Seit der Moon Knight-Serie fragt ihr euch, wo man mehr über den Charakter erfahren kann? Marvel bringt passend dazu eine neue Comic-Reihe mit dem Helden heraus. Doch diese hat nur sehr wenig mit der Serie zu tun. Lohnt sich der Comic trotzdem für die Zielgruppe oder alte Fans?
Die Moon Knight-Reihe von Jeff Lemire gehört zu unseren Marvel-Comic Favoriten und auch die letzte Reihe von Max Bemis konnte uns überzeugen. Nun darf der aufgehende Autorenstern Jed MacKay, der auch schon für den Tod von Doctor Strange verantwortlich war, den Superhelden mit dissoziativer Identitätsstörung schreiben. Zeichnerisch wird er vom Newcomer Alessandro Cappuccio unterstützt. Die Zeichen stehen gut für die Faust von Konshu. Doch die letzten Entwicklungen führten dazu, dass die ägyptische Gottheit verbannt wurde und Marc Spector nun auf sich gestellt ist. Auch dass seine Frau mit seiner Tochter Diatrice verschwunden ist, macht dem Mondritter zu schaffen. So geht es im neusten Band erstmal darum den Status Quo aufzuräumen. Doch dabei macht MacKay eine Sache ganz anders, als es in der Disney+ Serie umgesetzt wurde …

Moon Knight: Wächter der Nacht #1 – Eine neue Mission
Als Beschützer der Nachtschwärmer jagt Moon Knight Schurken in der Nacht. Dabei trifft er auf Vampire und andere Gegner*innen. Als er sich entschließt unschuldige Jungvampire zu verschonen, bekommt er es plötzlich mit der zweiten Faust von Konshu zu tun. Diese neue Figur namens Hunter’s Moon verurteilt Moon Knight dafür, dass er nichts dagegen tut, dass ihr gemeinsamer Gott gefangen ist. Doch Marc hat mit dem Mondgott abgeschlossen, nachdem dieser die Weltherrschaft an sich reißen wollte. Nachdem Moon Knight mit der Mitternachtsmission mitten in New York eine Basis und Anlaufstelle für Mitbürger*innen gründet und eine der Jungvampire als Sekretärin einstellt, bricht das Chaos über in herein.
Die Charaktere in diesem Comic sind toll geschrieben. Alle haben ihren eigenen Charakter und die Konflikte sind vorprogrammiert. Hunter’s Moon als Konkurrent ist wieder eine weitere Figur, die mehr oder weniger dem Helden mit leicht veränderten Vorzeichen entspricht. Dieses Konzept hat in den Filmen schon mal mehr mal weniger gut funktioniert. Diese Figur wirkt mysteriös genug, dass man sich für sein Schicksal und seine Hintergründe interessiert. Eine weitere wichtige Nebenrolle ist Dr. Andrea Sterman. Sie ist die neue Therapeutin des Hauptcharakters und hilft dabei, Marcs Gedanken zu sortieren und die Handlung in einen größeren Kontext einzuordnen. Auch hier hoffe ich, dass die Figur selbst noch mehr Charakterisierung bekommt und nicht nur eine erzählerische Funktion innehat.
Wo sind Steven und Jack?
Charaktere, die hier vollständig fehlen sind die multiplen Persönlichkeiten Steven Grant und Jack Lockley, sowie der Mondgott Konshu selbst. Gerade die neue MCU-Serie hat den verschiedenen Identitäten großen Platz eingeräumt. Wer sich auf Grund der dissoziativen Identitätsstörung oder wegen dem ägyptischen Hintergrund für die Figur Moon Knight interessiert, wird hier eher enttäuscht sein. Ich hoffe, dass dafür in zukünftigen Bänden der Reihe Platz sein wird. Dies sollte aber niemanden davon abhalten sich für diesen Comic zu interessieren. Der übergeordnete Spannungsbogen besteht aus der Suche nach der*dem wahren Schurk*in des Bandes. Jedes Kapitel steht für sich, aber langsam kommen immer mehr Details zum Vorschein, die sich letztendlich in einem direkten Konflikt ergießen. Das macht Spaß und sorgt für Nervenkitzel.
Zeichnerisch macht der Comic nicht viel neu. Es wird mit dünnen Konturen gearbeitet und Moon Knight selbst wirkt wie eine Schwarz-Weiß-Zeichnung vor bunten Hintergründen. Das funktioniert und macht Eindruck. Viele große Zeichnungen überzeugen durch interessante Perspektiven und eine abwechslungsreiche Bildsprache. Einzig die Dialoge finde ich nicht gut gelungen, was auch mit Moon Knights Kostüm zusammenhängt. Leider gibt es von den Dialogen recht viele in diesem Comic, was erzählerisch Sinn macht, aber künstlerisch eher uninteressant ist.
Die harten Fakten:
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in: Jed MacKay
- Zeichner*in: Alessandro Cappuccio
- Erscheinungsjahr: 2022
- Sprache: Deutsch
- Format: Softcover
- Seitenanzahl: 148
- Preis: 18 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop
Fazit
Wer nach der Moon Knight-Serie Lust auf einen Comic mit dem Helden bekommen hat, findet hier ein gutes Exemplar. Der Comic zielt aber in eine andere Richtung, als es die Serie gemacht hat. Es geht weniger um die verschiedenen Persönlichkeiten der Hauptfigur, noch um sein Verhältnis zu den ägyptischen Gottheiten. Konshus Wille ist aber durch die neue Figur Hunter’s Moon implizit ein Aufhänger der Geschichte, der auch gut funktioniert. Durch die beiden unterschiedlichen Fäuste des Gottes wird klar, was Moon Knight zu einem Helden macht. Dieser Comic zeigt den Mondritter nicht als Antihelden und auch nur selten als gebrochene Figur. Der Hauptmotor der Handlung ist die Suche nach der*dem wahren Antagonist*in. Wer daraus Spannung ziehen kann, wird mit dem Band viel Spaß haben und ihn wie ich in einem Zug verschlingen.

- Interessante Charaktere
- Spannende Konflikte
- Abwechslungsreiche Zeichnungen
- Kein Fokus auf den multiplen Identitäten
- Viele uninteressant gestaltete Dialogseiten
Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Sabrina Plote
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.


















