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Wie jedes Jahr lockte die Hamburger Tactica Ende Februar Tabletop-Begeisterte in die Hansestadt an der Elbe. Bei bestem Frühlingswetter fand die Veranstaltung wie gewohnt im Bürgerhaus Wilhelmsburg statt und Clubs, Händler und Hersteller präsentierten viele Systeme auf schön gestalteten Platten. Wir haben uns für euch dort umgesehen.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, sagt man. Wer auf der Tactica zu den Ersten in den Hallen gehören möchte, muss früh aufstehen. Denn die Schlange der Menschen vor der Halle war bereits eine Stunde vor Öffnung gewaltig und selbst eine Stunde nach Einlassbeginn mussten Ankommende noch Wartezeit in Kauf nehmen. Doch wer die Tactica kennt, weiß, dass sich das Warten lohnt. Denn neben Spielen auf großartigen Platten haben viele Hersteller auch exklusive Neuheiten dabei, die es zu ergattern gilt. Wie schon im letzten Jahr waren die Gänge angenehm großzügig gestaltet und durch viele geöffnete Fenster und Türen wurde der teilweise recht stickigen Luft entgegengewirkt. Die Aufteilung war wie üblich, sodass sich die Händler in den unteren Bereichen einfanden und Clubs und sonstige Aussteller sich überwiegend im oberen Stockwerk befanden.

Auch eine Stunde nach Öffnung musste noch Schlange gestanden werden.
Auch eine Stunde nach Öffnung musste noch Schlange gestanden werden.
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Was gibt’s Neues?

Im Händlerbereich haben wir nach Neuheiten für euch Ausschau gehalten und sind natürlich auch fündig geworden. Neverrealm Industry hatten einige Neuheiten für ihre Systeme Summoners und Deathmatch im Gepäck. Die neue Fraktion Tod für Summoners erfreute sich großer Beliebtheit und die vorhandenen Boxen gingen schnell über den Ladentisch. Die Ausstellungsstücke wurden zwar bis zur Messe nicht mehr vollständig bemalt, aber sie brauchten sich trotzdem nicht zu verstecken. Für Deathmatch gab es die ersten zwei Miniaturen der neuen Fraktion Organon, welche aus Cyborgs besteht. Zwar nicht mehr brandneu, aber uns dennoch noch nicht bekannt waren PN-15HR und B00-M3R für die Animaktos.

Para Bellum hat das System Conquest gemeinsam mit dem Zwergenfürst aus Hamburg vertreten. Beim System hat sich seit unserer Rezension einiges getan. Die Regeln wurden überarbeitet und viele der älteren Modelle wurden durch neue Designs ersetzt. Geoffrey ließ sich hier für ein Probespiel begeistern und Dennis stöberte derweil durch die Neuheiten. Neben den neuen Fraktionsstartern, welche jährlich in ihrer Zusammensetzung überarbeitet werden, gab es ein neues Großmodell, welches aus den belebten Trümmern einer Kathedrale besteht. Ebenfalls neu war das limitierte Founder’s Exclusive-Modell Bound to the Elements für die Sorcerer Kings.

Direkt daneben hatte Denis von DICED seinen Stand und für sein humoristische DICED-Spiel sind inzwischen diverse Modelle erhältlich. Neben ihm selbst in drei Versionen, Dennis, Steffbert und Gregor ist nun auch Nils aus der alten Magabotato-Redaktion und Gestalter der Karten für das Spiel erhältlich. Natürlich konnten auch Denis und Eichhörnchen Zimty für Freebooter’s Fate und Zimty in Übergröße mit Eichel oder Holzschwert erworben werden.

Apropos Freebooter’s Fate. Auch bei den Freibeutern gab es Neuheiten zu sehen. Neben vielen neuen Modellen für den spaßigen Piraten-Skirmisher konnten auch die Modelle für das über Crowdfunding finanzierte neue Science-Fiction-System Ascending Fate begutachtet werden. Das Spiel, über welches wir bereits im Artikel über die Tactica 2023 berichtet hatten, befindet sich aktuell im Status des Late-Pledge, sodass Interessierte noch einsteigen können. Die Auslieferung soll im Juni und Juli erfolgen und offiziell in den Handel kommt das System voraussichtlich im August oder September.

