Endlich ein freier Abend: Der Staub wird von Controller oder Tastatur gepustet und das geliebte Spiel wird geladen. Letzter Speicherstand? Drei Wochen her. Frustration macht sich breit, denn Gaming ist doch eigentlich ein geliebtes Hobby. Doch warum passen Videospiele und Alltag so schlecht zusammen – und wie kann man das ändern?
Kommt das Thema Gaming auf den Tisch, keimen nicht selten nostalgische Gefühle auf: Es wird über die wilden Counter Strike-Matches oder die herausfordernden Instanzen in World of Warcraft gesprochen – und sogar von LAN-Partys ist die Rede. Heute jedoch ist es selbst für begeisterte Videospiel-Fans schwer, sich einmal in Ruhe an das ein oder andere Game zu setzen. Dabei ist es nicht der Wille zum Spielen, der fehlt, sondern etwas ganz anderes: Zeit.
Inhaltsverzeichnis
Ein paar Worte zur (Frei)Zeit
Wer viel am PC oder der Konsole sitzt, kennt Sätze wie „Für so etwas hätte ich gar keine Zeit“ und „Früher habe ich das auch gemacht“. Auf Nachfrage hin wird zumeist gern konkretisiert: Familie und Arbeit schieben dem Hobby einen Riegel vor. Manchmal machen auch andere Freizeitbeschäftigungen es anscheinend unmöglich, Zeit für Videospiele zu finden. Allzu verwunderlich ist das nicht: Der Tag hat schließlich nur 24 Stunden. In diese müssen Familie, Arbeit und Schlaf passen. Der Mensch sollte darüber hinaus regelmäßig Nahrung zu sich nehmen und grundlegende Körperhygiene betreiben. Auch soziale Kontakte wollen gepflegt werden und körperliche Ertüchtigung ist ein wichtiger gesundheitlicher Aspekt. Dass am Ende des Tages die Stunden für geliebte Hobbys fehlen, erscheint da nur logisch.
Fakt ist aber, dass es manchen Menschen eher gelingt als anderen, Raum für die großen und kleinen Leidenschaften – für Entspannung und Eskapismus zu machen.
Ein Phänomen des Hobbys
Unterschiedliche Hobbys genießen unterschiedlich hohes Ansehen. Sportliche Aktivitäten wie beispielsweise wöchentliches Fußballtraining sind gern gesehen, doch auch kreative Dinge wie Musizieren oder Töpfern werden toleriert.
Hobbys mit festen Terminen sind außerdem einfacher zu planen. Findet das oben beschriebene Fußballtraining oder die Orchesterprobe immer von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr statt, ist eine Verschiebung nicht umsetzbar. Auch das Abzwacken von Zeit fällt schwer, denn im Mannschaftssport oder Orchester ist das Miteinander sehr wichtig. Zuspätkommer oder Frühergeher stören den Ablauf. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, nämlich die Teilnahme oder den Ausfall. Zweitere führt, zu oft angewendet, zu Repressalien, im schlimmsten Fall sogar zum Ausschluss.
Bei Videospielen ist das anders. Zwar gibt es für Vielspieler auch Terminbindungen wie beispielsweise Raid-Termine in MMORPGs wie World of Warcraft oder Guild Wars 2, doch vor allem Gelegenheitsspieler gehen selten eine Verpflichtung wie diese ein. Gaming, vor allem offline, ist nicht an eine Uhrzeit gebunden. Das bedeutet, man kann es flexibel verschieben und darüber hinaus hier und da ein wenig Zeit abstreichen. Irgendwann allerdings muss man feststellen, dass man gar nicht mehr die Maus oder den Controller zur Hand nimmt. Der fehlende Terminzwang macht es leicht, das Hobby im Fall von Stress o. ä. zu übergehen. Aus „heute Abend“ wird „morgen Abend“ – und ehe sich der oder die gewillte SpielerIn versieht, sind mehrere Wochen vergangen und der Speicherstand ist unverändert.
