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Der dritte Band von Lore Olympus knüpft an die ersten beiden an und lässt die Lesenden weiter an der Geschichte von Hades und Persephone teilhaben. Dabei stellen sich neue Hindernisse in den Weg der olympischen Götter und auch die Vergangenheit holt manchen wieder ein.

In Band eins und zwei von Lore Olympus lernten die Lesenden die Charaktere kennen und konnten erste Anbahnungen zwischen den Charakteren verfolgen. Dabei wurden zum einen die Welt und die Charaktere etabliert, aber auch erste Probleme zeichneten sich für die Geschichte von Hades und Persephone ab.

Die Geschichte beruht dabei lose auf der griechischen Mythologie, in welcher die bekannteste Geschichte von Hades und Persephone die „Hymne an Demeter“ aus der Homerischen Ilias ist. Nicht viele andere mythologische Paare waren die Grundlage für so viele Geschichten, die darauf aufbauen. So gibt es viele Bücher und andere Werke, die sich mit Hades und Persephone befassen – unter anderem das Musical Hadestown, das Videospiel Hades oder auch die Hades und Persephone Reihe von Scarlett St. Clair.

Der nachfolgende Text enthält Spoiler für Band eins und zwei der Comic-Reihe.

Triggerwarnungen

emotionale Gewalt, körperliche Gewalt, sexuelles Trauma, Vergewaltigung, toxische Beziehung

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Handlung

Der dritte Band der Reihe widmet sich ganz der Frage, was Hades und Persephone eigentlich wollen. Dieser umfasst die Episoden 50–75 des Webcomics. Die Handlung beginnt damit, dass Persephone zu einem weiteren Arbeitstag als Praktikantin in der Unterwelt antritt, was jedoch davon überschattet wird, dass Hades beschlossen hat, eine ernsthafte Beziehung mit Minthe zu führen, und daher Persephone die kalte Schulter zeigt. Dies ist auch der Aufhänger der nachfolgenden Kapitel.

Hades versucht, Persephone zu ignorieren, hat dabei aber nicht mit der Intervention der anderen Götter gerechnet. Denn Hekate und Hera wollen tatsächlich eine Beziehung der beiden herbeiführen, während Minthe und Apollon ganz andere Absichten haben.

War da nicht auch noch was mit Apollon? Auch dieses traumatische Ereignis zieht sich weiter durch die Handlung; Persephone spricht mit niemandem darüber und gibt sich selbst die Schuld. Sie findet aber in Eros einen guten Zuhörer und jemanden, der für sie einsteht, falls sie das möchte. Dabei findet sich hier ein sehr guter Umgang mit diesem sehr schwierigen Thema und vor allem eine Abwendung vom Victim Blaming, welches Persephone bei sich selbst betreibt. Positiv ist auch, dass Eros sie nicht drängt, mit jemandem darüber zu sprechen.

Außerdem gibt es auch immer wieder Rückblenden auf vergangene Ereignisse im Leben der unterschiedlichen Götter, welche jedoch manchmal schwer als Rückblende zu identifizieren sind. Diese geben den Nebencharakteren mehr Tiefe, Handlungsmotivation und bauen die Handlung weiter aus. Gerade Eros rückt immer mehr als Nebencharakter mit eigener tragischer Geschichte in den Fokus.

Charaktere

Im dritten Band der Reihe finden sich viele bereits zuvor erschienene Charaktere wieder. Zum einen stehen weiter Hades und Persephone im Fokus der Handlung. Dabei erhalten die Nebencharaktere aber auch immer mehr Bedeutung. Während bisher hauptsächlich Artemis, Apollon und Hera viel Bühne erhalten haben, bekommen nun einige andere Charaktere mehr Tiefe.

Immer neue Tiefe gelangt in Persephones Hintergrund. Was ist vor ihrem Leben in Olympus geschehen?

So wird zum Beispiel auf Eros näher eingegangen, welcher sich als guter Freund für Persephone herausstellt, aber auch mit eigenen Problemen zu kämpfen hat. Auch Aphrodite, seine Mutter, präsentiert sich nicht nur als verletzte Göttin der Schönheit, sondern auch als solche, die viel Interesse am Liebesleben der Olympier hat. Hestia dagegen kommt eher schlecht weg und auch Apollon ist alles andere als ein Sonnenschein. Demeter ist auch weiter die sehr strenge Mutter, welche Persephone mehr bevormunden möchte, als ihr ihre Freiheit in Olympus zu lassen.

