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Eine magische Zirkusgeschichte: Mehr Beschreibung ist nicht nötig, um die Herzen von Phantastikbegeisterten in Wallung zu bringen. J.R. Dawson verbindet in Sparks. Die Magie der Funken ergreifende Schicksale, allen voran das der Zirkusdirektorin Rin, mit Zeitgeschichte, angesiedelt zwischen den zwei Weltkriegen. Kann das Buch die hohen Erwartungen erfüllen?

Besondere Fähigkeiten sind das Reizvolle an Windy van Houtens Phantastischem Zirkus und sorgen regelmäßig dafür, dass das Publikum unvergessliche Stunden erlebt. Denn die Artist*innen sind Sparks: Menschen, denen aus dem nichts heraus ungewöhnliche Merkmale verliehen wurden. So kann die Direktorin Ringmaster (Rufname Rin) durch die Zeit reisen, Trapezkünstlerin Odette Verletzungen heilen und Sängerin Mauve die Zukunft vorhersagen. Der Zirkus ist nicht nur Heimat der Sparks, er sucht auch immer die Orte auf, an denen sich Menschen befinden, die die Show sehen müssen.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Widersacher der warmen, offenen Stimmung ist der Circus King, in dessen Zelten und Reisewägen die dunklen, grausamen Sparks ihre Heimat fanden und der sein Publikum in Angst und Schrecken versetzt. Sein vorrangiges Ziel ist das Begleichen einer offenen Rechnung mit Rin, was für die Artist*innen in deren Zirkus eine Bedrohung darstellt.

Doch der größte Schrecken steht noch davor: Rin und ihre Vertrauten erfahren, dass nach dem verhängnisvollen Ersten Weltkrieg ein zweiter droht, der alles zerstören kann.

Triggerwarnungen

Krieg, Ableismus, Homophobie, Gewalt, Entführung, Nationalsozialismus

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Ihr Sonderlinge, ihr Rebellen, ihr Träumer, ihr heiteren Gemüter … kommt geradewegs in den Zirkus.

Story

Angefangen mit dem wunderschönen, faszinierenden Zirkusleben und der Präsentation der Hauptfiguren, allen voran die facettenreiche Rin, entfaltet sich das Buch gleich einem Fächer: Aspekt um Aspekt wird hinzugefügt, und so wandelt sich die Handlung nach einer Weile ganz organisch von zauberhaft über bedrohlich bis hin zu schrecklich. Die Spannungskurve folgt diesem Schema wie nebenbei.

In einem zweiten Handlungsstrang wird eine Geschichte erzählt, die ihren Anfang in den Schützengräben des ersten Weltkriegs nimmt und Auswirkungen auf die Gegenwart von Windy van Houtens Phantastischem Zirkus und insbesondere auf Rin, Odette und Mauve haben wird.

Auch den anderen Charakteren wohnt ein Zauber inne, der sich im Laufe des Buches entfaltet. Insbesondere Jo, Neuzugang im Zirkus, weckt ein besonderes Interesse, sowohl bei Rin als auch bei den Lesenden. Zum einen ist Jo sehr treffend ambivalent beschrieben, zum anderen wird im Zusammenspiel mit den Zirkusmitgliedern ebenso wie im direkten Kontakt mit Rin eine faszinierende Entwicklung abgebildet. Generell sind alle Figuren in Sparks erfreulich divers gestaltet.

Schon im Klappentext wird dies angedeutet, doch müssen sich Lesende, die sich mit Ringmaster und den anderen auf diese Reise begeben, eines bewusst machen: Es handelt sich hier nicht um einen phantastischen Feel-Good-Roman. Vielmehr nimmt Sparks durchaus ernste Themen wie Ausgrenzung, toxische Beziehungen, Nationalsozialismus und Krieg in den Blick. Die schönen, magischen, herzerwärmenden Momente, in denen die Manege förmlich zum Leben erwacht, sind allerdings genauso gegeben, sodass das Buch eine Gratwanderung bietet, die niemals gänzlich zu einer Seite abgleitet. Wer gerne sein Lesevergnügen mit Musik untermalt, dem*der sei Carnival Arcane ans Herz gelegt, was die Ambivalenz akustisch hervorragend unterstützen kann.

