Angeschaut: Real Steel (BluRay)

Sep 28

Angeschaut: Real Steel (BluRay)

Ich steh‘ auf Robo­ter. Schon seit Kind­heits­ta­gen, als ich im ita­lie­ni­schen Mittags-TV frühe Ani­me­se­rien sah. Die Begeis­te­rung für Maschi­nen gene­rell hat sich seit­dem einen Weg durch mein Leben gebahnt. Sei es „Ich, der Robot“ von Asi­mov,  ein immer wie­der inter­es­sier­tes Beob­ach­ten der Robo­ter­kämpfe,  wie sie von ver­schie­de­nen Uni­ver­si­tä­ten und Clubs aus­ge­tra­gen wer­den oder auch ein­fach die Fas­zi­na­tion für bewegte men­schen­ähn­li­che Maschi­nen und Wesen wie in diver­sen Ani­mes, Fil­men, Büchern, etc. — Trans­for­mers ist da nur das Paradebeispiel.

Was also lag fer­ner, als sich Real Steel anzu­se­hen. Die Rah­men­hand­lung ist schnell erzählt. Der ehe­ma­lige Boxer Char­lie Ken­ton (Hugh Jack­man) ver­dient sich heut­zu­tage sein Geld mit den preis­do­tier­ten Kämp­fen von Robo­tern, jedoch ohne gro­ßen Erfolg und hat einen Berg von Schul­den ange­häuft.  Eine eins­tige Liebe – ob Ehe oder Lieb­schaft, erfährt man nicht – stirbt und hin­ter­lässt einen gemein­sa­men Sohn. Ken­ton möchte den Sohn nicht wirk­lich auf­zie­hen und ver­kauft ihn unter der Hand an den Mann der Schwes­ter der gestor­be­nen Mut­ter. Zuvor jedoch nimmt er Ihn einen Monat mit auf seine Tour durch die Are­nen des Landes.

Wie es der Zufall so will, ist der kleine Max Ken­ton, gespielt von Dakota Goyo, ein ech­ter Fan der Robo­ter­kämpfe und hat eini­ges an Fach­wis­sen. Bei einem Aus­flug auf einen Schrott­platz, um Ersatz­teile zu suchen, fin­det der Junge eine aus­ge­mus­terte alte Spar­rings­ma­schine und baut diese wie­der auf.

Zuvor erfährt man, wer der amtie­rende Robo­ter­cham­pion nebst Kon­struk­teur ist und wie es in Box­fil­men so pas­siert… naja, den Rest könnt Ihr Euch selbst denken.

Und natür­lich gibt es eine Zusam­men­füh­rung von Vater und Soh­ne­mann zu einem gut funk­tio­nie­ren­den Team.

Vor­aus­schau­bar – so würde ich den gesam­ten Film nen­nen. Eine Szene beginnt und man weiß, wie sie enden wird. Das übli­che Mus­ter eines Box­fil­mes Under­dog kämpft sich empor, bekommt einen Alli­ier­ten, gewinnt Kraft und Zuver­sicht und schafft letzt­end­lich den gro­ßen Sieg fin­det man auch hier wie­der. Mit einem Manko: Die Erzählgeschwindigkeit.

Am Anfang wird der Film fast zu lang­sam erzählt, nimmt dann Fahrt auf und spitzt sich immer schnel­ler zu. Zu lahm am Start, zu schnell am Ende – das war mein Ein­druck. In einem Boxer­film erwarte ich, dass der auf­stre­bende Held unge­fähr zum Start des letz­ten Drit­tels des Fil­mes einen Dämp­fer bekommt und besiegt wird, um danach als Phö­nix aus der Asche wie­der­zu­keh­ren. Das ist hier nicht so. Die Dämp­fer kom­men durch­weg am Anfang und fal­len zum Ende hin gänz­lich weg.

