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Mit Schwingenschlag bringt Feuerland Spiele den gedanklichen Nachfolger von Flügelschlag auf den Markt. Statt Vögel werden nun Drachen in Habitate gesetzt. Teilzeithelden fasst zusammen, ob es in die Fußstapfen des Kennerspiels des Jahres 2019 treten kann, oder ob es sich beim Hype nur um heißen Drachenatem handelt.

Egal ob in der Literatur, im Film und Fernsehen oder eben im Brettspiel: Drachen sind ein beliebtes Thema. Kürzlich stellten Teilzeithelden euch das Kartenspiel Vale of Eternity vor, in welchem Drachen gezähmt und wieder freigelassen werden können. Mit Schwingenschlag kommt nun das nächste Brettspiel mit Drachenthema auf den Tisch. Hier versuchen die Spielenden, das persönliche Höhlentableau mit Drachen zu füllen und sich eine Engine im Stile von Flügelschlag aufzubauen. Wir haben uns angeschaut, welche Kniffe zur Zähmung der Drachen notwendig sind und wie es sich spielerisch zu Flügelschlag unterscheidet.

Triggerwarnungen

„keine typischen Trigger“

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Spielablauf

Der Aufbau des Spiels zeigt die Anlehnung an das Vorgängerspiel Flügelschlag. Auch hier erhalten alle Spielenden einen eigenen Spielbereich – das Höhlentableau. Es gibt verschiedene glänzende Papp-Ressourcen und hübsch gesprenkelte Dracheneier.

Auf der Kartentafel ist Platz für die offen ausliegenden Drachenkarten und ebenso die Höhlenkarten. Diese dienen dazu, eine Höhle für die Drachen auszugraben, damit diese dann in ihr Habitat ziehen können. Diese Mechanik gab es beim Vorgänger nicht.

Durch das Erforschen der eigenen Höhle erhält man durch die Drachengilde Belohnungen. Das können sowohl Ressourcen als auch Siegpunkte zu Spielende sein. Für Variabilität sorgen vier verschiedene Gildenplättchen. Im Spiel zieht man immer ein Feld vor und erhält durch die Drachengilde Belohnungen oder Ressourcen.

Auf der Rundentafel werden die Rundenziele in Form von vier kleinen Kärtchen festgehalten. Beim Aufbau hat man die Wahl aus zehn doppelseitigen Kärtchen. Somit ist genug Varianz gegeben.

Zu Beginn des Spiels können sich die Spielenden aus jeweils drei Höhlen- sowie drei Drachenkarten insgesamt vier Karten und drei Ressourcen ihrer Wahl aussuchen. Zu Beginn jeder Runde erhalten alle jeweils sechs Silbermünzen und ein Drachenei. Bis zu neun übriggebliebene Ressourcen dürfen jeweils in die nächste Runde übernommen werden.

Auf in die Höhle der Drachen!

Nach dem recht zügigen Aufbau kann das Spiel beginnen. Die angehenden Drachenprofis machen sich auf, um in vier Runden die meisten Siegpunkte zu erhalten und die schönsten Drachen anzusiedeln.

Wie auch Flügelschlag ist das Spiel für ein bis fünf Spielende ausgelegt. Im Solo-Spiel gibt es eine Automa, welche die Züge ausführt. Je mehr Mitspielende dabei sind, desto mehr Downtime entsteht. Da sich die Partie hauptsächlich auf dem persönlichen Tableau abspielt, gibt es nur wenig Interaktion zwischen den Mitspielenden.

Die Aktionen

In Schwingenschlag sind Silbermünzen eine zentrale Ressource. Jede Silbermünze ermöglicht einen zusätzlichen Spielzug. Bei jeder Aktion muss mindestens eine Silbermünze ausgegeben werden. Somit besteht eine Runde normalerweise aus sechs Zügen. Pro Zug kann eine Aktion durchgeführt werden.

Um Drachen auf dem Tableau platzieren zu können, muss die entsprechende Höhle ausgegraben sein. Jeweils die erste Höhle der Karmesin-Kaverne, Gold-Grotte und des Amethyst-Abgrunds sind zu Spielbeginn schon ausgegraben. Beim Ausgraben wird eine Höhlenkarte von der Hand auf das erste leere Feld von links in die Höhle gelegt. Hierzu muss mindestens eine Silbermünze gezahlt werden, für das dritte und vierte Feld müssen zusätzlich ein beziehungsweise zwei Dracheneier ausgegeben werden.

Für das Ausgraben der Felder erhält man einen Platzierungsbonus, wie Ressourcen oder das Vorrücken auf der Gildentafel. Wird die letzte Höhlenkarte einer Reihe platziert, besteht die Möglichkeit, drei Ressourcen abzugeben, um eine zusätzliche Silbermünze zu erhalten.