Ein Wermutstropfen begleitet die Story allerdings: Denjenigen, die Die Insel der besonderen Kinder gelesen oder den Film angeschaut haben, werden einige Parallelen zwischen Sparks und der mehrbändigen Reihe von Ransom Riggs auffallen. Zum einen ist da der zeitliche Aspekt, die Verortung der Handlung in Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg. Zum anderen sind da Menschen, die über besondere Fähigkeiten verfügen und sich aus diesem Grund zusammengetan haben, beschützt von einer Frau, die die Fäden (und insbesondere die Zeitfäden) in der Hand hält. All diese Aspekte zusammengenommen hinterlassen beim Lesen einen etwas faden Nachgeschmack.

Schreibstil

Sparks nimmt die Lesenden von Anfang an gefangen und zieht sie in die magische Welt des Zirkus und seiner außergewöhnlichen Artist*innen hinein. Es gelingt J.R. Dawson ausnehmend gut, zugleich den zauberhaften Aspekt der Handlung mitsamt der Präsentation eines Wanderzirkus in den 1920er Jahren als auch den Schrecken, der aus den Zeitreisen von Rin und der Bedrohung durch den Circus King erwächst, zu einer spannenden Einheit zu verschmelzen.

Die feuerspeiende Bogenschützin, die schwebenden Akrobaten, die wachsenden und schrumpfenden Clowns – all das war wie ein Traum.

Mit dieser Balance zwischen Gut und Böse und den daraus resultierenden Verflechtungen hält J.R. Dawson keineswegs hinterm Berg: Bereits auf den ersten Seiten wird die Magie des Zirkus präsentiert, jäh unterbrochen durch eine böse Überraschung. Die einzelnen Protagonist*innen werden so hervorragend eingeführt, und die Lesenden bekommen die Chance, sie auf diese Weise durch ihre Handlungen kennenzulernen.

Gesine Schröder tut ihr Übriges, den Zauber und den Schrecken auch in der deutschen Übersetzung für die Lesenden erfahrbar zu machen.

Der*die Autor*in

Sparks. Die Magie der Funken ist der Debütroman der US-amerikanischen Autorin JR Dawson. Die im mittleren Westen der USA lebende Autorin unterrichtet Kinder in Performing Arts und schreibt Kurzgeschichten. Ein zweiter Roman, der wohl zunächst in den USA erscheint, ist für 2025 geplant. Mehr Informationen sind auf ihrer Homepage zu finden.

Erscheinungsbild

Das überwiegend schwarze Cover mit goldenen und roten Akzenten ist ein echter Blickfang, das der US-amerikanischen Originalausgabe gleicht. Das Stundenglas, das ein Zirkuszelt und Sterne beinhaltet, gibt einen guten Eindruck vom Inhalt, ohne zu viel zu verraten.

© Fischer TOR

Die harten Fakten:

  • Verlag: Fischer TOR
  • Autor*in: JR Dawson
  • Erscheinungsdatum: 28.02.2024
  • Sprache: Deutsch (Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Gesine Schröder)
  • Format: Gebundenes Buch
  • Seitenanzahl: 480
  • ISBN: 978-3-596-70995-3
  • Preis: 25,00 EUR (Print) + 14,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon (deutsch und englisch), idealo

 

Fazit

JR Dawson lädt Lesende ein, einen Wanderzirkus in den USA der 1920er Jahre zu begleiten. Die Artist*innen dieses Zirkus eint eines: Sie alle haben einen Spark in sich, der ihnen ein besonderes, magisches Talent verleiht. Die Protagonistin, und zugleich Zirkusdirektorin, Ringmaster kann beispielsweise in der Zeit reisen und möchte mit ihrem Zirkus all diesen unterschiedlichen Menschen ein sicheres Zuhause zu bieten.

Doch der Zirkus wird von mehreren Seiten bedroht: Der Circus King hat noch eine Rechnung mit Ringmaster offen, die Gesellschaft weiß nicht, wie sie mit den Sparks umgehen soll, und nicht zuletzt erfahren die Zirkusleute, dass der 2. Weltkrieg droht und mit ihm die Vernichtung von allem, was sie lieben.

Magie und Schrecken, so dicht beieinander. Sparks ist ein echter Pageturner, der zum einen aufgrund seiner bildhaft erzählten Zirkuswelt bezaubert und zum anderen aufgrund der allgegenwärtigen Bedrohungen in Angst versetzt. Einziger Wermutstropfen ist die Ähnlichkeit zu Motiven bei Die Insel der besonderen Kinder, das bereits 2016 erschien.

 

  • Spannender Plot
  • Diverse Figuren
  • Zirkusmagie

 

  • Motive erinnern an Die Insel der besonderen Kinder

 

Artikelbilder: © Fischer TOR
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Rick Davids
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