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Der Westen hält Einzug auf Spieltischen. Zuletzt mit Zombicide Undead or Alive und jetzt mit dieser Hommage an die amerikanische Gründerzeit. Für eine Handvoll Meeple ist ein Extrakt aus dem, was gemeinhin als Wilder Westen bekannt ist. Spannend oder eher ein Steppenläufer, der über den Tisch rollt?

Ein paar Grasbüschel wehen über die Straße. In einem verrauchten Saloon spielt ein Piano, während die Goldgräber*innen mit den Handwerker*innen pokern. Von irgendwoher kommt das Ping… Ping…vom Sporn an den Stiefeln eines Cowboys.
Etwas kommt auf die Stadt zu. Jemand will sich hier niederlassen.

Und das sind – wir!
Denn wir wollen die Stadt erobern.

Triggerwarnungen

Tod, Gewalt, Raub

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Spielablauf

Kurz und knapp lässt sich das Spiel mit Mancala trifft auf Worker-Placement“ beschreiben. Etwas ausführlicher klingt das Ganze dann so:

In Für eine Handvoll Meeple übernehmen wir abwechselnd die Rolle von Bewohner*innen einer Kleinstadt im Wilden Westen und versuchen, durch geschicktes Platzieren von kleinen Figuren, sogenannten Meeple, und taktische Entscheidungen Punkte zu sammeln.

Beim Aufbau werden zunächst in die verfügbaren Orte, das sind einfache Gebäude und die beiden Sondergebäude Saloon und Gefängnis, zufällig Meeple verteilt. Die Gebäude sind links und rechts entlang der Hauptstraße des Ortes auf dem Spielplan angeordnet. Zu Beginn wählen die Spielenden nun jeweils ein Eckgebäude und dürfen sich alle Meeple daraus nehmen. Wurde das Spiel einige Male gespielt, wird die Wahl taktischer, da durchaus relevant ist, wie viele Meeple und welcher Farbe Spielende aus diesem Gebäude heraus jeweils zur Verfügung haben.

Nun wird von der Person am Zug ein Gebäude gewählt und davor ein Meeple gesetzt. Entweder mit oder gegen den Uhrzeigersinn werden von ihr nun alle weiteren Meeple vor die benachbarten Gebäude gestellt. Sind alle verteilt, betreten die Meeple das Gebäude und interagieren mit den darin befindlichen Figuren.

In den weiteren Runden dürfen beliebige Gebäude mit den darin befindlichen Meeple gewählt werden. Das ist insofern relevant, als dass die Meeple unterschiedliche Farben aufweisen und somit auch unterschiedliche Effekte haben.

Der Saloon und das Gefängnis sind spezielle Gebäude. Sie gehören nicht zur Straße. In sie kann kein Meeple gesetzt werden. Diese Gebäude werden durch Meeple-Aktionen gefüllt.

Welchen Effekt ein Meeple auf das Gebäude hat, vor das dieser gestellt wurde, hängt von seiner Farbe ab. Blaue Meeple symbolisieren Hilfssheriffs, rot steht für Räuber*innen, die grauen Meeple sind Handwerker*innen und die gelben Goldgräber*innen. Besonders ist der lila Meeple, da dieser nur einmal im Spiel ist. Dieser symbolisiert die Wirtin.

Stellen Spielende nun zum Beispiel einen blauen Meeple vor ein Gebäude, in dem sich rote Räuber*innen befinden, befördern sie diese ins Gefängnis. Für jede rote Figur, die so ihren gerechten Weg hinter Gitter antritt, darf einmal aus einem schwarzen Samtbeutel gezogen werden. In diesem befinden sich unterschiedliche Ressourcen.

Mit diesen Ressourcen wiederum könnten mit Handwerker*innen Gebäude in Besitz genommen werden. Dies generiert Siegpunkte. In eigenen Gebäuden wiederum könnten Goldgräber*innen Ressourcen generieren.

Die Meeplefarben geben Auskunft über die Fähigkeiten.

Jede der fünf Farben der Meeple hat somit nicht nur eine Bedeutung, sondern auch einen regeltechnischen Effekt beim Aufstellen vor einem Haus. Die Auswahl sowie das Aufstellen der Meeple in der für die eigenen Pläne möglichst erfolgreichen Reihenfolge ist taktischer als zunächst anzunehmen ist. Während taktische Entscheidungen notwendig sind, ist es Kommunikation unter den Spielenden jedoch nicht. Alle warten nur darauf, dass sie endlich dran sind, und arbeiten dann mit den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Meeple auf den eigenen Vorteil bedacht.

Der klassische Showdown. Sheriff gegen Räuber. Nur einer überlebt.