Mit Mirco von Stronghold Terrain haben wir über die nächsten Veröffentlichungen gesprochen. Die neueste Ära für SAGA, Age of Chivalry befindet sich aktuell in der Übersetzung und soll im Sommer auf Deutsch erhältlich sein. Noch in diesem Frühjahr ist die Veröffentlichung der deutschen Fassung von Gangs of Rome geplant, welches wir im letzten Jahr testen durften.

Gravity Bay waren mit ihrem Skirmisher Rapture und drei Platten für Demos dabei. Hier konnten vorab die neuen Drohnen XLC-Red und BCN-Onyx für die New World Order ergattert werden. Offiziell in den Handel kommen sie aber erst mit der nächsten Veröffentlichungswelle im April oder Mai.

Beim polnischen Hersteller Micro Art Studio konnten die ersten vorbedruckten Gebäude aus der neuen Reihe für die Ostfront des Zweiten Weltkrieges bewundert und in begrenzter Stückzahl auch schon gekauft werden. Die Reihe befindet sich aktuell in der Pre-Order. Die Gestaltung ist wie gewohnt sehr gut und uns wurde gesagt, dass besonders viel Wert daraufgelegt wurde, authentische Gebäude anzubieten, statt der sonst üblichen grauen Ruinen, die bisher auf dem Markt seien. Da uns schon die Gebäude aus der Normandy-Reihe überzeugt haben, sind wir hier sehr gespannt.

Der Themenraum

Dieses Jahr stand die Tactica unter dem Motto der Franzosenzeit von Hamburg und entsprechenden Spielplatten zum Thema der napoleonischen Kriege.

An einer gewaltigen Winterplatte mit dem Titel Die Eisfestung konnten die Tabletop-Veteranen Alan und Michael Perry von Perry Miniatures und Ex-GW-Legende Jervis Johnson angetroffen werden, die hier sichtlich Spaß hatten. Gespielt wurde die Schlacht um Wilhelmsburg nach dem Regelwerk Valour and Fortitude, welches aus der Feder von Jervis Johnson stammt und somit konnte der Autor auch gleich vor Ort befragt werden.

Das Gefecht in Damnatz war eine weitere Platte, welche uns überzeugt hat. Hier wurde das historische Gefecht um das an der Elbe gelegene Dorf Damnatz nach den Regeln von The Men who would be Kings gespielt und das Dorf wurde mit sehr viel Liebe zum Detail dargestellt.

Auch nicht unerwähnt bleiben sollte Die Schlacht an der Göhrde, wo eine weitere historische Schlacht aus der napoleonischen Zeit rund um Hamburg nachgestellt wurde. Verwendet wurde das Regelwerk Black Powder.

Naben den großen Spielplatten gab es im Nebenraum eine Ausstellung von in Aquarien aufgebauten Dioramen zum Thema. Hier wurden mit viel Liebe zum Detail schöne Szenen dargestellt, in denen jede Menge Kleinigkeiten entdeckt werden konnten. Die Idee, ein Diorama in ein Aquarium zu bauen, hat einen gewissen Reiz und macht optisch durchaus etwas her. Hinzu kamen noch Ausstellung von Uniformen und anderen Objekten, und es waren auch ein paar Menschen aus dem Bereich Reenactment anwesend, die in ihren Uniformen zur Stimmung beitrugen.

Wüste und Grabenkämpfe

Aber natürlich gab es auch viele Platten abseits des historischen Themas. In der Verkaufshalle war eine gewaltige Wüstenplatte für Star Wars: Legion aufgebaut. Neben den Modellen von Atomic Mass Games wurden hier zusätzlich Modellbausätze von Fliegern und Läufern verwendet, welche bisher nicht für das Spiel angeboten werden. Dies hat der Platte noch mehr Leben verliehen, wirklich episch!

