Endlich wieder ein Star-Wars-Titel für Einzelspieler. In Star Wars Jedi: Fallen Order schlüpft der Spieler in die Rolle von Cal Kestis, der als junger Padawan die Order 66 überlebt hat. Aber kann das Spiel die hohen Fanerwartungen erfüllen? Gibt es endlich einen würdigen Nachfolger für Jedi Academy?

Es ist lange her, dass Fans in Star Wars Jedi Knight: Jedi Academy ihr Lichtschwert schwingen und mit Hilfe der Macht – für damalige Verhältnisse – ansehnliche Duelle ausfechten durften. Auch Rollenspiele wie Knights of the Old Republic oder dessen geistiger Nachfolger, das MMORPG The Old Republic konnten hier nur bedingt Abhilfe schaffen. Gerade nachdem die Entwicklung des vielversprechenden Star Wars: 1313 eingestellt wurde, war die Enttäuschung der Fans groß. Dass Electronic Arts gerade mit der Neuauflage von Battlefront einen fast reinen Multiplayer-Shooter hingelegt hat, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Für die storyhungrigen Star-Wars-Fans eine lange Durststrecke.
Inhaltsverzeichnis
Eine klassische Star-Wars-Story …
Cal Kestis, der Protagonist des Spiels, ist ein Scrapper auf dem entlegenen Planeten Bracca. Dort nimmt er gemeinsam mit seinem Kumpel Prauf ausgemusterte und abgestürzte Raumschiffe auseinander. Was Prauf nicht weiß: Cal war bis vor einigen Jahren noch ein Padawan, und Bracca ist für ihn nicht mehr als ein Versteck. Irgendwie hat er die schicksalshafte Order 66 überlebt und versucht nun, mit seiner Vergangenheit abzuschließen. Wem jetzt Übles schwant, dessen Jedi-Instinkte funktionieren einwandfrei.

Der Scrapper-Beruf ist bestenfalls gefährlich. Arbeitssicherheit? Fehlanzeige. Etwas geht furchtbar schief und Cal ist gezwungen, die Macht zu benutzen. Während wir zunächst mit dem Schock davongekommen sind, wird schnell klar: Den örtlichen Imperialen ist das natürlich keineswegs entgangen. Kurzum: Der ehemalige Padawan muss fliehen und schließt sich den beiden Aufständischen Greez Dritus und Cere Junda an. Letztere hat nicht weniger als den Wiederaufbau des Jedi-Ordens – des titelgebenden Fallen Order eben – im Sinne und braucht Cals Hilfe. Es entspannt sich eine dramatische Geschichte.
… gut inszeniert!

Das alles klingt nicht sonderlich neu. Underdog mit einer Verbindung zur Macht wird durch äußere Umstände in Opposition zum Imperium gezwungen und geht in seiner Aufgabe auf. Star Wars Rebels anyone? Luke Skywalker? Rey? Dass die Geschichte gerade am Anfang nicht unbedingt den Preis für Innovation gewinnt, ist klar. Aber ist das so tragisch? Nicht wirklich. Denn was sich danach entspinnt, ist durchaus frisch. Vielleicht nicht völlig unverbraucht, aber sicherlich kein Abklatsch oder lieblos, wenngleich mit den ganz großen Plot-Twists nicht gerechnet werden darf. Alles fühlt sich nach Star Wars an, und das freut als Fan des Universums ungemein.
Cal Kestis mag kein bahnbrechender Protagonist sein, aber er ist auch nicht unbedingt generisch. Gerade im Verlauf der Story entwickelt der zunächst zweifelnde Held zusehends charakterliche Tiefe und wir dürfen die Bekanntschaft einiger Altbekannter aus dem Star-Wars-Universum machen. Namen wie Saw Gerrera oder Häuptling Tarfful lassen Fanherzen höherschlagen. Auch die Antagonistin des Spiels – Die Zweite Schwester – glänzt. Abseits von Comics und der Rebels-Serie erhält nämlich die von Darth Vader geleitete Inquisition nun etwas mehr Liebe. Die jedijagenden Machtanwender sind ein angemessene Widersacher, ohne dass gleich die ganz großen Geschütze ausgepackt werden müssen.