Drachen werden durch Anlocken auf das eigene Tableau gelegt. Hierfür wird eine Silbermünze, sowie die auf der Drachenkarte angeben Ressourcen ausgegeben. Die Drachen können immer nur in bestimmte Habitate gespielt werden. Diese Mechanik kennen wir schon aus Flügelschlag.

Durch das Erforschen der Höhlen kommt man zu Drachen- und Höhlenkarten sowie Ressourcen. Das Erforschen der Höhle kostet beim ersten Mal eine Silbermünze. Möchte man dieselbe Höhle in derselben Runde ein zweites und drittes Mal erforschen, müssen zusätzlich noch Eier bezahlt werden.

Je weiter wir in die Höhle vordringen, desto mehr Belohnungen erhalten wir.

Beim Erforschen stellt man eine kleine Holzspielfigur auf den entsprechenden Pfad in der Höhle und läuft diese von links nach rechts ab. Man kann so lange laufen, bis man auf das Stopp-Symbol trifft.

Kann oder will man keine weiteren Aktionen durchführen, muss man passen. Zwar ist man in der aktuellen Runde dann nicht mehr aktiv am Zug, kann aber noch Belohnungen durch die Züge der anderen Mitspielenden erhalten.

Das kleine 1×1 der Drachenkunde

Kommen wir zum Herzstück des Spiels: den Drachen(karten). Optisch machen die Karten sehr viel her, sie sind eindrucksvoll illustriert und die Autor*innen haben sich Mühe gegeben, interessante Namen für die Drachen zu finden, der gesprenkelte Lichtungsgeist lässt eine Naturverbundenheit vermuten, während der unterirdische Basilisk an die Welt von Harry Potter erinnert.

Bei den Drachen wird zwischen Jungtieren, mittleren und großen Drachen unterschieden. Jedem Drachen wird eine von vier Charaktereigenschaften zugeschrieben: aggressiv, hilfsbereit, scheu oder verspielt. Die Größe und die Charaktereigenschaft spielen allerdings nur beim Erreichen der Ziele eine Rolle. Anders als bei Flügelschlag gibt es keine Flügelspannweite, die spielmechanisch oder thematisch eine Rolle spielt.

Die Drachen haben entweder eine bestimmte Fähigkeit oder geben eine Belohnung. Dies kann beim Ausspielen, beim Erforschen oder zu Rundenende sein.

Durch unterschiedliche Drachen werden Punkte generiert.

Bei Schwingenschlag gibt es, im Vergleich zu Flügelschlag, keine unterschiedlichen Nesttypen. Das Nestsymbol auf den Karten bezieht sich lediglich darauf, wie viele Eier auf die Karte gelegt werden können. Jungtiere haben kein Nest, dafür verfügen sie alle über eine dreistufige Fähigkeit, welche beim Erforschen getriggert wird.

Im Kern des Spiels geht es darum, im Laufe des Spiels möglichst viele Ressourcen und Punkte zu generieren. Dies kann man durch geschicktes Ausspielen der Drachen und den Aufbau einer Engine erreichen.

Wie unterscheidet sich das Drachenzähmen vom Vögelsammeln?

Im direkten Vergleich von Schwingenschlag zu Flügelschlag ist der erste Unterschied, der ins Auge sticht, das Fehlen der Futterwürfel. Dies holt wohl viele Fans von Flügelschlag ab. Durch die Erforschen-Aktion kommen die Spielenden immer genau an die Ressourcen, die benötigt werden und sind nicht mehr auf das Würfelglück angewiesen.

Der zweite große Unterschied ist, dass vor Platzierung der Drachen die entsprechende Höhle ausgegraben werden muss. Dies ist in der Planung zu berücksichtigen und sorgt für weitere taktische Möglichkeiten durch den Erhalt des Platzierungsbonus beim Ausgraben.

Ganz neu ist ebenfalls die Gildentafel. Diese sorgt für viele Ressourcen sowie weitere Siegpunkte am Ende der Partie.

Individuelle End-Siegpunkte im Sinne von Bonuskarten sucht man bei Schwingenschlag vergeblich. Diese sind direkt auf einigen Drachenkarten ersichtlich. Das führt zu mehr Planbarkeit und macht das Spiel etwas einfacher.

Die Drachen haben keine „Zwischen den Zügen“-Boni, das macht es ebenso etwas einfacher, da sich nicht auch noch darauf konzentriert werden muss. Dafür geht leider auch vieles an Interaktion zwischen den Spielenden verloren. Das Spiel findet zum Großteil auf dem eigenen Tableau statt.

Ebenso gibt es keine verschiedenen Nest-Typen. Die Raubtier-Fähigkeit fällt ebenso weg. Das ist ein bisschen Schade, da es thematisch passen würde, wenn die aggressiven Drachen andere Artgenossen jagen würden. Eine thematische Auseinandersetzung mit dem Thema, abgesehen von der Illustration, wäre schön gewesen.

