Auf den sieben Weltmeeren geht es wild zu, wenn Piraten*innen auf große Kaperfahrt gehen. Wer sich ein Vermögen ergaunern will, braucht dabei einiges an Risikobereitschaft. Bei Pirate Tales geht es darum, sein Glück herauszufordern und die größten Schätze in den Heimathafen zu bringen!
Beim Thema Piraten denkt man sofort an finstere Spelunken, in denen raubeinige Seeräuber*innen, noch finsterer dreinblickend, ihre letzten Dublonen verzocken, während ihnen ein Papagei krächzend auf der Schulter sitzt. Das Thema rund um die Glücksritter*innen der Weltmeere passt als Grundlage für ein Push-Your-Luck-Spiel wie die sprichwörtliche Faust auf die Augenklappe.
Nun bedient sich eines der neusten Spiele aus dem Hause Skellig Games dieses Themas. Bei Pirate Tales gilt es, das eigene Glück herauszufordern. Nur so wird man zur Legende der sieben Weltmeere und bringt viele Schätze in den Heimathafen.
keine typischen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Durch die beigelegte Spielmatte ist alles recht schnell aufgebaut. Auf ihr befinden sich mehrere Felder, die sogenannte Abenteuerleiste, die den Weg durch die sieben Weltmeere zum großen Schatz weist.

Im Verlauf eines Zuges geht es darum, ein Abenteuer zu bestehen, das am Ende zu einer Schatzinsel führt. Dazu werden verdeckt Abenteuerkarten gezogen und offen von links nach rechts auf die Abenteuerleiste gelegt. Diese Karten zeigen an, wie viele Würfelerfolge man erzielen muss, um die Aufgabe zu erfüllen. Man kann frei entscheiden, wie viele Karten man aufdeckt.
Da das Ziel einer jeden Fahrt eine Schatzinsel ist, muss die letzte Karte, die man verdeckt auslegt, eine Inselkarte sein. Auf ihr ist angegeben, was am Ende als Schatz winkt. Die Inselkarten gibt es in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden, die, je schwerer sie sind, mehr Schätze einbringen. Sie muss immer mindestens dort ausgelegt werden, wo das eigene Schiff auf der Fortschrittsleiste steht.
Eine Besonderheit stellen die letzten drei Felder der Abenteuerleiste dar. Wann immer eine Karte auf eines der Krakenfelder gelegt wird, muss eine Krakenkarte verdeckt auf das Feld, das auf ihr angegeben ist, ausgelegt werden. Die dort ausliegende Abenteuerkarte wird dadurch verdeckt.

Bevor es ans Würfeln geht, dürfen jetzt alle anderen Pirat*innen eine Wette darauf abgeben, ob die aktuelle Fahrt erfolgreich beendet wird oder nicht. Wer mit der Einschätzung richtig liegt, wird am Ende belohnt, und wer falsch liegt bestraft.
Nun werden die Krakenkarten aufgedeckt. Diese haben Effekte, die sofort beim Aufdecken abgehandelt werden, oder erst dann, wenn man auf dem Feld angekommen ist. Die darunter liegende Abenteuerkarte muss nicht erfüllt werden.

Dann geht es ans Würfeln. Dafür stehen am Anfang fünf weiße Standardwürfel zur Verfügung. Im Lauf des Spieles bekommt man neue Würfel durch Karten oder man tauscht am Ende des eigenen Spielzuges jeweils zwei Würfel in einen höherstufigeren roten oder schwarzen Würfel. Diese geben höhere Erfolgschancen. Es gilt also, einen anständigen Würfelsatz zusammenzubauen.
Beim Würfeln der Erfolge gibt es eine Besonderheit. Man wirft alle Würfel gleichzeitig. Wenn man sich dazu entscheidet, einen der Würfel beiseitezulegen, hat man die Möglichkeit, beliebig viele Würfel neu zu werfen. So kann man versuchen, die Anzahl der Erfolge zu optimieren. Die abgelegten Würfel stehen für den Rest des aktuellen Zuges nicht mehr zur Verfügung.

Die gewürfelten Erfolge werden nun von links nach rechts auf die ausgelegten Abenteuerkarten gelegt. Die Anzahl der benötigten Erfolge ist auf den Karten vermerkt. Zudem hat man von Beginn an zwei Abenteuerkarten auf der Hand, die als zusätzliche Erfolge genutzt werden können. Gegen Dublonen kann man sich zu Anfang des eigenen Zuges neue Handkarten kaufen. Wichtig ist, dass mindestens ein Würfel eingesetzt werden muss, damit eine Aufgabe als erfüllt gilt.
Hat man es geschafft, alle Erfolge zu erzielen, wird die Inselkarte aufgedeckt, man erhält die darauf angegebenen Belohnungen und kann das eigene Schiff entsprechend der Angabe auf der Fortschrittsleiste weiterziehen. Zusätzlich bekommt man für das Erreichen bestimmter Felder Bonusdublonen. Diese bekommt man auch, wenn man nicht erfolgreich war.
Sollte es nicht gelungen sein, alle nötigen Erfolge vorzulegen, muss man eine Kenterkarte ziehen. Die Effekte dieser Karten können negativ oder positiv ausfallen. Die Inselkarte wird dann unbesehen wieder zurückgelegt.
Wenn man erfolgreich war, bekommt man von allen Mitspielenden, die darauf gewettet haben, dass man scheitert, eine Dublone. Alle, die gewettet haben, dass man es schaffen wird, bekommen eine Dublone aus dem allgemeinen Vorrat. Bei einem Fehlschlag bekommen alle, die dies vorausgesehen haben eine Dublone. Alle, die fälschlicherweise gewettet haben, dass die Reise erfolgreich verläuft, müssen jedoch eine abgeben.
So wird weitergespielt, bis alle Inselkarten aufgebraucht sind oder ein Schiff auf dem letzten Feld ankommt. Die laufende Runde wird dann zu Ende gespielt. Wer nun die meisten Schätze einsammeln konnte, hat die Partie gewonnen.
Besonders haben uns die Krakenkarten gefallen, da diese das Spiel immer wieder neu gestalten und die Abläufe nie gleich sind. Hier kann man sehr viel Glück, aber auch sehr viel Pech haben. Wie bei Push-Your-Luck-Spielen üblich, braucht man auch bei Pirate Tales viel Frustrationstoleranz.
Gut gelungen ist auch, dass man vor Spielbeginn durch die Kraken- und die Kenterkarten den Schwierigkeitsgrad des Spieles anpassen kann. Dies ist besonders familienfreundlich, denn so kann das Spiel bewusst leichter gestaltet werden, wenn Kinder mit am Spieltisch sitzen. Das hält die Frustmomente etwas geringer, und der Zugang zum Spiel wird um einiges leichter. Dies macht Pirate Tales auch zu einem idealen Einstiegsspiel.
Der Wettmechanismus, der auch schon bei Wonderland´s Wars hervorragend funktioniert hat, ist sehr gut gelungen. Auf den Erfolg oder Misserfolg der anderen Spielenden zu wetten bietet den Vorteil, dass niemand allein vor sich hin würfelt und immer mitgefiebert wird. Das bringt viel Interaktion ins Spiel.

