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Weit über der smaragdgrünen See erzählt die Geschichte von Tress, die auf einer kargen Insel inmitten eines gefährlichen Sporenmeeres lebt. Als ihr Freund während einer Reise verschwindet, macht sie sich auf, um ihn aus den Klauen einer bösen Hexe zu retten. Hierzu muss sie über sich hinauswachsen.

Mit Weit über der smaragdgrünen See veröffentlichte Brandon Sanderson einen weiteren Roman seiner Secret Novels. Im Gegensatz zu seinem Handbuch für den genügsamen Zauberer erzählt diese Geschichte den Weg einer jungen Protagonistin in einem Stil, der stark an Märchen erinnert. Denn Tress lebt ein genügsames einfaches Leben auf der Insel Diggenspitze inmitten eines Ozeans aus Sporen. Ihre Insel zu verlassen, widerstrebt den Menschen schon allein deswegen, weil die Sporen der Meere beim kleinsten Kontakt mit Flüssigkeit hochgefährliche Reaktionen zeigen. Tress, die ihre Familie durch einfache Arbeiten wie Fenster putzen und Kochen unterstützt, ist mit ihrem Leben zufrieden. Einzig dass ihr guter Freund Charlie, der Sohn des Herzogs, die Insel verlassen musste, grämt sie ein wenig. Doch solange er ihr Briefe, jeweils mit einer Tasse des jeweiligen Ortes, zusendet, ist die Gram nicht groß genug. Als schließlich die Briefe ausbleiben und sie erfährt, dass er in den Fängen der bösen Hexe des schwarzen Sporenmeeres ist, entschließt sie sich zu handeln.

Triggerwarnungen

Body Horror (magische und physische Veränderungen eines Körpers), Nahtoderfahrungen, Gewalt durch Waffen

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Story

Die Geschichte um das Abenteuer der jungen Tress wird aus der Sicht einer Person erzählt, die selbst zu einem späteren Zeitpunkt in der Geschichte auftaucht. Der Erzählstil ist locker und ein wenig ironisch gehalten. Der Inhalt der Erzählung hingegen hat einen ganz eigenen Klang, der am besten mit Märchenatmosphäre beschrieben werden kann. Die Beschreibungen sind bildgewaltig, ihr Augenmerk liegt ein ums andere Mal auf der Schönheit von Triss’ Welt.

Denn mit dem Weltenbau des Buches Weit über der smaragdgrünen See hat Sanderson wieder einmal eine Welt erschaffen, die nicht den üblichen Klischees phantastischer Literatur entspricht. In Triss Welt existieren zwölf Monde, von denen jeweils ein Mond, je nachdem, wo man sich befindet, zu einem guten Drittel den gesamten Himmel ausfüllt. Von den Monden rieseln Sporen auf die Welt hinab, die sich in den zwölf großen Meeren sammeln. Durch sogenanntes Köcheln kommt Bewegung in die an Sanddünen erinnernden Sporenmeere, sodass diese sich wie eine Flüssigkeit verhalten und von Schiffen befahren werden können. Einzig mit Wasser sollten die Sporen, auch in kleinsten Mengen wie einer Träne, nicht in Berührung kommen, denn sonst kommt es sofort zu einer extremen Reaktion. Die grünen Sporen, die Tress ihr Leben lang bereits kennt, verwandeln sich bei Kontakt mit Flüssigkeit in große lianenartige Pflanzen, die einen Menschen im schlimmsten Fall von innen heraus zerreißen können.

In dieser faszinierenden Welt lebt die Protagonistin Tress, die mit ihrem einfachen Leben auf dem kargen Felsen der Insel Diggenspitze zufrieden ist. Das aufregendste in Tress´ mit Belanglosigkeiten angefülltem Leben sind die Treffen mit ihrem Freund Charlie. Ihr liebstes Hobby ist das Sammeln gebrauchter Tassen, die Seefahrende ihr mitbringen, gemeinsam mit den ihnen anhaftenden Geschichten. Für diese ruhige und ausgeglichene Protagonistin brauchte es erst einen starken Anstoß, um sie zum Verlassen ihrer heimatlichen Gefilde zu veranlassen. Charlie, der Sohn des örtlichen Herzogs, musste mit diesem eine lange Schiffsreise antreten, um eine Verlobte zu finden. Regelmäßig schickt Charlie Tress sowohl Tassen als auch kurze Briefe. Als die Tassen jedoch ausbleiben und Tress erfährt, dass der Herzog Charlie zur bösen Hexe ins schwarze Sporenmeer geschickt hat, kann sie nicht mehr in ihrem Alltagstrott verbleiben.