Hermes ist ein herzallerliebster Charakter, der sicherlich auch noch viel Bühne erhalten wird, denn anscheinend ist er tiefer in Dinge verwickelt als zunächst angenommen. Hekate und Thanatos werden als Mitarbeitende der Underworld Corp. weiter etabliert und während Hekate für Persephone eine Freundin ist, entwickelt sich Thanatos doch eher in die andere Richtung.

Zeichenstil

Der Zeichenstil von Lore Olympus zeichnet sich vor allem durch viel Fokus auf die Charaktere aus. Da es sich bei der Graphic Novel um eine charaktergetriebene Geschichte handelt, macht das auch durchaus Sinn. Wenn es nötig ist, ist der Hintergrund der Szenen ausgearbeitet. Meistens jedoch bleibt der Hintergrund einfarbig.

Einfarbig sind auch die Charaktere, jedoch nur, was den Zeichenstil betrifft. Alle Charaktere haben eine spezifische Farbe, welche auch die Schrift in der Sprechblase hat, falls der Charakter nicht im Bild ist. Dadurch wird ein hoher Wiedererkennungswert geschaffen und man kann sich Charaktere schneller merken. Weniger oft vorkommende Nebencharaktere haben dabei häufiger ähnliche oder gleiche Farben.

Erscheinungsbild

Der Band kommt erneut als Hardcover in Vollfarbe daher. Auf 384 Seiten entfaltet sich die Handlung. Dabei sind die Seiten etwas dicker als es normale Roman-Seiten wären. Dies ist auch sinnvoll, damit man nicht die Panels von der jeweiligen Rückseite durchscheinen sieht, führt jedoch dazu, dass Lore Olympus insgesamt ein beachtliches Gewicht hat. Lange halten lässt es sich also nicht, ohne es irgendwo mit abzustützen. Die insgesamte Aufmachung gliedert sich nahtlos an die ersten beiden Bände der Reihe an.

© Lyx Verlag

Die harten Fakten:

  • Verlag: LYX
  • Autor*in(nen): Rachel Smythe
  • Zeichner*in(nen): Rachel Smythe
  • Erscheinungsjahr: 2023
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 384 Seiten
  • Preis:24 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Bonus/Downloadcontent

Auf den letzten Seiten des Bandes findet sich ein bisher auf Webtoon nicht veröffentlichtes Bonuskapitel. Auf Webtoon ist Lore Olympus als Webcomic kostenfrei zu lesen und umfasst dort 3 Staffeln mit insgesamt 280 Episoden und ist abgeschlossen. Auf Deutsch sind dort bisher 230 Episoden verfügbar.

Außerdem gibt es auf der Webseite des Verlages eine Übersicht der Charaktere.

Fazit

Mit Lore Olympus Band 3 wird die Serie um Persephone und Hades fortgesetzt. Und vermutlich kann man sich noch auf mindestens sechs weitere Bände freuen, wenn die Geschichte als Graphic Novel komplett aufgelegt werden soll.

Dabei macht der dritte Band auch weiterhin Lust auf mehr – vor allem, da nun die Nebencharaktere mehr Tiefe erhalten und manch jemand die Geschichte von Hermes oder Eros weiter ergründen möchte. Der Zeichenstil sorgt für wenig Ablenkung von der eigentlichen und interessanten Geschichte, was gut zur charaktergetriebenen Erzählung passt.

Der wohl einzige Wehrmutstropfen ist, dass der Band ein stolzes Gewicht hat und sich die Rückblenden erst aus dem Kontext als Rückblenden ergeben… Aber dann muss das Buch eben auf den Knien oder dergleichen liegen, um es zu lesen, also kein Problem, das sich nicht lösen lässt.

Daher sollen also 4 von 5 Granatäpfeln vergeben werden.

  • Schöner Zeichenstil
  • Haupt- und Nebencharaktere mit viel Tiefe
  • Nachvollziehbare, interessante Handlung

 

  • Schweres Buch
  • Rückblenden schwer erkennbar


Artikelbilder: © Lyx Verlag

Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Verena Kröger

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