Der Games Workshop Verlag ist insbesondere für seine Warhammer-Reihe bekannt. In der Blitz Bowl Ultimative Edition werden epische Miniatur-Schlachten gesittet in einer Football-Arena ausgetragen. So ganz „brav“ geht es dann doch nicht zu. Es gibt einen Grund, warum die meisten Charaktere das Spielfeld mit Klingenhandschuhen betreten.
Mit Blood Bowl und Blitz Bowl – Season 2 gibt es bereits einige Vorgänger zu der Ultimativen Edition. Wer sich immer schon einmal mit dem Tabletop-Thema auseinander setzen wollte, aber nicht wusste, wie sich epische Tabletop-Schlachten in den friedvollen Tagesablauf integrieren lassen, sollte einen tieferen Blick in die Schachtel riskieren. Dass hier der Spaß im Vordergrund steht und alles bewusst überzeichnet ist, verrät zu guter Letzt der Untertitel des Spiels: Das Spiel aberwitzigen Sport-Wettkampfs. Also ein Stadionbier kaufend, die Hot-Dog-Sauce auf dem Fan-Shirt verteilend, nehmen wir auf den billigen Plastikklappstühlen Platz. Da laufen auch schon die Teams in die Arena ein. Die Menge und wir jubeln ihnen lautstark entgegen.
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
In Blitz Bowl treten zwei Spielende in einem „Fantasy Football“-ähnlichen Spiel gegeneinander an. Die zwei Teams in der Grundbox bestehen aus je sechs Teamkameraden. Die männliche Form ist hier bewusst gewählt, da in der Grundbox ausschließlich männliche Figuren vorzufinden sind. Im weiteren Verlauf der Rezension wird weiteres Bonusmaterial angesprochen werden. Es treten Menschen gegen Skaven an. Wer in der Warhammer Welt nicht ganz zu Hause ist: Die Skaven sind ein Volk aufrecht gehender Rattenmenschen. Es ist ansonsten nicht notwendig sich überhaupt mit dem Warhammer-Universum auszukennen oder je davon gehört zu haben.

Die Spielfläche wirkt wie eine Mischung aus Gladiatoren-Arena und Fußballstadion. Es gibt einige Hindernisse, die im Spielverlauf umgangen werden müssen und auf beiden Seiten eine Touch-Down-Zone. Für die eigene Mannschaft wird diese als Startzone genutzt. Dahinter hat jedes Team einen Mannschaftsraum; dieser wird ausschließlich für ausgeschiedene Miniaturen genutzt. Hier ist ebenfalls eine kleine Spielhilfe mit der Aktionsübersicht zu finden. Das Spielfeld ist doppelseitig bedruckt und beinhaltet auf der zweiten Seite auch eine weitere Arena mit mehr Hindernissen.

Die Regeln sind sehr einfach gehalten. Das erste Team handelt nacheinander drei Aktionen ab und dann kommt das zweite Team mit drei Aktionen an die Reihe. Dabei können die Aktionen mit einer oder unterschiedlichen Figuren durchgeführt werden. Allerdings darf mit jeder Miniatur jede Aktion nur einmal pro Teamphase durchgeführt werden, es sei denn Sonderaktionen sagen etwas anderes aus. Folgende Grundaktionen stehen zur Verfügung:
- Rennen
- Decken
- Werfen
- Blocken
- Ausweichen
- Aufstehen
- Reserve
Insbesondere für die Aktionen Rennen, Werfen und Blocken gibt es je Figuren-Typus unterschiedliche Spielwerte.

