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Die Avengers setzten sich über die Jahre aus immer anderen Konstellationen zusammen. Doch drei Helden sind häufiger im Team vertreten als alle anderen: Captain America, Iron Man und Thor. In diesem Artikel schauen wir auf die neuen Serien der Drei und sagen euch, welche es sich zu lesen lohnt.

Captain America war ein Schwächling, bevor er mit dem Supersoldatenserum zum Superhelden wurde. Doch sein Wille war schon immer stark. Im Auftaktband der neuen Serie erfahren wir, dass er bereits vor seiner Zeit als Nationalheld gegen die Nazis kämpfte und dass die düsteren Kräfte, die damals aktiv waren, auch heute wieder nach seinem Leben trachten.

Dagegen muss Allvater Thor Midgard vor einem Unheil aus einer anderen Welt beschützen, während Loki ganz eigene Pläne verwirklicht. Doch auch Beta Ray Bill und Storm bekommen einen Auftritt im Band.

Von Iron Man konnte uns schon der erste Band der Serie überzeugen. Nun sieht man auf dem Cover, dass eine Hochzeit mit Emma Frost Wie kann es dazu kommen? Und was hat sein neuester Feind Feilong mit der Angelegenheit zu tun?

Triggerwarnungen

Gewalt, Nationalsozialismus

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Captain America #1 – Der Anschlag

Seit der letzten Captain America Serie lebt Steve Rogers wieder in der Wohnung, in der er damals aufgewachsen ist. Doch nun wollen die Eigentümer das Haus abreißen lassen. Das lässt sich Steve nicht zweimal sagen und will selbst in das Haus investieren. Parallel dazu wird eine Geschichte aus seiner Jugend erzählt, die sich um den Amerikadeutschen Bund dreht, der vor dem zweiten Weltkrieg nationalsozialistische Ideen in den USA verbreitete und auch in Steves Viertel Propaganda betrieb. Als dritte Handlungsebene gibt es die Geschichte eines Geschäftsmanns namens Travis Lane, der ein Geschäft mit dem Dämonen Asmoday eingeht. Im Laufe der Handlung verweben sich diese drei Fäden zu einer Gesamthandlung.

Viele Neustarts von Marvel Comics werden damit beworben, dass sie gut für Neueinsteiger geeignet sind. Doch dieser ist es wirklich. Man muss nichts wissen und wird dennoch gut unterhalten. Gleichzeitig verzichtet der Band darauf, die Ursprungsgeschichte des Helden erneut zu erzählen. Es geht hier um den Kampf eines Mannes mit reinem Herzen gegen Hass und Kräfte, die größer sind als er selbst. Dass gleichzeitig ein Abenteuer aus seiner Jugend erzählt wird, erzeugt eine zusätzliche Spannungsebene. Auch wenn wir wissen, dass er unbeschadet aus dem Konflikt herausgeht, fragen wir uns, wie er gegen eine ganze Gruppe von Nazis bestehen kann und was Asmoday mit der Handlung zu tun hat.

Brauchen wir wirklich noch eine Geschichte über Dämonen?

Während sich der Autor im letzten Marvel Monthly darüber beschwerte, dass in letzter Zeit zu oft dämonische Mächte aufgetaucht sind, ist er hier davon überzeugt, dass diese wunderbar hierhin passen. Captain America ist ein Held, der Probleme mit seinem Intellekt, Führungsstärke und physischer Gewalt löst. Diese helfen aber nicht gegen mystische Mächte. So muss er sich wie schon gegen die Nazis mit Kräften anlegen, die über seiner Kragenweite liegen. Zwar holt er sich mit Doctor Strange tatkräftige Hilfe zur Unterstützung, doch dieser hat viel zu tun und kommuniziert mit ihm nur über eine Puppe. Dieses humoristische Element funktioniert wunderbar und lässt hoffen, dass die Puppe noch weitere Auftritte haben wird. Gleichzeitig darf Steve Rogers (wenn auch in der Vergangenheit) gegen Nationalsozialisten antreten, so dass ein klassisches Element ebenfalls eingeflochten wird. Dazu werden sogar historische Ereignisse in die Handlung eingeflochten.

Insgesamt schafft die verschachtelte Handlung einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann und eine perfekte Harmonie aus Spannung, Humor und Menschlichkeit erzeugt. Optisch kann der Comic auch überzeugen. Ab der Mitte der Handlung werden die plastischen Bilder von Jesus Saiz durch den weicheren Stil von Lan Medina ersetzt. Medinas Stil wirkt hier gefälliger, da er es besser schafft lebendige Figuren zu erschaffen. Beide Illustratoren schaffen es aber, Handlung rein über Bilder zu erzählen. Somit fügt sich alles zu einem guten Gesamtbild. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Handlung mit diesem Band nicht abgeschlossen ist, sondern im nächsten Comic der Reihe fortgesetzt ist.

Die harten Fakten

  • Autor*in: Joseph Michael Straczynski
  • Zeichner*innen: Jesus Saiz, Lan Medina
  • Seitenanzahl: 156
  • Preis: 20 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop

 

Der unsterbliche Thor #1 – Sturmfront

Auf den ersten Seiten dieses Comics wird ein großer Teil der letzten Reihen wieder rückgängig gemacht: Mjölnir wird repariert, die Regenbogenbrücke wieder aufgebaut, Thor bekommt sein altes Kostüm zurück und Loki verzichtet freiwillig auf den Thron der Eisriesen. Einzig Thor bleibt weiterhin der Allvater und muss direkt mit seinen Freunden gegen besagten Eisriesen, angeführt vom Utgard-Loki Skrymir, kämpfen. Doch Thor bleibt keine Zeit zum Erholen, denn Utgard hat auch einen Utgard-Thor zu bieten, der bei seinem Eintreffen in Midgard die Freiheitsstatue zerstört.

