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Monster im Anmarsch, Schatztruhen glitzern im Halbdunkel und eine Prise Feenstaub liegt in der Luft: Dungeon Legends vereint Deckbau und Dungeon-Abenteuer in der fantastischen Welt der Chroniken von Avel. Das kooperative Kartenspiel schickt uns in fünf abwechslungsreiche Kapitel – ob das familienfreundliche Fantasy-Erlebnis überzeugt?

Nach dem familienfreundlichen Die Chroniken von Avel von 2021, in dem wir mit unseren Kids das Königreich vor dem Biest des Dunkelmonds beschützten, legt Rebel Studio nun nach: Dungeon Legends führt uns zurück nach Avel – diesmal hinab in die Tunnel und Kellergewölbe unter der Burg. Autor Przemek Wojtkowiak und Illustrator Bartłomiej Kordowski, das Duo hinter Avel, bieten ein kooperatives Kartenspiel im Dungeon-Crawl-Gewand. Wie schon das Vorgängerspiel richtet sich Dungeon Legends an Phantastik-Fans und Familien: ein Leichtgewicht, das beweist, dass Dungeon-Crawling nicht immer hochkomplex sein muss. Damit reiht es sich in die Reihe moderner Einstiegs-Fantasyspiele ein – vergleichbar mit Andor Junior oder My Little Scythe, die bekannte Abenteuer für jüngere Spieler*innen zugänglich machen. Doch Dungeon Legends zielt auf die nächste Stufe: Ab zehn Jahren dürfen nun auch etwas ältere Kids und Erwachsene gemeinsam in die Dunkelheit hinabsteigen. Ob das gelingt? Wir haben uns mutig in die Tiefe gewagt.

Triggerwarnungen

Fantasy-Gewalt

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Spielablauf

In Dungeon Legends schlüpfen ein bis vier Personen in die Rollen verschiedener Held*innen, wobei jeweils eigene Startdecks aus zehn Aktionskarten zur Verfügung stehen – vertreten sind Ritter, Schmiedin, Späher und Magierin. Anders als bei den meisten Spielen kommt eine großformatige Neopren-Spielmatte anstelle eines traditionellen Spielbretts zum Einsatz, ähnlich wie bei Flamecraft. Gleich zu Beginn eines Abenteuers positioniert sich die Gruppe schützend an der Burg von Avel, während ein separater Kartenstapel das Dungeon-Erkundungsdeck bildet. Das Spiel ist in fünf Kapitel gegliedert, die lose miteinander verknüpft einen Kampagnenmodus ergeben. Allerdings bleibt die erzählerische Klammer zwischen den Kapiteln eher vage – sie dient hauptsächlich als thematischer Rahmen und nicht als ausgearbeitete Story.

Die spielbaren Charaktere.
Die spielbaren Charaktere.

Jedes dieser Kapitel präsentiert sich als eigenständiges Szenario mit eigenen Regeln und Zielen und kann unabhängig von den übrigen Kapiteln gespielt werden. Eine fortlaufende Charakterentwicklung findet kaum statt: Lediglich eine verbesserte Karte wird zwischen den Abenteuern behalten, was insbesondere für Gruppen, die keinen Wert auf epische Kampagnen legen, ein Vorteil sein dürfte. Wer hingegen eine kontinuierliche Entwicklung wie in klassischen Dungeon-Crawlern erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Dafür stellen die einzelnen Kapitel jeweils eigene Herausforderungen dar und werden als knifflige Rätsel inszeniert. Die Spieldauer pro Session liegt meist zwischen 60 und 90 Minuten.

Das Grundregelwerk bleibt über alle Kapitel hinweg konstant: Während eines Zuges werden in der Regel fünf Handkarten ausgespielt und deren Effekte angewendet – beispielsweise um Monster zu attackieren, sich über das Spielfeld zu bewegen oder magischen Staub zu generieren. Alle nicht genutzten Karten verfallen, denn am Zugende wird die gesamte Hand abgeworfen und fünf neue Karten vom persönlichen Deck gezogen. Alternativ können auch jederzeit drei beliebige Handkarten abgelegt werden, um eine von vier Basisaktionen auszuführen (zum Beispiel Bewegung, Angriff, Staub nehmen oder heilen) – das gibt Flexibilität, selbst wenn die gezogenen Karten einmal nicht passen. Im Anschluss wird eine Karte vom Dungeon-Stapel aufgedeckt: Ereigniskarten lösen meistens negative Effekte wie Fallen oder spezielle Herausforderungen aus, während Monsterkarten neue Gegner auf den Dungeonpfad bringen.