Der Rennen-Wert sagt beispielsweise aus, wie viele Schritte die Figuren über das Spielfeld bewegt werden dürfen. Dabei ist es erlaubt auch diagonal größere Strecken über die quadratischen Felder zu überbrücken. Einzig das Passieren der Gegner ist mit dieser Aktion nicht gestattet. Die unmittelbaren Felder um einen Gegner sind geschützt und dürfen nur mit der nächsten Aktion betreten werden. Mit bis zu zwei Schritten kann man sich mit der Decken-Aktion an eine gegnerische Figur heran stellen. Diese gilt dann als gedeckt und kann nicht mehr rennen oder werfen. Aus dieser Stellung kann man sich nur mit Ausweichen (ein Feld weg bewegen) oder Blocken manövrieren. Die Blocken-Aktion macht den eigentlichen Reiz aus. Mit speziellen W6 kann man die angrenzende Miniatur umwerfen und eventuell sogar verletzen. Die dazugehörigen Würfelergebnisse haben dabei so immersive Namen wie „Tackle“ oder „Rumms!“. Verletze Figuren werden aus dem Spielfeld in die Mannschaftszone gesetzt. Mittels der Reserve-Aktion kommen sie als gesunde Spieler zurück in das Spiel und starten im eigenen Touch-Down-Bereich.

Hält eine umgeworfene Figur gerade noch den Ball, wird dieser per Zufall (W8) auf dem Spielbrett um die gefallene Figur platziert. Frei liegende Bälle können in der Regel mit der Rennen-Aktion als freie Aktion aufgesammelt werden. Vier Punkte erzielt man, wenn es gelingt, mit dem Ball in der Hand einen Touch-Down in der gegnerischen Startzone zu erlangen.
Am seitlichen Spielfeldrand liegt zudem ein Stapel mit 24 Herausforderungskarten parat, von denen stets drei offen ausliegen. Jede dieser Karten hat eine bestimmte Voraussetzung, wie sie von den Spielenden erlangt werden kann. Zum Beispiel, wenn in einer Runde der Ball der gegnerischen Mannschaft erbeutet oder eine Figur umgeworfen und dabei verletzt wird. Die Herausforderungskarten bringen zum einen sofortige Siegpunkte in Höhe von ein bis drei Punkten ein. Zum anderen sind auf der Rückseite Sonderfähigkeiten abgedruckt, die in bestimmten Situationen einmalig genutzt werden können. So lässt sich beispielsweise eine Blocken-Aktion durch eine freie Ausweichen-Aktion unterbinden. Ausgespielte Herausforderungskarten werden dauerhaft abgeworfen.

Das Spiel ist zu Ende, wenn eine Person mit zehn Punkten Vorsprung in Führung liegt oder die letzte Herausforderungskarte ausgelegt wird. Die höchste Punktezahl entscheidet über den Sieg. Bei gleicher Punktezahl endet das Spiel unentschieden.
Die Spielzeit ist auf dem Karton mit 30 Minuten angegeben. Der Spieltitel Blitz Bowl soll genau dem Rechnung tragen: Eine schnelle Partie zu zweit. In der Realität gehen die Spiele deutlich länger, so dass eine Partie auch einmal anderthalb Stunden benötigen kann. Unter den Herausforderungskarten gibt es einen wesentlichen Spielbeschleuniger: Sobald diese Karte erobert wird, werden sofort weitere Bälle ins Spiel gebracht. Wie in guten alten Flipper-Zeiten beginnt dann ein hektisches Multiball-Spiel. Kommt diese Karte erst recht spät ins Spiel, dauern die Partien wie bereits angesprochen, deutlich länger.

