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In Warstride Challenges werden wir von Dream Powered Games und Focus Entertainment durch Grüfte und Ruinen gejagt. Motiviert die Mischung aus Ego-Shooter und Rennspiel-Speedrun zum Verfolgen der Bestzeiten wie die Par-Times bei Doom, oder landet Warstride Challenges im verfrühten Early-Access Time-Out?

Movement-Shooter, Retro-Shooter, Speedruns, Soulslikes… Das alles will Warstride Challenges. Wir wagen im Kurzcheck einen Blick in die Early-Access-Version.

Setting:

Ein Setting oder eine Geschichte bietet Warstride Challenges nicht wirklich. Man beginnt in einer Gruft und kämpft sich an Cyborg-Monstern entlang zum nächsten Level. Die Gegner erinnern mit ihrer orangenen Farbe und hellen Lichtern vom Aussehen etwas an Doom 2016 oder Doom Eternal. Ob es Dämonen, Mutanten oder Aliens sind wird aber nicht erklärt, wie auch sonst nichts. Erklärungen gibt’s hier nicht, und die braucht’s auch nicht – wenn das Gameplay hält, was es verspricht.

Mutant? Alien? Dämon? Hauptsache weg damit
Mutant? Alien? Dämon? Hauptsache weg damit

Features: Do the Bunny Hop

Die einzige Aufgabe, die man in Warstride Challenges erledigen muss, ist schnell sein. Geschwindigkeit ist das einzig wichtige, alles andere ist nur Mittel für diesen einen Zweck. Und Mittel gibt es einige.

Das Tutorial beginnt mit dem klassischen „Bunnyhopping“, also entlanghüpfen. Dazu kann man, wie bei modernen Movement-Shootern, über den Boden schlittern. Über die nächsten Level erweitert sich das Bewegungs-Arsenal rasant: Trampoline, Beschleunigungsfelder, Greifhaken und Rocketjumps (mit dem Raketenwerfer unter sich schießen, sodass die Explosion einen weiter schleudert) wollen auf den Sekundenbruchteil genau kombiniert werden.

Schiessen? Push the Button

Normalerweise ist bei Ego-Shootern der Kampf der Kern des Spiels. Nicht so in Warstride Challenges. In den Levels gibt es zahlreiche Hindernisse: Abgründe müssen übersprungen werden, unter Barrikaden durchgeschlittert, Wände eingerissen, Knöpfe abgeschossen werden. Manche der Knöpfe sind echte Knöpfe an der Wand, manche „Knöpfe“/Gegner laufen umher. Spielerisch macht das keinen Unterschied, beide müssen abgeschossen werden, um die Ausgänge zu öffnen. Bedrohungen stellen die Gegner nicht dar, dafür ist das Gameplay viel zu schnell. Um den Durchlauf zu optimieren, muss man daher genau planen und schießen: Normale Gegner und Knöpfe kann man mit der Pistole erledigen, für größere Gegner braucht man die Schrotflinte, für weiter entfernte den Karabiner. Außerdem sind Kopfschüsse, aus schlitternden Sprung-Drehungen heraus, Pflicht. Zwei Schüsse auf einen Gegner kosten zu viel Zeit – oder noch schlimmer, führen zum Nachladen, womit man diesen Versuch vergessen kann.

Das Knopf-Drück-Gerät
Das Knopf-Drück-Gerät

Speedruns – A million resets, but it’s gonna be worth it

Daran merkt man auch, dass Warstride Challenges ganz klar auf die wachsende Speedrun-Gemeinde abzielt. Bei Speedruns geht es darum, ein Spiel möglichst schnell abzuschließen. Dafür werden die Level immer wieder gespielt und gemeistert, bis man den perfekten Rekord-Durchlauf schafft. Genauso funktioniert auch Warstride Challenges. Jeder Level hat mehrere Medaillen, die nach Durchlaufzeit vergeben werden. Spätere Level benötigen eine bestimmte Mindestzahl von Medaillen bestimmter Qualität zum Freischalten.

Die Medaillen zum Fortschritt werden erklärt
Die Medaillen zum Fortschritt werden erklärt

Die besten Zeiten liegen oft bei nur wenigen Sekunden. Die ersten paar Durchläufe sind eher dafür da, das Level zu erkunden und sich eine Strategie zurechtzulegen, als es abzuschließen.

Dann kommt auch der Suchtfaktor des Spiels zum Greifen: Man wiederholt die Level immer und immer wieder, um den Highscore noch einmal zu unterbieten.

1,522 Sekunden? Das geht doch schneller!
1,522 Sekunden? Das geht doch schneller!