Die Startauslage des Spähers.
Die Startauslage des Spähers.

Diese Monster erscheinen auf einer Bahn und marschieren in Richtung Burg. Hier zeigt sich der Tower-Defense-Charakter: Sobald ein Monster die Burg erreicht, ist das Abenteuer unmittelbar verloren. Gleiches gilt, wenn für neu auftauchende Monster kein Platz mehr auf der Bahn ist – dann wird die Held*innengruppe schlicht überwältigt. Dadurch entsteht die ständige Abwägung: Sollen die Monster bekämpft werden, um das Spiel nicht zu verlieren, oder soll die eigentliche Kapitelaufgabe verfolgt werden, um zu gewinnen? Das Besiegen von Monstern liefert keine Siegpunkte, bringt aber wichtige Belohnungen – meist in Form einer neuen, stärkeren Aktionskarte, die das eigene Deck dauerhaft bereichert. Diese Karten, häufig mit auffälligem Holo-Foil-Effekt gestaltet, bieten oft besondere Fähigkeiten, die durch das Ausgeben von Staub aktiviert werden können.

Durch den Kampf gegen Monster wächst die Gruppe schrittweise – ein unkompliziertes, aber motivierendes Deckbuilding-System. Im Gegensatz zu klassischen Deckbuildern werden in Dungeon Legends keine Karten aus dem eigenen Deck entfernt – alle Startkarten bleiben bis zum Ende im Umlauf. Nach jedem Kapitel darf man lediglich eine der neuen, stärkeren Karten für die nächste Runde behalten, der Rest wird wieder aussortiert. So bleibt das Deck stets überschaubar und die Kartenvielfalt wächst langsam, ohne unübersichtlich zu werden. Jedes Kapitel setzt eigene Missionsziele, die oft mit den Orten auf dem Spielfeld verknüpft sind. Die Spielmatte zeigt sechs verschiedene Orte, deren Anordnung und Funktion sich je nach Kapitel und Zufall ändern können. An manchen Orten stehen Sonderaktionen bereit, mit denen zusätzliche Angriffe, Heilungen oder das Lösen der Kapitelaufgabe ermöglicht werden.

Beispielhaft zeigt sich das im ersten Kapitel: Hier bricht im unterirdischen Gewölbe ein Feuer aus, sodass Wasser-Marker gesammelt, transportiert und an Brandherde gebracht werden müssen – alles unter dem ständigen Druck heranrückender Monsterwellen. In späteren Kapiteln werden magische Stürme gebändigt, indem bestimmte Karten auf dem Dungeonpfad gezielt platziert und durch Aktionen entfernt werden. Die Zeit sitzt den Beteiligten stets im Nacken: Sobald der Dungeon-Kartenstapel erschöpft ist, endet das Kapitel in einer Niederlage, sofern das Ziel bis dahin nicht erreicht wurde.

Besonders reizvoll ist die ständige Entscheidung zwischen der Verteidigung der Burg und der Erfüllung der Kapitelaufgaben, wodurch eine permanente Anspannung am Spieltisch entsteht und Teamwork gefordert ist. Dungeon Legends verbindet so Elemente von Tower-Defense mit kooperativen Rätseln, anstatt auf die klassischen Dungeon-Crawler-Mechanismen zu setzen (was bei dem Namen eher zu erwarten gewesen wäre). Das Besiegen von Monstern ist unerlässlich, um die Partie nicht zu verlieren und bessere Karten zu erhalten – doch wer gewinnen will, muss auch mal Risiken eingehen und das eigentliche Ziel verfolgen, statt alle Gegner zu beseitigen.

