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In Odrixia, der Welt in der Factory 42 und Mine 77 spielen, wird nicht nur hart gearbeitet. Eine der beliebtesten Beschäftigungen der Odrixianer ist das sogenannte Golem Run, bei dem statt auf Rennpferde auf Golems gewettet wird. Das klingt und ist spannend!

Nach Factory 42 und Mine 77 entführen uns Dragon Dawn Production wieder in die Welt von Odrixia. Diese Mal geht es aber nicht um harte Arbeit und Verrat, sondern um eine ganz besondere Sportart, den Golem Run.

Während anderswo auf Pferde gewettet wird, setzt man hier auf Golems, die gegeneinander im Wettstreit antreten. Wie Verdun ist Golem Run ebenfalls ein Stichspiel. Hier geht es aber darum, geschickt den Verlauf des Rennens zu manipulieren und so die meisten Wettpunkte zu erzielen. Ob und wie spannend das Spiel ist, wollen wir euch im Folgenden näherbringen.

Triggerwarnungen

keine besonderen Trigger

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Spielablauf

Bei Golem Run handelt es sich um ein Stichspiel mit einem Wettmechanismus, das in der Welt von Odrixia angesiedelt ist. Die Spielenden übernehmen die Rolle der Rennzuschauer*innen, die auf den Ausgang eines Rennens von Golems Wetten abschließen.

Zuerst bauen wir die Rennstrecke für die Golems auf. Diese kann von Spiel zu Spiel unter Beachtung von Aufbauregeln immer unterschiedlich aussehen. Auf der Strecke befinden sich zudem Hindernisse, welche die Golems auf ihrem Lauf überwinden müssen.

Das aufgebaute Spiel
Das aufgebaute Spiel

Es gibt verschiedene Methoden, um die Karten zu verteilen. Eine Möglichkeit besteht darin, die Karten schnell auszuteilen, um den Spielverlauf zu beschleunigen. Alternativ können die Karten auch im Rahmen eines Draft-Verfahrens verteilt werden, um eine strategische Komponente hinzuzufügen.

Die Karten gibt es in vier unterschiedlichen Farben, welche den Farben der Golems entsprechen, zusätzlich gibt es schwarze Karten, die als Joker dienen. Außerdem finden sich auf den Kartenseiten Punkte, welche die Bewegungsweiten der Golems anzeigen.

Die verschiedenen Karten
Die verschiedenen Karten

Als Erstes wird die Anfangswette platziert. Dazu spielen alle verdeckt drei Karten aus. Die mittlere der drei Karten ist die Hauptwette. Mit ihr wetten die Spielenden darauf, welcher der Golems als erstes durchs Ziel geht. Die aufgedruckten Bewegungspunkte geben an, mit welchem Abstand der Golem zum nächstfolgenden durchs Ziel gehen wird. Mit den Karten links und rechts der Hauptwette, tippt man darauf, auf welchen Golem die benachbarten Mitspielenden gewettet haben und wie viele Bewegungspunkte sich auf deren Karten befinden.

Der*die Startspieler*in, hier Rennleitung genannt, beginnt den ersten Stich. Dabei spielt die Person eine Karte aus. Es kann entweder eine Karte oder zwei Karten der gleichen Farbe in den Stich gespielt werden.

Beispiel für einen Stich: Der gelbe Golem wird drei Felder weiterbewegt, da die acht gewinnt.
Beispiel für einen Stich: Der gelbe Golem wird drei Felder weiterbewegt, da die acht gewinnt.

Die anderen Spielenden müssen bedienen, das heißt, die von ihnen ausgespielte Kartenfarben müssen mit den ersten Karten übereinstimmen. Ist dies nicht möglich, können die Spielenden eine beliebige Karte in den Stich werfen.

Ebenfalls gibt es die Möglichkeit, keine Karte auszuspielen und die Anfangswette neu zu platzieren. Dazu nimmt man die drei Karten wieder auf die Hand und spielt dafür neue Karten aus, wodurch man eine Karte mehr für die nächsten Stiche hat. Wer also die anderen Spielenden genau beobachtet, kann seine Anfangswette noch einmal nachjustieren.

Mit Boosterkarten und den Jokern kann man zudem weiteren Einfluss auf den Stich nehmen. Die schwarzen Joker-Karten nehmen die Stichfarbe an und mit den Boostern kann der Wert einer eigenen Karte um einen Punkt erhöht werden.

Haben alle gespielt, wird der Stich ausgewertet. Die Golems werden dann entsprechend der Farbe, die den Stich gewonnen hat, nach bestimmten Regeln bewegt. Besonders ist dabei, dass die Golems auf dem Weg ins Ziel auch Hindernisse wie Felsen, Wasserläufe und Zäune überwinden müssen, welche ihre Bewegung einschränken.

