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Glocken zerstören, Kinder austauschen und die eigene Höhle so umdekorieren, dass Prinzessinnen sich in ihr wohlfühlen – darum geht es bei Trolle mögen Prinzessinnen. Ob das Spiel über das leicht skurrile Thema auch mechanisch was zu bieten hat, erfahrt ihr bei uns.

Die Geschichte der Trolle ist eine Geschichte voller Missverständnisse – in Dungeons & Dragons kennt man sie als langarmige und baumstammschwingende Monster, die zu allem Überfluss auch noch regenerieren. Durch Filme wie Trollhunter und Troll sind sie auch im Riesenmonster-Horror-Film angekommen. Aber eigentlich sind es missverstandene Kreaturen, so wie in der phantastischen Serie Guillermo del Toros Trollhunters: Tales of Arcadia.

Trolle mögen Prinzessinnen zeichnet ebenfalls Bilder von etwas trottelig dreinschauenden, letztlich gutmütigen Kreaturen, die aus ihren Höhlen heraus Schabernack treiben. Dieser hat zwar hauptsächlich damit zu tun, Arbeitskräfte und Prinzessinnen zu entführen oder Kinder auszutauschen, aber das auf ganz drollig-trollige Art und Weise, indem den Prinzessinnen zunächst einmal ein passendes Zimmer hergerichtet werden muss. Also widmen wir uns voll und ganz dem Optimierungs-Spaß, um als erstes einer der ersehnten hochwohlgeborenen Gören ein neues Zuhause zu bieten, doch bis dahin ist es ein Weg in ein paar Zügen.

Triggerwarnungen

Kindesentführung (Wechselbälger)

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Spielablauf

Das Grundprinzip von Trolle mögen Prinzessinnen ist wie so oft denkbar einfach: Die aktive Person spielt eine der drei eigenen Rundenkarten aus, setzt und aktiviert dann nacheinander zwei (der fünf eigenen) Trollfiguren und zieht am Schluss wieder auf drei Karten auf. Das passiert reihum so lange, bis alle ihre zehn bis zwölf Karten (je nach Spielendenanzahl) gespielt haben und wer am Ende die meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt.

Wo kommt der Trollkönig hin (I-IV oder Höhlenplatz) und wer erscheint in welchem Dorf?
Wo kommt der Trollkönig hin (I-IV oder Höhlenplatz) und wer erscheint in welchem Dorf?

Mit den Rundenkarten entscheidet man einerseits darüber, in welchem Dorf neue Spielfiguren (Prinzessinnen, Menschen, Babys) eingesetzt werden, mit denen dann später interagiert werden kann. Vor allem aber wird bestimmt, wo in den Dörfern oder der eigenen Höhle der Trollkönig eingesetzt wird – anders als von Staatsoberhäuptern oder Vorgesetzten gewöhnt, kommt der nämlich, um bei den folgenden Aktionen mit anzupacken. Denn je mehr Trolle (inklusive des Königs), Menschen oder Außenposten sich in einem Bereich befinden, umso mehr oder stärkere Aktionen kann man machen.

Die Trollhöhle

Alle Spielenden haben ein eigenes Clantableau (mit unterschiedlichen Startressourcen/‑voraussetzungen) mit jeweils drei Bereichen für mögliche Aktionen:

In den drei Höhlenbereichen ist viel los.
In den drei Höhlenbereichen ist viel los.
  • In der Minenhöhle werden Rohstoffe (Diamanten, Gold und Obsidian) abgebaut, die später für andere Aktionen benötigt werden. Diese werden von den Startfeldern oder später angelegten fünfeckigen Plättchen aus dem Höhlensystem in den eigenen Vorrat gelegt. Während ein Obsidian bereits von einer Figur abgebaut werden kann, braucht man für einen Diamanten bereits drei.
  • In der Trollkrafthöhle kann man je einen dieser Rohstoffe wieder nachwachsen lassen. Auch kann hier Trollkraft generiert werden, also Magie, die wiederum als Ressource für bestimmte Aktionen benötigt wird. Daneben ist es noch möglich, Trollfreunde-Karten zu erhalten, die Lagerplätze und Konditionen für Siegpunkte mit sich bringen. Diese Aktion kostet aber nicht nur einen Aktionspunkt, sondern auch eine Trollkraft sowie eine Kuh (die wir zuvor aus dem Dorf geführt haben müssen).
    Mit den fünfeckigen Plättchen können bewusst keine perfekten Höhlen gebaut werden.
    Mit den fünfeckigen Plättchen können bewusst keine perfekten Höhlen gebaut werden.
  • Zuletzt gibt es noch die Bauhöhle: Hier kann man die eigene Höhle ausbauen, indem man zwei Plättchen aus der Auslage nimmt und ins eigene Netzwerk anlegt. Auch diese Plättchen bringen Siegpunktkonditionen, Rohstofffelder und Lagerplätze für Spielmaterialien, wie beispielsweise Schlafgemächer für Prinzessinnen, die wir aus dem Dorf in unsere Höhle … einladen. Außerdem können wir aus dieser Höhle heraus in einem Dorf Außenposten errichten, die dann dort künftig einen Aktionspunkt mehr generieren.

