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Games Workshop hat eine gute Tradition, ihre Geschichten und Systeme für mehr oder weniger gut gelungene Computerspiele und Apps herzugeben. Mit Warhammer 40k: Darktide schwappt diese Welle nun zurück. Mit schicken Miniaturen und recht einfachen Regeln kann man auch auf dem Spielbrett versuchen, die Makropole Tertium zu retten.

Mit dem Spiel Warhammer 40k: Darktide bekommt man ein Derivat aus Brettspiel und Tabletop, und natürlich auch die eine oder andere Werbeaktion für die volle Hobbybandbreite, die Games Workshop zu bieten hat. Das Spiel ist in vielen Belangen sehr für Einsteiger*innen zu empfehlen. Aber auch alte Hasen kommen durchaus auf ihre Kosten. Spannend an dem Spiel ist, dass es als kooperatives Spiel angelegt ist, bei dem die Spieler*innen gemeinsam gegen das Spiel spielen, was schöne kommunikative Situationen mit sich bringt.

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Vier Helden gegen die Darktide – worum sich das Spiel dreht

Verräter*innen, Xenos und Dämonen – die Bedrohungen, denen sich die Menschheit im Warhammer 40k-Universum ausgesetzt sieht, ist ebenso mannigfaltig wie erschreckend. Im Moebia-System ist man dazu übergegangen, die zahlreichen Bedrohungen unter der Darktide zusammenzufassen und nicht näher zu definieren. Unwissenheit ist ein Segen.

Das Spiel richtet sich von der Geschichte und den Gegner*innen vor allem nach dem gleichnamigen Computerspiel. In der Makropole Tertium auf Atoma Primus, dem Hauptplaneten des Moebia-Systems, sorgen von einer seltsamen Krankheit deformierte Seuchenwandler und das vom rechten Pfad abgekommene 6. Moebia-Regiment der imperialen Armee für Unruhe. Dem entgegen stellen sich zahlreiche Kill Teams, die das Chaos eindämmen und die Abtrünnigen in Spezialmissionen beseitigen sollen.

Die Spielenden schlüpfen nun in die Haut von vier Mitgliedern dieser Kill Teams, um sich in sechs Missionen einem Bezirk zu widmen, der die Wasserversorgung der Makropole sicherstellt. Die vier Krieger*innen, deren Archetypen ebenfalls aus dem PC-Spiel bekannt sein dürften, könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. Ein gedienter Veteran der imperialen Garde, eine glühende Gläubige mit Kettenschwertflammenwerfer, ein grobschlächtiger Ogryn mit einer überdimensionierten Waffe und eine Psionikerin kämpfen sich durch Tertiums Bezirk Kalteisenschlot. Nach anfänglichen Scharmützeln geraten sie dabei immer tiefer in das Netzwerk aus Verräter*innen und vom Chaos Verseuchten.

Von Häretiker*innen und Verseuchten – der Inhalt der Box

Neue Modelle sucht man in dem Set vergeblich. Die sechs Seuchenwandler tauchten zum Beispiel in der Box First Strike bereits auf, die zehn verräterischen Soldat*innen der imperialen Garde kommen aus dem Kill Team-Set der Vernarbten. Auch die vier Held*innen sind bekannt, wie die Zelotin, die im Spiel Blackstone Fortress bereits einen Auftritt hatte. Dazu kommen Spielmarker, vier doppelseitige Spielfelder, Daten- und Spielkarten. Alles in gewohnt guter Games Workshop-Qualität. Zumindest, bis man sich Spielverpackung und Regelheft genauer anschaut.

Die Spielverpackung besteht aus instabilem, dünnem Karton und ist zum Stapeln im Spielschrank und zur langfristigen Lagerung nicht geeignet. Die Spielanleitung entbehrt leider eines zumindest etwas verstärktem Einbands und kann so schnell beschädigt werden. Schade, da der sonstige Inhalt des Buchs wie gewohnt mit wunderschönen Illustrationen versehen ist. Da das restliche Spielmaterial und besonders die Figuren sowohl von der Qualität als auch von der Gestaltung überzeugen, sieht man darüber aber hinweg. Ein kleiner Tipp: Für den Zusammenbau der Figuren lohnt es sich, einen kleinen Seitenschneider, Plastikkleber und einen Cutter zur Hand zu haben. Nicht alle Figuren lassen sich einfach zusammenschieben.

Kill Team light – der Spielablauf von Darktide

Der elfseitige Regelteil mag Neulinge erst einmal erschrecken (und alten Warhammer-Veteran*innen ein müdes Lächeln abringen). Der Großteil des Regelteils kommt aber durch zahlreiche Illustrationen und Beispiele zustande.

Die Grundregeln

Die Regeln lassen sich sonst schnell zusammenfassen: Angedacht ist das Spiel für ein bis vier Spielende, wobei jede*r eines der vier Kill Team-Mitglieder übernimmt. Die gegnerischen Figuren werden gemeinsam gespielt. Für jede im Spiel befindliche Figur gibt es eine Karte in einem Aktivierungsstapel, sodass der Zufall bestimmt, wer wann handelt.