Direkt dahinter befand sich eine Platte mit einem leichten Steampunk-Einschlag und einer abnehmbaren, beleuchteten Dampfwolke, welche sich aus einem zentral in einer Stadt befindlichem Schacht erhob. Gespielt wurde nach den Regeln für Xenos Rampant, welches von Osprey Games verlegt wird.

Battletech ist ein System, welches seit Jahrzehnten überdauert und sich einer eingefleischten Fangemeinde erfreut. Gespielt wird auf einem in Hex-Feldern gerasterten Spielfeld, welches auf der Platte vom Tabletop Lüneburg e.V. auch sehr schön auf modularen Straßensegmenten fortgeführt wurde. Der Club bot außerdem auch ein Szenario nach den Regeln für Starship Troopers an. Statt der Miniaturen im Maßstab 28 mm wurden allerdings 15 mm Miniaturen verwendet. Die Bewegungs- und Reichweitenwerte wurde aber unverändert gelassen, sodass sich ein sehr dynamisches Spiel gegen Horden von fiesen Bugs ergab.

Im selben Raum konnte auch nach den Regeln für Fallout auf einer schön staubigen Platte mit verlassenem Diner, Autowracks und Wellblechhütten gespielt werden.

Wem es nach Pöbeln und Keilerei dürstete, konnte sich beim Hooligan-Skirmisher Aggro austoben. Das System ist Stammgast auf der Tactica und liefert jede Menge Spaß in den Straßen vor dem Stadion. Bier und Brezel im eigentlichen Sinne.

Freebooter’s Fate konnte nicht nur direkt am Stand der Freibeuter gespielt werden. Der Tabletop Nord e.V. hatte eine schöne Hafenplatte mit toll gestaltetem Wasser, Schiffen, Booten, Stegen und allem, was das Piratenherz begehrt, mitgebracht.

Das System Trench Crusade wurde kürzlich über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert und hat bereits im Vorfeld viele Spieler*innen begeistert. Es spielt in einer alternativen Zeitlinie, in welcher während der Kreuzzüge die Tore zur Hölle geöffnet wurden. Viele Hundert Jahre später tobt der Krieg immer noch und hat sich zu an den Ersten Weltkrieg erinnernde Grabenkämpfe entwickelt. Eine beeindruckende Grabenkampfplatte präsentieret Thomas „Chicken“ Hahn von Chickens Tabletop Crafting. Hier gab es jede Menge Dreck, Sandsäcke, Stacheldraht und natürlich Gräben und Befestigungen.

Jetzt wirds bunt

Wie schon in den letzten Jahren waren auch dieses Mal die Pigment Pirates mit von der Partie. In ihren Räumlichkeiten konnte man ihnen live beim Malen zusehen und mit ihnen fachsimpeln und sich praktische Tipps geben lassen. Die ausgestellten Werke konnten nicht nur begutachtet werden, sondern auch Fragen zu Maltechniken und Vorgehensweise wurde gern und gut beantwortet. Das Highlight waren die gut besuchten Vorträge, wo mit Hilfe einer Übertragung auf Leinwand einige Themen zum Thema Miniaturenbemalung erläutert wurden. Auch hier waren Zwischenfragen erwünscht. Wir besuchten den Vortrag zum Thema Weißmalen und konnten hier einiges mitnehmen. Anhand von Klon Trupplern wurden verschiedene Möglichkeiten für lebendiges Weiß erläutert und die Beispielminiaturen wurden durchs Publikum gereicht, sodass sie auch aus der Nähe begutachtet werden konnten.

Schön war‘s

Die Tactica ist und bleibt die Topveranstaltung in Sachen Tabletop in Deutschland. Natürlich gibt es auch andere Messen, auf denen Miniaturenspiele mit von der Partie sind oder sogar im Fokus liegen. Doch die Tactica punktet mit dem gesunden Mix aus verschiedenen Genres. Auch das neben Händlern und Hersteller vor allem Spieleclubs ihre liebevoll gestalteten Platten und auch eigene Systeme oder Abwandlungen präsentieren können, ist ein großer Pluspunkt. Die Besucherzahl bleibt weiterhin stabil, auch wenn der Eindruck entstand, dass dieses Jahr ein leichter Fokus auf die frühen Stunden des Samstags lag. Die Besucherzahl ging gegen Nachmittag dafür stark zurück. Der Sonntag blieb wie gewohnt eher entspannt und ist besonders für Familien oder Spielwütige die bessere Option. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr.

