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Nagashs Horden bleiben niemals stehen. Mit den Battletome Soulblight Gravelords ist kurz vor dem Sprung in die dritte Edition ein neues Armeebuch erschienen. Nun, mit einigem Abstand, schauen wir uns an, ob die Untoten immer noch eine gute Figur machen.

Dieses Frühjahr erschien das letzte Armeebuch für die zweite Edition von Warhammer Age of Sigmar. Mit dem Battletome Soulblight Gravelords wurde das alte Battletome Legions of Nagash ersetzt und an diversen Stellen komplett verändert.

Während die Ossiarch Bonereapers eine eher ungewöhnliche Armee darstellen und sich bei den Nighthaunt alles um Geister dreht, bedienen die Soulblight Gravelords das Bild der klassischen Untoten. Unzählbare Reihen aus Skeletten und Zombies, angeführt von Vampiren und Nekromanten.

Dieses Erscheinungsdatum am Ende einer Edition kann Fluch oder Segen sein. Manchmal ist das Buch schon mit Blick auf die neue Edition verfasst und beinhaltet somit Regeln, die sich gut ins neue Konzept einfügen. Doch so manches Mal ist ein solches Buch, durch den Editionswechsel, eigentlich schon im Moment seines Erscheinens veraltet. Wir können schon vorweg entwarnen: Auch wenn das letzte I-Tüpfelchen fehlt, die Soulblight Gravelords funktionieren auch in der dritten Edition von Age of Sigmar ausgezeichnet. Daher Spaten geschnappt, die Zombies ausgehoben und hinein geht es in die Armeemöglichkeiten.

Eine Streitmacht mit Biss – Armeeweite Regeln

Die Soulblight Gravelords kommen mit einer ganzen Reihe armeeweiter Regeln daher. Viele davon sind dafür da, zerbrechliche Einheiten in bessere Positionen zu bringen oder diese schnell zu regenerieren.

Die unruhigen Untoten lässt einen zu Spielbeginn Punkte als Grabstätten definieren. Beschwörbare Einheiten, wie beispielsweise Zombies, kann man dann von diesen Punkten aus ins Spiel bringen, statt diese zu Beginn schon aufzustellen. Vor allem für langsame Einheiten bietet dies enorme Vorteile.

Präsenz von Shyish sorgt dafür, dass unmodifizierte Zauberwürfe von 9+ nicht gebannt werden können.

Todlose Diener gibt allen Einheiten innerhalb von zwölf Zoll um einen Helden einen 6++ Rettungswurf.

Wiederbelebte Schrecken sorgt dafür, dass Einheiten um die Untoten einen Teil ihres Mutwertes einbüßen.

Endlose Legionen wiederum sorgt dafür, dass man für zerstörte gegnerische Einheiten potenziell eigene Einheiten zurück aufs Feld beschwören kann.

Den Abschluss bildet Anrufung des Todes. Hierdurch können bestimmte Einheiten in der Nähe von Soulblight Gravelords Helden Wunden regenerieren und tote Modelle zurückbringen.

Alle diese Regeln dienen dabei dem gleichen Zweck. Viele der Soulblight Einheiten sind recht zerbrechlich und brauchen diese Unterstützung, um großen Schaden anrichten zu können. In angenehmer Weise bedienen diese Regeln dabei das Thema der Armee: eine gewaltige untote Horde, die, egal wie viele Modelle man tötet, immer weiter vorwärts wankt.

Darüber hinaus entscheidet man sich auch für eine Vielzahl von Dynastien. Durch diese Unterfraktionen verändert sich die Zusammensetzung der Armee und man erhält jeweils noch weitere Sonderregeln, Artefakte und Generalseigenschaften.

Legion des Blutes ist beispielsweise eine recht klassische Untoten-Armee, bei der bei misslungen Moralwert-Test mehr gegnerische Modelle als sonst fliehen. Die Kastelei-Dynastie setzt wiederum auf schwere Vampir-Kavallerie. So ist für jeden Stil etwas dabei.

Unsterbliche Aristokraten – Heldenauswahlen

Nagash

Der Herr aller Untoten ist immer noch ein absolutes Biest auf dem Schlachtfeld. Seine Nahkampffähigkeiten sind beeindruckend und er ist einer der mächtigsten Zauberer der Age of Sigmar Welt. Leider ist er mit 970 Punkten so teuer, dass man ihn in normalen Spielen eigentlich nicht mehr einsetzen kann.