Zudem gibt es in jedem Bereich die Option, für einen Aktionspunkt eins der Königsplättchen zu aktivieren, die wir im Laufe des Spiels in unser Netzwerk bauen, und die Sonderaktionen gewähren. Um einen Bereich zu aktivieren, setzt man einen der eigenen fünf Trolle in diesen. Dann schaut man, wie viele Figuren sich dort bereits befinden. Trolle, Menschen und der gegebenenfalls eingesetzte Trollkönig bringen alle je einen Aktionspunkt.

Die Menschendörfer

Für jede Person am Tisch wird zudem auf dem zentralen Spielplan ein Dorf aufgebaut. Alternativ können auch hier Trolle eingesetzt werden, um dann mit den gesammelten Ressourcen weitere Aktionen zu vollziehen, die auf den Übersichtskarten zu finden sind. Ein Troll kann eine Kuh nach Hause führen. Menschen anzuwerben, damit sie künftig in einer Höhle unterstützen, und Menschenbabys gegen Trollbabys auszutauschen, ist schon etwas teurer – das Spiel spricht von menschlichen und Troll-Wechselbälgern, da das märchenhafte Motiv auf dem auch dieser Begriff basiert, ganz ernst genommen natürlich nicht ganz unproblematisch ist. Die cartoonhaften Darstellungen lassen aber vermuten, dass es Prinzessinnen, Arbeitskräften und auch den kleinen Rackern im Baby-Austauschprogramm in der Trollhöhle an nichts mangelt.

Für alle Spielenden wird je ein Dorf aufgebaut.
Für alle Spielenden wird je ein Dorf aufgebaut.

Jedes Dorf hat aber auch noch eine besondere Aktion für drei Aktionspunkte, die meist Ressourcen bringt, bei dem die eigenen Trolle dann wieder an beliebiger Stelle in der eigenen Höhle platziert werden. Zudem können Kirchenglocken für vier Aktionspunkte zerstört werden und Prinzessinnen wollen nicht nur einen Diamanten und ein wenig Trollmagie, sondern gleich fünf Aktionspunkte, um vom Turmzimmer in die Troll-Einliegerhöhle umzusiedeln. Für diese Aktionen unterstützen dann nicht nur eigene Trolle und Außenposten, sondern auch die von anderen Spielenden.

Ein schönes Element – thematisch, indem die Trollclans sich einfach bei größerem Schabernack gern unterstützen, wie auch spielmechanisch. Denn je mehr Figuren sich in einem Dorf tummeln, umso mehr lohnt es sich, auch dort mitzuwirken. Aber leider sind die Ressourcen hier knapp. Es gibt nur eine Prinzessin, die auch erst durch eine Rundekarte platziert werden musste, und auch neue Menschen und Babys kommen nur nach und nach ins Spiel. Hier will geschickt taktiert werden, um die Optionen zu nutzen, die andere einem präsentieren, um Aktionen vorzubereiten, die dann hoffentlich noch verfügbar sind.

Die Trollfreunde der drei Clans bieten Platz für Wechselbälger und geben dafür Ressourcen.
Die Trollfreunde der drei Clans bieten Platz für Wechselbälger und geben dafür Ressourcen.

Wer eine Prinzessin beheimatet, erhält auch sofort eins der Königsplättchen, mit Sonderaktionen oder Siegpunktemechaniken. Diese erhält man ebenfalls für jedes der vier ausliegenden Ziele. Aber man braucht ja erst einmal ein Prinzessinnenschlafgemach. So schließt sich der Kreis und die eigene Höhle muss weiter ausgebaut werden, ebenfalls um geklaute Glocken und ausgetauschte Außenposten zu beherbergen. Findelkinder werden in die verantwortungsvolle Obhut von Trollfreunde-Karten gegeben. Überdecken wir auf den dazugehörigen Feldern Ressourcen, erhalten wir diese, und die eigenen getauschten Außenposten und Wechselbälger machen durch Entfernen die Aktionen der Trollhöhle stärker.

Das Spielende

So werden reihum Aktionen gespielt, bis niemand mehr eine Rundenkarte besitzt. Am Ende gibt es sieben Siegpunkte für jede Prinzessin, aber auch vier bis sechs für Wechselbälger, Außenposten und Glocken. (Mehr jeweils für unterschiedliche Sets.) Jedes Königsplättchen bringt noch mal drei Punkte und die Sonderbedingungen auf Trollkarten und Höhlenplättchen. Wer am Ende die meisten Siegpunkte besitzt, darf „sich zum Oberhaupt aller Trollclans krönen“, heißt es in den Regeln – wie der amtierende Trollkönig das sieht, der ja fleißig mitgeholfen hat, wird allerdings nicht verraten.

