpt mit Kampfdrogen, nach vorne getrieben, um dort furchtbare Verwüstungen anzurichten.

Das gleiche Konzept bietet als Fahrzeug auch die schon bekannte Penitent Engine, bei welcher der Delinquent an eine Art Kampfläufer gebunden wird, um dann fast ungeschützt in den Feind zu stürmen. Dort kämpft er dann mit Flammenwerfern und Kreissägen oder Flegeln.

Nahaufnahme der Penitent Engine.

Eine neue Variante sind die sogenannten Mortifiers, die von Schwestern besetzt werden, die vor dem Feind geflohen sind. Diese Variante der Penitent Engine kann mehr Fernkampfunterstützung bieten, ist im Nahkampf aber fast genauso tödlich. Beide können im aktuellen Codex in Blöcken gespielt werden, wobei die maximale Anzahl pro Einheit jedoch an zwei Stellen unterschiedlich angegeben wird. Ein klarer Punkt für das schon zu erwartende FAQ.

Diesen Konzepten der totalen Selbstaufopferung stehen die Kettenfahrzeuge klar gegenüber, die eher den klerikalen Aspekt betonen.

Der Immolator, eine Rhino-Variante mit reduzierter Transportkapazität und dafür deutlich erhöhter Feuerkraft, ist zum Beispiel mit einem Kirchenfenster verziert.

Der Exorcist hingegen führt eine Raketenbatterie in Form einer Kirchenorgel mit, eine wirklich herausragende Optik. Absurderweise kann der Exorcist jedoch nicht mehr indirekt feuern, sondern braucht eine Sichtlinie.

Abschließend sind noch zwei neue besondere Charaktermodelle hinzugekommen.

Junith Eruita ist die Canoness Superior des Ordens der Heiligen Märtyrerin und fliegt auf einer mit Flammenwerfern ausgerüsteten Kanzel in die Schlacht.

Mit dem Triumph of Saint Katherine besteht die Möglichkeit, einen Reliquientrupp ins Feld zu führen. Interessanterweise nutzt das Modell ähnliche Regeln wie Katakros, der Mortarch der neuen Age of Sigmar-Fraktion Ossiarch Bonereapers.

Auch hier ist es so, dass das Modell primär Sonderregeln für die restliche Armee verteilt und diese Stück für Stück verliert, wenn es verwundet wird.

Insgesamt bekommt man mit der Armeeauswahl eine gute Mischung, wobei die Einheiten jeweils eine klare Aufgabe haben. Dementsprechend muss man sich gut überlegen was man wie auf dem Schlachtfeld einsetzen möchte. Die Armee erfordert somit eine gewisse Spielerfahrung, was sich vor allem in den Sonderregeln niederschlägt.

Göttliche Intervention – Die Sonderregeln

Schon beim Blick auf die Einheiten zeigen sich eine Vielzahl von Sonderregeln, die bei der Armeenutzung beachtet werden müssen.

Als zentrales Element tauchen die Wunderwürfel auf. Diese erhält man unter den unterschiedlichsten Bedingungen, beispielsweise wenn die eigenen Einheiten eine feindliche Einheit zerstören, aber auch wenn sie selbst zerstört werden. Wichtig ist dafür, dass sie die Sonderregel Glaubensakte besitzen. Diesen Wunderwürfel wirft man dann direkt und legt ihn mit der entsprechenden Augenzahl zur Seite. Später kann man sein Ergebnis anstelle eines eigentlich geworfenen Würfelergebnisses verwenden. Diese Regel wird an einer Vielzahl von Stellen modifiziert, auf einzelne Einheiten begrenzt oder erweitert, was viel Mikromanagement erfordert.

Schild des Glaubens wiederum erlaubt allen Adepta-Sororitas-Einheiten, Psibanntests gegen Fähigkeiten in der Nähe einzusetzen, wobei dieser Bannwurf nur mit einem W6 durchgeführt wird. Auch hier kann es Modifikationen durch andere Faktoren geben.

Zusätzlich haben alle Einheiten mit dieser Fähigkeit einen 6+-Rettungswurf, der durch andere spezielle Charaktermodelle weiter verbessert werden kann und die Schwestern, trotz ihres geringen Widerstands von 3, sehr zäh macht.

Zuletzt bestimmt oder würfelt man am Anfang des Spiels auf der Tabelle für Heilige Riten. Diese funktionieren wie die Lobgesänge des Adeptus Mechanicus.

Einheiten des Adeptus Ministorum haben diese Regeln nicht, stattdessen an vielen Stellen aber die Sonderregel Zelot. Diese erlaubt in der ersten Nahkampfrunde das Wiederholen von Trefferwürfen.

Zu diesen Fähigkeiten kommt noch die typische Auswahl aus Begabungen des Kriegsherrn und Gefechtsoptionen. Bei Letzteren hat man die Auswahl aus 34 verschiedenen, eine ganze Menge.

Was sich hier schon recht komplex liest, ist es auch im Feldeinsatz. Man muss eine ganze Reihe Sonderregeln im Blick behalten, vor allem durch die Synergieeffekte, die diverse Einheiten in Kombination entwickeln.

Alle Charaktermodelle bieten eine irgendwie geartete Aurafähigkeit, die man konstant im Auge behalten muss.

