Vermutlich hat kein anderer Star Wars-Film zuvor jemals so schlechte Presse vor dem Kinostart gehabt. Es war die Rede von zusätzlichen Schauspielstunden für einen hoffnungslos schlechten Hauptdarsteller, von schlechten Effekten und sinnloser Story. Fast sah es so aus, als würde dieser Start des Millenium Falcon ein Rohrkrepierer. Doch dann …
Das Internet ist für die Filmindustrie ein sehr spannender Raum geworden. Auf sozialen Plattformen wird bereits im Vorfeld das Schicksal eines Filmes entschieden. So schien es auch für Solo – A Star Wars Story zu laufen. Dem Film wurde sein Untergang vorhergesagt, bevor ihn ein einziger Zuschauer zu Gesicht bekam. Es wurde von unüberwindlichen Hürden bei der Produktion, schlechtem Marketing und katastrophalen Besetzungsfehlern berichtet.
Entsprechend leer war der Kinosaal der Vorpremiere, in dem ich den Streifen anschauen durfte. Das dürfte sich jedoch in den nächsten Tagen ändern, denn so sehr der Film vorverurteilt wurde, so sehr wird er bereits kurz nach seinem Start von den Fans des Franchise gefeiert. Solo macht vieles richtig, woran andere Star Wars-Filme scheiterten.
Inhaltsverzeichnis
Story
Die Geschichte des jungen Han Solo beginnt auf dem heruntergewirtschafteten Planeten Corellia. In einer an Charles Dickens’ Oliver Twist erinnernden Bande lebt Han unter der Herrschaft der gierigen und strengen Lady Proxima. Ihm stets zur Seite steht seine Freundin und große Liebe Qi’Ra. Als Han einen wirklich guten Fischzug macht, scheint sich für die beiden eine Chance zur Flucht zu ergeben. Doch es kommt zu Komplikationen, die Liebenden werden getrennt und Han verlässt Corellia ohne Qi’Ra , fest entschlossen, zurückzukehren, um sie zu holen. Doch zunächst wartet ein großer Weltraum auf den jungen Dieb mit dem großen Traum vom Fliegen. Sein Weg führt ihn ins imperiale Militär, wo er jedoch nicht Fuß fassen kann, und schließlich in die Arme des Gauners Tobias Beckett. In ihm findet Han einen Mentor, der ihn seinem großen Traum, aber auch seiner geliebten Qi’Ra näherbringen soll.
Solo entwickelt sich zu einem Schmuggler und verfängt sich in einem spannenden und lebensbedrohlichen Abenteuer, das ihn nicht nur mit Chewbacca und Lando Calrissian zusammenführt. Er gerät in einen Konflikt zwischen Syndikaten, Piraten und den Interessen Einzelner. Und auch das Wiedersehen mit Qi’Ra verläuft völlig anders als geplant.
Die Story ist geschickt konstruiert und bietet einen schönen Genre-Mix aus Western, Kriegsfilm, Weltraummärchen und Gangsterstreifen. Sie strotzt nicht gerade vor unerwarteten Wendungen, sondern erzählt solide und spannend eine Abenteuergeschichte. Natürlich ist sie mit Schlüsselelementen aus dem Leben Han Solos gespickt, auf die der Fan sehnsüchtig wartet. Das Glücksspiel um den Falken, die erste Begegnung mit Chewie, die Glückswürfel – das sind nur wenige der Elemente, auf die Fans sich freuen dürfen.
Darsteller
Die Besetzung ist wirklich gut gelungen. Emilia Clarke gibt als Qi’Ra eine wunderbare Femme fatale mit Gewissensbissen. Paul Bettany erinnert in seiner Darstellung eines Syndikatbossses an ernstzunehmende Bond-Schurken. Das kontrastiert ihn wunderbar zu den eher humoristischen Gegnern in Die Letzten Jedi. Diesen Gegenspieler kann man fürchten. Woody Harrelson liefert eine saubere Performance, die etwas variantenreicher hätte sein dürfen. Dennoch kauft man ihm den alternden Mentor gerne ab. Donald Glover spielt als Lando seinen Charme voll aus und den Großteil der Besetzung an die Wand.
Und Alden Ehrenreich gibt einen sehr passablen Han Solo, auch wenn ihm das Feuer fehlt, das Harrison Ford der Rolle eingehaucht hat. Dennoch ist seine Interpretation der Figur würdig und insbesondere im Zusammenspiel mit Chewie auch dynamisch und lebendig. Ein besonderes Lob geht hier an die deutsche Synchronisation. Der Sprecher für Ehrenreich erinnert sehr stark an einen jungen Wolfgang Pampel, der Harrison Ford seine charakteristisch raue Stimme lieh.
Inszenierung
Die Inszenierung ist die allergrößte Stärke des Films. Tatsächlich gelingt es Solo – A Star Wars Story wesentlich besser, klassisches Star Wars-Gefühl wachzurufen, als der letzten Auskoppelung der Hauptreihe. Man besinnt sich auf solides Geschichtenerzählen ohne filmische Experimente. Die Musik wird geschickt genutzt, um große Augenblicke zu untermalen. Die Bilder sind klar, eingängig und fesselnd und verzichten auf Schnörkel und Farbenspiele. Effekte werden nicht zum Selbstzweck benutzt. Der Humor bleibt in einem glaubwürdigen, tragfähigen Rahmen. Kurz: Man hat Lektionen aus der Vergangenheit gelernt.
Dieser Film will nicht Althergebrachtes demontieren oder auf der Meta-Ebene kommentieren, sondern würdevoll aufgreifen und einsetzen. Es entsteht ein starkes Werk des Unterhaltungskinos, das sich bewusst ist, was es ist. Nicht mehr und nicht weniger als ein Film, der Spaß machen soll.
