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Engel, strahlende Wesen mit weißen Flügeln, die auf die Erde kommen, um den Menschen helfend zur Seite zu stehen. Nicht im Fall von Rapture, dem Skirmish-Tabletop von Gravity Bay. Hier haben die Engel anderes im Sinn. Dennis hat ein besonders feuriges Exemplar bemalt und den Prozess für euch festgehalten.

Mit Rapture haben Gravity Bay ein wirklich schönes System auf den Markt gebracht, mit fantastischen Miniaturen. Mir haben es besonders die Engel angetan, welche von einem sehr mächtigen Volk im Zentrum unserer Milchstraße erschaffen wurden und aus Metall zu bestehen scheinen. Bisher habe ich die Miniaturen der Fraktion mit einer Color-Shift-Farbe bemalt, welche je nach Lichteinfall von einem strahlenden Gold in ein Rot überblendet. Beim, Ende letzten Jahres erschienenen, Charakter Puriel wollte ich den Ansatz aber ändern, da mir die Box-Art in einem dunklen Rot sehr gut gefallen hat. Da er buchstäblich in Flammen steht, sollte außerdem ein Object-Source-Lighting-Effect (OSL) eingesetzt werden.

Object Source Lighting oder kurz OSL beschreibt einen Maleffekt, bei dem Stellen eines Modells, welche von einer am Modell befindlichen Lichtquelle angestrahlt werden, heller erscheinen und gegebenenfalls auch entsprechend eingefärbt werden.
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Über die Miniatur

Wie bei den Engeln üblich scheint Puriel aus sich überlappenden Metallstücken zu bestehen und auf der Brust und im Gesicht ist ein Edelstein eingelassen. Die Flügel sind mit modellierten Flammen gestaltet und auch auf dem Kopf und der rechten Schulter schlagen Flammen empor. Das dynamisch gestaltete Modell scheint sich aus einem Flammenmeer zu erheben und zieht aus diesem mit der rechten Hand einen Flammenstrahl mit sich. Außerdem scheint das Metall an mehreren Stellen zu schmelzen. Es gibt also viele Möglichkeiten, Feuereffekte und daraus resultierende Beleuchtungen zu malen.

Puriel besteht nur aus wenigen Teilen.
Puriel besteht nur aus wenigen Teilen.

Der Zusammenbau

Puriel besteht, wie auch die anderen Modelle der Reihe, aus einem flexiblen Resin. Die Detailschärfe ist hervorragend und Gussfehler gibt es keine. Auch Gussnähte und Angussäste sind nur wenige vorhanden. Wegen des weichen Materials ist die Entfernung der Nähte aber etwas mühseliger als bei anderen Werkstoffen.

Das Modell besteht aus nur fünf Teilen, wobei die Flügel in vorbereitete Löcher im Rücken eingesteckt werden. Die anderen Teile verfügen über Verbindungen, die nur eine Möglichkeit des Zusammenbaus bieten. Diese sind aber nicht zum festen Einstecken vorgesehen. Für mehr Stabilität habe ich beim Standbein einen Stift eingesetzt. Die Passgenauigkeit ist sehr gut und somit bereitet der Zusammenbau keine größeren Schwierigkeiten.

Dem Set liegt außerdem noch ein kleiner Feuerelementar bei, welcher aus einem Stück besteht. Bei beiden Modellen habe ich die Stege, welche eigentlich in den Schlitz der Base gesteckt werden, entfernt. Da ich modellierte Bases verwenden werde, wären die Stege im Weg und mit eingesetzten Stiften kann ich die Modelle außerdem gut auf meinen Malhaltern befestigen.

Die Bemalung

Für die Bemalung wollte ich überwiegend die Airbrush einsetzen. Sie eignet sich sehr gut, um die gewünschten Lichteffekte zu malen. Dies ist zwar auch mit Bürsttechniken und Lasuren möglich, ist aber deutlich aufwendiger. Für die Bemalung habe ich überwiegend Warpaints Air von The Army Painter eingeplant. Wenn ich im Folgenden Farbnamen ohne Hersteller nenne, ist diese Farbreihe gemeint. Zum Verdünnen habe ich das Airbrush Medium aus dieser Reihe verwendet.

Zu Beginn habe ich die Modelle in einem matten Schwarz grundiert. Hierfür habe ich den Matt Black Primer mit der Airbrush aufgetragen. Nach dem Trocknen habe ich die Flammen mit verdünnter Ink Aero Color Professional SUPRA-Weiß von Schmincke besprüht, bis eine deckende Schicht erreicht war. Da die Flammen die hellsten Stellen des Modells sein sollen, erleichtert dies später das Erreichen der nötigen Leuchtkraft der Farben. Um die Lichteffekte vorzubereiten, habe ich von den Flammen ausgehend mit der weißen Ink vorsichtig aufgehellt. Da ich es dabei für meinen Geschmack etwas übertrieben hatte, habe ich einige Stellen mit verdünntem Matt Black wieder schattiert.