Ausstattung

Viel Holz in der Höhle – die Troll-Meeple und anderen hölzernen Figuren in modernen Farben wie türkis und violett wissen zu gefallen. Trolle und deren Babys haben lange Ohren, Menschen und deren Nachwuchs runde – was dazu führt, dass die in der Handelsversion unbemalten weißen Holzmeeple einen leichten Prinzessin-Leia-Charme versprühen. Bei aller Niedlichkeit jedoch gab es bei uns aufgrund der filigranen Troll-Gliedmaßen zwei Produktionsfehler: In unseren Testrunden wurden der türkise Kurzohrtroll und der gelbe mit dem Fußstumpf im Sinne der Diversität stets bevorzugt eingesetzt.

Die Edelstein-Ressourcen wirken wertig. Die individuellen Trollhöhlen scheinen nur auf den ersten Blick gleich – denn hier finden sich viele, niedliche Details, kleine Geschichten werden erzählt; da lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Nicht nur gut Holz – auch Plastik und Pappe können sich sehen lassen.
Nicht nur gut Holz – auch Plastik und Pappe können sich sehen lassen.

Beim Grafikstil finden sich Darstellungen irgendwo zwischen Jugendstil und mittelalterlich märchenhaft, bei etwas verspielt-skurrilen Cover-Design. Man merkt, dass das klassische Thema, dass Trolle ihre Kuckucks-Kinder mit denen von Menschen tauschen – sogenannte Wechselbälger begegnen uns ja auch in Rollenspielen von Dungeons & Dragons bis hin zu Changeling – The Dreaming – versucht wurde, besonders herzig darzustellen. Während die Prinzessin auf dem Cover sich noch etwas unbeeindruckt zeigt von den Geschmeiden, die der großnasige Troll ihr präsentiert, erfreut sich das Baby an einem Schmetterling.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Mirakulus, Game Brewer
  • Autor*in(nen): Pim Thunborg
  • Illustrator*in(nen): Edu Valls
  • Erscheinungsjahr: 2023
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 90-120 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 2 3 4
  • Alter: 12+
  • Preis: ca. 65 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus/Downloadcontent

Die englischsprachigen Regeln findet man bei BoardGameGeek.

Auf den Zielkarten sehen wir, dass die Bewohner der Trollhöhlen unterschiedlich viel Spaß haben.
Auf den Zielkarten sehen wir, dass die Bewohner der Trollhöhlen unterschiedlich viel Spaß haben.

Fazit

Das Besondere an Trolle mögen Prinzessinnen ist vielleicht, wie vertraut es sich anfühlt, Ressourcen zu generieren, um Höhlen auszubauen und gleichzeitig, wie frisch dann doch das Thema daherkommt. Wir spielen ein Märchen und Trollmärchen sind nicht wirklich schön. Zwar haben wir es hier nicht mit riesigen, menschenfressenden Monstern zu tun, sondern mit etwas grobschlächtigen Geschöpfen, die Schabernack treiben. Aber dieser Schabernack besteht immer noch darin, Kühe zu stehlen, Kirchenglocken zu zerstören und Menschen zu entführen.

Die liebevolle Aufmachung und die schräge Herangehensweise, dass die Prinzessinnen eben ein besonders schönes Schlafgemach und einen Diamanten erwarten, bevor sie in die Höhle einzuziehen gedenken, schafft es, das eigentlich gruselige Thema, humoresk genug anzugehen, um nordisch-seltsam für ein ausgelassenes Spielerlebnis zu sorgen.

Die Mechaniken greifen gut ineinander, das Balancing stimmt, und es gibt genug Innovation, wie die Verstärkung der Aktionen durch mehr eigene und fremde Einheiten, um ein rundes Erlebnis zu bieten. Auch wenn die ersten Aktionen noch recht schnell von der Hand gehen, werden die Möglichkeiten komplexer und die Züge und damit die Downtime länger. So ist jeder Zug letztlich ein spannendes kleines Puzzle – und das macht doch ein gutes Eurogame aus. Daher erhält Trolle mögen Prinzessinnen von uns vier von fünf quietschfidelen Wechselbälgern.

  • Interessante Mechanik: Aktionsstärke durch Zusammenarbeit
  • Thema gut umgesetzt

 

  • Trotz „Zwangs“-Koop durch Komplexität eine Solo-Erfahrung
  • Hohe Downtime

Artikelbilder: © Mirakulus
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Susanne Stark
Fotografien: Daniel Hoffmann

Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.

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