Die harten Fakten:
- Regie: Ron Howard
- Darsteller: Alden Ehrenreich, Donald Glover, Emilia Clarke, Paul Bettany
- Erscheinungsjahr: 2018
- Sprache: Deutsch/Englisch
- Format: 3D mit Dolby Atmos
Fazit
Star Wars hat einen würdigen neuen Film zum Franchise hinzugewonnen. Solo – A Star Wars Story übertrifft die geringen Erwartungen, die durch Presse und soziale Medien aufgebaut wurden, um Längen. Er ist ein solider Abenteuerfilm, der von guten Schauspielern getragen wird. Die Inszenierung kommt ohne unnötigen Schnickschnack aus, sondern leistet saubere, eingängige Unterhaltungskunst. Dennoch bleibt der Film nicht ohne Schwächen. Man möchte an der einen oder anderen Stelle gerne etwas mehr erfahren. Der Einsatz eines Roboterrechtler-Droiden ist diskussionswürdig, denn er wirkt etwas deplatziert.
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Und natürlich kann man sich fragen, ob Hans Romanze mit Qi’Ra nicht der reinen Märchenliebe zu Leia etwas an Bedeutung nimmt. Denn Star Wars bewegt sich in den Konventionen des Märchens, und so klar es auch ist, dass Solo vor Leia andere Affären hatte, so schwer passt die explizite Darstellung dieser Beziehungen in das Geflecht einer reinen Liebe des Märchens. Aber das ist natürlich Kritik auf ganz hohem Niveau. Alden Ehrenreich ist nicht Harrison Ford, aber er hat einen würdigen Han Solo in einem sehr gelungenen Film gegeben.

Mit Tendenz nach Oben
Artikelbilder: Walt Disney Studios
Dieser Kinobesuch wurde durch das Patreon-Projekt finanziert.



















Ich fand ihn äußerst mittelmäßig, der Beginn ist eine Ansammlung von Star Wars/Han Solo-Zitaten, was ich beinahe schon aufdringlich fand, der mE interessanteste Part von Solos Karriere wurde ausgespart, der Coup hat schöne Ansätze und ist durchaus unterhaltsam, mir jedoch sowohl auf Planet als auch im Raum etwas seicht. Solo ist ok gespielt, Landos Darstellung finde ich sehr stark, Qi‘ra leider eher schwach, wohl auch weil sie sich nicht wirklich entwickelt, sondern von einem Auftritt zum anderen einfach ne neue Figur wird. Und der Roboter war ultranervig. Den Cliffhanger mit der Überraschung fand ich doof (das brauche ich echt nicht noch mal!) und jetzt kommt dazu auch noch eine Fortsetzung? Schwacher Beginn, schwaches Ende, befriedigender Mittelteil
Sie heißt Qi’ra wie man im Abspann erfuhr.
Danke für den Hinweis, das wurde umgehend korrigiert.
Qi’ra nicht Kira.
Ist korrigiert worden
Ich schau mir diesen Film aus ganz anderen Gründen nicht an!
Ich fand ihn gut. Keine Längen wie Episode 8, keine aufgewärmte Story wie Episode 7. Auch keine Endlosen Weltraumschlachten. Den Roboter fand ich unterhaltsam. Die Geschichte war auch ganz gut. Die Schauspieler.. naja. Also viel Mittelmaß ohne große Fehler. Kann man gut ansehen ist aber sicher keine Sternstunde des Kinos.
Der Film ist Weltklasse
Ich bin gespannt. Ich hatte bei Episode VII und VIII und in Teilen auch bei Rogue One den Eindruck, dass man die Filme über Fanservice vermarkten will. Ich hoffe sehr, dass der Film sich selbst zu tragen in der Lage ist und sich nicht nur auf Fanservice verlässt.
Die Rezension entspricht ziemlich genau dem, was ich über den Film denke. Danke für die unaufgeregte Review.
Ich war begeistert, ja, tatächlich. Natürlich wird man vermutlich niemals wieder den „Ich bin dein Vater, Luke“-Charme der alten Filme einfangen können – einfach, weil wir ja auch schon wissen, wie alles ausgehen muss, und die neuen Teile verspielen natürlich einfach das Potenzial, das das EU hatte. Aber das hier ist solide und macht einfach Spaß – Erwartung voll erfüllt.
Trifft ziemlich gut meinen Eindruck, außer dass ich L3 mochte.
Meine Meinung zu „Solo“ ist, dass er wahrscheinlich nach „Rogue One“ den besten Film aus dem neuen Universum darstellt. Er hat nur einen gewaltigen Haken: Da ich weiß, dass Han Solo überleben muss, habe ich mir um sein Schicksal niemals Sorgen gemacht. Das ist natürlich spannungsmildernd.
„Solo“ hat nicht die originellste Story aller Zeiten, aber er zerfasert nicht in mehrere Handlungsstränge wie „Star Wars VIII“. Die Macht kommt erfreulicherweise gar nicht vor, nachdem sie in „Star Wars VIII“ ständig für irgendwelchen Budenzauber herangezogen wurde. In dieser Hinsicht ist „Solo“ eine geerdete, geradlinige Gaunerstory, die mit guten Nebendarstellern wie Woody Harrelson oder Paul Bettany aufwartet. Es ist kein großer Film, sondern mit leichter Hand inszenierte Unterhaltung. NIcht mehr, aber auch nicht weniger. Mir hat er Spaß gemacht.