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Die Stimmen haben die Welt ihrem Schicksal überlassen. Von der Schwelle des Todes zurückgeholt findet sich ein*e Schmied*in im Schatten der letzten Bastion der Menschheit wieder. Mit Hammer und Amboss bewaffnet werden nicht nur Klingen, sondern das Schicksal selbst geschmiedet. Ein kreativer Crafting Simulator trifft auf Dark Fantasy. 

Wer in digitalen Welten Abenteuer bestreiten möchte, braucht eine gute Ausrüstung. Vor allem, wenn nicht nur kleinere Übel aus dem Weg geräumt werden müssen, ist eine ordentliche Waffe elementarer Bestandteil davon. Anstelle eines heroischen Hauptcharakters jedoch, der sein Schwert auf dem Schlachtfeld oder in finsteren Kerkern schwingt, steht in Bladesong ein*e Schmied*in im Mittelpunkt der Handlung. Ab dem 22.01.2026 können Spielende in der Early-Access-Version des Spiels die andere Seite des Verkaufstresens kennenlernen und ihre Fähigkeiten am Amboss unter Beweis stellen. Teilzeithelden durfte den Debüttitel des deutschen Studios SUN AND SERPENT creations bereits vorab testen.

Triggerwarnungen

Tod, Gewalt, Gewalt gegen Kinder, Krankheit, Apokalypse

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Die Spielwelt

In Bladesong finden sich Spielende in einer düsteren mittelalterlichen Welt wieder, die dem Untergang geweiht zu sein scheint. Als Schmied*in verdienen sie sich in den Zeltstädten vor der sogenannten Eren Keep, einer beeindruckenden und durch Magie geschützten Festungsstadt, ihr Gold. Hierbei bauen sie nicht nur ihre eigenen Fähigkeiten weiter aus, sie knüpfen auch Kontakte mit anderen armen Seelen, denen der Zutritt zur Stadt verwehrt bleibt. So können sie beispielsweise Shev kennenlernen, die einen Onkel innerhalb der Stadtmauern zu kontaktieren versucht, damit er sie aufnimmt. Der tägliche Kampf gegen Hunger und Gewalt wird durch Angriffe furchtbarer Geschöpfe der Nacht nur noch verstärkt und es scheint, als hätten die Götter, die sogenannten Stimmen, die Menschheit tatsächlich im Stich gelassen.

Eine mysteriöse alte Frau führt Spielende durch die Einleitung.
Eine mysteriöse alte Frau führt Spielende durch die Einleitung.

Durch einen glücklichen Zufall ist Eren Keep auf ein*e Schmied*in angewiesen, sodass die ärmlichen Verhältnisse der Zeltstädte alsbald gegen eine Schmiede innerhalb der sicheren Mauern eingetauscht werden können. Mauern, die von dem mysteriösen Maskierten König aufrechterhalten werden, den mehr als ein Geheimnis umgibt. Die düstere Spielwelt ist ideenreich gestaltet und macht Lust darauf, Personen und Örtlichkeiten jenseits der Schmiede zu besuchen. Aufgrund dieser geschürten Neugier entwickelt sich die Handlung auf natürliche Art und Weise weiter; als Spieler*in möchte man nicht nur Materialien für die tägliche Arbeit beschaffen, man möchte mehr über die Welt erfahren.

Der Alltag in der Schmiede

In Bladesong haben Spielende zwei Dinge zu tun: Sie schmieden, beziehungsweise verbessern, Waffen und sie erkunden die Stadt. Die zeitlichen Ressourcen sind dabei so festgelegt, dass nicht alle Aufträge erledigt werden können. Es ist demnach nötig, sich zu überlegen, welchen Auftrag man annehmen möchte, um Pluspunkte bei einer Fraktion zu sammeln oder aber einem befreundeten Nichtspielercharakter (NSC) zu helfen.

Die Arbeit am Amboss

Das Herzstück von Bladesong ist das Herstellen von Schwertern. Spielende können aus verschiedenen Aufträgen wählen und anschließend mit der Arbeit beginnen. Die Tätigkeiten in der Schmiede sind auf das Arbeiten am Amboss begrenzt. Hier jedoch geht es ins Detail: Die Schwertlänge, Schwertbreite und Schwertdicke werden entsprechend der Vorgaben aus dem jeweiligen Auftrag erarbeitet. Auch die Form der Klinge findet Berücksichtigung. Das Zusammenspiel der einzelnen, in Prozentzahlen angegebenen, Optionen definiert, wie schwer und scharf das Schwert ist und mit welcher Wucht damit zugeschlagen werden kann. Jederzeit kann in eine andere Option (zurück)gegangen werden, um Anpassungen vorzunehmen. Ist das Gesamtergebnis nicht zufriedenstellend, kann ohne Materialverlust von vorne begonnen werden. Je mehr Aufträge erledigt werden, desto mehr Münzen und Erfahrungspunkte werden gesammelt. Ein umfangreicher Skill-Baum gestattet es Spielenden, nach und nach weitere Fähigkeiten zu erlernen.