Ich möchte den Film nicht schlecht­re­den. Die Box­sze­nen sind durch­weg gut gemacht, sind span­nend und in mei­nen Augen gut ani­miert. Jack­man lie­fert einen soli­den schau­spie­le­ri­schen Job ab, den ich aber nicht zu sei­nen bes­ten zäh­len würde. Die Geschichte ist nicht hane­bü­chen und auch nicht weit her­ge­holt (für das Uni­ver­sum, in der sie spielt). Sie ist nur – ich schrieb es am Anfang: Durch­schau­bar. Dar­un­ter lei­der der Seh­spaß jedoch nur wenig.

Schön fand ich, dass man das eine oder andere abge­wan­delte Zitat aus den Rocky Bal­boa Fil­men wie­der­er­ken­nen konnte.

Die Rolle von Dakota Goyo soll in dem Film 11 Jahre alt sein, dafür finde ich ihn zu cool und auf­müp­fig. Das Ver­hal­ten hätte eher zu einem Teen­ager in der aus­lau­fen­den Puber­tät gepasst. Und dann gibt es noch eine etwas unnö­tige Lie­bes­ge­schichte, die sich so uner­war­tet zeigt, dass man kurz ein Fra­ge­zei­chen auf der Stirn hat. Und Sto­ry­fä­den, die ange­deu­tet wer­den, aber nicht auf­ge­löst, gibt es auch noch. Schade – ein wenig schnel­ler am Anfang, ein paar Logik­feh­ler weni­ger und dafür ein paar die­ser Fäden inni­ger beleuch­tet, hät­ten dem Film gut getan.

Wie es sich für eine ordent­li­che Blu­Ray gehört, fin­den sich einige Extras auf dem Daten­trä­ger, dar­un­ter die zu erwar­ten­den SFX-Entstehungsvideos, Inter­views mit den Dar­stel­lern und Pro­du­zen­ten und auch Bloo­pers. Letz­tere gefie­len mir besonders.

An Bild­qua­li­tät und Sound gibt es nichts zu bemän­geln. Gesto­chen scharfe, kon­trast­rei­che Bil­der und satte Sounds machen den Film durch­aus zu einem kurz­wei­li­gen Vergnügen.

 Die har­ten Fakten:

  • Dar­stel­ler: Hugh Jack­man, Dakota Goyo, Anthony Mackie, Evan­ge­line Lilly, Kevin Durand
  • Regisseur(e): Shawn Levy
  • For­mat: Widescreen
  • Spra­che: Deutsch (DTS-HD 7.1), Tür­kisch (Dolby Digi­tal 5.1), Eng­lisch (DTS-HD 7.1)
  • Unter­ti­tel: Deutsch, Eng­lisch, Tür­kisch, Bul­ga­risch, Rumänisch
  • Region: Alle Regionen
  • Bild­sei­ten­for­mat: 16:9 — 2.35:1
  • FSK: Frei­ge­ge­ben ab 12 Jahren
  • Stu­dio: Touchstone
  • Erschei­nungs­ter­min: 12. April 2012
  • Pro­duk­ti­ons­jahr: 2011
  • Spiel­dauer: 127 Minuten
  • Preis: 14,61 EUR
  • Bezugs­quelle: Ama­zon (Klick)

Trai­ler

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8 Kommentare

  1. Adrian Bongarts via Facebook /

    Kann man so unter­schrei­ben, wobei in einem Sport­film die Lie­bes­ge­schichte als unnö­tig hin­zu­stel­len schon etwas sku­ril wirkt, denn sie ist immer „unnö­tig“, gehört aber zum Genre des Sport­films — man würde sie ver­mis­sen, wenn sie fehlte.

  2. Ich per­sön­lich emp­fand sie ein­fach als zu plötz­lich auf­tau­chend, zu schnell erzählt und irgend­wie total aus dem Kon­text hin­ein­ge­mor­phed. ^roger

  3. Adrian Bongarts via Facebook /

    - das ist aber eine andere Kritik…

    …das wäre ja so, als ob man in einem fan­tas­ti­schen Rol­len­spiel das Auf­tau­chen von Kämpfe gegen böse Mächte kri­ti­siert, nur weil der Spiel­lei­ter sie nicht gut erzählen/darstellen kann und bes­ser mit Lie­bes­ge­schich­ten ist…

  4. Rich­tig. Das geht in Rich­tung der Erzäh­lung durch das Dreh­buch. Da eine Rezen­sion auch immer zu Tei­len eine Mei­nungs­äus­se­rung ist. sehe ich es als legi­tim an, zu sagen, dass sie FÜR MICH nicht rein­passte, weil nicht zurei­chend erzählt.

