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Für viele Menschen sind Videospiele ein exzellenter Weg, abzuschalten und in fremde Welten einzutauchen. Damit das reibungslos funktioniert, müssen die Grundlagen eines jeden Spiels gelernt werden. Neben Handbüchern und Übersichten im Optionsmenü existieren deswegen Tutorials. Idealerweise nehmen sie Spieler*innen an die Hand und zeigen ihnen die Basics.

Neue Videospiele machen Spaß. Es gilt, eine bislang unbekannte Spielwelt zu entdecken und neue Abenteuer zu bestehen. Ehe Spieler*innen sich jedoch ins Geschehen stürzen können, sollten sie sich mit dem Gameplay und den Details der Steuerung vertraut machen. Jeder Titel funktioniert anders und bringt neben der grundlegenden Bewegungs- beziehungsweise Kamerasteuerung weitere Aspekte mit sich, so beispielsweise Menüführung, Kampfsystem und – wenn vorhanden – Crafting-Optionen. Bei Online-Titeln sind darüber hinaus die Besonderheiten des gemeinsamen Spielens näher zu betrachten. Dieser Artikel nimmt jedoch primär Offline-Spiele in den Fokus und befasst sich mit der Frage, ob ein Tutorial auch zu viel des Guten sein kann oder nicht.

Aller Anfang ist schwer

Manchmal möchte man einfach nur abtauchen. Man möchte sich vielleicht einer spannenden Geschichte hingeben oder sich in einem unterhaltsamen Gameplay verlieren. Dem können eine komplexe Steuerung oder undurchsichtige Spielinhalte entgegenstehen. Um den Einstieg zu erleichtern, gibt es Tutorials. Bei diesen handelt es sich um Informationsangebote und Handlungsanweisungen gleichermaßen. Allerdings ist Tutorial nicht gleich Tutorial: Verschiedene Spiele konfrontieren Spielende mit unterschiedlichen Ansätzen der kleinen Hilfestellungen. Es folgt eine grobe Sortierung unterschiedlicher Tutorial-Typen.

Arten von Tutorials in Videospielen

Nostalgische Erinnerungen an alte Titel, beispielsweise für die PlayStation oder den Nintendo 64, lassen vergessen, dass diese Spiele ihr Publikum oft unvorbereitet ins Abenteuer geworfen haben. Glücklicherweise gab es in den physischen Spieleverpackungen Handbücher, welche die Steuerungsgrundlagen erläutert haben und manchmal sogar Platz für Notizen mitbrachten. Heutzutage lassen sich – auch aufgrund der vielen rein digitalen Spielekäufe – Handbücher dieser Art immer weniger finden. Das „Wie?“ ist stattdessen Teil des Spiels geworden.

Kein Tutorial

Manche Spiele haben kein Tutorial. Entweder wird die grundlegende Steuerung kurz erklärt, oder aber Spieler*innen müssen im Spielmenü die Anleitung heraussuchen beziehungsweise die Tastenbelegung studieren. Ein prominentes Beispiel für einen Titel, der nur wenige Informationen anbietet, sich aber dennoch großer Beliebtheit erfreut, ist Stardew Valley.

Kurz und knackig: Die Steuerung in Stardew Valley (Stardew Valley © ConcernedApe).
Kurz und knackig: Die Steuerung in Stardew Valley (Stardew Valley © ConcernedApe).

Der Farming Sim bringt für Interessierte viele Stunden Spielspaß und etliche, teils langfristige Aufgaben mit sich. Dabei stützt er sich auf eine einfache Steuerung, die lange Erklärungen redundant macht. Dies funktioniert auch deshalb gut, weil viele Farming-Fans früher bei der Auslebung ihres Hobbys Erfahrungen im artverwandten Harvest Moon beziehungsweise Story of Seasons sammeln konnten.

Separater (optionaler) Spielabschnitt

Spieler*innen, die einen Titel bereits kennen, haben meistens wenig Lust, sich noch einmal durch ein langatmiges Tutorial zu arbeiten. Für sie sind Spiele attraktiv, die Tutorials in einem separaten, optionalen Spielabschnitt anbieten. Denkbar sind Sequenzen, die bei Bedarf betreten oder übergangen werden können

Ein Beispiel hierfür ist Cyberpunk 2077: Spieler*innen können sich aussuchen, ob die Spielfigur den von NSC Jackie angebotenen Tutorial-Chip nutzen soll oder nicht. Wer mit dem Spiel bereits vertraut ist, zieht keinen Mehrwert aus dem wiederholten Absolvieren des Tutorials. Nachteile bringt das Überspringen auch nicht mit sich.