Die Sache mit der Abwechslung
Was die Antagonisten ansonsten angeht, hätte es vielleicht etwas mehr Abwechslung sein dürfen. Die Schauplätze an sich sind spannend und abwechslungsreich, denn kein Planet gleicht dem anderen. Wir verbringen an den einzelnen Schauplätzen aber streckenweise so lange am Stück Zeit, dass einen die 15. Eisrutsche und die 26. Lianenwand irgendwann nicht mehr abholt. Gleiches gilt auch für die Gegner. Zwar gibt es viele verschiedene Sturmtruppen und eine Menge Getier, aber wir haben schnell alles gesehen und ist entsprechend darauf eingestellt.

Das Spiel ist außerordentlich storyreich. Auch abseits dessen, was wir ganz direkt erleben dürfen, gibt es ein umfassendes Kompendium, das einem sowohl Hintergrund als auch Strategien erläutern kann. Das ist alles andere als verpflichtend, um der Geschichte folgen zu können, aber für Storyfans eine wahre Goldgrube. Wir erschließen uns diese Informationsschnipsel durch unseren Druiden BD-1, der alles scannt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, und uns nebenbei mit Erfahrungspunkten belohnt. Was wichtig ist: Dieses Scannen ist wichtiger Teil des Erlebnisses. Star Wars Jedi: Fallen Order hat überall Storyschnipsel oder Sammelgegenstände wie etwa Lichtschwertteile versteckt. Erwartet also kein reines Kampfspiel, sondern ausgeprägte Kletter- und Rätselpassagen.
Zum Technischen: Optik und Klang
Das Star-Wars-Feeling fängt Fallen Order wirklich gekonnt ein, gerade die große Stärke des Franchise wird gut ausgespielt: ein starkes Storygerüst, das einen an viele verschiedene Schauplätze schickt. Bekannte Orte wie Kashyyyk oder Dathomir machen als Fan außerordentlich Spaß. Natürlich ist Fallen Order nicht unbedingt ein grafischer Durchbruch, aber schick allemal. Erwähnt werden sollte allerdings, dass wir an der Playstation einige wenige Male mit Framerateeinbrüchen zu kämpfen hatten. Die waren nie dramatisch, aber durchaus vorhanden. Unter dem Strich passt hier jedoch alles.
Doch nicht nur das Optische, auch der Sound macht Spaß. Die englische Sprachausgabe mag sich gerade für Nebencharaktere oft einen Ticken plastischer anfühlen, aber die deutsche Sprachausgabe kann durchaus einiges. Wo Fallen Order dank Lizenzen natürlich auf ganzer Linie punktet, ist die überragende Musik. Auch abseits der Musik stimmt der Klang: Blasterschüsse, Triebwerke und Lichtschwerter hören sich so an, wie man es sich als Fan wünscht.
Traumhafte Kämpfe

Das Lichtschwert, neben der Macht unsere einzige Waffe, hört sich aber nicht nur gut an, es fühlt sich auch traumhaft an. Wir dürfen hierbei auf unterschiedliche Typen zurückgreifen. Zu Beginn steht uns nur das gewöhnliche Modell zur Verfügung, aber schon früh im Spielverlauf erweitern wir auf zwei Klingen. Beide Lichtschwertstile spielen sich unterschiedlich. Einer ist etwas langsamer und wuchtiger, vor allem für ein Ziel gut, während wir mit dem Doppellichtschwert große Gegnermassen gut kontrollieren können. Beide Kampfarten lassen sich fließend wechseln und ermöglichen so unterschiedliche Taktiken.
Die Kämpfe sind grade auf höheren Schwierigkeitsgraden durchaus fordernd und erinnern in ihrer Mechanik etwas an Sekiro: Shadows Die Twice. Zwar können wir Blasterschüsse parieren, indem wir einfach die Paradetaste gedrückt halten, parieren wir aber präzise, werfen wir den Schuss zum Schützen zurück. Nach und nach können wir komplexere Manöver über Erfahrungspunkte freischalten und erlernen eine Menge bekannterer Machtangriffe, die immer weiter an Wichtigkeit gewinnen, um uns im Kampf den entscheidenden Vorteil zu verschaffen.
Ein Soulslike?
Während die Gegner – wie gesagt – durchaus abwechslungsreicher hätten sein dürfen, glänzen die seltenen Bosskämpfe durchaus. Diese sind meist Kämpfe mit anderen Lichtschwertträgern und dankenswerterweise an einer Hand abzählbar. Das macht sie zu etwas Besonderem, was es ja kurz nach Order 66 auch sein sollte. Das Kampfsystem und die Komplexität der Bosskämpfe mag vielleicht nicht ganz die Tiefe der Titel von From Software (Dark Souls, Bloodborne, Sekiro) haben, punktet aber gerade bei Fans auf ganzer Linie und macht schlichtweg Spaß. Auch andere Mechaniken hat man sich bei den sogenannten Soulslike-Titeln abgeschaut.