Wertung: B-

 

Manfred von Carstein

Der wahnsinnige Vampir aus der alten Welt. Seine Fähigkeit Mortarch der Nacht ermöglicht Manfred sich aus dem Nahkampf zu teleportieren und woanders wieder zu erscheinen. So sucht er sich seine Kämpfe immer aus.

Wertung: A

 

Neferata

Die ehemalige Königin von Nulahmia ist im Nahkampf etwas schlechter aufgestellt als Manfred. Interessant ist vor allem ihre Befehlsfähigkeit, die dafür sorgt, dass verbündete Einheiten innerhalb von zwölf Zoll im Nahkampf schlechter getroffen werden. Ein interessanter Kniff, Manfred dürfte aber meist die bessere Wahl sein.

Wertung: B+

 

Prince Vhordrai

Der Anführer der Khastelai-Dynastie reitet auf einem Zombiedrachen in die Schlacht und wird mit großer Sicherheit nahezu jedes Ziel umbringen, das er angreift. Sein Zauberspruch Flinkes Blut macht ihn im Nahkampf sogar noch gefährlicher, denn dieser erhöht den verursachten Schaden. Nicht billig, aber eine gute Wahl, wenn man ein Ziel definitiv tot sehen will.

Wertung: A-

 

Prinz Duvalle und der blutrote Hof

Die Bande aus Warhammer Underworlds ist auch in normalen Runden spielbar. Absurderweise sind die drei Vampire abseits von ihrem Anführer Duvalle recht zerbrechlich, was ihn dann indirekt teuer macht, muss man den blutroten Hof doch immer mit einsetzen. Sein Zauber Dunkler Lockruf ist zwar ziemlich gut, die hohen Kosten machen den Einsatz aber wieder fraglich.

Wertung: B-

 

Lauka Vai

Die monströse Figur, halb Vampir, halb Zentaur mit Flügeln, hat optisch im Vorfeld für viel Diskussionsstoff gesorgt. Spielerisch ist sie sehr thematisch, denn es zeigt sich in den Regeln wie Monster und Vampir in ihr ringen. Gleichzeitig macht sie dies recht unzuverlässig, kann man doch potenziell keine Befehlsfähigkeiten einsetzen, wenn man diese gerade bräuchte.

Wertung: B-

 

Vengorian Lord

Ähnliche Regeln wie Lauka Vai für fünf Punkte weniger. Leider sind sowohl der Zauberspruch als auch die Befehlsfähigkeit etwas schwächer. Eine Mitnahme lohnt sich kaum.

Wertung: C

 

Belladamma Volga

Ein neues wunderschönes Modell und die Herrin der Vyrkos-Dynastie. Wo die vorherigen Modelle ihr Glück im Nahkampf suchen, ist sie eher ein Unterstützungs-Charakter, den man nicht direkt ins Gefecht schicken sollte. Diese Unterstützungsaufgabe erfüllt sie jedoch richtig gut.

Wertung: A-

 

Lady Annika

Ein weiteres neues Charaktermodell. Tolle Optik, leider sehr mäßige Werte, ihr Einsatz lohnt sich kaum, sind die Fähigkeiten doch zu schwach.

Wertung: C

 

Kritza

Der Rattenkönig ist ebenfalls neu dazugekommen, auch hier lohnt sich der Einsatz leider nicht.

Wertung: C

 

Radukar The Wolf mit Gefolge

Der Vampir aus Cursed City und sein Gefolge können wie die Modelle aus Underworlds, in normalen Runden eingesetzt werden. Leider passen sie nicht wirklich in die Armee, alle ihre Fähigkeiten können andere Modelle besser ausführen.

Wertung: C

 

Radukar The Beast

Hier wird es deutlich interessanter. Die chronologisch nach Cursed City angelegte Figur ist ein wahres Monster im Nahkampf und kann es ohne Probleme mit diversen Feinden aufnehmen. Nicht billig, aber definitiv den Einsatz wert.

Wertung: A-

Vampire Lord auf Zombie Dragon

Etwas günstiger als Prinz Vhordrai, dafür aber auch mit schlechteren Fähigkeiten. Sowohl die Nahkampffähigkeiten, als auch die Atemattacke des Drachen fallen etwas schwächer aus. Hier ist man im Zweifelsfall mit dem namhaften Charaktermodell besser aufgestellt.