Als erste Farbschicht habe ich dann verdünntes Chaotic Red in dünnen Schichten aufgetragen. Hierbei habe ich versucht, die dunkelsten Stellen satter einzufärben und die Flammen weiß zu lassen. Wo mir dies nicht ganz gelungen ist, habe ich mit weißer Ink nachgebessert.

Mit Ice Yellow wurden die heißesten Stellen gesprüht.
Mit Ice Yellow wurden die heißesten Stellen gesprüht.

Um die Strahlkraft des Rots zu erhöhen, habe ich mit der Airbrush eine Lasur der The Army Painter Speedpaint 2.0 Slaughter Red aufgetragen. Auch hier habe ich kleinere Fehler hinterher ausgebessert.

Für den nächsten Malschritt habe ich die Model Color Ice Yellow von Vallejo stark verdünnt. Dieses habe ich dann deckend auf den Flammen aufgetragen, wobei ich besonders auf die tiefen Stellen geachtet habe. Bei Flammen sind nämlich die tiefer gelegenen Bereiche am hellsten, anders als bei von externen Lichtquellen beschienenen Objekten. Mit der gleichen Farbe habe ich die ersten Leuchteffekte gesprüht. Hierfür habe ich mit der Airbrush so flach wie möglich aus Richtung der Flamme gesprüht. Die Bereiche, welche der Flamme am nächsten sind, habe ich dabei am meisten aufgehellt. Wenn man hier besonders flach sprüht, erreicht man, dass sich der Farbnebel besonders auf den erhabenen Kanten absetzt, was zu einem realistischen Beleuchtungseffekt führt.

Deamonic Yellow liefert die nächste Abstufung der Leuchteffekte.
Deamonic Yellow liefert die nächste Abstufung der Leuchteffekte.

Ein satterer Gelbton setzt nun den Flammeneffekt fort. Hierfür habe ich Daemonic Yellow verwendet. Zwar sind die Warpaints Air laut Hersteller schon fertig für die Airbrush verdünnt, trotzdem habe ich noch mehr Medium zugefügt, um eine möglichst transparente Farbe zu erreichen. Diese habe ich dann auf den Flammen aufgetragen und dabei die tiefsten Bereiche ausgespart.

Und natürlich habe ich auch mit dieser Farbe den Beleuchtungseffekt fortgeführt, indem ich die weiter von der Leuchtquelle entfernten Bereiche eingetönt habe. Dabei habe ich den Winkel wieder möglichst flach gehalten.

Die nächste genutzte Farbe des Feuers ist Lava Orange. Wieder habe ich gut verdünnt und die höher gelegenen Teile der Flammen bemalt und auch den Lichteffekt fortgeführt.

Das Matt Black wird mit Pure Red wärmer.
Das Matt Black wird mit Pure Red wärmer.

In gleicher Weise habe ich dann Pure Red aufgetragen, wobei wieder etwas weiter oben gelegene Bereiche der Flammen und weiter entfernte Flächen der Leuchteffekte behandelt wurden. Außerdem habe ich rund um die Edelsteine eine leuchtende Aura mit dem Rot erzeugt. Im Schatten liegende Bereiche habe ich außerdem versucht, dezent zu tönen, um ein etwas satteres Rot zu erreichen.

Die letzten Arbeiten mit der Airbrush sind mit verdünntem Matt Black erfolgt, welchem ich ein klein wenig Pure Red beigemischt habe, um es etwas wärmer werden zu lassen. Pures Schwarz wirkt auf Modellen oft unpassend. Hiermit habe ich einen Qualmeffekt auf den höchsten Teilen der Flammen erzeugt und zudem Bereiche im Schatten weiter abgedunkelt.

Das geschmolzene Metall wird in umgekehrter Reihenfolge bemalt.
Das geschmolzene Metall wird in umgekehrter Reihenfolge bemalt.

Um das Modell abzuschließen, habe ich dann zum Pinsel gegriffen, um die Details zu bearbeiten. Die Tropfen geschmolzenen Metalls habe ich, anders als die Flammen, von Rot nach Hell-Gelb geschichtet, sodass das Zentrum am heißesten zu sein scheint und sich die Ränder bereits abzukühlen scheinen. Hierfür habe ich die Warpaints Air verwendet, die ich auch für die Flammen genutzt habe. Sie lassen sich nämlich auch sehr gut mit dem Pinsel verwenden. Auch die Flammen habe ich mit dem Pinsel nachgebessert. Die tief liegenden Stellen wurden mit Ice Yellow nachgezogen und besonders die kleineren Flammen mit allen verwendeten Farben korrigiert, wo es nötig war.