Nur wenige Aktionen wie Werfen oder Blocken sind würfelabhängig und damit einer Glückskomponente unterworfen. Das Stellungsspiel — die eigenen Figuren so zu platzieren, dass kein Durchkommen ist, und trotzdem noch genügend Freiraum für den Durchlauf zum Touch-down-Bereich zu erlangen — ist die eigentliche Herausforderung. Gerade zu Beginn nutzt man meist nur eine Figur mit dem Klassiker Rennen-Decken-Blocken und hat schon keine weiteren Züge mehr übrig. Die Spieldynamik steigt mit laufender Spielzeit und mehr Miniaturen auf der Spielfläche an. Die Herausforderungskarten geben zudem manch gut geplantem Zug des Gegenübers eine unerwartete Wendung. Verletzte Figuren dünnen die eigenen Möglichkeiten im Angriff und in der Verteidigung aus und plötzlich wird man zweimal hintereinander von einem Touch-Down überrannt.
Ausstattung
Citadel Minatures ist eine eigenständige Marke des Games Workshop Verlags. Die ursprünglichen HeroQuest-Figuren aus dem Jahr 1989 waren ebenfalls von dieser Marke. Dass sich der Verlag im Tabletop-Universum zu Hause fühlt, merkt man sofort. Die Figuren sind sehr filigran und mit vielen kleinen Details versehen: Einzelne Muskelstränge am Arm, Klingen am Handschuh oder Grasbüschel auf der Base. Dies ist Fluch und Segen zugleich. Geliefert werden die Figuren in einem Plastikrahmen, von dem sie vorsichtig getrennt werden müssen. Jede Figur besteht aus zwei bis drei Teilen und muss selbst zusammengesetzt werden. Der Zusammenbau funktioniert komplett ohne Kleber und hält auch wirklich nach einigen Spielen immer noch problemlos.

Leider sind scharfkantige Elemente wie beispielsweise beim stachelbesetzten Football dabei, mit dem man ungewollte und piksige Bekanntschaft machen wird. Ferner ist bei dem Rezensionsexemplar bereits in der ersten Spielrunde beim Entnehmen aus der Schachtel ein kleines Stück Skaven-Schwanzspitze abgebrochen. Einigen anderen Teilen sieht man eine erste Belastung bereits an. Nichts desto trotz sind die Figuren überwiegend von hervorragender Qualität und lassen sich gut bespielen.
Blitz-Bowl wird mit einem fertigen Sortiereinsatz aus Plastik ähnlich Betrayal at House on the Hill ausgeliefert. Alle Miniaturen finden dort einen geeigneten Platz und präsentieren sich bestens für die Spielenden. Ebenso gibt es für alle Karten eine passgenaue Aufbewahrung. Wenn man wieder mal ein Spiel mit Sortiereinsatz in den Händen hält, merkt man erst was anderen Spielen oft fehlt.

Das Regelheft ist trotz der Einfachheit schwer zugänglich. Die Sätze sind meist unnötig verschachtelt, gehen als erstes auf Ausnahmen ein oder arbeiten mit doppelter Verneinung. Grammatikalisch gibt es nichts zu bemängeln, aber es wirkt eher akademisch und nicht von Muttersprachlern übersetzt. Zum Glück gibt es sieben Tutorial-Karten, die den Spielenden alle Aktionen mit einer kleinen Übung näher bringen. Da diese sogar bebildert sind, gibt es anschließend kaum noch offene Punkte und die Anleitung kann eher als Nachschlagewerk genutzt werden.

Ein zusätzliches Plus bietet die beiliegende Ausstattung an. So sind weitere Herausforderungskarten beigefügt, die Abwechslung für ein besonderes Endmatch bieten. Neben den Teamkarten für Menschen und Skaven liegen noch weitere Teams bei. Leider müssen die Miniaturen dafür zusätzlich gekauft werden und sind momentan auf dem deutschen Markt noch nicht erhältlich. Beim Durchstöbern der Teamkarten fällt auf, dass es noch einige gelungene Überraschungen geben kann. So gibt es noch einen Kampfwagen (Snortling-Team) oder eine Mannschaft aus Dunkelelfen zu sehen. Die elfischen Teams sind übrigens die einzigen Teams mit weiblichen Figuren in der Mannschaft. Für genügend Abwechslung bei entsprechender Bereitschaft weiter zu investieren, ist daher gesorgt.
- Verlag: Games Workshop Ltd.
- Autor*in(nen): keine Angabe
- Erscheinungsjahr: 2022
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 30 Minuten (im Test ca. 45 bis 90 Minuten)
- Spieler*innen-Anzahl: 2
- Alter: ab 12 Jahren
- Preis: 33 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, idealo
Bonus/Downloadcontent

