Über die Jahre haben sich viele Hersteller mit Farbsystemen im Tabletop-Bereich etabliert. In letzter Zeit jagen sich die Innovationen und jede neue Farbreihe soll alles Bisherige in den Schatten stellen. The Army Painter verspricht dies nun mit seinen Warpaints Fanatic. Ist dies eine bunte Revolution?

Als The Army Painter 2007 mit seinen Quickshade-Produkten und Sprühgrundierungen das Spielfeld betrat, hatte er schnell den Ruf eines Billiganbieters für Malfaule. Dies haftete auch nach dem Erscheinen der ersten Acrylfarben noch lange an. Doch über die Jahre hat sich der Hersteller zu einem ernst zu nehmenden Anbieter im Bereich der Miniatur-Bemalung gemausert. Nicht nur die vor einiger Zeit erschienenen Speedpaints waren hierfür verantwortlich. Nun hat The Army Painter die Acryl-Range komplett überarbeitet und durch die neuen Warpaints Fanatic ersetzt. Gleich zu Beginn bietet die Reihe eine enorme Fülle an Farben und Effekten und verspricht ein einmaliges Decken in nur einer Schicht.
Blut(effekt)
Inhaltsverzeichnis
Grundlegendes
Wie bei The Army Painter üblich werden die Farben in Tropfflaschen mit 18 ml Inhalt geliefert. Wie bereits bei den Speedpaints und den Warpaints Air sind den Flaschen außerdem schon zwei Agitatorkugeln zugegeben, welche das Durchmischen der Farben deutlich erleichtert. Das Sortiment umfasst sage und schreibe 216 Produkte, welche in vier Kategorien unterteilt werden. Jede dieser Kategorien ist mit einer anderen Deckelfarbe kenntlich gemacht, was ein Zurechtfinden am Maltisch unterstützt. Der Hersteller verspricht bei den Farben neben der hohen Deckkraft einen sanften Farbauftrag und eine um 300 bis 700 Prozent höhere Pigmentdichte als bei irgendeinem Konkurrenzprodukt.
Acryl-Farben und flexible Triaden

Den Großteil des Sortiments der Warpaints Fanatic machen die normalen Acrylfarben mit weißen Deckeln aus. Diese sind in 27 flexible Farbtriaden gegliedert, welche aus jeweils sechs Farben bestehen. Es werden hier also nicht nur jeweils eine Farbe für den Schatten, eine für den eigentlichen Farbton und ein Highlight angeboten. Stattdessen können Maler*innen aus sechs Abstufungen wählen und selbst entscheiden, ob die Kontraste sanft oder hart sein sollen. Es ist also durchaus möglich, eine kontrastreiche Abstufung von sehr hell nach sehr dunkel zu wählen, eine weiche Abstufung mit den üblichen drei Farben in vier Farbstufen pro Triade oder auch einen sehr sanften Übergang mit bis zu sechs Farbstufen.
Metall-Farben
Das Metall-Sortiment der Warpaints Fanatic umfasst 18 Farben mit schwarzen Deckeln. Neben den üblichen Abstufungen von Silber-, Gold- und Bronzetönen stehen auch farbige Metalle zur Verfügung.
Effekt-Farben
Auch die Effekt-Farben sind in 18 Varianten enthalten und sind durch grüne Deckel kenntlich gemacht. Hier liefert The Army Painter die Möglichkeit, diverse Flüssigkeiten wie Blut, Schleim, Erbrochenes oder auch Ölflecken darzustellen. Aber auch Patina-Effekte wie Rost oder angelaufenes Kupfer sind hier zu finden sowie mehrere Leuchteffekte. Neben den offensichtlichen Effekten zählen auch Klarlacke, Trockenverzögerer, Verdünnungsmedium und ein Brush-On-Primer zu dieser Kategorie.
Washes
Die letzte Kategorie bilden die Washes mit roten Deckeln. Auch hier sind 18 verschiedene Farbtöne erhältlich, beziehungsweise handelt es sich um 17 Farbtöne und das Wash-Medium. Es steht also ein weites Spektrum verschiedener Washes bereit, welche kaum zu wünschen übrig lassen. Was nicht genau den gewünschten Farbton trifft, kann mit den vorhandenen Tönen gemischt werden. Bei der Formel für die Washes handelt es sich nicht um ein neues Produkt. Hier wurde nur die Produktpalette erweitert.
Der Test
Um die Farben zu testen, wollen wir sie auf verschiedene Weisen ausprobieren. Vor der Verwendung wird jede Farbe von uns mithilfe eines Vortex-Mixers gut durchgemischt, um eine optimale Farbkonsistenz zu erreichen und das Absetzen von Pigmenten zu vermeiden.
Auf der Nasspalette aufgebracht sind die Farben erstaunlich flüssig. Hier haben wir mit einer dickeren Konsistenz aufgrund der Pigmentdichte gerechnet. Es fallen uns keine Klümpchen auf und die Farbe lässt sich gut auf der Nasspalette ziehen. Auch im Verhältnis 2:1 mit dem Medium vermischt weisen die Farben noch eine hohe Pigmentdichte auf und lassen sich gut aufmischen.
Für einen ersten Test haben wir einige der Farben sowohl unverdünnt als auch im Verhältnis zwei Teile Farbe zu einem Teil Medium verdünnt auf schwarzer, grauer und weißer Grundierung aufgebracht. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Sowohl die puren als auch die verdünnten Farben decken in einer Schicht sehr gut.
Der Brush-On-Primer
Es bietet sich an, den ersten Test am Modell mit der Grundierung zu beginnen. Sie ist grau und bietet somit eine gute Grundlage für helle und dunkle Farben. Die Konsistenz ist ähnlich wie bei den Acrylfarben. Da wir ein schnelles, deckendes Ergebnis erzielen wollten, haben wir uns entschlossen, den Primer unverdünnt mit dem Pinsel aufzutragen. Um das Ergebnis besser beurteilen zu können, haben wir auf einen Primaris Space Marine aus blauem Kunststoff zurückgegriffen.
Der Primer zeigt ein gutes Fließverhalten, bildet auf dem Kunststoff aber leichte Schlieren, die allerdings nach ein wenig Hin- und Herschieben der Farbe verschwinden. Wie zu erwarten, ist das Erreichen von tiefen Stellen und Details nicht ganz einfach, ist aber mit etwas Fleiß möglich.