Der Comic hat einige Wendungen zu bieten und lässt dabei vieles unbeantwortet. Loki zeigt sich wieder einmal als Schurke, doch spielt auch dabei ein doppeltes Spiel. Seine Motivation wird dabei nicht wirklich klar. Der Hauptgegner ist Taranos, der Utgard-Thor. Eine neue Figur, die hauptsächlich als mächtig und geheimnisvoll beschrieben wird. Dadurch wird dieser Charakter aber auch nicht interessanter und die Art wie er besiegt wird, erzeugt ein Logikloch, das man so schnell nicht mehr stopfen kann. Dennoch kann man sich hier auf ein Zusammentreffen des Thor Corps freuen, zu dem hier auch Beta Ray Bill, Storm und andere gehören.

Ein Thor-Abenteuer durch und durch

Geschichten von Thor werden oft sehr hochtrabend mit einer Shakespeare-artigen Attitüde erzählt. Dies ist auch hier der Fall. Alles wirkt als ob es einer längst vergessen Mythologie entsprungen ist, dabei bedient sich die Geschichte vieler Freiheiten und eigener Ideen. Nichts davon ist schlimm, doch wenn man merkt, wie einfach die Handlung zusammengestrickt ist, wirkt dieses hochtrabende eher albern. Dabei fehlt es dem Comic auch an einer guten Prise Selbstironie und Humor.

Al Ewing versucht hier eine epische Geschichte zu erzählen und hat dabei auch gute Ansätze, schafft es aber nicht, diese Ansätze wirklich aufzulösen. Dadurch entstehen Widersprüche und lose Fäden, die in Zukunft wieder aufgegriffen werden können.

Was diesen Comic aber dennoch besonders macht, sind die außergewöhnlich schönen Zeichnungen von Martin Coccolo. Er schafft eine bunte phantasievolle Welt mit Figuren in tollen Kostümen. Einzig dem optischen Element des Blitzes bedient er sich ein wenig zu oft.

Die schwache Handlung und die hübschen Bilder ergeben zusammen einen durchschnittlichen Marvel-Comic, der nicht viel falsch macht, aber auch nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Thor-Fans werden sicher ihren Spaß haben, andere sollten aber lieber zu einer anderen Reihe greifen. Denn auch im Thor-Kosmos gibt es einige Bände, die Mythologie und Abenteuer zu einem besseren Gesamtwerk verbunden haben.

Die harten Fakten

  • Autor*in: Al Ewing
  • Zeichner*in: Martin Coccolo
  • Seitenanzahl: 148
  • Preis: 20 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop

 

Der Unbesiegbare Iron Man #2 – Mr. Und Mrs. Stark

Nachdem der erste Band der Reihe auf ein Crossover mit den X-Men vorbereitet hatte, findet dies hier seinen Höhepunkt. Tony Stark wurde seine Firma von Feilong genommen. Dieser baut nun verbesserte Sentinels, um Mutanten zu jagen. Um ihn aufzuhalten, muss Tony eine neuartige Rüstung bauen, die seine bisherigen Werke übertrifft und sich gleichzeitig mit Emma Frost zusammentun. Doch auch wenn Tony und Emma außer ihrer Arroganz wenig miteinander zu gemein haben, kommt es zu einer Hochzeit. Doch dann hat es Feilong auf Rhodey abgesehen.

Wenn dieser Comic mit einem überzeugen kann, dann sind es unvorhersehbare Wendungen. Dabei ist dieser Comic immer wieder sehr unterhaltsam und erfreut Lesende mit einigen Überraschungen, die hier nicht weiter ausgeführt werden sollen. Um das volle Leseerlebnis zu haben sollte man aber parallel auch in die aktuellen Ausgaben der Furchtlosen X-Men schauen. Die Handlung bleibt zwar auch ohne diese Hefte verständlich, aber es wirkt dennoch als ob zum vollständigen Bild etwas fehlt.

Ein Crossover zwischen Technik und Mutanten

Tony Stark wird in diesem Comic als ein Erfinder präsentiert, der immer wieder neue Gadgets erschafft. Dabei schafft Duggan aber auch zukünftige Logiklöcher durch viel zu mächtige Technologien, bei denen es schwer zu erklären sein wird, warum er diese nicht immer wieder einsetzen wird. Das große Finale im Konflikt steht aber noch aus. Dadurch wirkt auch der ganze Band wie eine Überbrückung zwischen zwei Teilen einer Geschichte. Gerade gegen Ende dieses Comics wird die Handlung dabei etwas wirr und es fällt schwer zu erkennen, worauf der Autor hiermit hinauswill.

Die Illustrationen sind solide und zeigen den typischen Marvel-Stil der letzten Jahre. Dadurch fällt es schwer zu erkennen, welche Zeichnungen von welchen Zeichner*innen stammen. Dafür wirkt das Comic aber auch wie aus einem Guss.

Durch die vielen Cameos von anderen prominenten Figuren ist dieser Comic keinesfalls für Comic-Anfänger zu empfehlen. Dieser Band richtet sich klar an eingefleischte Fans, die sich auf Begegnungen zwischen Tony Stark und Emma Frost freuen und denen auch schon das erste Exemplar dieser Reihe gefallen hat. Wer tief im Hintergrund der aktuellen Mutanten-Ereignisse steckt und gleichzeitig Interesse an der Figur Iron Man hat, sollte hier aber zugreifen.

Die harten Fakten

  • Autor*in: Gerry Duggan
  • Zeichner*innen: Andrea di Vito, Ig Guara, Juan Frigeri
  • Seitenanzahl: 148
  • Preis: 20 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop

 

Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Nina Horbelt
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