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Schon auf der SPIEL Essen 2023 haben wir The Vale of Eternity ins Auge gefasst, jetzt konnten wir die kompakte Schachtel für euch testen. Mit dem kartengetriebenen Spiel kommen neben zahlreichen individuellen Illustrationen auch ein paar knifflige Regelungen auf den Tisch. Für wen es sich lohnt, erfahrt ihr bei uns.

Um fünf Elemente kreisen wir uns bei The Vale of Eternity. Feuer, Wasser, Erde, Luft und das fünfte Element – wie könnte es auch anders sein – sind: Drachen. Die beliebten Wesen haben sich schon in viele Brettspiele geschlichen. Zwar finden wir auf den Karten von The Vale of Eternity keine lustigen Wortspiele wie bei Flamecraft, aber entdecken viele liebevoll gestaltete Wesen aus Mythologie und Fantasy. Diese gilt es zu zähmen, beschwören oder für wertvolle Runen zu verkaufen. Wer dabei gut überlegt, abwägt, geschickte Kombinationen auslegt und dabei die Kniffe des Spiels beherrscht, kann sich am Ende durch die meisten Punkte den Sieg zu eigen machen.

Triggerwarnungen

„keine typischen Trigger“

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Spielablauf

Das Ende von The Vale of Eternity wird entweder nach der zehnten Runde eingeläutet oder wenn eine Person sechzig Punkte überschritten hat. Für die Übersicht über die Punkte wird die Punktetafel ausgelegt, auf die alle Spielenden ihre Marker legen. Daneben liegt der Spielplan, um den die Karten gelegt werden, zwei pro Spieler*in. Das ist das Herzstück des Spiels, denn hier sind nicht nur die Kreaturenkarten zu sehen, sondern auch das Geld in diesem Spiel – der Runenwert. Je nach Element werden die Karten dem Spielplan zugeordnet: Eine Feuer-Karte ist zum Beispiel vier rote Einer-Runensteine wert, eine Drachen-Karte hingegen einen violetten Sechser-Runenstein.

Spielaufbau bei einem Spiel zu dritt.

Da die Karten dabei rund um den Spielplan herum ausgelegt werden, liegen sie zwangsläufig auch auf dem Kopf, was aber immerhin für alle Mitspielenden gleichermaßen eine Kopfdreherei bedeutet. Alternativ können die Karten auch – nicht wie im Regelheft vorgeschlagen – alle in eine Richtung ausgelegt werden.

Nun gilt es, die besten (oder niedlichsten) Kreaturen-Kombinationen vor sich zu versammeln, um viele Punkte zu sammeln (oder schöne Karten anzugucken) und best-möglichst eine gut funktionierende Punkte-Maschine zu entwickeln. Jede Runde besteht dabei aus drei Phasen: Auswahlphase, Aktionsphase, Aktivierungsphase.

Auswahlphase

Zu jedem Runden-Beginn suchen die Spieler*innen mit ihren Auswahlmarkern die Kreaturenkarten aus, die sie gerne haben möchten. Dafür wird ein Snake-Draft durchgeführt, eine Methode, die beispielsweise aus dem Klassiker Die Siedler von Catan bekannt sein könnte. In Spieler*innen-Reihenfolge legen die Mitspielenden jeweils einen ihrer zwei Auswahlmarker auf eine Kreatur bis zum letzten Mitspielenden, danach geht das Auswählen in umgedrehter Reihenfolge rückwärts. Wer als Erstes aussucht, muss also am Ende den Marker auf die letzte übrige Kreatur legen. Praktisch für Menschen mit Entscheidungsschwierigkeiten, die als startspielende Person nur einmal eine Kreatur zu Beginn aussuchen müssen.

Die letzte Person im Spiel zu dritt hat zwei Kreaturen ausgesucht, nun geht die Auswahl rückwärts weiter.

Jede der siebzig Karten hat nicht nur den ihrem Element entsprechend zugehörigen Runenwert, sondern auch individuelle Effekte, die durch drei verschiedene Symbole kategorisiert werden. Das Unendlichkeits-Symbol zeigt Effekte, die immer gelten, sobald die Karte in die eigene Auslage ausgespielt wird. Der Blitz zeigt Soforteffekte, die einmalig nach dem Ausspielen gelten und neben einem Sanduhr-Symbol stehen Effekte, die in der Aktivierungsphase – der dritten Phase einer Runde – ausgelöst werden. Haben alle Mitspielenden ausgewählt und auf jeder Kreaturenkarte liegt ein Auswahlmarker, kann die nächste Phase beginnen.

Aktionsphase

In der Aktionsphase dürfen alle Mitspielenden nacheinander jeweils beliebig viele der vier verschiedenen Aktionen durchführen.