Nach dem Trocknen zeigte sich mit einer Schicht ein sauberes Ergebnis. Nur an ein paar schwer zu erreichenden Stellen schimmerte ein klein wenig blau durch. Für Menschen, die keine Möglichkeit haben, Sprühgrundierungen oder Airbrush einzusetzen, oder auch für kleinere Projekte ist dies eine gute Lösung. Grundierungen aus der Sprühdose oder der Airbrush lassen sich aber deutlich schneller und dünner auftragen.
Rot geschichtet

Um das Schichten mit Rot zu testen, griffen wir auf einen schwarz grundierten Space Marine Scout aus Metall zurück. Das Modell stammt noch aus den 90ern und wartet schon länger auf eine Neubemalung. Da es sich um einen Blood Angel handeln sollte, haben wir die Farbtriade der kalten Rottöne für die Rüstungsteile gewählt.
Um eine möglichst große Schattierung zu erzielen, begannen wir mit dem dunkelsten Rot, dem „Basilisk Red“. Da die Deckung in unserem ersten Test auch mit verdünnten Farben gut gelungen war, haben wir das bewährte Verhältnis von 2:1 beibehalten und eine erste Schicht aufgetragen. Nach dem Trocknen ist diese beinahe perfekt. Eine zweite Schicht war nur für leichte Kosmetik erforderlich.
Für das erste Highlight haben wir das in der Triade zwei Stufen höher gelegene „Dragon Red“ gewählt. Um die Übergänge sanft gestalten zu können, haben wir nun im Verhältnis 1:1 verdünnt. Um die Sättigung der Farbe an den höheren Stellen etwas zu erhöhen, haben wir nach dem ersten Trocknen auch hier eine zweite Schicht aufgetragen. Aus dem fast ins Pink gehenden Bordeaux ist nun ein tieferes Rot geworden.