Mit dem Erwerb verschiedener Materialien und Bücher werden mehr Optionen beim Schmieden freigeschaltet. Beispielsweise kann ein Schwertgriff mit verschiedenen Lederarten umwickelt werden, für die sich eine Auswahl von Farben finden lässt. Ein Knauf kann ebenso wie die Parierstange ganz unterschiedliche Formen und Größen annehmen. Es ist relevant, die Vorgaben aus dem Auftrag zu berücksichtigen. Diese können gewisse Farben beinhalten oder aber es gilt, das Wunschgewicht der Waffe nicht zu überschreiten. Gibt es keine expliziten Vorgaben, können Spielende sich kreativ austoben. Leder, Holz und Metalle müssen nicht immer eingekauft werden, denn einige Aufträge werden mit Gegenständen bezahlt, die auseinandergenommen und wiederverwertet werden können.

Hinter manchen Aufträgen verbirgt sich ein bereits bekanntes Gesicht.
Hinter manchen Aufträgen verbirgt sich ein bereits bekanntes Gesicht.

Trotz Tutorial ist die Arbeit mit dem Hammer anfangs nicht intuitiv, sodass manche Schwerter mehrere Anläufe benötigen. Sobald Spielende den Bogen heraushaben, wird das Schmieden zu einer entspannten Routine, die zum kreativen Austoben einlädt. Das Einbringen eigener Ideen ist nötig, damit das Schmieden nicht zur repetitiven Fleißaufgabe wird, denn das kann passieren, wenn stets nur die nötigsten Arbeiten vorgenommen werden. Wer (zu) viel Spaß beim Schmieden hat, kann den Handlungsmodus von Bladesong zugunsten des Kreativmodus vernachlässigen. Im Kreativmodus geht es, wie der Name bereits verrät, darum, die Möglichkeiten der Schmiedekunst nach eigenem Gusto auszuprobieren. Da weder feste Vorgaben aus Aufträgen noch der eigene Geldbeutel berücksichtigt werden müssen, stellt das Arbeiten im Kreativmodus eine ungezwungene Tätigkeit für ruhige Feierabende dar.

Fraktionen, Handlungsstränge und NSC

Am Ende eines jeden Arbeitstages können Spielende die Eren Keep erkunden. Hierbei lernen sie unter anderem Händler*innen kennen, von denen sie später Metall oder Holz erwerben können. Darüber hinaus treffen sie auf zwei Fraktionen: die schatzsuchenden Krähen und das wissbegierige Magisterium. Für beide Fraktionen können Waffen geschmiedet und Aufgaben erledigt werden, um Pluspunkte zu sammeln. So werden Kontakte freigeschaltet und die Handlung vorangetrieben. Einer der umfangreichen Handlungsstränge beschäftigt sich mit dem Verschwinden von Waisenkindern. Um hier Fortschritte machen zu können, müssen Gespräche geführt und Hinweise gefunden werden. Dadurch, dass pro Abend lediglich eine Örtlichkeit besucht werden kann, nimmt die Investigation einiges an Zeit in Anspruch. Da es allerdings nicht nur diesen einen Handlungsstrang zu verfolgen gilt, muss jeden Abend sorgsam überlegt werden, wohin es heute geht. Hilfreich ist das Tagebuch, in welchem alle aktiven und erledigten Aufträge aufzufinden sind.

Die Ausflüge, die innerhalb der sicheren Mauern, aber auch außerhalb davon stattfinden können, werden von hervorragenden Illustrationen begleitet. Diese vermitteln nicht nur einen gelungenen Eindruck der besuchten Örtlichkeit, sie sind neben den ansprechend geschriebenen Texten Hauptträger der Spielatmosphäre. Viele NSC erzählen auf Nachfrage gern ihre Geschichte, sodass Spielende durch Dialoge mehr von der Welt kennenlernen. Gleich mehrere NSC können sogar für die Arbeit in der Schmeide rekrutiert werden. Nach etwa zehn Stunden Spielzeit erschöpfen sich die handlungsrelevanten Aufgaben und NSC-Dialoge. Es ist davon auszugehen, dass zukünftige Updates mehr Inhalte mit sich bringen. Unabhängig davon können Spielende ungehindert weiterschmieden.