Durch den Einsatz der Silbermünzen variiert die Anzahl der Züge pro Runde. Manche Drachen kosten eine zusätzliche Silbermünze, was dazu führt, dass man einen Zug weniger zur Verfügung hat. Gleichzeitig bringen einige Platzierungsboni oder Erforschen-Fähigkeiten Silbermünzen, wodurch man wieder einen Zug generieren kann. Insgesamt bringt das Ausgeben der Münzen somit die größte taktische Tiefe im Spiel.

Ausstattung

Wie wir es von Feuerland Spiele gewohnt sind, ist das Material sehr hochwertig. Ganz besonders hervorzuheben ist die Qualität der verschiedenen Begleithefte. Davon gibt es neben der Spielanleitung noch die Regeln für das Solo-Spiel und ebenso ein kleines Lexikon, in welchem die Drachen in wenigen Sätzen vorgestellt werden. Das ist ein nettes Gimmick und sehr liebevoll gestaltet. Gleichzeitig wird es nur beim ersten Mal durchgeblättert, anschließend wird es wohl nie wieder aus der Schachtel genommen.

Das Regelheft ist verständlich geschrieben und lässt keine Fragen offen. Für Spielende die Flügelschlag kennen, werden bestimmte Unterschiede besonders hervorgehoben.

Die Ressourcen und die glänzenden Silbermünzen sind auf Pappe gedruckt. Besonders bei den Münzen wäre eine Metallversion schön gewesen. Hierfür gibt es allerdings das Upgrade Pack, welches beim Verlag bestellt werden kann.

Für die hochwertigen Materialien musste ein selbstgedrucktes Insert her

Die Karten und verschiedenen Plättchen sind ebenso hochwertig wie gut lesbar. Die Illustration insgesamt ist sehr schön. Positiv fällt auf, dass sowohl westliche als auch asiatische Drachen gleichermaßen dargestellt werden.

Bei allem Positiven gibt es in Punkto Ausstattung, dennoch einen Wehrmutstropfen. Wie auch schon bei Arche Nova hat Feuerland Spiele, abgesehen von den kleinen Boxen für die Eier, auch hier auf ein Insert verzichtet. Somit würden die hochwertigen Komponenten lose in der Schachtel liegen oder durch ein Tütchen-Chaos voneinander abgetrennt werden.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Feuerland Spiele (Stonemaier Games)
  • Autor*in(nen): Connie Vogelmann, David J. Studley
  • Illustrator*in(nen): Clémentine Campardou
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Sprache: deutsch
  • Spieldauer: 90 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 1 2 3 4 5
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Preis: 65 Euro
  • Bezugsquelle: Fachhandel, idealo

 

Bonus/Downloadcontent

Auf der Verlagsseite von Feuerland Spiele gibt es die Regelhefte zum Download. Dort wird ebenso auf das Upgrade Pack verwiesen, welches Metallmünzen und Holzressourcen beinhaltet.

Fazit

Elizabeth Hargrave, die Entwicklerin von Flügelschlag, hat auch an der Entwicklung von Schwingenschlag mitgewirkt. Somit liegen die Ähnlichkeiten auf der Hand.

Schwingenschlag kann durchaus in die Fußstapfen seines Vorgängers treten. Durch das Ausspielen von Drachenkarten wird auf dem persönlichen Tableau eine Engine entwickelt, die Ressourcen und Punkte generieren soll. Durch das Ausgraben von Höhlen, den Einsatz von Silbermünzen und das Fehlen der Würfel ist das Spiel taktischer im Vergleich zu Flügelschlag. An anderer Stelle ist das Spiel gleichzeitig etwas einfacher. So erhält man beispielswiese durch das Erforschen der Höhle immer genau die Ressource, die man benötigt und ist nicht auf das Würfelglück angewiesen. Optisch überzeugt Schwingenschlag durch hochwertige Materialien. Die liebevoll gestalteten Drachenkarten sorgen für die thematische Umsetzung. Gleichzeitig hätte das Thema etwas immersiver gestaltet werden können.

Schwingenschlag kann vor allem durch die Illustration und neue Mechaniken überzeugen.

Schwingenschlag ist empfehlenswert für Spielende, denen Flügelschlag zu viel Glücksfaktor beinhaltet. Ebenso werden Drachenfans auf ihre Kosten kommen sowie alle, die Wert auf taktische Züge legen und die auf eine hohe Interaktion zwischen Spielenden verzichten können.

Insgesamt erhält Schwingenschlag von uns vier von fünf Dracheneiern.

  • Züge gut planbar
  • Schöne Illustrationen und hochwertiges Material sowohl im Spiel als auch bei der Anleitung
  • Neue Mechaniken holen auch Personen ab, die Flügelschlag kennen
 

  • Kaum Interaktion zwischen den Spielenden
  • Thematische Umsetzung überwiegend nur über die Grafik

 

Artikelbilder: © Feuerland Spiele
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Saskia Harendt
Fotografien: Claudia Scarvaglieri

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