Den Abschluss unseres Rots hat erneut im Verhältnis 1:1 aufgetragenes „Pure Red“ gemacht. Dies geschah wieder in zwei Schichten, wobei die zweite Schicht nur zur Betonung der höchsten Stellen genutzt wurde. Die Strahlkraft der Farben ist enorm und der leicht seidige Glanz fällt nicht zu stark aus.
Den Rest des Modells haben wir mit anderen Farben und Washes aus dem Sortiment bemalt. Bei der Haut handelt es sich übrigens nicht um eine der drei ausgewiesene Haut-Triaden, sondern um die hellsten Töne der Braun-Triade. Ein besonderer Blickfang sind die Linsen über dem linken Auge. Sie wurden mit einer Schicht Effekt-Farbe über Weiß bemalt und scheinen regelrecht zu leuchten.
Türkis geschichtet

Für einen weiteren Schicht-Test haben wir uns für ein Resin-Modell für Rapture entschieden. Leyra aus der Fraktion Atlantis hat von uns eine mit gedruckten Bits gestaltete Unterwasser-Base erhalten und wurde schwarz grundiert. Um ihre Haut zu bemalen, fiel unsere Wahl auf die türkise Farbtriade.
Wir begannen wieder mit dem dunkelsten Ton. Das „Deep Azure“ haben wir im Verhältnis 1:1 verdünnt, da das Modell sehr feine Details aufweist und wir vermeiden wollten, diese mit einem zu dicken Farbauftrag zu überdecken. Die Farbe lässt sich gut auftragen und nach dem Trocknen ist auch diese Farbschicht erstaunlich deckend und schon annähernd ausreichend. Mit einer zweiten Schicht haben wir nur etwas aufgeräumt.
Für das erste Highlight haben wir eine Farbe der Triade übersprungen und „Turquoise Siren“ 1:1 verdünnt. Der Auftrag erfolgte wieder in zwei dünnen Schichten.
Für das zweite Highlight haben wir für einen stärkeren Kontrast erneut eine Farbe übersprungen und verdünntes „Neptune Glow“ in zwei dünnen Schichten in kleinen Strichen gemalt. Besonders die höchsten Punkte haben wir versucht, so zu betonen.

Für eine leichte Schattierung haben wir als nächstes eine Mischung aus den Washes „Blue Tone“ und „Green Tone“ mit etwas Wash Medium verdünnt. Eine dünne Lasur aus der Mischung schattiert die tieferen Stellen und verbindet die Schichten miteinander.
Für eine letzte Betonung der erhabenen Details haben wir die Haut mit etwas „Marine Mist“ trockengebürstet.
Den Rest des Modells und die Base haben wir mit einer ähnlichen Technik bemalt und uns an den Metallteilen an etwas Non-Metallic-Metal versucht.
Altweiß

Weiß auf schwarzer Grundierung zu malen, ist eine besondere Herausforderung. Dazu fiel unsere Wahl wieder auf ein Resin-Modell für Rapture. Bei Raquel Mendoza handelt es sich um eine Sanitäterin der New World Order und darum trägt sie überwiegend weiße Kleidung.
Als erste Schicht haben wir 1:1 verdünntes „Worn Stone“ aufgetragen, welches ein Beige-Grau ist. Wie zu erwarten, hat die erste Schicht noch nicht gedeckt, weswegen wir eine zweite ergänzten. Das Ergebnis ist zufriedenstellend.

Um etwas mehr Schatten zu erzeugen, haben wir stark verdünntes „Dark-Tone“-Wash
aufgetragen und mit einer erneuten Schicht „Worn Stone“ erhabene Stellen hervorgehoben.
Mit zwei dünnen Schichten „Brainmatter Beige“ haben wir weiter aufgehellt, wobei wir versucht haben, den Konturen der Kleidung zu folgen.
Das letzte Highlight erfolgte mit „Matt White“, wobei wir einige Teile wie die Handschuhe und die Verbandstasche besonders hervorgehoben haben.
Bei der übrigen Bemalung haben wir mithilfe von Effekt-Farben versucht, die bionischen Teile hervorzuheben.
Metall

Um die Metallfarben zu testen, haben wir einen B2 Super Kampfdroiden für Star Wars: Legion mit schwarzer Grundierung gewählt.
Eine erste Schicht haben wir mit „Gun Metal“ aufgetragen, welches im Verhältnis 2:1 verdünnt wurde. Diese Schicht ist nach dem Trocknen gut deckend und nur an wenigen Stellen haben wir etwas nachgebessert.
Für mehr Kontrast haben wir das Modell mit einer Schicht „Dark-Tone“-Wash abgedunkelt und

nach dem Trocknen mit „Gun Metall“ trockengebürstet.
Um das Metall noch mehr strahlen zu lassen, haben wir eine weitere Trockenbürstschicht mit „Plate Mail“ aufgetragen und diese dann mit „Shining Silver“ weiter aufgehellt. Mit „Mithril“ haben wir die schärfsten Kanten gebürstet und einige besondere Details deckend bemalt.
Für den letzten Schliff wurden die mit „Mithril“ bemalten Kolben mit der Effekt-Farbe „Oil Stains“ behandelt. Die Linsen haben wir weiß bemalt und anschließend die Effekt-Farbe „Power Node“ aufgetragen.
Gelb mit der Airbrush