  1. Eine Kreatur zähmen
  2. Eine Kreatur verkaufen
  3. Eine Kreatur beschwören
  4. Eine Kreatur freilassen

Eine Kreatur zu zähmen, ist im Tal der Ewigkeit sehr einfach: Sie wird einfach auf die Hand genommen. Es gibt kein Handkartenlimit, deswegen können so viele Kreaturen gezähmt werden, wie es Spaß macht, sei es, weil sie niedlich sind oder besonders tolle Soforteffekte haben. Diese werden allerdings erst beim Ausspielen – dem Beschwören – ausgelöst und das kostet Runen. Kreaturen auf der Hand bringen also wenig, wenn keine Runen im eigenen Besitz sind, um sie ausspielen zu können. Und um an Runen zu kommen, dürfen Kreaturen nicht gezähmt, sondern müssen verkauft werden.

Um eine Kreatur zu verkaufen, wird die ausgewählte Karte auf den Ablagestapel gelegt und die dem Element entsprechenden Runen aus der Auslage eingenommen. Dabei dürfen nie mehr als vier Runensteine im eigenen Besitz sein und es gibt außerdem kein Wechselgeld – einer der Kniffe von The Vale of Eternity, die das Spiel besonders machen. Denn hier will gut überlegt sein, ob zuerst eine Kreatur verkauft wird, um Runen zu bekommen oder doch lieber eine Kreatur aus der Hand in die eigene Auslage beschworen und bezahlt wird, um wieder mehr Platz für neue Runensteine zu haben.

Phönix zu beschwören kostet drei Runen.

Das Beschwören einer Kreatur kostet immer so viele Runensteine, wie oben links und unten rechts auf der Karte angegeben. Dafür können die eigenen Runensteine in beliebiger Form benutzt werden. Um eine Kreatur mit Kosten von drei Runen zu bezahlen, können also drei Einer-Runen oder ein Dreier-Runenstein ausgegeben werden. Auch ein Sechser-Runenstein wäre möglich, allerdings gibt es ja – wir erinnern uns – kein Wechselgeld. Hier gilt es wieder gut abzuwägen, was wichtiger ist: das Behalten von Runensteinen ohne Einbußen oder das Beschwören einer Kreatur in die eigene Auslage. Und hier kommt der nächste Kniff von The Vale of Eternity: In der eigenen Auslage dürfen immer nur so viele Kreaturen liegen, wie der Wert der aktuellen Rundenzahl. In der ersten Runde also nur eine, in der fünften fünf, …

Schon beschworene Kreaturen können aber aus der eigenen Auslage entfernt werden, um wieder Platz zu schaffen. Um eine eigene Kreatur freizulassen, spielt ebenfalls der Wert der aktuellen Rundenzahl eine Rolle. Denn dieser Wert muss in Runen bezahlt werden, um eine Kreatur aus der eigenen Auslage auf den Ablagestapel freizulassen. Hier ist Timing gefragt, um nicht unnötig viele Runen zahlen zu müssen, aber noch das Bestmögliche aus den Kreaturen zu holen.

Aktivierungsphase

Haben alle Mitspielenden die gewünschten Aktionen durchgeführt, folgt die Aktivierungsphase. Alle ausgespielten Karten werden in Spieler*innen-Reihenfolge auf ihre Sanduhr-Symbole kontrolliert und die entsprechenden eigenen Effekte in beliebiger Reihenfolge ausgeführt. Hat beispielsweise eine Person den Goblinsoldat vor sich in der eigenen Auslage und ist nicht punkteführend, darf der eigene Marker auf der Punktetafel vier Felder vorgestellt werden. Hat die Person allerdings die meisten Punkte, führt der Goblinsoldat zu einem Verlust von vier Punkten.

Wann ist ein guter Zeitpunkt, den Goblinsoldaten freizulassen?

Dann startet schon die nächste Runde und es gilt wieder gut zu überlegen, welche Kreaturen ausgesucht, gezähmt, verkauft oder beschworen werden. Neben den strategischen Gedanken spielt dabei natürlich auch immer die Prise Glück eine Rolle, um gut funktionierende Kombinationen vor sich auslegen zu können.

Mit jeder Anzahl an Mitspielenden ist das Spiel durch die Kartenanzahl gut angeglichen, mit mehr Spieler*innen steigt allerdings auch die Downtime. Durch weniger Mitspielende kommen dafür aber weniger Karten auf den Tisch, wodurch in einer Partie nicht alle Kreaturen im Tal der Ewigkeit zu sehen sind. Das wiederum erhöht den Wiederspielreiz, denn alle Kreaturen wollen bespielt und neue Kombinationen getestet werden.

Mit Karten wie Marina können Kreaturen aus anderen Auslagen abgeworfen werden.

Dass jede Karte ihren individuellen Effekt hat, kann in den ersten Partien von The Vale of Eternity vor allem unerfahrene Spielende anstrengen und wer schon mehrere Partien hinter sich hat, genießt definitiv einen kleinen Vorteil. Denn mit jeder Partie lernen die Spieler*innen die unterschiedlichen Kreaturenkarten besser kennen und zu nutzen.

Zum Beispiel die fünf Karten im Spiel, die es erlauben, Kreaturen aus anderen Auslagen abzuwerfen und dadurch möglicherweise die führende Person um wertvolle Punkte zu bringen. Egal ob durch so eine Kreaturenkarte oder auf andere Weise: Auch wenn eine Person lange an erster Stelle auf der Punktetafel ist, kann es im Laufe des Spiels immer noch zu überraschenden Wendungen kommen.