Sehr angenehm an dieser Stelle ist die Tatsache, dass Tress tatsächlich nicht unüberlegt und überstürzt handelt, sondern nachdenkt und Pläne schmiedet. Um die Insel entgegen dem Gesetz zu verlassen, erdenkt sich die Protagonistin einen Plan, und schafft es schließlich auf das Schiff Oots Traum. Das soll nicht das einzige Schiff bleiben, auf dem sie während ihrer Reise vorankommt. Das Piratenschiff Krähenlied mit der furchteinflößenden Kapitänin Krähe und ihren Leuten soll einen zentralen Anteil an der nachfolgenden Handlung um Tress haben. Schließlich schafft es Tress zur Hexe ins schwarze Sporenmeer und es kommt zum spannenden Showdown.

Die Atmosphäre des Buches Weit über der smaragdgrünen See ist durchgehend als angenehm zu beschreiben. Die Abenteuer von Tress sind zwar mitunter gefährlich und spannend und sie kommt in durchaus nicht wenige brenzlige Situationen. Trotzdem schafft es der Autor, die Geschichte in einem Ton voranschreiten zu lassen, der an Wohlfühlliteratur T.J. Klunes erinnert.

Einzig das Ende lässt Lesende der Phantastik ein Stückchen unversöhnlich zurück. Die Lösung des Ganzen ist zwar logisch und fügt sich gut in die Geschichte ein. Sandersons Idee, dass alle seine Geschichten auf verschiedensten Planeten in einem gemeinsamen Cosmere existieren, bringt jedoch unübersehbare Elemente der Science-Fiction mit sich. Menschen dieser Welt reisen noch mit Segelbooten umher. Waffen wie Pistolen und Kanonen weisen durch die Nutzung von Sporen eine sprengpulverähnliche Wirkung auf. Dahingegen wirken Tablets, Überwachungsmonitore als auch ein Raumschiff in der Handlung störend. Eine verhaltenere Beschreibung dieser Gegenstände hätte der Geschichte geholfen, ihre märchenhafte Seite bis zum Ende zu behalten.

Schreibstil

Die Übersetzung aus der Feder Simon Weinerts ist sehr gelungen, denn dem deutschen Text ist nicht anzumerken, dass es sich nicht um den originalen Text handelt. Auch dem Konflikt, wann die Protagonistin siezt und wann duzt, ist der Übersetzer gekonnt begegnet. An geeigneten Stellen wählte er hierzu das passendere „Ihr“.

Mit der Beschreibung einer Welt voller gefährlicher Sporen, die sich ob ihrer Farbe und ihrem Herkunftsmond in ihrer Reaktion auf Wasser unterscheiden, erschuf Brandon Sanderson eine innovative spannende Welt. Weit über der smaragdgrünen See spielt mit der Gefährlichkeit dieser Sporen und der Umgang mit ihnen wird ausführlich beschrieben. Trotzdem macht der Weltenbau Lust auf mehr Geschichten dieses Planeten.

Der lockere Erzählstil gibt der Geschichte eine gewisse Frische. Umschreibungen der Welt sind flüssig, teilweise sogar bildgewaltig. Dem Textfluss ist gut zu folgen. Die Wahl der Worte ist überwiegend, passend zu den Protagonist*innen, einfach gehalten. Trotzdem ist das Werk ob seiner doch teilweise konkreten Beschreibungen, was mit Menschen passiert, die mit aktivierten Sporen in Berührung kommen, nicht für sehr junges Publikum geeignet.

Der Autor

Brandon Sanderson gilt als internationaler Bestsellerautor. Er wurde 1975 in Nebraska geboren und lebt heute in Utah. Bekannt wurde er für Werke wie Elantris, die Saga um Die Nebelgeborenen und seiner Vollendung von Robert Jordans Reihe Das Rad der Zeit. Im Jahr 2022 veränderte er die Welt der Bücher nachhaltig, indem er vier geheime Buchprojekte über die Crowdfunding Plattform Kickstarter finanzierte, die bislang erfolgreichste Kampagne aller Zeiten. Bei diesem Werk handelt es sich nebst dem von uns besprochenen Buch Handbuch für den genügsamen Zauberer um eine dieser vier Secret Novels.

