Wir sind gekommen, um magische, mythische Abenteuer in Aventurien zu erleben. Dabei wollen wir ein Team aus mutigen Held*innen zusammenstellen, fantastische Regionen entdecken und epische Aufgaben meistern. Ein Spielplan mit Landkarte, individuelle Holzfiguren, ein Spezialwürfel und charakteristisch illustrierte Karten stehen uns dabei zur Verfügung und wecken große Vorfreude. Zu Recht?
Content zum Pen-and-Paper-Rollenspiel-System Das Schwarze Auge (DSA) findet ihr bei Teilzeithelden regelmäßig und mehrmals im Jahr. Wer sich in der beliebten Fantasy-Spielwelt noch nicht auskennt und vor allem mit Brettspielen an den Tisch setzt, könnte mit Abenteuer in Aventurien eine Tür zur Welt des Rollenspiels öffnen. Ob das gelingt, und für wen sich das Spiel eignet, haben wir für euch getestet.
keine typischen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Der abenteuerliche Kontinent Aventurien liegt mit seinen dreiundvierzig Regionen in Form einer Landkarte auf dem Tisch. Mit kleinen individuellen Holzfiguren betreten die Spielenden diese Welt. In welcher Region sie starten, wird zufällig durch das Ziehen einer Regionskarte bestimmt. Hilfreich ist hier die Abbildung auf den Karten, bei der die entsprechende Region eingekreist auf der Landkarte zu sehen ist. So finden auch Unkundige leichter die passende Region.

Wie viele Abenteuer zur Wahl stehen, wird durch die Anzahl der Spielenden bestimmt. Pro Spieler*in wird eine Abenteuerkarte aufgedeckt. In welcher Region das Abenteuer zu bestehen ist, muss auf dem Spielplan (diesmal ohne hilfreiche Abbildung) gesucht werden, denn diese wird durch ein schwarzes Holzauge markiert. Um ein Abenteuer bestehen zu können, müssen zuvor eingesammelte Heldenkarten mit den entsprechenden Symbolen abgegeben werden.
Zu jeder Zeit des Spiels gibt es drei zufällige Regionen, denen jeweils vier zufällige Heldenkarten zugewiesen sind. Landet eine Holzfigur in der entsprechenden Region, werden die zugewiesenen Karten auf die Hand genommen. Die Holzfiguren werden durch vorheriges Würfeln maximal vier Felder beliebig weit bewegt, können aber auch stehen bleiben. Auch andere Figuren dürfen bewegt werden; sollte die eigene Figur auf dem gleichen Feld wie diese landen, können sie zum Beispiel von Abenteuern ferngehalten werden.

Wurden genügend Heldenkarten für ein Abenteuer gesammelt, und die Bewegung der eigenen Holzfigur endet auf dem schwarzen Auge des entsprechenden Abenteuers, erhält die Person die Abenteuerkarte, und die Heldenkarten werden abgeworfen. Auf der Abenteuerkarte steht neben einem kleinen passenden Flavour-Text – der jedoch nicht zwangsläufig gelesen werden muss – auch eine Siegpunktzahl von eins bis drei. Wer zuerst neun Siegpunkte hat, gewinnt das Spiel sofort. Bis dahin wird weiter geworfen, die Holzfigur bewegt, Heldenkarten eingesammelt und Heldenkarten gegen Abenteuerkarten abgegeben, um Siegpunkte zu erhalten.
Ausstattung

Der gesamte Spielinhalt kommt in einer Schachtel unter, die halb so groß ist wie die eines Standard-Brettspiels. Den größten Platz benötigt dabei die stabile Landkarte in dreifacher Faltung. Das Insert aus Papier war bei uns schon beschädigt, als wir das Spiel zum ersten Mal geöffnet haben. Darin kommen alle Karten unter, die einem üblichen Standard entsprechen.
Der blau-lila glitzernde Würfel wird in der Anleitung Spezialwürfel genannt, da er nicht mit den üblichen Augenzahlen von eins bis sechs bedruckt ist. Statt fünf und sechs können eine weitere zwei und drei geworfen werden.
Vier schwarze Augen aus Holz sind ebenso stabil wie die vier unterschiedlichen Holzfiguren in den Farben rot, gelb, grün und blau. Durch die Gestaltung der Holzfiguren sind sie auch für farbfehlsichtige Personen zu unterscheiden.
Die Spielanleitung ist zweisprachig in Deutsch und Englisch verfasst. In der deutschen Version werden die Begriffe Spieler und Spielerin synonym verwendet. Ebenso wechselhaft werden die Lesenden einzeln oder als Gruppe angesprochen. Eine einheitliche (bevorzugt gegenderte) Anrede für einen flüssigeren Lesefluss hätten wir besser gefunden.
Diese Uneinheitlichkeit zieht sich auch im Spiel weiter: Wird in der Anleitung noch von Spielerin und Spieler gesprochen, werden alle Charaktere auf der Rückseite unter dem Label Held zusammengefasst. Erfreulich fanden wir, dass auf jeder der Karten die Illustrator*innen der Charaktere namentlich angegeben wurden. Die Hintergründe sind dabei wiederkehrend, die Charaktere alle individuell. Das binäre Geschlechterverhältnis ist ausgeglichen, die Bekleidung allerdings nicht: die weiblichen Charaktere zeigen mehr Haut als die männlichen. Unterschiedliche Hautfarben wurden für die Charaktergestaltung genutzt, Alter und Körperformen sind hingegen alle recht ähnlich.