So treffen wir etwa immer wieder auf Meditationskreise, an denen wir unsere Heil-Stims, Macht und Lebenspunkte wieder auffrischen können. Tun wir das aber, erscheinen alle bereits erschlagenen Gegner erneut. Oft genug eine knackige Entscheidung, wenn wir auf höheren Schwierigkeitsgraden unterwegs sind. Wer ein entspannteres Erlebnis haben möchte, der spielt Fallen Order einfach im Storymodus, in dem die Kämpfe zwar weiterhin Spaß machen, aber ziemlich leicht zu bewältigen sind. Selbst die Bosskämpfe werden so auch für Gelegenheitsspieler leicht zu bewältigen.

Klettern, springen, rutschen

Was bei aller Einfachheit auch im Storymodus streckenweise knifflig bleibt, sind die Rätsel und Kletterpassagen. Die Rätsel zwingen uns, unsere Machtfähigkeiten intelligent einzusetzen. Kommen wir eine Zeit nicht weiter, können wir uns bei unserem Droiden Tipps holen. Oft sind diese Rätsel optional, aber manchmal laufen wir auch lange im Kreis, ehe wir herausfinden, wie wir weiterkommen. Die Kletter-, Rutsch- und Hangelpassagen haben uns hierbei einige Male zum Fluchen gebracht, denn die Steuerung ist teilweise schwammig oder unpräzise.
Eine Schnellreise gibt es in den verschachtelten Leveln nicht. Am Anfang nervt das etwas, aber wir haben uns daran gewöhnt, als wir verinnerlichten, dass Erkundung eben nicht nur Teil, sondern Hauptsache des Spiels ist. Abkürzungen, die wir später freischalten können, erleichtern uns das Leben zusehends. Oft kehren wir nämlich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal in ein Level zurück und können neue Abschnitte durch zwischenzeitlich errungene Fähigkeiten erschließen. In den vertikalen Leveln ist die Holokarte des Droiden wirklich Gold wert, hätte aber ebenfalls etwas präziser sein dürfen.
- Entwicklerstudio: Respawn Entertainment
- Publisher: Electronic Arts
- Plattform: PC, PlayStation 4, Xbox One
- Mindestanforderungen: Windows 7 64bit, Intel Core i3-3220 oder AMD FX-6100, 8 GB RAM, Nvidia GTX 650 oder AMD Radeon HD 7750, 55 GB Festplattenspeicher
- Genre: Action-Adventure
- Releasedatum: 15. November 2019
- Spielstunden: 15 bis 20
- Spieleranzahl: Einzelspieler
- Altersfreigabe: USK 16, PEGI 16
- Preis: 54,99-59,99 EUR
- Bezugsquelle: Amazon
Fazit
Keiner der Kritikpunkte an Fallen Order ist für die Endwertung dramatisch. Natürlich hätte die Steuerung teilweise präziser sein dürfen, aber die Passagen, wo das wirklich zum Tragen kommt, lassen sich an zwei Händen abzählen. Natürlich hätten es etwas abwechslungsreichere Gegner sein dürfen, aber sich lichtschwertschwingend durch Sturmtruppen mähen macht auch nach 15 Stunden noch Spaß. Die Grafik mag keine Preise gewinnen, aber sie ist immer noch ziemlich schick und vor allem absolut stimmig. Die Musik hat uns von Anfang an mitgenommen und zusammen mit Lichtschwertkampf und Atmosphäre dürfen wir endlich wieder ganz Jedi sein. Stimmt der Preis für das, was man bekommt? Qualitativ gibt es keinen Grund, sich zu beschweren, gerade für Fans. Mit 15 bis 20 Stunden allerdings hätten wir für den Preis im reinen Umfang vielleicht etwas mehr erwartet.
Artikelbild: EA, Screenshots: LucasArts, Electronic Arts, Bearbeitet von Verena Bach
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.




