Nina Horbelt:

Es war mal wieder ein wunderschöner Ausflug nach Hamburg zur Tactica und es gab wieder eine Menge zu sehen. Das Thema der napoleonischen Zeit zog sich durch mehrere Räume, mit dem Highlight der gewandeten Soldaten und Generäle. Da historische Schlachten aber nicht 100%ig meins sind, zog es mich immer wieder zu der großen Geonosis-Platte, wo man Star Wars Legion austesten konnte. Die Platte war so lang, dass dort bis zu drei Partien gleichzeitig stattfinden konnten. So proppenvoll wie es am Samstag war, hatte ich Sonntag umso mehr Zeit, dort die liebevollen Details zu entdecken. Ein weiteres Highlight waren die guten Gespräche, die neben den Platten, am Verkaufsstand oder auch beim Snacken geführt wurden, das Hobby verbindet eben! Ich freue mich schon aufs nächste Jahr!

Geoffrey Förste:

Die Tactica ist jedes Jahr ein Highlight für Tabletop-Fans: Von Communitytreffen über Flohmarktschnäppchen bis zu Händlerrabatten und Bemalseminaren – es gibt zahllose Möglichkeiten, sich inspirieren zu lassen. Für mich ist sie vor allem eine Inspirationsquelle. Die schiere Anzahl an Eindrücken und Gelegenheiten, das eine oder andere Probespiel zu absolvieren, sorgt regelmäßig für einen gut gefüllten Wunschzettel. Alle Highlights aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, aber hier sind meine diesjährigen Favoriten:

Conquest: Last Argument of Kings

Dieses Rank-and-Flank-Spiel bietet ein erfrischendes Spielerlebnis. Hier werden keine einzelnen Miniaturen bewegt, sondern geschlossene Formationen, die in festen Einheiten kämpfen. Ein spannender Mechanismus ist die verdeckte Aktivierungsreihenfolge: Zu Beginn jeder Runde bestimmen beide Spieler*innen geheim, in welcher Reihenfolge ihre Einheiten agieren. Das sorgt für taktische Überraschungen. Zudem treffen nicht alle Truppen gleichzeitig auf dem Schlachtfeld ein: Je mächtiger eine Einheit, desto später erscheint sie. Trotz eines eingängigen Regelsystems unterscheiden sich die Armeen stark voneinander und bieten viel Abwechslung. Besonders interessant: Demnächst erscheint eine neue Zwei-Spieler*innen-Starterbox, die neben den Regeln für das Rank-and-Flank-Spiel Conquest: Last Argument of Kings auch die Skirmish-Variante Conquest: First Blood enthält.

Aggro 70’s Football Skirmish

Mit Aggro 70’s Football Skirmish taucht man in die raue Welt britischer Fußball-Hooligans der 70er-Jahre ein. Ein Skirmish-Spiel der etwas anderen Art: Hier treffen zwei rivalisierende Hooligan-Gangs aufeinander. Statt akribischer Taktik geht es um Spaß und Atmosphäre – perfekt für den Kneipentisch. Mit Fan-Gesängen, Verspotten und Einschüchterungen wird aus einem normalen Spiel eine lebhafte, lautstarke Partie. Schnell wird der Spieltisch zur Fankurve, und zwischen den engagierten Fans von West Ham und Millwall fliegen nicht nur Sprüche, sondern auch die Fäuste – letzteres natürlich nur im Spiel!

Die Tactica hat auch dieses Jahr wieder für reichlich Inspiration gesorgt – mein Wunschzettel ist jedenfalls prall gefüllt. Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wo fange ich an?

 

Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Dennis Rexin

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