Ausstattung

The Vale of Eternity hat eine übersichtliche Ausstattung, die in einer kompakten Schachtel unterkommt. Der Startmarker und alle Spielsteine sind aus dickem Holz und mit unterschiedlichen Mustern bedruckt. Dadurch sind sie auch bei einer Farbfehlsichtigkeit zu unterscheiden. Die Muster der großen Steine sind außerdem leicht ins Holz eingeprägt, ein schönes kleines Detail, das nicht nötig gewesen wäre, aber beim Rumspielen mit den Steinen für ein haptisches Plus sorgt.

Der Spielplan, die Punktetafel und Runensteine sind aus dicker Pappe. Nicht ganz so stabil sind die siebzig Kreaturenkarten auf beschichtetem Papier, die alle individuell und phantastisch gestaltet sind. Auf jeder Karte werden die Illustrator*innen benannt: Eine schöne Wertschätzung für die Künstler*innen, die wir gerne häufiger sehen würden.

Die rein dekorative Eternity-Figur in der Spielplan-Mitte ist vor allem im Weg.

Ebenfalls erfreulich für uns war die gegenderte Ansprache auf der Frontseite der Anleitung, in der wir dann auf den folgenden Seiten mit dem generischen ihr/du angesprochen werden. Die Regeln sind auf elf Seiten gut verständlich aufgebaut und durch Überschriften, farblich hinterlegte Kästen und Beispiele übersichtlich gestaltet, sodass bei Regelfragen schnell Antworten gefunden werden können. Auch die Regel-Rückseite wurde gut genutzt: Dort findet sich ein Glossar, was gerade in den ersten Partien eine gute Hilfe in Bezug auf die Begriffe ist.

Zu der Ausstattung gehört außerdem eine Eternity-Figur, die allerdings rein dekorativ ist. Laut Anleitung kann selbst entschieden werden, ob die Figur in die Spielplan-Mitte gestellt wird oder nicht. Ein nettes Detail, das aber unnötig ist, da die Drachenfigur aus jeder Perspektive die Sicht auf den Spielplan versperrt. Daher wird sie wahrscheinlich nicht nur bei uns ihr Leben lang in der Spielschachtel verweilen.

© Pegasus

Die harten Fakten:

  • Verlag: Pegasus Spiele, Mandoo Games
  • Autor*in(nen): Eric Hong
  • Illustrator*in(nen): Jiahui Eva Gao, Gautier Maia, Stefano Martinuz, Erica Tormen, Jens Wiese
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Sprache: deutsch
  • Spieldauer: 30-45 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 2 3 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Preis: 30 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Bonus/Downloadcontent

Die deutschen Regeln gibt es beim Pegasus Verlag. Wer es gerne etwas kürzer mag, findet auf BoardGameGeek eine Datei mit Kurzspielregeln.

Dort gibt es ebenfalls eine sehr nützliche Datei für ein Single-Line-Board, um die Karten nicht im Kreis, sondern nebeneinander passend unter ihre Kategorie in der Tischmitte auszulegen.

Wer sich gerne einen Überblick über alle Karten, deren Kategorie und Effekte verschaffen möchte, findet auf BoardGameGeek außerdem eine Kartenübersicht zum Download.

Fazit

Wer gerne kartengetriebene Spiele mag, macht mit The Vale of Eternity nichts falsch. Da die Karten das zentrale Element sind, eignet sich das Spiel aber vor allem für Fans von liebevollen Illustrationen, Fantasy und Mythologie. Wer hiermit wenig anfangen kann, wird sich wohl auch nicht mit dem Goblinsoldaten anfreunden können.

Welcher Drache wird hier wohl schlüpfen?

Da jede Karte individuelle Effekte hat, braucht es ein paar Partien, um die Kreaturen besser kennenzulernen und gute Kombinationen zu erspielen. Mit einer einmaligen Partie wird man The Vale of Eternity nicht gerecht und mit einer Spieldauer unter einer Stunde eignet es sich gut, um immer mal wieder zwischendurch für kurzweiligen Spielspaß zu sorgen.

Die Auslage im Kreis macht weniger Spaß, ist aber immerhin für alle Mitspielenden gleichermaßen nervig. Allerdings muss ja nicht nach Regelvorschlag ausgelegt werden und dank BoardGameGeek gibt es ein Single-Line-Board.

Mit den kleinen Regel-Kniffen hat The Vale of Eternity bei uns auch Vielspielende gut unterhalten und sich sehr gut geeignet, um diese gemeinsam mit Neulingen im Bereich Kenner*innen-Spiel an einen Tisch zu bringen. Die Regeln sind verständlich und übersichtlich, sodass auch Spielende, die den Blick über den Familienspiel-Tellerrand werfen wollen, allein damit zurechtkommen.

Wir waren und sind gerne im Tal der Ewigkeit und vergeben deswegen fünf von fünf mythischen Dracheneiern.

  • Siebzig individuelle Karten
  • Kleine Regel-Kniffe
  • Kurzweiliges Spielerlebnis

 

  • Auslage im Kreis

 

Artikelbilder: © Pegasus
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Nele Peetz

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