Tutorial – ja oder nein? In Cyberpunk 2077 haben Spieler*innen die Wahl (Cyberpunk 2077 © CD PROJEKT RED).
Tutorial – ja oder nein? In Cyberpunk 2077 haben Spieler*innen die Wahl (Cyberpunk 2077 © CD PROJEKT RED).

Eine Alternative sind Tutorials, die außerhalb des eigentlichen Spiels stattfinden – also vom Hauptmenü aus anwählbar sind. Sie sind optionaler Natur und können auch dann, wenn der eigene Speicherstand bereits weiter fortgeschritten ist, ausgewählt und (erneut) gespielt werden

Begleitendes Tutorial

Die letzte hier vorgestellte Kategorie kann sowohl in Reinform als auch ergänzend zu den vorherigen genannten Möglichkeiten existieren. Sie beschreibt Tooltips beziehungsweise Hinweise, die nach und nach eingeblendet werden. Dies geschieht nicht willkürlich und nicht in erschlagender Vielzahl, sondern häppchenweise – immer dann, wenn es benötigt wird. Rufen Spielende beispielsweise in einem Rollenspiel ihr Inventar auf, würde ein Hinweis erscheinen, der die Funktionen kurz erklärt. Manchmal bauen die Hinweise aufeinander auf und erfordern ein Durchexerzieren der vorgestellten Funktionen. So prüft das Spiel, ob der Mensch vor dem Bildschirm die Inhalte verstanden hat.

Pathfinder: Kingmaker von Owlcat Games führt Spieler*innen auf diese Weise in den Strategie-Titel ein. In den ersten Momenten des Spiels werden mithilfe von Einblendungen die Grundlagen dargelegt.

Was passiert hier? Der eingeblendete Hinweis hilft weiter (Pathfinder: Kingmaker © Owlcat Games/Deep Silver).
Was passiert hier? Der eingeblendete Hinweis hilft weiter (Pathfinder: Kingmaker © Owlcat Games/Deep Silver).

Einblendungen anderer Art nimmt in vielen Spielen der Ladebildschirm vor. Dieser kann auch in späteren Spielabschnitten nützliche Ratschläge beinhalten.

Inhalt oder Was muss ein Tutorial leisten?          

Es ist primäre Aufgabe eines Tutorials, Spieler*innen zu erklären, wie das Spiel zu spielen ist. Das beinhaltet einerseits einen Blick auf grundlegende Aspekte wie die Steuerung und andererseits die Auseinandersetzung mit den Besonderheiten des jeweiligen Titels. Wer sich mit dem Tutorial befasst und es nicht nur durchspielt, weil ein Überspringen nicht angeboten wird, macht erste Erfahrungen mit dem jeweiligen Spiel. Das bedeutet, dass das Tutorial diese Person idealerweise auch genau hier abholt und bei der Wissensvermittlung Schritt für Schritt vorgeht. Wird zu viel Vorwissen vorausgesetzt oder aber findet eine Präsentation der Inhalte zu schnell statt, kann ein Tutorial mehr schaden als nutzen und die erste Spielerfahrung ordentlich verhageln. Das ist problematisch, da selbst Spiele, die Spielenden potenziell gefallen könnten, nicht weiter ausprobiert werden und auf der Ablage der ungespielten Titel landen – und das nur, weil der erste Eindruck alles andere als gelungen ist. Dies kann auch dann geschehen, wenn die schiere Masse an vermittelten Informationen Spielende erschlägt. Eine behutsame Vermittlung des „Wie?“ ist notwendig.

Schritt für Schritt: Auch ein herausfordernder Titel wie Dark Souls III beginnt mit den Grundlagen (Dark Souls III © FromSoftware, Inc., BANDAI NAMCO Entertainment).
Schritt für Schritt: Auch ein herausfordernder Titel wie Dark Souls III beginnt mit den Grundlagen (Dark Souls III © FromSoftware, Inc., BANDAI NAMCO Entertainment).

Vorbereitung – aber richtig!