 

Die Edelsteine wurden mit Two Thin Coats Paints bemalt.
Die Edelsteine wurden mit Two Thin Coats Paints bemalt.

Die Edelsteine habe ich mit Two Thin Coats Paints von Trans Atlantis Games bemalt, da ich diese auch bei meinen anderen Engeln benutzt habe und das Schema nicht wechseln wollte. Die Farben habe ich auf der Nasspalette mit etwas destilliertem Wasser verdünnt. Die Edelsteine habe ich zunächst mit Berserker Red deckend bemalt. Dann habe ich die unteren beiden Flächen von oben nach unten mit Sanguine Scarlet geschichtet, wobei ich auf der rechten Seite erst weiter unten damit begonnen habe, sodass diese Fläche dunkler erscheint. In gleicher Weise bin ich danach mit Demon Red verfahren. Mit Fanatic Orange habe ich dann auf den unteren Flächen ein letztes Highlight gesetzt und die oberen Flächen damit deckend bemalt. Auf der rechten, oberen Fläche habe ich dann einen Farbverlauf von Fanatic Orange nach Yellow Flame erzeugt, in dem ich die Farben nass ineinander gemischt habe. Hierbei blieb der untere Bereich Orange. Auf der linken Fläche habe ich das Gleiche mit White Star gemacht. Aber der hellste Bereich ist in diesem Fall unten. Zuletzt habe ich noch die Kanten des Edelsteins vorsichtig mit White Star nachgezogen.

Das Basing

Puriel steht auf einer 40 mm Round-Lip-Base, welche ich mit einer Strukturrolle gestaltet habe. Der Feuerelementar steht auf einer Base mit einem Durchmesser von 30 mm, bei welcher ich genauso vorgegangen bin. Dafür habe ich eine ofenhärtende Modelliermasse dünn ausgerollt und mit einer Strukturwalze geprägt. Dann habe ich mit Hilfe von runden Ausstechformen passende Kreise erstellt und diese nach dem Backen im Ofen auf die Bases geklebt.

Grundiert habe ich wieder mit dem Matt Black Primer und dann eine nicht deckende Schicht Savage Green aufgetragen. Hierbei habe ich in kurzen Sprühstößen gearbeitet, um ein wolkiges Muster zu erzeugen. Um einen Marmoreffekt zu erzeugen, habe ich dann auf die Feuchttuch-Methode zurückgegriffen. Hierfür lässt man ein Feuchttuch trocknen und beginnt dann vorsichtig die Fasern auseinanderzuziehen, um den Stoff dann als Sprühschablone zu verwenden. Ich habe zuerst eine Schicht Greenskin aufgetragen. Für die nächste Schicht habe ich die Schablone neu positioniert und eine weitere Schicht mit Feral Green gesprüht. Den Abschluss machte nach erneuter Neupositionierung der Schablone eine Schicht White Ink von Schminke. Mit der Speedpaint 2.0 Grim Black habe ich schließlich die Fugen zwischen den Steinen nachgezogen.

Dann habe ich die Pins unter den Modellen passend zur Base-Dicke gekürzt und an einer passenden Stelle ein erstes Loch gebohrt. In dieses habe ich den ersten Stift eingeführt und ein passendes Loch für den zweiten Stift gebohrt. Im Anschluss habe ich den Umriss der Unterseite der Miniaturen mit Ice Yellow von Vallejo nachgezogen und noch feucht auf die Base gedrückt, um den Umriss abzustempeln. Mit diesem Umriss als Vorlage habe ich wie bei den Modellen den Leuchteffekt auf der Base aufgetragen. Danach habe ich die Modelle aufgeklebt und den Base-Rand mit Matt Black bemalt.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Gravity Bay
  • Erscheinungsjahr: 2023
  • Alter: 14 Jahre
  • Preis: 24,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Fazit

Puriel ist ein wirklich sehr schönes Modell, welches sehr detailscharf und nicht nur für Spieler*innen von Rapture interessant ist. Gussgrate und Angussäste halten sich im Rahmen, sie sind nur wegen des weichen Materials nicht ganz so leicht zu entfernen. Der Zusammenbau macht keine größeren Schwierigkeiten, aber um die Miniatur etwas stabiler zu machen, ist das Einsetzen eines Stifts am Standbein ratsam.

Mit den modellierten Flammen und den harten Kanten liefert das Modell eine perfekte Grundlage, um OSL-Effekte zu bemalen, wobei sich der Einsatz einer Airbrush empfiehlt. Die Bemalung hat mir wirklich sehr viel Spaß bereitet und mich dazu ermutigt, auch bei anderen Modellen effektvoller zu malen.

Die fertigen Modelle.
Die fertigen Modelle.

 

Artikelbilder: © Gravity Bay
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Laura Pascharat
Fotografien: Dennis Rexin
Dieses Produkt wurde privat finanziert.

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