Die harten Fakten:
- Verlag: Asmodee, Ulisses Spiele
- Autor*in(nen): Christian Lonsing
- Illustrator*in(nen): Marc Bornhöft, Sandra Braun, Tristan Denecke, Anja Di Paolo, Regina Kallasch, Nele Klumpe, Djamila Knopf, Alan Lathwell, Annika Maar, Ben Maier, Julia Metzger, Don-Oliver Matthies, Nathaniel Park, Luisa Preissler, Tia Rambaran, Matthias Rothenaicher, Axel Sauerwald, Nadine Schäkel, Fabian Schempp, Wiebke Scholz, Elif Siebenpfeiffer, Sebastian Watzlawek, Patrice Weiss, Malte Zirbel
- Erscheinungsjahr: 2025 (2023)
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 30 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 2 bis 4 Personen
- Alter: ab 8 Jahren
- Preis: 35 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Bonus/Downloadcontent
Leider gibt es bisher keine Regel zum Download bei Asmodee.
Fazit
Uns wurden epische Aufgaben und spannende Abenteuer versprochen – wir haben Flavour-Texte bekommen. Wir haben uns auf die Zusammenstellung einer eigenen Gruppe aus Held*innen gefreut – bekommen haben wir zufällige, eingesammelte Heldenkarten. Unsere Erwartungen wurden enttäuscht, denn Abenteuer in Aventurien ist in erster Linie ein Pick-up-and-Deliver-Spiel mit aufgesetztem Thema.
Als Unkundige in Aventurien hat uns gefallen, dass die Regionen auf den Karten markiert waren und wir uns dadurch schneller auf der Landkarte orientieren konnten. Auch die individuellen kleinen Holzfiguren mochten wir. Das restliche Material entspricht üblichen Standards; das ändert auch nicht das Label „Spezialwürfel“.

Leider konnte uns auch die Mechanik nicht überzeugen. Denn sowohl die Verteilung der Regionen als auch der Heldenkarten ist rein zufällig und lässt wenig strategische Tiefe zu, die auch nicht durch die Wahl der Bewegung wettgemacht wird.
Die unregelmäßige Anrede an uns Spielende hat uns schon beim Lesen der Anleitung stolpern lassen; den Ansatz fanden wir jedoch erfreulich. Wirklich schade ist aber, dass die Held*innen auf der Rückseite der Heldenkarte alle als Held benannt werden. Dass deren Illustrator*innen mit Namen benannt werden, ist leider kein Standard und deswegen lobenswert. Insgesamt hätten wir uns bei den liebevollen Illustrationen eine noch größere Varianz an Geschlechtern, Alter, Körperformen und Bekleidung gewünscht.
Zurück bleibt die Frage, welche Zielgruppe Abenteuer in Aventurien bedient. Vielleicht DSA-Fans, die bei einem geselligen Abend kurzweilig in alten Abenteuern schwelgen wollen? Oder Eltern, die ihre Kinder seicht an die DSA-Welt heranführen möchten? Für uns als Brettspiel-Fans war es leider keine Einladung, tiefer in das Rollenspiel-System von Das Schwarze Auge einzutauchen, und deshalb erleben bei uns leider nur zwei von fünf Held*innen ein Abenteuer in Aventurien.

- Orientierungshilfe auf Regionskarten
- Namentliche Nennung der Illustrator*innen
- Nicht das, was es verspricht
- Unregelmäßige Anrede an Spieler*innen
- Aufgesetztes Thema
Artikelbilder: © Asmodee
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Nele Peetz
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Durch einen Einkauf unterstützt ihr Teilzeithelden, euer Preis steigt dadurch nicht.


