Das Spiel weist auch einen kleinen direkteren kompetitiven Anteil auf – ähnlich Tiny Epic Galaxies BLAST OFF. Können Meeple nicht perfekt auf Gebäude verteilt werden, kann es sein, dass Spielende sie auf eines der beiden Showdown-Felder stellen müssen. Stehen dort zwei Meeple, kommt es zum Showdown. Die Spieler*innen werfen Showdown-Würfel, und die Person mit der höheren Schusskraft darf den Wurf wiederholen. Die Schusskraft hängt von der Farbe des Meeple ab, der schießt. Gewinner*innen ziehen am Ende Ressourcen, die Meeple der Verlierer*innen kommen auf den Friedhof.

Damit das Spiel auch irgendwann endet, wurden drei Bedingungen eingebaut, bei deren Erfüllung sofort die letzte Runde anbricht. So endet das Spiel, wenn keine Goldbarren, die durch Ressourcen ertauscht werden, mehr in der Bank sind, zu viele Meeple bei Showdowns gestorben sind und somit keine leeren Gräber mehr auf dem Friedhof sind, oder alle drei Dynamitwürfel, die durch das Ziehen bestimmter Ressourcen aus dem Ressourcenbeutel gesammelt werden, auf dem Explosionsfeld liegen.

Nach einer letzten Runde erfolgt die Schlusswertung, bei der Spieler*innen Punkte für Gold, Goldbarren und Schilder, die eigene Gebäude anzeigen, erhalten. Die Person mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.

Ausstattung

Die Schachtel von Für eine Handvoll Meeple präsentiert ein Wild-West-Thema mit einem ansprechenden Design. Die Vorderseite zeigt eine ikonische Szene eines Mexican Standoffs in einer Kleinstadt. Der Titel ist prominent platziert. Die Box ist primär in Rot gehalten.

Im Inneren befindet sich ein Spielplan, 37 Meeple-Figuren aus Holz und 57 würfelförmige Marker, ebenfalls aus Holz, stellvertretend für die Ressourcen Gold, Stein und Dynamit.

Durch seine kompakte Größe lässt sich das Spiel auch auf Reisen mitnehmen.

Spielenden mögen die Meeple auf den ersten Blick bereits vertraut vorkommen, denn sie stammen aus Carcassonne und wurden für das Spiel Für eine Handvoll Meeple zur Verfügung gestellt.

Zudem sind einige Marker aus Pappe enthalten.

Um blind zu ziehen, liegt dem Spiel auch ein schwarzer Samtbeutel bei. Das Material ist ansehnlich, glänzt aber nicht unbedingt mit Originalität. So sind die Showdown-Würfel leider nur einfache Plastikwürfel mit normalen Augen. Da hatte sich Zombicide Undead or Alive mehr Mühe gegeben.

Die Anleitung rundet die Ausstattung ab. Sehr positiv ist dabei, dass die Rückseite der Anleitung nochmal alle wichtigen Regeln zusammenfasst.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Final Frontier Games/ Asmodee
  • Autor: Jonathan „Jonny Pac“ Cantin
  • Erscheinungsjahr: 2023
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: ca. 30 min
  • Spieler*innen-Anzahl: 2 3 4
  • Alter: 10+
  • Preis: circa 28 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, KuTaMi

 

Bonus/Downloadcontent

Auf der Website von Asmodee besteht die Möglichkeit, sich die Spielregeln anzuschauen.

Wer das Spiel gern etwas aufgeräumter in der Box haben möchte und Zugriff auf einen 3-D-Drucker hat, kann bei Thingiverse das Design von Sylvain Fiset herunterladen.

Fazit

Für eine Handvoll Meeple möchte ein taktisches Spiel sein und die Spielenden in eine lebendige Westernwelt eintauchen lassen. Es möchte das Mancala-Prinzip erweitern und spannender machen.
Leider ist das alles nicht ganz gelungen.
Egal, ob wir unsere Meeple in Mulden oder auf ein Türfeld vor einem Gebäude an der Straße der Westernstadt setzen, so richtig Spannung kommt nicht auf. Während Spielende stets für sich die besten taktischen Entscheidungen zu treffen versuchen, ist Kommunikation innerhalb der Spielrunde quasi nicht vorhanden.
Die Erweiterung des Prinzips um verschiedene Mechanismen rund um die Meeple, wie zum Beispiel den Showdown, sorgt zwar für etwas Abwechslung, reicht aber nicht aus, um ein frisches Spiel zu kreieren. Der Glücksspielanteil rund um das Würfeln lässt taktische Überlegungen wieder in den Hintergrund treten.
Da die Regeln sehr einfach sind, ist das Spiel schnell erklärt, aufgebaut und gespielt, sodass es ein netter Titel für zwischendurch ist; nur eben kein spektakulärer Steppenbrand.

  • Schnelles Spiel
  • Einfache Regeln

 

  • Unkommunikativ
  • Eintönig

 

Artikelbilder: © Asmodee
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Thomas Mottl
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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