Hindernisse auf der Rennstrecke
Hindernisse auf der Rennstrecke

Anschließend werden Punkte für die Hauptwette vergeben. Dabei wird geschaut, ob die Vorhersage bezüglich der Ausgangsposition des Golems stimmt und ob die Mitspielende auf das gewettet haben, was man vermutet hat. Danach endet die Runde und es geht weiter, bis einer der Golems das Ziel erreicht. Wer dann die meisten Punkte erzielt hat, gewinnt.

Ein Golem hat die Ziellinie erreicht
Ein Golem hat die Ziellinie erreicht

Das Spiel ist, wie auch Verdun vor ihm, ein sehr ausgeklügeltes Stichspiel. Die Wettmechanismen erinnern vage an das zu seiner Zeit sehr beliebte Camel Up und seit Ready, Set, Bet sind Wettspiele im Allgemeinen wieder in den Fokus gerückt. Golem Run funktioniert gut und bringt in das, gefühlt etwas angestaubte, Genre der Stichspiele frischen Wind.

Das Spiel erreicht mit Sicherheit auch Spielende, die eher komplexere Titel vorziehen, denn es bietet eine taktische Tiefe, die man nicht unterschätzen sollte. Was zunächst als einfaches Biet- und Stichspiel daherkommt, ist vielschichtig. Beispielsweise können die Spielenden, weil bedient werden muss, beeinflussen, welche Karten die anderen ausspielen. Auf der anderen Seite kann man durch die Joker und Booster die Stiche wiederrum manipulieren, um eben genau dies zu verhindern. So kann man die Geschehnisse des Rennens zu seinen Gunsten beeinflussen. Dabei die Waage zu halten und die anderen nicht vollends auszustechen ist dabei aber nicht unwichtig, denn wir wetten ja auch auf deren Erfolg.

Deduktion kommt dadurch ins Spiel, dass man auch auf den Ausgang der Wetten der Mitspielenden bietet. Es ist also wichtig zu beobachten, was die anderen spielen. Vor allem, wenn Mitspielende ihre Wette erneuern, wird es spannend zu erfahren, was genau sie dazu bewegt hat und ob man auch seine eigene Wette anpassen sollte. Dies alles gibt dem Spiel eine interessante Dynamik und sorgt für viel Interaktion.

Ausstattung

Das Spiel ist noch im Prototypen-Status Aber bereits jetzt kommt es mit qualitativ gutem Material. Die kleinen Golems aus Holz kennen wir bereits aus der Erweiterung von Factory 42. Dass die Rennstrecke aus mehreren Teilen besteht, die unterschiedlich angeordnet werden können, beschert einen hohen Wiederspielwert, was selten für Stichspiele ist. Das Spiel ist schön illustriert und die, derzeit nur in Englisch vorliegende, Anleitung ist gut und verständlich aufgebaut.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Dragon Dawn Productions
  • Autor*in(nen): Ren Multamäki
  • Illustrator*in(nen): Tony Cotterill
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Englisch / Deutsch
  • Spieldauer: 30 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 3 bis 4
  • Alter: ab 9 Jahren
  • Vorraussichtlicher Pledge-Preis: ca. 40 EUR

 

Fazit

Ein Tag beim Rennen, genau das ist das Setting von Golem Run. Nur das wir nicht auf Pferde, sondern auf Golems wetten. Ein ungewöhnliches Setting, das aber sehr gut in die Spielwelt von Odrixia passt, in der auch schon Factory 42 und Mine 77 angesiedelt waren. Wieder ist es Dragon Dawn Production und im Speziellen Ren Multamäki gelungen ein unkonventionelles Stichspiel zu entwickeln.

Golem Run ist ausgeklügelt und bindet elegant Wett- und Bietmechanismen in ein Stichspiel ein. Vor allem, weil wir nicht nur auf die Golems, sondern auch auf die Wetten der Mitspielenden ein Gebot abgeben, muss man sehr auf die anderen achten und versuchen zu lesen, was genau sie spielen. Das ist spannend und gibt ein großes Maß an Interaktion. Man sollte ständig danach schauen, was genau gespielt wird, um zu erkennen, wie das Rennen ausgeht. Zudem kann man durch Sonderkarten den Ausgang selbst manipulieren. Dabei die Waage zu halten und die anderen nicht vollends auszustechen ist nicht unwichtig, denn wir wetten ja auch auf deren Erfolg. So entstehen fast semikooperative Spielanteile.

Wer taktische Stichspiele und Spiele mit Biet- und Wettmechanismen mag, dem können wir zu diesem Zeitpunkt Golem Run empfehlen. Das Spiel wird am 07.01.2025 um 22 Uhr auf Kickstarter veröffentlicht und bei erfolgreicher Kampagne auch bei Spiele-Offensive auf Deutsch erscheinen.

Wir können Golem Run empfehlen.

 

Artikelbilder: © Dragon Dawn Productions
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Maximilian Düngen
Fotografien: Andreas Memmert
Dieser Prototyp wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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