Gerade dieser Balanceakt sorgt immer wieder für markante Momente, etwa wenn eine besonders starke Bedrohung absichtlich näher an die Burg gelassen wird, nur um im letzten Moment die eigentliche Aufgabe erfolgreich zu lösen. Die unterschiedlichen Fähigkeiten der Charaktere – Ritter als Kämpfer, Schmiedin mit Ausrüstungsoptionen, Späher als Bewegungsspezialist, Magierin mit Zaubern – fördern ständigen Austausch und gemeinsames Planen am Tisch. Außerdem stehen allen Charakteren im Lauf des Spiels bis zu drei individuelle Spezialfähigkeiten über ihre Fähigkeitsleiste zur Verfügung. Zusätzlich können die sogenannten Feen gesammelt und für besondere Einmaleffekte eingesetzt werden, etwa um Karten zu ziehen, Orte freizuschalten oder Sonderaktionen zu nutzen. Das sorgt für noch mehr taktische Tiefe und macht die Wahl der richtigen Zeitpunkte entscheidend.

Im Schwierigkeitsgrad beginnt Dungeon Legends recht zugänglich und verzeiht Fehler in den ersten Kapiteln, zieht aber mit zunehmender Spieldauer deutlich an. Selbst bei guter Planung kann eine Partie durch unvorhergesehene Ereignisse oder Monsterzüge kippen – der Zufallsfaktor erhöht die Wiederspielbarkeit, fordert aber strategisch denkende Gruppen heraus. Der Zugang ist dennoch niedrigschwellig: Die Regeln bleiben überschaubar, jede Rolle ist schnell erfasst, und pro Kapitel gibt es nur wenige Orte und Monstertypen zu überblicken.

Vieles wirkt vertraut, gerade für alle, die bereits Chroniken von Avel mochten – hier wird lediglich mit Karten statt mit Würfeln gespielt.

Ausstattung

Wird die Schachtel von Dungeon Legends geöffnet, präsentiert sich ein recht großer Umfang an Spielmaterial. Mit 182 Karten, einer großflächigen Neopren-Spielmatte anstelle eines klassischen Brettes, vier doppellagigen Charaktertableaus sowie einer Vielzahl an Markern und Pappaufstellern ist die Box prall gefüllt. Besonders hervorzuheben bleibt das durchdachte Sortiersystem: Zwölf passgenaue Schachteln ermöglichen eine übersichtliche Vorab-Verteilung des gesamten Materials. Für alle Charaktere existiert eine eigene kleine Box, ebenso für sämtliche Kapitel und die allgemeinen Karten – ein Organisationsgrad, der sehr begrüßenswert ist. Zwar müssen vor der ersten Partie sämtliche Marker und Karten in die Schachteln verteilt werden, doch geht der Aufbau zukünftiger Runden dann ausgesprochen flott vonstatten. Ordnung im Dungeon-Chaos wird hier großgeschrieben.

Die Schachteln sorgen für Ordnung auf dem Tisch und in der Schachtel.
Die Schachteln sorgen für Ordnung auf dem Tisch und in der Schachtel.

Die grafische Gestaltung von Bartłomiej Kordowski fällt sofort ins Auge. Vom atmosphärisch gestalteten Cover bis hin zu den detailverliebten Karten illustriert Dungeon Legends die Welt von Avel in farbenfrohem, dabei aber leicht düsterem Stil. Insbesondere Monster- und Ortskarten überzeugen durch ihre atmosphärische Ausstrahlung und stimmen schon visuell auf die Herausforderungen der jeweiligen Kapitel ein. Die Porträts der Held*innen konnten zwar in der Spielrunde nicht durchgängig begeistern – das bleibt aber Geschmackssache und fällt kaum ins Gewicht. Es mag aber auch sein, dass der liebevolle „Mal-deinen-eigenen-Charakter“-Charme von Die Chroniken von Avel noch zu präsent ist und die hier nicht vorhanden Personalisierung daher negativ auffällt. Insgesamt bleibt die optische Präsentation dem charmanten Stil der Welt von Avel treu, erscheint jedoch passend zur düsteren Thematik des Dungeons etwas ernster.