Das ganze Spielsystem ist grundsätzlich an das Regelsystem von Kill Team angelehnt. Im Kern ist man vor allem damit beschäftigt, die gegnerischen Figuren im Fern- und Nahkampf aus dem Weg zu räumen, ohne zu viel Schaden einzustecken. Die Schüsse und Nahkämpfe werden durch einen Angriffs- und einen Verteidigungswurf entschieden. Unterschiede zwischen den Einheiten bestehen darin, wie gut man trifft oder sich verteidigt, wie viel Schaden verursacht und welche Anzahl an Schadenspunkten ausgehalten wird. Abgesehen von einigen Geländestücken, die entweder die Sicht blockieren oder das Treffen erschweren, und verschiedenen Ausrüstungskarten, welche das Kill Team mit der Zeit sammeln kann, ist dies das ganze Handwerkszeug, welches das Regelbuch zur Verfügung stellt.

Die Missionen

Gespielt werden insgesamt sechs Missionen à drei Runden. Für jede Runde gibt es einen detaillierten Aufbau, wo welche Einheit zu stehen hat. Eine Spielleitung oder jemand, der die feindlichen Truppen spielt, ist nicht vorgesehen. Für gegnerische Einheiten ist stattdessen auf der Karte festgehalten, was ihre Handlungsmechanismen und Prioritäten sind. Gemeinsam überlegen die Spielenden dann, welche Option für die gegnerischen Figuren am sinnvollsten und für das eigene Team am schadhaftesten ist. Zwischen den Runden haben die Spielenden die Option, entweder die eigenen Figuren zu heilen oder für verbesserte Ausrüstung zu sorgen. Sollte eine Spielfigur zu Tode gekommen sein, bleibt dies allerdings bis zum Ende der Mission so.

Im Laufe der Missionen entspinnt sich zudem die Geschichte um den Bezirk Kalteisenschlot und die bösartigen Pläne der Häretiker*innen, was das gesamte Spiel in einen schönen erzählerischen Hintergrund fasst.

Das Regelsystem ist, vor allem nach Games Workshop-Maßstäben, überraschend simpel, ohne dabei an Spielspaß einzubüßen. Die wechselnden Spielfeldkonstruktionen, Sonderregeln wie besonders starke Gegner*innen oder Mechanismen, wie ein Strom wiederkehrender Feind*innen, machen die Missionen trotz beschränkter Auswahl von Einheiten weiterhin spannend.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Games Workshop
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Spieldauer: 30 bis 60 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: (1) 2 3 (4)
  • Alter: ab 12
  • Preis: 85,00 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, KuTaMi

 

Fazit

Zugegebenermaßen war ich zunächst skeptisch, dass es ein Spiel zum digitalen Game geben sollte. Es roch stark nach einem reinen Marketingprodukt: Man nehme einen erfolgreichen Spieltitel und mache ein Modellspiel daraus, um eine neue Zielgruppe in die Welt von Warhammer 40k zu ziehen. Es ist auch schwerlich zu verheimlichen, dass Games Workshop sich mit dem Spiel an eine neue Zielgruppe wenden möchte. Daran ist auch nichts auszusetzen, wenn das Spiel gelungen und auch außerhalb der Hauptzielgruppe spielbar ist. Beides kann ich mit einem klaren „Ja“ beantworten. Trotz der einfachen Regeln und der kleinen Anzahl an gegnerischen Figuren bietet das Spiel Spaß für einige Spieleabende und der kooperative Aspekt hat etwas für sich.

Der Wiederspielwert des Systems ist, hat man die Missionen einmal überstanden, allerdings nicht besonders hoch. Gerade bei erfahrenen Spielenden aus dem Tabletop-Bereich nutzt sich das Gameplay schon vorher recht schnell ab. Vielleicht erklärt das die etwas minderwertige Packung und rissanfällige Anleitung. Der Praxistest zeigt, dass die Spielbretter und Lebenspunktemarker rutschanfällig sind, was nervig werden kann. Auch die Empfehlung, zu viert zu spielen, halte ich für sehr optimistisch. Sollte eine Spielfigur früh ausscheiden, kann das schnell 90 Minuten zuschauen bedeuten. Mit zwei Spielenden plus eventuell einer Person, die die gegnerische Seite übernimmt (auch wenn das so nicht vorgesehen ist) hat man am Ende wohl am meisten Spaß. Auch die Option, das Spiel alleine bestreiten zu können, ist ein durchaus positiver Aspekt. Die 85 Euro, die für Warhammer 40k Darktide aufgerufen werden, sind am Ende kein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, aber auch nicht völlig überzogen. Für einige Stunden leichten Tabletopspaß lässt sich das am Ende durchaus rechtfertigen.

 

  • Eingängige Regeln
  • Spaßige Missionen mit gelungenem, erzählerischem Hintergrund
  • Schön gestaltete Spielfiguren

 

  • Spielart nutzt sich mit der Zeit ab
  • Kein hoher Wiederspielwert
  • Verpackung und Anleitung anfällig für Verschleiß

 

Artikelbilder: © Games Workshop Ltd.
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Geoffrey Förste

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