Wertung: B

 

Vampire Lord

Der Vampir zu Fuß ist eine kleine, aber feine Kommandoeinheit. Die großen Würfe sollte man von der Figur nicht erwarten, an den richtigen Stellen kann sie aber durchaus wirksam werden.

Wertung: B+

 

Wight King

Den Wight King gibt es entweder zu Fuß oder auf Skelettpferd. Beide Varianten sind leider nicht überzeugend. Ihre Befehlsfähigkeit ist zwar in Ordnung, das Modell aber nur dafür mitzunehmen, lohnt sich nicht wirklich.

Wertung: C

 

Necromancer

Das Beste kommt zum Schluss. Der Necromancer ist eine unglaublich günstige Auswahl, die mit ihren Zaubern die Armee am Leben hält und schneller vorwärtstreibt. Vanhels Totentanz lässt als exklusiver Zauber eine beschwörbare Einheit ein zweites Mal kämpfen, eine wirklich großartige Option.

Wertung: S-

 

Insgesamt gibt es eine riesige Heldenauswahl, so dass für jeden Spielstil etwas dabei ist. Zumindest Nekromanten sollte man aber immer einsetzen, potenziell auch direkt zwei.

Unendliche Massen – Infanterie und Kavallerie

Blood Knights

Endlich haben die berittenen Vampire neue Modelle bekommen. Spannend ist die Neuerung, dass die Waffenauswahl für die Kampfwerte egal ist. Blood Knights sind exzellente Schock-Kavallerie, die eine Schlachtfeldseite schnell dominieren können oder als gute Ablenkung fungieren.

Wertung: A

 

Vargheists

Die großen geflügelten Bestien sind vor allem interessant, da sie das Vampir-Schlüsselwort haben. Hier kann man je nach Armeeausrichtung Boni aufaddieren. Das muss aber genau geplant werden.

Wertung: B

 

Deadwalker Zombies
Die wirkliche Masse der Armee. Einheiten aus 30 Modellen sind immer noch an sich zerbrechlich, können aber viel Schaden anrichten, verursachen sie nach Sechsen bei Trefferwürfen tödliche Verwundungen. Großartige Masseeinheit, die man mitnehmen sollte.

Wertung: A

Zombies werden vor allem in Massen schnell gefährlich.

Black Knights

Berittene Skelette. Leider sind die Werte der Einheit furchtbar schlecht geworden und lohnen den Einsatz eigentlich gar nicht mehr.

Wertung: D

 

Grave Guard

Gepanzerte Skelette. Überraschend gut dafür geeignet, Missionsziele im Hintergrund zu halten. Ansonsten muss man die Einheit durch Zauber und Fähigkeiten unterstützen, denn sie sind sehr langsam.

Wertung: A-

 

Deathrattle Skeletons

Ungepanzerte Skelette. Diese sind ohne Verstärkung leider schlechter als Zombies für die gleiche Aufgabe. Wenn ein Nekromant ihnen mit Vanhels Totentanz eine zweite Nahkampfrunde beschert, werden die Skelette allerdings plötzlich wieder gefährlich.

Wertung: B+

 

Die Grabwache

Und eine weitere Underworlds-Bande. Diese ist leider nur eine nette Idee, funktioniert auf dem Feld jedoch kaum.

Wertung: C-

 

Dire Wolves

Die untoten Wölfe sind nicht nur wahnsinnig schnell, sondern auch gut im Nahkampf. Für die Punkte bekommt man daher eine gute Einheit, die aber zerbrechlich ist.

Wertung: A

 

Fell Bats

Riesige Fledermäuse, die mit 14 Zoll Bewegung auch Truppen hinter der eigentlichen Linie gut aufmischen können. Diese werden keine Schlacht gewinnen, können aber durchaus einen entscheidenden Kampf umschwingen.

Wertung: B+

Insgesamt gibt es auch hier eine großartige Auswahl an Modellen. Wer effektiv unterwegs sein und nicht nur auf Blood Knights setzen möchte, wird aber Unmengen von Modellen bemalen müssen, das sollte im Vorfeld klar sein.