Dass man die Reise mindestens so weit machen muss, wie man bereits vorgerückt ist, ist ebenso brillant. Push-Your-Luck-Spiele laden förmlich dazu ein, ab einem gewissen Punkt keine Risiken mehr einzugehen, vor allem wenn man in Führung ist. Hier ist dies schlicht nicht möglich. Dadurch bleibt für die anderen Spielenden immer noch die Chance aufzuholen, vor allem wenn sie selbst etwas riskieren. Durch dieses Spielelement wirkt Pirate Tales gut ausbalanciert und es trägt zudem zur Spannung bei.
Ausstattung
Das Artwork von Roman Kucharski gefällt uns sehr gut. Der Comicstil präsentiert das Spiel hervorragend und hat einen hohen Aufforderungscharakter.

Pirate Tales wird mit einer eigenen Spielmatte ausgeliefert, welche den Aufbau des Spieles deutlich vereinfacht, und die restlichen Materialien sind von sehr guter Qualität. Die Würfel passen hervorragend zum Thema, und besonders die Schwarzen mit den goldenen Totenschädeln haben es uns angetan. Auch die Edelsteine aus Kunststoff tragen ihren Teil dazu bei, das Thema auf dem Tisch präsent zu halten. Der Anschaffungspreis ist, in Anbetracht der Qualität der Materialien, absolut angemessen.
Leider sind einige der Krakenkarten nicht eindeutig beschrieben, sodass beim Spielen ein paar Fragen offen blieben. Ein aussagekräftigeres Glossar hätte geholfen. Alles in Allem ist die Anleitung allerdings gut verständlich.
- Verlag: Skellig Games
- Autor*in: Benno Thönelt
- Illustrator*in: Roman Kucharski
- Erscheinungsjahr: 2023
- Sprache: deutsch
- Spieldauer: 45 – 60 Minuten
- Spieler*: (2) 3 4
- Alter: 8 Jahre
- Preis: circa 50 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo
Bonus/Downloadcontent
Die Spielregeln können hier heruntergeladen werden.
Fazit
Momentan liegen Push-Your-Luck-Spiele voll im Trend. MLEM – die Astrokatzen wird in Fachkreisen als Kandidat für die Nominierung zum Spiel des Jahres gehandelt. Den direkten Vergleich muss Pirate Tales, das Erstlingswerk von Benno Thönelt, nicht scheuen. Es ist ein hervorragender Vertreter dieses Genres. Das Spiel macht alles richtig, denn die im Spieldesign verankerten Mechaniken sind sehr gut durchdacht.
Dass man auf den Erfolg oder Misserfolg der Konkurrenz wetten kann, sorgt regelmäßig dafür, dass man bei den Abenteuern der anderen mitfiebert. Dadurch ist man immer dabei und wartet nicht gelangweilt darauf, wieder am Zug zu sein. Da man auch auf den Misserfolg wetten kann, kommt natürlich eine gewisse Spur von Schadenfreude ins Spiel. Das funktioniert hervorragend.
Gut gelungen sind die Krakenkarten. Sie bringen viel Abwechslung und dadurch Wiederspielwert. Außerdem ist es möglich, mittels der Kenterkarten den Schwierigkeitsgrad des Spieles etwas anzupassen. Vor allem wenn man das Spiel als Einstiegsspiel verwendet oder mit Kindern spielt, erweist sich dies als vorteilhaft.
Das Material rundet den Gesamteindruck ab, denn die Qualität ist ausgezeichnet. Die beigelegte Spielmatte sieht hervorragend aus, die Würfel sind unglaublich schick und die roten und blauen Edelsteine sind sehr passend. Hier hat man sich sehr viel Mühe gegeben, und am Preis von circa 50 EUR gibt es, angesichts der Verarbeitungsqualität der Materialien, absolut nichts auszusetzen.
Pirates Tales hat uns sehr gut gefallen. Wir vergeben 5 von 5 Augenklappen.

- Gutes Einstiegsspiel
- gut geschriebene Regeln
- schönes Material
- Kartentexte nicht immer eindeutig
Artikelbilder: © Skellig Games
Layout und Satz: Verena Kröger
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Andreas Memmert
Dieses Produkt wurde privat finanziert.
Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Durch einen Einkauf unterstützt ihr Teilzeithelden, euer Preis steigt dadurch nicht



