Erscheinungsbild

Mit Illustrationen des Künstlers Howard Lyon und Entwürfen des Dragonsteel Verlags veröffentlichte Piper die deutsche Ausgabe mit einem Aussehen, das der Edelversion der Originalausgabe in nichts nachsteht. Das Cover des Buches Weit über der smaragdgrünen See ziert eine Illustration der Protagonistin in Schwarz auf Grün. Ein besonderer Hingucker ist die Goldfolierung auf dem Cover. Mit dieser werden die das Märchenhafte unterstreichende Blüten, die Sporen in der Handlung als auch das Kleid der Protagonistin betont.

Das Gesamtaussehen des Buchumschlags erinnert in seiner einfachen Schönheit an Märchenbücher. Es passt somit perfekt zum Inhalt. Auch ein goldenes Lesebändchen sowie im Buch verteilte Illustrationen besonderer Szenen tragen zum Gesamtkunstwerk bei. Einziger kleiner Wermutstropfen ist, dass die Illustrationen nur in schwarz-weiß abgedruckt wurden. Die Originale des Künstlers weisen leichte Farbgebungen, insbesondere ins Grün des Himmels und des Meeres, auf, die bei Betrachtung den Weltenbau nochmals in Erinnerung rufen können.

Die im Inneren des Buches abgedruckten Illustrationen der Protagonist*innen sowie wichtiger Szenen können in hoher Auflösung sowie Farbe auf der Homepage des Autors bewundert werden. Ebenso stehen die ersten fünf Kapital in englischer Sprache online zur Verfügung.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Piper
  • Autor: Brandon Sanderson
  • Erscheinungsdatum: 2. November 2023
  • Sprache: Deutsch (Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Simon Weinert)
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 544
  • ISBN: 978-3492706681
  • Preis: 25,00 EUR (Print) + 21,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon, idealo

 

Fazit

Brandon Sandersons Weit über der smaragdgrünen See ist ein fesselnder Wohlfühlroman, der die Lesenden in eine märchenhafte und zugleich gefährliche Welt entführt. Die Geschichte folgt der Protagonistin Tress, die auf einer kargen Insel lebt und ein beschauliches Leben führt, bis ihr Freund Charlie, für den sie tiefere Gefühle hegt, während einer Reise verschwindet. Entschlossen, ihn vor der bösen Hexe des schwarzen Sporenmeeres zu retten, begibt sich Tress auf eine abenteuerliche Reise, die sie mit Pirat*innen und anderen Gefahren konfrontiert.

Sanderson gelingt es meisterhaft, eine innovative und bildgewaltige Welt zu erschaffen, in der die gefährlichen Sporen eine zentrale Rolle spielen. Der lockere und ironische Erzählstil des zunächst unbekannten Erzählers verleiht der Geschichte eine frische Note und sorgt dafür, dass selbst brenzlige Situationen mit einem Gefühl von Leichtigkeit erzählt werden. Die Charakterentwicklung von Tress ist besonders gelungen. Sie zeigt Mut und Entschlossenheit, während sie über sich hinauswächst und ihre Komfortzone verlässt.

Trotz der durchweg positiven Atmosphäre gibt es einige kleinere Schwächen im Roman. Das Ende könnte für Lesende der Phantastik etwas unversöhnlich wirken, da Sanderson Elemente der Science-Fiction einführt, die den märchenhaften Charakter der Geschichte etwas durchbrechen. Dennoch bleibt das Buch insgesamt ein unterhaltsames Leseerlebnis mit ansprechenden Illustrationen und einem liebevoll gestalteten Cover, das perfekt zur märchenhaften Thematik passt. Weit über der smaragdgrünen See ist somit nicht nur eine gelungene Ergänzung zu Sandersons Secret Novels, sondern auch ein fesselndes Abenteuer für alle Fans phantastischer Literatur.

  • Gemütliche Atmosphäre
  • Interessante Charaktere
  • Spannender Weltenbau

  • Zu viel Science-Fiction am Ende

 

 

Artikelbilder: © Piper, depositphotos © GoodOlga
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Sabrina Plote

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