Bei Games Workshop wird Merchandising noch groß geschrieben: Blitz- oder auch Blood-Bowl wird eine eigene Homepage gewidmet, die über alle Neuerungen informiert. Das Regelwerk der 2. Edition steht dort unter anderem zum kostenlosen Download bereit. Die Aufmachung ist etwas anders, sonst hat sich nach einem kurzen Querabgleich inhaltlich anscheinend nichts verändert.
Das Tochterunternehmen Citadel Colour bietet eine breite Farbpalette zum Bemalen der Miniaturen an. Für alle, die noch immer einen Einstieg in die Bemalung von Tabletop-Figuren gesucht haben, gibt es eine Reihe von Tipps zur Bemalung. Auf der Webseite der Warhammer-Community lassen sich sogar für die einzelnen Rassen komplette Farbempfehlungen ansehen. Diese gelten zwar eigentlich für die Warhammer–Tabletop-Figuren, lassen sich allerdings auf die Blitz-Bowl-Miniaturen anwenden.
Fazit
Der Stadion-Sprecher überschlägt sich mit seiner Stimme: „Touch-Down!!! Touch-Down!!! Was für ein Match. Heute wird wirklich kein Punkt verschenkt. Die Stimmung im Publikum gleicht einem Hexenkessel. Unglaublich.“
Der erste (und letztlich auch der zweite und dritte…) Kontakt mit Blitz-Bowl hat positiv überrascht. Es wird ordentlich auf dem Spielfeld gerangelt, geschubst und umgeworfen. Jede kleine Lücke zur gegnerischen Touch-Down-Area wird mit einem beherzten Sprint oder gut platzierten Wurf ausgenutzt.

Abhängig von der zufälligen Reihenfolge der Herausforderungskarten kann es passieren, dass manche Partien zu eintönig werden und damit zu lange dauern. Der Name Blitz-Bowl und die Minutenangabe auf dem Karton von 30 Minuten, wird man in jedem Fall deutlich überschreiten.
Die Spielenden müssen, wie sich in unseren Testrunden gezeigt hat, weder Tabletop-Enthusiast*innen, Warhammer-Fans oder eingefleischte Football-Junkies sein. Das taktische Stellungsspiel und die gute Aktionsauswahl reicht den klassischen Vielspieler*innen mehr als genügend aus, um satten Spielspaß zu erleben.

Das Material ist bis auf wenige Schwächen hervorragend und bietet eine filigrane Detailverliebtheit bei den Miniaturen, bei denen sicherlich auch Miniaturen-Künstler*innen auf ihre Kosten kommen können.
Der Einstieg über das Regelheft ist aufgrund des komplizierten Satzbaus umständlich. Die ebenfalls beiliegenden Tutorial-Karten merzen dies wieder aus. Auf Dauer bietet die Ultimative Edition eher zu wenig Abwechslung. Sollte nach den ersten Partien eine Sammelleidenschaft für das Spiel entbrannt sein, wird man sicherlich noch weitere Teams kaufen wollen. Die Teamkarten sind bereits in dem Karton enthalten und erlauben damit bereits im Vorfeld eine Auswahl nach den eignen taktischen Vorlieben.
Unterm Strich erlangt man mit Blitz Bowl Ultimative Edition ein Action-geladenes Spiel, welches einiges an taktischer Planung erfordert. Nach unserer Meinung sollte man das Spiel unbedingt mal gespielt haben.

- Detailverliebte Miniaturen
- Tolles Tutorial
- Spielspaß auch für Anti-Football-Spielende
- Brettspielzeit ist deutlich länger als angegeben …
- … und kann dadurch langatmig wirken
- Miniaturen müssen zusammengebaut werden
Artikelbilder: © Games Workshop
Layout und Satz: Verena Bach
Lektorat: Susi Stark
Fotografien: Horst Brückner
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.



