Egal, in welchem Genre man sich bewegt: Die ersten Spielstunden sind besonders anstrengend, weil die Grundlagen in Bezug auf das Gameplay mühsam erlernt werden müssen. Erst, wenn man sich „warmgespielt“ hat, ist die Arbeit abgeschlossen und der eigentliche Spielspaß setzt ein. Tutorials verkürzen diese Lernphase nicht nur, sie statten Neulinge mit dem Wissen aus, was sie benötigen, um sich ins Spielgeschehen werfen zu können.

Leider gibt es Tutorials, durch die sich selbst erfahrende Spielende immer wieder kämpfen müssen, da sie nicht übersprungen werden können. Oder welche, die das eigentliche Kennenlernen des Spiels dahingehend beschränken, dass sie starre Vorgaben der zu erledigenden Aufgaben diktieren. Hier kann aus dem vorgesehenen Muster nicht ausgebrochen werden, und unter Umständen müssen bereits erledigte Dinge noch einmal wiederholt werden, weil man sie zu einem Zeitpunkt erledigt hat, an dem sie noch nicht Aufgabe waren. Ein Beispiel hierfür wäre das Zombie-Survival-Spiel 7 Days to Die (Alpha-Version).

Hier wurde das Shirt bereits erstellt, ehe das Tutorial dies verlangte – verzeihbar, da es sich um eine Alpha-Version des Spiels handelt (7 Days to Die © The Fun Pimps).
Hier wurde das Shirt bereits erstellt, ehe das Tutorial dies verlangte – verzeihbar, da es sich um eine Alpha-Version des Spiels handelt (7 Days to Die © The Fun Pimps).

Es existieren demnach Tutorials, die entweder mit zu viel oder aber zu wenig Wissen aufwarten und somit die Spielerfahrung unter Umständen verkomplizieren. Die Vorteile, die ein gutes Tutorial mit sich bringen kann, werden in solchen Fällen negiert.

Glücklicherweise bieten Online-Magazine und Video-Plattformen Walkthroughs an, die bei Stagnation weiterhelfen. Darüber hinaus sind Spieler*innen heutzutage weltweit vernetzt: Konkrete Nachfragen beispielsweise in den Steam-Foren oder auf Reddit finden rasch Beantwortung, und das digitale Abenteuer kann weitergehen. Somit kann sich, ergänzend zu spielimmanenten Tutorials, jede*r mit der Masse an Informationen versorgen, die benötigt wird. Eine Ausnahme könnten Indie-Titel darstellen – hier kann eine Kontaktaufnahme zum Entwicklerteam weiterhelfen.

Fazit

Die eingangs gestellte Frage danach, ob ein Tutorial auch zu viel des Guten sein kann oder nicht, lässt sich schwerlich bejahen oder verneinen.

Je nach Genre können verschiedene Tutorial-Typen interessant sein, doch auch das Vorwissen der Spieler*innen ist von Relevanz. Spielt die Person vor dem Bildschirm öfter Titel dieser Art oder übt dieses Hobby bereits seit vielen Jahren aus, genügen kleinere, unterstützende Einblendungen und Hinweise im Ladebildschirm. Neulinge hingegen werden unter Umständen lieber an die Hand genommen und geführt. Eine ultimative Lösung, also das perfekte Tutorial, gibt es demnach nicht. Zu viele Informationen gleich zu Spielbeginn können erschlagend wirken, wohingegen ein Mangel an Hilfestellungen dafür sorgt, dass der Spielspaß leidet. Abhilfe können spielexterne (Online-)Inhalte schaffen.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – so könnte man den Einstieg in ein neues Videospiel beschreiben. Ehe ein uneingeschränktes Genießen der Inhalte erfolgen kann, müssen Spielende lernen, wie sie sich innerhalb der Spielwelt bewegen, wie das Menü oder vielleicht sogar detailliertere Aspekte wie das Crafting, sofern vorhanden, funktionieren. Das ist nicht immer einfach und kann zu Frustration oder sogar Spielabbruch führen. Ein gutes, idealerweise optionales Tutorial, das Neulinge an die Hand nimmt und Vielspieler*innen nicht aufhält, beugt dieser Problematik vor. Tut es das mal nicht, gibt es immer noch das breite Informationsangebot des Internets. Auf Spielspaß verzichten muss also niemand.

 

Artikelbilder: © wie gekennzeichnet
Layout und Satz: Verena Bach
Lektorat: Rick Davids
Screenshots: Yola Tödt

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