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Die Shadowrun-Runde läuft, aber der Soundtrack zu Bladerunner ist endgültig ausgelutscht? Dann gibt es vielleicht hier eine schöne Abwechslung. Jan Haak verantwortete den Soundtrack zum Fanfilm Run. Dieser ist inzwischen separat erschienen, und wir haben getestet, ob er auch am Tisch zum Soundtrack taugt.

Jan Haak ist einigen vermutlich als Mitglied im Composer-Team X-Score bekannt. Zusammen mit Konstantine Kazantzis, seinem neuen Partner bei X-Score, schrieb er 2016 einen vielbeachteten Soundtrack zu Earthdawn. Danach war es eine ganze Weile lang ruhig um den Composer. Nun ist er mit zwei neuen Soundtracks zurück, und wir haben uns zunächst sein Werk zu Run angehört.

Run – Official Soundtrack

Bereits 2017 wurde der von Shadowrun inspirierte Film Run veröffentlicht. Der Film von Chris Fano kam natürlich nicht ohne passenden Soundtrack aus, und dafür konnten sie Jan Haak für selbigen gewinnen. Da es sich um einen Kurzfilm handelt, fällt auch das Album entsprechend kurz aus. Sieben Titel entführen uns in eine Welt, in der der nächste Run über Leben und Tod entscheidet.

Die Titel in der Einzelbewertung

Main Titles (1:09)

Synthesizer, E-Gitarre und Schlagzeug bieten eine stimmungsvolle Eröffnung, die einen schnell in eine technisierte Welt befördert, die nicht nur glänzt. Dank der Synthie-Retro-Anleihen tauchen im Geist schnell grelle Neonschriftzüge auf.

The Plan (3:24)

Dieser Titel ist der längste des ganzen Albums. Gleich zu Beginn wird das Thema des ersten Stücks wieder aufgegriffen. Wieder spielen Schlagzeug und Synthesizer die vornehmliche Rolle im Stück. Langsam, mit tiefen Bässen, kann man sich gut vorstellen, wie die Runner ihren nächsten Einsatz planen oder sich bereits anschleichen. Erinnerungen an Agentenfilme und -spiele schleichen sich dabei ein. Nach fast der Hälfte des Titels ändert sich das Thema und erhöht etwas die Geschwindigkeit: Der Plan beginnt. In der letzten Minute folgt ein krasser Bruch, und ein Ukulele-Solo setzt ein. Dem folgt recht schnell ein funkiger Abschnitt mit den klassischen gezerrten Tönen.

Break In (2:52)

Schnelle Synthesizer-Klänge und treibendes Schlagzeug verdeutlichen die Geschwindigkeit, mit der der Einbruch stattfinden muss. Es bleibt wenig Zeit zum Durchatmen. Ein guter Titel, um in einer Szene zu verdeutlichen, dass Hacks auch ein Wettlauf gegen die Zeit sind.

Laserdance (1:41)

Leise und langsam startet dieser Titel, der sich gut als seicht dahinfließender Hintergrund eignet. Asiatische Trommeleinlagen im letzten Drittel verpassen ihm einen gewissen Charme. Am Ende erheben sich diese in einem Crescendo zu einem lauten Finale.

Break Out (1:33)

Wer irgendwo rein ist, muss auch wieder raus. Durch einen langsamen, unaufdringlichen Beginn symbolisiert dieser Titel das ganz gut. In der Mitte setzt zum Synthesizer noch ein Schlagzeug ein, das zur Eile gemahnt. Übergehend in schnelle Synthie-Folgen wird die Flucht gut musikalisch dargestellt.

Final Confrontation (1:17)

Wer seinem Gegner gerne einen cineastischen Auftritt spendiert, dürfte mit diesem Titel glücklich werden. Pochende Trommeln kündigen das unheilvolle Erscheinen an. Garniert mit sich steigernden Synthesizer-Klängen wird die nötige Dramatik für das Erscheinen aufgebaut, um dann im Thema des Soundtracks zu enden.

Ending Theme (2:44)

Der letzte Titel ist die kraftvollere Variante des Eröffnungstitels. In perfekter Harmonie wird aus Schlagzeug und Synthesizer-Klängen ein Sound, der ganz wunderbar Cyberpunk-Settings inszeniert.

Die harten Fakten:

  • Komponist: Jan Haak
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Format: MP3
  • Spieldauer: 14:40 Minuten
  • ASIN: –
  • Preis: 4,99
  • Bezugsquelle: Bandcamp

 

Fazit

Cyberpunk versprüht gerne mal einen 80er-Charme, und es gelingt Jan Haak, diesen Charme mit beachtlicher Präzision einzufangen. Beim Anhören der sieben Titel kommen einem unweigerlich diverse Serien- und Filmklassiker aus den 80ern in den Kopf. Ob Tron, Streethawk, Knight Rider oder Airwolf. Haak könnte auch hier musikalisch etwas beigesteuert haben.

Dennoch bleiben zwei kleine Mankos: Zum einen der Fluch eines jeden Filmsoundtracks. Er ist auf einzelne Szenen zugeschrieben, das macht einen Einsatz im Rollenspiel immer fordernd. Zum anderen sind es nur sieben Titel, etwas wenig für einen Abend. Eine Playlist bereichern diese Tracks dennoch allemal und sollten bei keiner Cyberpunk-Runde fehlen.

mit Tendenz nach oben

 

Artikelbild: Jan Haak, Bearbeitung: Melanie Maria Mazur

 

1 Kommentar

  1. Vielleicht etwas offtopic, aber ich fand es nie wirklich schwer, Hintergrundmusik für Shadowrun oder ähnliche Sci-Fi Rpgs zu finden. Das Internet ist voll davon, insbesondere auf Youtube gibt es haufenweise fertig gemixte Soundtracks für alle nur vorstellbaren Situationen.

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