Ein Museumheist in Verbindung mit einem für den hiesigen Buchmarkt ungewöhnlichen Setting. Wole Talabi präsentiert mit Shigidi – Raub im Britischen Museum die mythische Welt Nigerias und siedelt die Handlung gleichzeitig im urbanen London an. Kann der Roman den hoch angesetzten Erwartungen entsprechen?
In der Geisterwelt der nigerianischen Yoruba ist der Albtraumgott Shigidi ein kleines Licht. Angestellt in einer Geisterfirma bekommt er nur einen Bruchteil der Anbetung ab, da diese streng hierarchisch verteilt wird. Das Blatt wendet sich, als er Nneoma begegnet, einem Succubus, die ihm die Chance auf ein besseres Leben verspricht. Doch seine Loslösung hat für den ehemals hässlichen Shigidi, der mithilfe von Nneoma nun mit einem attraktiven Äußeren daherkommt, Folgen: Denn niemand verlässt die Geisterfirma einfach. Als sie das Angebot erhalten, ihre durch Shigidis abrupten Weggang verursachten Schulden zu tilgen, willigen sie ein und sagen zu, dass sie einen heiligen Messingkopf aus dem streng gesicherten Britischen Museum zurückholen. Dieser Auftrag verlangt ihnen einiges ab, und schließlich geht es um ihr eigenes Überleben.
Enge Räume
Inhaltsverzeichnis
Handlung & Charaktere
Die Vorstellung, ein packendes Buch über einen Museumsheist in einer spannenden Götterwelt vor sich zu haben, bleibt leider nur eine ebensolche. Die Kennenlerngeschichte zwischen Nneoma und Shigidi nimmt den größten Raum der Handlung ein und langweilt mitunter. Zusätzlich erschweren die Zeitsprünge zwischen dieser und der eigentlichen Heiststory den Lesefluss. Die Geschichte um den Raub ist das eigentlich Spannende an Shigidi – Raub im Britischen Museum. Leider findet sie ihren Niederschlag erst im letzten Drittel des Buches. Das Worldbuilding ist dementsprechend sehr ausführlich und die Organisation des übernatürlichen Daseins in Geisterfirmen, die ähnlich eines großen Unternehmens funktionieren, erscheint innovativ.
Wole Talabi legt bei seinen Charakteren sehr viel Wert auf Äußerlichkeiten. Shigidi selbst fühlt sich erst wohl in seiner Haut, als er seine Hässlichkeit ablegt. Die Charakterentwicklung ist bei ihm auf die Äußerlichkeit und die neuen Fähigkeiten, die ihm durch die Beziehung zu Nneoma verliehen werden, begründet.
Alle Frauenfiguren sind durchweg schön, und tragen knappe Kleidung. Dies führt dazu, dass der Succubus Nneoma sich eigentlich gar nicht von dieser Masse an gutaussehenden Menschen abhebt. Trotzdem erscheint sie allen, denen sie begegnet, äußerst verführerisch und es kommt zu einer Vielzahl an sexuellen Handlungen, die nicht immer dazu geeignet sind, die Geschichte selbst voranzubringen.
Alles in allem versucht Wole Talabi auf den 352 Seiten zu viele verschiedene Ansätze und Handlungsstränge in Einklang zu bringen, um einen organischen Lesefluss herbeizuführen.
Schreibstil
Shigidi – Raub im Britischen Museum beschreibt sehr ausufernd die Beziehung zwischen den Akteur*innen. Leider kratzt es dabei nur an der Oberfläche, der Fokus liegt klar auf Äußerlichkeiten, während den inneren Entwicklungen der gebührende Raum fehlt. Dies stellt eine verpasste Chance dar, denn die Figur des Shigidi, die sich aus der Funktion des rangniedrigen Angestellten in die Freiheit und Autonomie begibt, hätte einiges an Potenzial geboten. Ebenso bleibt Nneoma, die ihr Dasein hauptsächlich durch sexuelle Akte bedingt, eher blass und vor allem im Hinblick auf ihr Wirken als Succubus mit allen Vor- und Nachteilen sehr unreflektiert.
Die zwei nebeneinanderstehenden Handlungsorte Nigeria und England sind hingegen gut ausgearbeitet, der Unterschied wird nachvollziehbar beschrieben.
Allgemeines zum Buch
Wole Talabi ist ein nigerianischer Phantastik-Autor, der erfolgreiche Kurzgeschichten und Anthologien veröffentlicht hat. Der Urban-Fantasy-Museumsheist Shigidi – Raub im Britischen Museum ist sein erster Roman. Während das Buch im deutschsprachigen Raum eher negativ beurteilt wird, ist die Bewertung im amerikanischen weitaus besser, was sich auch in Nominierungen für diverse Phantastik-Preise niederschlug.
Aufgrund der expliziten Sexszenen empfiehlt Teilzeithelden das Buch für Lesende ab achtzehn Jahren.
Die harten Fakten:
- Verlag: Penhaligon
- Autor: Wole Talabi

- Erscheinungsdatum: 26.02.2025
- Sprache: Deutsch (Aus dem Englischen übersetzt von Andreas Helweg)
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 352
- ISBN: 978-3-7645-3330-4
- Preis: 18 EUR (Print), 9,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon (deutsch und englisch)
Fazit
Shigidi – Raub im Museum verspricht einen spannenden Urban-Fantasy-Roman über einen Museumsheist vor dem Hintergrund der nigerianischen Geisterwelt. Leider hält das Buch nicht, was es verspricht. Es verliert sich in der Vorgeschichte der beiden Protagonist*innen, des Albtraumgottes Shigidi und des Succubus Nneoma, sodass die Handlung erst im letzten Drittel des Romans an Fahrt aufnimmt. Zu häufige Sexszenen und der Fokus auf Äußerlichkeiten der Personen sind weitere Mankopunkte.

- Interessanter mythologischer Hintergrund
- Fokus auf Sex und Äußerlichkeiten
- Vorgeschichte nimmt zuviel Raum ein
Artikelbilder: © Penhaligon
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Hendrik Pfeifer
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