Die Level sind wie gesagt sehr kurz, und mit der Tabulator-Taste setzt man sofort an den Anfang zurück, wenn man merkt, dass der Versuch schiefläuft. Dadurch fühlt es sich gar nicht langwierig an, und man merkt überrascht, dass man seit 30 Minuten versucht, ein 5-Sekunden-Level zu meistern. Der Schwierigkeitsgrad ist dazu passend auch einigermaßen hoch. Für Ego-Shooter-Anfänger*innen ist das Spiel wahrscheinlich etwas zu fordernd, um schnelle Erfolgserlebnisse zu liefern. Der Wechsel zwischen Springen und Sliden sowie die notwendigen Kopfschüsse aus Sprung und Drehung verlangen schon einiges an Übung ab. Die Tutorials sind auch eher spärlich.

Technik und Umfang

Es gibt momentan 20 normale Levels in zwei sich sehr ähnlichen Gegenden, Gruft und Ruinen. Jedes dieser Level wird in bis zu fünf Schwierigkeitsstufen spielbar sein, in denen Gegner- und Knopfplatzierung ganz verschieden sind. Bis jetzt sind aber nur jeweils die ersten zwei Stufen spielbar, die restlichen werden im Laufe des Early Access folgen.

Die folgenden Schwierigkeitsgrade gibt es noch nicht
Die folgenden Schwierigkeitsgrade gibt es noch nicht

Darüber hinaus gibt es Bonuslevels wie eine Schießbude oder „Lange Level“, in denen man die einzelnen kurzen Level am Stück spielt. Diese können epische Längen von 50 Sekunden für die beste Medaille erreichen! Außerdem gibt es einen Level-Baukasten, in dem Spieler*innen selbst Levels bauen und herunterladen können. Zur weiteren Motivation können die Durchläufe anderer Spieler*innen und der eigene vorherige Rekord als Geister zum Überholen angezeigt werden.

Andere Spieler sind Rot, man selbst Blau
Andere Spieler*innen sind Rot, man selbst Blau

Richtige Bugs sind nicht aufgetreten, leider gab es aber immer wieder kurze Ruckler. Obwohl das Testsystem über den Anforderungen für ruckelfreies Spielen bei 1920×1080 lag, traten die Ruckler auch bei niedrigsten Grafikeinstellungen noch auf. Gerade bei einem so schnellen Spiel ist das sehr ärgerlich.

Die harten Fakten:

  • Entwicklerstudio: Dream Powered Games
  • Publisher: Focus Entertainment
  • Plattform: PC
  • Sprache: Ton: Englisch, Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch, Russisch
  • Mindestanforderungen: Windows 10 (64-bit), AMD FX-6300 / Intel Core i5-2500K, 8 GB RAM, AMD Radeon RX 460 / NVIDIA GeForce GTX 660, 6 GB verfügbarer Speicherplatz
  • Genre: Ego-Shooter
  • Releasedatum: 19.04.2022 Early Access
  • Spielstunden: 7
  • Spieler*innen-Anzahl: 1
  • Altersfreigabe:
  • Preis: 19,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Steam, MMOGA

 

Fazit

Warstride Challenges ist kein sonderlich innovatives Spiel. Der Grafikstil von Doom Eternal, die Bewegung von Titanfall, das Wiederholen bis die Herausforderung gemeistert ist von Dark Souls, und die Hochgeschwindigkeitslevel von SEUM: Speedrunners from Hell.

Aber Innovation ist nicht alles. Warstride Challenges schafft es, die Einzelteile und Inspirationen zu einem Ganzen zu verbinden, das einfach viel Spaß macht.

Als Spiel für die Speedrunner-Szene dürfte es bestimmt gut passen, wahrscheinlich auch als Einstieg von durchschnittlichen Ego-Shooter-Spieler*innen in dieses Spezialfeld. Für Anfänger*innen ist es doch etwas zu fordernd. Story-Interessierte werden hier natürlich nicht fündig.

Andere Schwächen, wie der eintönige Designstil der Gruft, die noch etwas begrenzte Levelanzahl und die Ruckler sind Probleme, die durchaus noch im Early-Access-Prozess gelöst werden können.

Für Speedrun-Fans und Spieler*innen mit perfektionistischen Zügen ist Warstride Challenges sicherlich ein passendes Spiel. Für die aktuellen Inhalte des Early-Access-Spiels sind 19,99 EUR noch gerade so am Rande des erträglichen, mit den angekündigten Inhalten sollte der Voll-Release aber ein gutes Angebot werden.

  • Suchtfaktor
  • Gutes Spielprinzip
 

  • Ruckeln
  • Eintöniges Artdesign

 

Artikelbilder: © Dream Powered Games
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Nina Horbelt
Screenshots: Paul Menkel
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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