  5. Adrian Bongarts via Facebook /

    Ich hätte mir hin­ge­gen ein­fach gewünscht, dass der Lie­bes­ge­schichte mehr Raum und Zeit im Film ein­ge­räumt wor­den wäre. Viele der monu­men­ta­len Bil­der (hab den Film im Anschluss an Tim und Struppi im Kino gese­hen — die bil­der sind wirk­lich gewal­tig!) hät­ten ver­mut­lich auch bes­ser gewirkt, wenn inner­halb des Films ein Kon­trast zur Nor­ma­li­tät her­ge­stellt wor­den wäre. Die Ver­bin­dung von Gegen­sätz­li­chem macht häu­fig ja den Reiz eines Sport­films aus (Bsp. Cool Run­nings oder Karate Kid [West-Ost]). Hier hätte die Bru­ta­li­tät und Öffent­lich­keit der Kämpfe einem ruhi­gen und pri­va­tem Dasein gut gegen­über­ge­stan­den.
    Im Hin­blick auf die Kri­tik am Kind: Das ist auch meine Schwä­che bei der Dar­stel­lung von Kin­dern (im Rol­len­spiel). Wenn mir auch die Niveau­an­pas­sung gelingt, sind Kin­der doch zumeist in ihrem Wesen stets neu­gie­rig, aben­teu­er­hung­rig und fröh­lich. Mir gelingt es sel­ten ver­schie­dene Alters­stu­fen vom Cha­rak­ter her zu unter­schei­den — häu­fig ver­hal­ten sie sich wie kleine Erwach­sene mit beschränk­ten Mög­lich­kei­ten (Ansichten/Fähigkeiten).
    Ähn­li­che Pro­bleme kenne ich von ande­ren Spiel­lei­tern bei der Dar­stel­lung von Frauen (wenn der SL ein Mann ist) und alten Men­schen (wenn der Spie­ler / SL deut­lich jün­ger als der dar­zu­stel­lende Cha­rak­ter sind), sowie ande­ren Ras­sen (ins­be­son­dere Zwerge, die häu­fig behaarte, kleine und trunk­süch­tige Men­schen ohne Kör­per­hy­giene zu sein schei­nen) und Kulturen…

  6. Das trifft ja genau das, was ich auch geschrie­ben habe. Dass die Erzäh­lung nicht zurei­chend war.

    Was Du ansprichst, sind Cli­chees. Rol­len­spiel lebt zu Tei­len davon, aber die Kunst ist es, den Arche­typ zu hal­ten und ihn so anzu­rei­chern, dass er sich doch wie­der davon abhebt.

  7. Ich fand den Film nicht schlecht, man ver­passt aber auch nichts, wenn man ihn nicht gese­hen hat.

  8. Mei­nes Erach­tens macht der Film an den meis­ten Stel­len grund­so­lide Arbeit dabei, die gen­re­be­ding­ten Erwar­tun­gen des Zuschau­ers zu erfül­len, um den Preis der Vor­her­seh­bar­keit natür­lich. Die Wand­lung des Vaters und die Repa­ra­tur der dys­funk­tio­na­len Vater-Sohn-Beziehung fin­den eine fast schon über­ra­schend glaub­wür­dige Dar­stel­lung, die Lie­bes­ge­schichte hin­ge­gen — naja, sie mußte halt noch irgend­wie rein, und so fühlt es sich denn auch an. Die Lang­sam­keit des Anfangs fand ich auch etwas irri­tie­rend, aber immer­hin bil­det sie dann das Fun­da­ment für den Pay­off am Ende.

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