Für den Auftrag der Warpaints Fanatic mit der Airbrush, haben wir uns für die Gelb-Triade entschieden. Als Testobjekt haben wir den Primaris verwendet, den wir mit dem Pinsel grundiert haben. Um die Farben auf die richtige Konsistenz zu verdünnen, haben wir den „Airbrush Thinner“ aus der Warpaints-Air-Reihe von The Army Painter verwendet.
Die erste Schicht erfolgte mit dem Orange-Braun „Demigod Flames“. Die Farbe ließ sich in entsprechender Verdünnung gut auftragen und deckt schnell. Auch übermäßiges Verstopfen der Airbrush konnten wir nicht feststellen.
Die nächste Schicht erfolgte mit „Fiendish Yellow“. Wir haben dabei darauf geachtet, im Schatten liegende Stellen dunkel zu lassen.

Die eigentliche Rüstungsfarbe sollte „Daemonic Yellow“ sein. Hiermit haben wir die besonders im Licht befindlichen Bereiche behandelt.
Letzte punktuelle Highlights haben wir mit „Ice Yellow“ erzeugt.
Um das Modell abzuschließen, haben wir noch ein Kantenhighlight mit „Ice Yellow“ gezogen und die übrigen Details bemalt. Die Haut wurde mit der Rose-Skin-Triade und „Dark-Red“-Wash bemalt.
Blut auf rostiger Klinge

Um noch ein paar der Effekt-Farben zu testen, haben wir eine Axt zunächst mit Metallfarbe bemalt und nach dem Trocknen „Dark Rust“ grob aufgetupft. Als dieses getrocknet war, haben wir an einigen Stellen auf dem „Dark Rust“ etwas „Fresh Rust“ aufgetragen. Das Ergebnis lässt sich gut mit anderen von uns in der Vergangenheit verwendeten Rosteffekten vergleichen und weiß zu gefallen.
Für den Bluteffekt haben wir dann etwas „Dry Blood“ auf die Axt aufgetupft und trocknen lassen. Für das frische Blut haben wir dann auf der Axtschneide „True Blood“ großzügig aufgetragen und die noch nasse Effekt-Farbe mit einem Flachpinsel in schnellen Bewegungen das Axtblatt hochgezogen, um so eine frische Blutspur zu erzeugen.
Die harten Fakten:
Verlag: The Army Painter- Erscheinungsjahr: 2024
- Preis: 3,50 EUR pro Flasche (UVP)
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, KuTaMi
Fazit
Mit den Warpaints Fanatic hat The Army Painter ein sehr umfangreiches Farbsortiment auf den Markt gebracht, welches wirklich zu überzeugen weiß. Die Farben weisen wie versprochen eine hohe Pigmentdichte auf, ohne dabei zu pastös zu sein. Auch verdünnt decken die Farben noch gut und ermöglichen so das Auftragen in dünnen Schichten. Durch ihren leicht seidigen Glanz eignen sie sich besonders gut für Fantasy- und Science-Fiction-Projekte und die enorme Strahlkraft der Farben wird unterstrichen.
Durch die flexiblen Farbtriaden lässt sich für fast jedes Malprojekt die richtige Farbkombination finden. Dies kommt gerade Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Mischen von Farben haben oder gern immer exakt die gleichen Farbtöne benutzen wollen, entgegen. Durch die bereits in den Farbflaschen enthaltenen Agitatorkugeln lassen sich die Farben gut aufschütteln, um eine optimale Durchmischung von Pigmenten und Medium zu erreichen. Da die Farben in Tropfflaschen geliefert werden, lassen sie sich außerdem gut dosieren und das Aufschreiben eigener Farbrezepte fällt so nicht schwer.
Egal ob man seine bestehenden Farben erweitern oder auf ein komplettes Farbsystem umstellen möchte, können wir die Warpaints Fanatic uneingeschränkt empfehlen.

- Hohe Deckkraft
- Großes Sortiment
- Fairer Preis

Artikelbilder: © The Army Painter
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Gloria Puscher
Fotografien: Dennis Rexin
Dieses Produkt wurde privat finanziert.
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