Die Wunderwürfel machen dies noch komplexer, kommt dadurch doch ein weiterer Faktor hinzu, den man konstant beachten muss; nicht nur ob es sich lohnt, einen solchen Würfel zu nutzen, sondern vor allem, ob die gerade durchgeführte Aktion nicht noch einen solchen Würfel generiert. Dies verkompliziert den ganzen Spielfluss merklich und zeigt in einer gewissen Form eine aktuelle Problematik der achten Edition auf. Man kann diesen Spielfluss natürlich mögen, da man ein komplexes System bekommt. Die Gefahr ist aber definitiv gegeben, dass das Spiel sehr langsam wird, da man konstant Regeln nachschlagen muss.

What´s in the box? – Das Armeeset

Mit dem vorliegenden Armeeset geht GW einen völlig neuen Weg. Man bekommt hier neben einer einzelnen Fraktion wie schon in den bekannten Battleforces den neuen Codex in einer limitierten Fassung sowie den kompletten Datakarten-Satz.

Genauer aufgeschlüsselt findet sich das Nachfolgende in der Box:

  • Codex Adepta Sororitas in einer limitierten Fassung mit anderem Cover
  • Datakarten der Adepta Sororitas
  • Ein Abziehbilderbogen
  • Zwölf weiße Würfel als Wunderwürfel
  • Ein Grundregelbooklet
  • Eine Canoness
  • Zehn Battle Sisters (eine mit Flammenwerfer, eine mit Sturmbolter)
  • Fünf Seraphim
  • Eine Repentia Superior
  • Vier Repentia Sisters
  • Drei Arco-flagellants
  • Eine Penitent Engine

Keines der Modelle besitzen dabei eine Waffenauswahl, es liegen aber mehr Köpfe bei, als man benötigt.

Das Spielmaterial mag überzeugen, hat jedoch ein paar Kinderkrankheiten. So sehr es grundsätzlich zu unterstützen ist, dass GW versucht, in seinen Gussrahmen keinen unnötigen Platz zu verschwenden, so nervig ist es dann doch, dass man hier, auch mit einem schmalen Seitenschneider, manche Teile erst inklusive Gussrahmen freischneiden muss. Dies verlangsamt den Zusammenbauprozess merklich.

Die Rückseite der Box. Zu sehen ist die falsche Canoness.

Weiterhin haben sich einige absonderliche Fehler eingeschlichen. Auf der Rückseite der Box findet sich eine andere Canoness als in der Box selbst. Außerdem sind gleich mehrere Fehler in der Bauanleitung zu finden, bei denen schlicht Nummern nicht mit den Teilen übereinstimmen. Dabei hatten wir auch das Gefühl, dass die Bezifferung der beiden schweren Flammenwerfer der Penitent Engine getauscht ist und diese auf den jeweils anderen Arm deutlich besser passen.

Schlussendlich fällt im Codex auf, dass für eine ganze Reihe Einheiten keine Bilder existieren, da diese scheinbar zur Drucklegung noch nicht verfügbar waren. Konkret sind weder der Triumph of Saint Katherine noch die Zephyrim oder die Mortifiers bebildert. Ein Novum in einem 40k-Codex.

Die Packungen für die Datakarten sind wiederum so straff gefüllt, dass man nach einem ersten Öffnen aufpassen muss, nicht die Kanten der Karten zu beschädigen – ein klarer Negativpunkt.

Erster Blick in die Box.

Ob die Wunderwürfel in irgendeiner Form noch anders hätten gestaltet werden können, kann man ebenfalls diskutieren. In dem Armeeset sind es schlicht weiße Würfel, die etwas größer sind als die alten GW-Würfel.

Abseits der genannten Kritikpunkte bekommt man hier aber ein ordentliches Set mit tollen Miniaturen. Der Stil zwischen klerikaler Aufopferung und Wahnsinn wird auch in den kleinsten Details noch gut eingefangen, und der auf den ersten Blick recht happige Preis von 160 EUR relativiert sich zumindest etwas, wenn man mit einrechnet, dass sich sowohl Codex als auch Datakarten in dem Set finden. Diese würden ansonsten noch mit 44,50 EUR zu Buche schlagen.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Games Workshop
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Preis: 160 EUR
  • Bezugsquelle: Games Workshop (zurzeit ausverkauft)

 

Mein Glaube als Schild? – Ein Fazit

Zugegeben: Mich hat der Hype um die Sisters of Battle von Anfang an nicht ganz ergriffen, hat mich die Fraktion doch auch in der Vergangenheit nicht sehr in ihren Bann gezogen. Trotzdem hat GW mit dem Armeeset eine grundsolide Box geliefert, mit der man gezielt in die Fraktion einsteigen kann, durch Codex und Datakarten sogar mit einem Rundumsorglospaket.

Für die Zukunft kann daher gehofft werden, dass auch andere Fraktionen bei der Wiederveröffentlichung ein solches Angebot bekommen. Gleichzeitig ist die Fraktion von einer deutlichen Verkomplizierung gezeichnet, bei der diverse Sonderregeln im Auge behalten werden müssen. Ob man diesen Weg bei Warhammer 40k mag, muss jeder für sich selbst entscheiden.

So oder so bekommt man hier ein solides Spiel-Set mit kleineren Abzügen, das, so man Interesse an der Fraktion hat und noch eine Box bekommt, klar empfohlen werden kann.

 

Artikelbild: © Games WorkshopFotografien: © Markus Kastell, Bearbeitung: Melanie Maria Mazur
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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