Ein weiterer Aspekt, der nicht zu vernachlässigen ist, ist der der gesellschaftlichen Anerkennung. Selbst als erwachsener Mensch sieht sich jemand, der gern Zeit am PC bzw. der Konsole verbringt, nicht selten mit ungläubigen Blicken oder Kritik konfrontiert, sobald es um die ins Hobby investierte Zeit geht. Auch die immer wieder aufkeimende „Killerspieldebatte“ sorgt für einen schlechten Ruf für die Freizeitaktivität Videospiele. Hobbysportler oder Musikfans hingegen werden nur wenig mit kritischen Nachfragen die präferierte Freizeitaktivitäten betreffend gelöchert. Während für das Zeitproblem im nachfolgenden Abschnitt Lösungsvorschläge angeboten werden, sind solche hier nur schwerlich zu definieren. Dies nicht, weil die Ausgangssituation schwierig ist, sondern weil das Problem – mangelnde Toleranz – nicht bei einem selbst, sondern bei den kritischen Stimmen liegt. Diese gilt es im Zweifelsfall einfach zu ignorieren, denn wenn ein Hobby Freude bereitet, hat es seinen Sinn alles andere als verfehlt.
Videospiele und Alltag – geht das?
Das Verlängern des Tages ist leider auch mithilfe der nachfolgenden Ratschläge nicht möglich. Allerdings helfen sie zum einen, sich bewusst Zeit für das Hobby Videospiele zu nehmen, und zum anderen, diese Zeit gezielt zu nutzen. Hierzu muss sich der oder die Hobby-SpielerIn mit einigen Fragen auseinandersetzen.
1. Wann und wie oft will ich spielen?
Während der oder die eine gerne jeden Abend ein oder zwei Stündchen in fremde Welten abtaucht oder sich online mit anderen SpielerInnen misst, tun andere dies lieber am Wochenende. Dafür dann aber auch gerne mal fünf oder sechs Stunden am Stück. Um effektiv Zeit einplanen zu können, ist es wichtig, herauszufinden, wie man selbst tickt. Dem zweiten Spielertyp wird ein allabendlicher Termin langfristig gesehen keine Freude bringen – während der erste Spielertyp am Wochenende die Zeit für andere Dinge benötigen könnte.

Sobald die persönlichen Präferenzen feststehen, sollte überlegt werden, wie und wann ein Termin zum Spielen gelegt wird. Natürlich sollte sich ein solcher nicht mit Alltagsverpflichtungen decken. Steht beispielsweise Montag der wöchentliche Physio-Termin oder der Wocheneinkauf an, eignet sich dieser Tag eher weniger.
2. Wie viel darf’s denn sein?
Der zweite Schritt, der für ein erfolgreiches Integrieren vom Hobby in den vollen Wochenplan nötig ist, deckt sich ein wenig mit dem ersten. Es geht hier allerdings nicht um die Frage, wann gespielt werden soll – sondern wie viel. Zwar kann das individuell am jeweiligen Tag entschieden werden und steht in direkter Abhängigkeit von Lust und Unlust, allerdings sollten die persönlichen Präferenzen bei der Kaufentscheidung nicht außen vor gelassen werden.
SpielerInnen, denen ein paar Stunden in der Woche für das Hobby genügen, sollten keine Spiele erwerben, die mit mehreren Hundert Spielstunden aufwarten. Dies vor allem deswegen nicht, weil unzählige spannende Titel mit deutlich weniger zeitlichen Aufwand erhältlich sein. Statt zu riskieren, dass die Lust irgendwann mittendrin verlorengeht, sollte der Fokus auf Spiele mit passender Gesamtlänge – kurz, mittel oder lang – gelegt werden. Eine Hilfe können Websites wie howlongtobeat.com sein, die eine Einschätzung abgeben, wie viel Spielzeit ein Titel mit sich bringt, dies auf Grundlage von Erfahrungen anderer SpielerInnen.
3. Was mag ich – und warum?
Der Videospielmarkt ist wahnsinnig groß. Ob Adventure, Strategie oder Ego-Shooter – für jeden ist etwas dabei. Die große Auswahl macht diesen dritten Schritt alles andere als leicht. Es gilt herauszufinden, welche Spiele dem oder der jeweiligen SpielerIn Freude bereiten. Das ist meistens nicht klar abzugrenzen – wer allerdings seine Präferenzen klar definiert, neigt zu weniger Fehlkäufen. Die Folge ist eine Auswahl von Titeln, die wirklich zu gefallen wissen. Zum einen muss weniger Zeit die Suche nach möglicherweise geeigneten Spielen investiert werden und zum anderen wird keine Zeit in Spielen verbracht, die keinen Spaß machen. Zu wissen, was man mag, ist also unumgänglich, wenn Videospiele und Alltag miteinander verknüpft werden sollen.