Gameplay und Technik

Der Crafting Simulator, der für das Herstellen von Klingenwaffen verwendet wird, ist gleichermaßen atmosphärisch und praktisch gehalten. Der Amboss kann von allen Seiten betrachtet werden, es lässt sich an die zu bearbeitende Klinge heranzoomen und wer möchte kann sogar die Beleuchtung und den Hintergrund ändern. Alle übrigen Handlungsorte von Bladesong werden mithilfe von Illustrationen und Texten präsentiert; die Navigation erfolgt regulär per Mausklick. Auch gibt es eine musikalische Untermalung des Spiels, die ihren Zweck erfüllt, aber leider nicht im Ohr oder im Gedächtnis verbleibt. Gerade bei längeren Arbeiten am Amboss können die sich wiederholenden Klänge störend wirken.

Es gibt eine Vielzahl von Orten zu entdecken.
Es gibt eine Vielzahl von Orten zu entdecken.

Während des Spieltests kam es zu keinen Abstürzen oder vergleichbaren Fehlern. Es wurden die englische und die deutsche Version des Spiels ausprobiert. Leider fehlen zum Zeitpunkt dieser Rezension einige deutsche Übersetzungen, sodass es zu einem Sprachgemisch aus Deutsch und Englisch kommt, das den Spielfluss stört und das Spiel für Personen, die ausschließlich deutsch sprechen, schwer zugänglich macht.

Die harten Fakten:

  • Entwicklerstudio: SUN AND SERPENT creations
  • Publisher: Mythwright
  • Plattform: PC
  • Sprache: Deutsch, Englisch, Japanisch, Polnisch, Chinesisch
  • Mindestanforderungen:
    • Betriebssystem: Windows 10
    • Prozessor: Intel Core i5-7500 oder AMD Ryzen 5 1600
    • Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
    • Grafik: NVIDIA GeForce GTX 1050 oder AMD Radeon RX 580
    • Speicherplatz:  5 GB verfügbarer Speicherplatz
  • Genre: Indie, Mittelalter, Crafting
  • Releasedatum: 22.01.2026 (Early Access)
  • Spielstunden: circa 10 Stunden Handlungsmodus (Early Access), unbegrenzter Kreativmodus
  • Spieler*innen-Anzahl: 1
  • Altersfreigabe: noch ausstehend
  • Preis: 19,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel (Steam, Epic Games)

 

Fazit

In Bladesong geht es vornehmlich um das Schmieden von Schwertern. Die hierfür nötigen Mechaniken beschränken sich auf die Tätigkeiten rund um den Amboss, lassen allerdings nichts an Komplexität vermissen. Nach einem potenziell holprigen Start haben Spieler*innen die Möglichkeit, sich kreativ auszuleben – so umgehen sie potenziell repetitive Tätigkeiten. Am Ende eines jeden Arbeitstags lassen sich verschiedene Schauplätze erkunden und vielschichtige NSC kennenlernen. Diese Erkundungsausflüge werden von herausragenden Illustrationen und spannenden Dialogen begleitet. Vor schwierigen Themen wie Tod, Gewalt und Krankheit macht das Spiel dabei keinen Halt.

Die Mischung aus Dark Fantasy-Elementen und einer anspruchsvollen Schmiedetätigkeit mag wie eine Nischenkombination erscheinen, macht allerdings großen Spaß. Nach und nach lernen Spieler*innen die Welt von Bladesong kennen und werden rasch Teil davon. Im Handlungsmodus warten im derzeitigen Early Access etwa zehn Stunden Inhalt auf Spielende – im Kreativmodus etliche mehr. Trotz Schwächen bringt Bladesong eine Menge Potenzial hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung mit. Mit Spannung bleibt zu erwarten, welche Geheimnisse sich in den Mauern der letzten Bastion der Menschheit verbergen.

 

  • Detailliertes Crafting
  • Eindrucksvolle Atmosphäre
  • Etliche kreative Möglichkeiten
 

  • Einstieg nicht intuitiv
  • Repetitive Tätigkeiten
  • Deutsche Übersetzung unvollständig

 

Artikelbilder: © SUN AND SERPENT creations/Mythwright
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Maximilian Düngen
Screenshots: Yola Tödt
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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