Groß, stinkend, untot – Kolosse und weiteres

Bloodseeker Palanquin

Diese Einheit möchte viel gleichzeitig, macht aber nichts richtig. Sie ist nichts Halbes und nichts Ganzes, sowohl Sonderfähigkeiten als auch Kampffähigkeiten sind nicht so ausgeprägt, dass sich der Einsatz lohnt.

Wertung: C

 

Mortis Engine

Ähnlich eigenartig wie der Bloodseeker Palanquin ist die Mortis Engine. Auch hier ist es schade um das hübsch anzusehende Modell.

Wertung: C

 

Coven Throne

Und hier der dritte etwas seltsame Koloss. Er ist ähnlich unterwegs wie die anderen beiden: Ein optisch wirklich fabelhaftes Modell mit eher zweifelhaftem Nutzen.

Wertung: C

 

Corpse Cart

Den Corpse Cart gibt es in zwei verschiedenen Fassungen, beide eignen sich ausgezeichnet als Unterstützungseinheiten, um untote Infanterie in der Nähe zu verstärken. So können sie gut in die meisten Armeen integriert werden.

Wertung: A

 

Zombie Dragon

Großartige Einheit, die viele Ziele einfach ausschalten kann. Man sollte sich aber ernsthaft überlegen, ob man ihn nicht direkt mit Vampir darauf spielen möchte.

Wertung: A-

 

Terrorgheist

Der zweite riesige Flieger. Ebenfalls eine monströse Bestie, die Ziele ausgezeichnet ausschalten kann. Für welchen der beiden Brocken man sich entscheidet, ist schon fast eine Stilfrage.

Wertung: A-

 

In diesem Bereich gibt es einen Haufen Licht und Schatten. Die Flieger und der Corpse Cart können durchaus überzeugen, die anderen Modelle lässt man besser zu Hause.

Und wie spielt sich das nun? – Eine Einschätzung

Wie andere untote Armeen auch sind die Soulblight Gravelords fast vollständig auf den Nahkampf ausgelegt. Nur einige Zaubersprüche und Atem-Attacken helfen, einen Gegner auch auf größere Distanz zu bekämpfen. Oberstes Ziel sollte daher sein, die eigenen Einheiten so schnell wie möglich in den Nahkampf zu befördern, auch mit Hilfe von den armeeweiten Sonderregeln und Zaubersprüchen. Im Nahkampf ist man schon mal am richtigen Ort, aber auch hier kann Unterstützung vonnöten sein. Viele untote Einheiten sind überraschend zerbrechlich und hohe Verlustraten muss man in Kauf nehmen. Das ist aber nicht weiter schlimm, erlauben einem diverse Fähigkeiten konstant die Ränge wieder aufzufüllen. Thematisch ist das eine wunderbare Sache, denn es erfüllt die Idee einer endlosen Untotenhorde.

Gleichzeitig braucht es aber eine taktische Vorausplanung, die die Soulblight Gravelords für Einsteiger schwierig machen kann. Wenn man die Zahnräder der Armee nicht sauber ineinandergreifen lässt, könnte sich die Armee als zu schwach anfühlen.

Gleichzeitig zeigen aktuelle Turnierergebnisse, dass die Untoten durchaus punkten können.

Wenn der Untote zweimal klingelt – Ein Fazit

Die Soulblight Gravelords sind Games Workshop gut gelungen. Eine thematische Armee hat so ein neues Zuhause gefunden und die Armee fühlt sich nicht mehr, wie zuvor die Legions of Nagash, wie ein Restebecken aller verbliebenen Untoteneinheiten an. Stattdessen bekommt man hier eine thematische Armee, die sich auch vor einer Turnierteilnahme nicht fürchten muss. Man sollte sich aber darauf einstellen, große Massen billiger Infanterie zu bemalen. Wen das nicht schreckt, der findet hier ein großartiges Armeekonzept mit Flair und Stil.

  • Thematisch großartige Armee
  • Viele starke Einheiten
  • Gute Variationsmöglichkeiten für den eigenen Stil
 

  • Komplexe Regeln erfordern einige Übung
  • Erfordert meist das Anmalen von vielen Infanteriemodellen

 

Artikelbilder: © Games Workshop, Markus Kastell
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur

Lektorat: Susanne Stark
Fotografien: Markus Kastell
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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