Besteht Unsicherheit darüber, ob ein Titel den persönlichen Geschmack trifft oder nicht, bietet das Internet in Form von Let’s Plays und Streams die Möglichkeit, einmal die Nase direkt ins Geschehen zu stecken. Ohne selbst eine Investition zu tätigen, kann jeder über Plattformen wie Youtube oder Twitch anderen SpielerInnen beim Spielen zusehen und so einen Ersteindruck des jeweiligen Spiels gewinnen.
4. Auf welche Qualitätsmerkmale sollte ich achten?
Spiele, die technische Probleme mit sich bringen, machen keinen Spaß. Wenn das Gameplay zur Qual wird und das Spiel instabil läuft und somit Abstürze provoziert, fällt es schwer, das Hobby zu genießen. Hier gilt es, sich vorab Feedback einzuholen. Dies kann über (Online-)Gaming-Magazine (im deutschsprachigen Raum z. B. GameStar und Gameswelt) und Spieltests (siehe „Abschnitt 3. Was mag ich – und warum?“) oder Käuferreviews (z. B. auf der Videospiel-Vertriebsplattform Steam) erfolgen. Wer sich gut informiert, verringert das Risiko, Geld und Zeit in ein minderwertiges Produkt zu investieren.
Das Hobby teilen
Zu guter Letzt noch einen Tipp, der so oder ähnlich für jedes andere Hobby auch gegeben werden kann: Zusammen macht es einfach mehr Spaß.
Wer (wieder) mehr spielen will, muss das nicht allein tun. Ein gemeinsamer Abend im Couch-Koop mit Freunden deckt auch soziale Bedürfnisse ab. Doch auch das oben genannte Stichwort Familie kommt hier zu tragen: Gemeinsam mit den Jüngsten kann, sobald diese ein gewisses Alter erreicht haben, gemeinsam gezockt werden.

Gerade im Konsolenbereich lassen sich viele kinderfreundliche Spiele finden. Ein gemeinsames gepflegtes Hobby schweißt zusammen und verspricht darüber hinaus viele schöne Stunden im Familienverbund.
Fazit
Familie, Arbeit und Schlaf nehmen große Teile des Alltags ein. Hinzu kommen weitere kleinere und größere Verpflichtungen, sodass für geliebte Freizeitaktivitäten nur wenig Zeit bleibt. Dies gilt insbesondere dann, wenn das geschätzte Hobby keine Terminbindung hat und überdies nicht selten gesellschaftlich belächelt wird. So ist es alles andere als verwunderlich, dass Videospiel-Fans immer seltener dazu kommen, ihrem Hobby nachzugehen.
Um das zu ändern, ist es wichtig, sich mit den Fragen nach gewünschtem (und möglichem) Zeitaufwand sowie persönlichen Vorlieben auseinanderzusetzen. Wer genau weiß, wann er spielen möchte und wieviel, darüber hinaus seine Lieblings-Genres identifizieren kann und gut informiert ist, wird es leicht haben, Videospiele und Alltag miteinander zu verbinden. Die zur Verfügung stehende – oder sich selbst zur Verfügung gestellte – Spielzeit kann mit entsprechenden Vorkehrungen effektiv genutzt werden. Darüber hinaus ist es ratsam, Hobbys mit Freunden oder Familienmitgliedern zu teilen.
So fällt es zum einen einfacher, Zeit dafür einzuräumen, und macht zum anderen mindestens doppelt so viel Freude. Und die ist schließlich wichtig: Zum Stressabbau, für den inneren Ausgleich und zu Zwecken der Erholung. Da kann die nächste durchgespielte Nacht ja ruhigen Gewissens kommen!
Artikelbilder: © depositphotos, wie gekennzeichnet. Titelbild: © Elnur_





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