Die Materialqualität erfüllt selbst hohe Erwartungen an ein Spiel dieser Preisklasse, wenn sie sie nicht sogar übertrifft. Die Karten überzeugen durch Stabilität, wichtige Gegenstandskarten glänzen mit Holo-Foil-Effekt. Die großformatige Neoprenmatte liegt plan auf dem Tisch und wertet das Spielgefühl spürbar auf. Dicke Kartonmarker, stabile Aufsteller sowie vier beidseitig gestaltete Charaktertafeln mit Einkerbungen für Ausrüstungsplättchen hinterlassen einen langlebigen Eindruck.

Es glitzert so wunderschön.
Es glitzert so wunderschön.

Leider bleibt bei all dem Lob ein kleiner Wermutstropfen nicht aus: das Regelheft. Für ein im Kern unkompliziertes Spiel präsentiert sich die Anleitung überraschend unübersichtlich. Die Regeln sind lückenhaft und teils umständlich erklärt. So wurde etwa der Aufbau des Spiels ans Ende der Anleitung verlagert, was gerade bei der ersten Partie für Verwirrung sorgt. Essenzielle Abläufe finden sich nur bruchstückhaft und verstreut, sodass gerade weniger erfahrene Gruppen mit offenen Fragen zurückbleiben. Positiv fällt hingegen auf, dass das gesamte Spielmaterial – abgesehen vom Geschichtenbuch – komplett sprachneutral gehalten ist. Sind die Regeln erst einmal verinnerlicht oder erklärt worden, läuft das Spiel problemlos und Dungeon Legends entpuppt sich als eingängiges, kooperatives Abenteuer.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Asmodee, Rebel Studio
  • Autor*in(nen): Przemek Wojtkowiak
  • Illustrator*in(nen): Bartłomiej Kordowski
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: ca. 60 bis 90 Minuten pro Kapitel
  • Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 4 Personen (am besten zu zweit oder dritt)
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Preis: ca. 45 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Die Mini-Erweiterung der Einhörner.
Die Mini-Erweiterung der Einhörner.

Zusätzlich zum Grundspiel liefert Dungeon Legends kleine Extras für Fans. In der Schachtel befinden sich vier spezielle Einhorn-Plättchen samt Mini-Regelblatt – eine Mini-Erweiterung, die eigentlich für Die Chroniken von Avel gedacht ist. Avel-Liebhaber können so ihr altes Spiel mit niedlichen Einhörnern bereichern. Für Dungeon Legends selbst sind aktuell keine Erweiterungen angekündigt; jedoch hat das Avel-Universum bereits mit Chronicles of Avel: New Adventures eine große Erweiterung erhalten. Es wäre also keine Überraschung, wenn Rebel Studio in Zukunft weitere Kapitel oder Bonus-Inhalte nachlegt.

Offizielle Regel-Downloads stehen schon jetzt bereit: Auf der Asmodee-Webseite findet man die Dungeon Legends Anleitung sowie das komplette Geschichtenbuch als PDF.

Fazit

Dungeon Legends vermochte es, die Sehnsucht nach Avel neu zu entfachen. Bereits als große Fans der Chroniken von Avel war die Neugier auf den Nachfolger entsprechend hoch – und die Erwartungen wurden vollauf erfüllt. Mit seiner gelungenen Mischung aus zugänglichem Regelwerk, überraschender taktischer Tiefe und charmant erzählten Quests gelingt es Dungeon Legends, eine fesselnde Atmosphäre zu schaffen. Besonders die kreativen Kapitelziele und der ausgewogene Mix aus Monsterabwehr und missionsbezogenen Aufgaben stechen hervor. Jeder errungene Sieg fühlte sich verdient und erinnerungswürdig an, während knappe Niederlagen sofort den Ehrgeiz für einen weiteren Versuch weckten.

Natürlich wäre eine überarbeitete Anleitung wünschenswert und die Hintergrundgeschichte bleibt eher stimmungsvolle Kulisse als episches Kampagnenerlebnis. Auch das Kartenzieh-Glück kann zu gelegentlichen Stimmungsschwankungen führen. Diese kleineren Schwächen treten jedoch angesichts des überzeugenden Gesamtpakets in den Hintergrund: Dungeon Legends bietet kooperativen Fantasy-Spielspaß für Familien und Gelegenheitsspielende, ohne dabei erfahrene Gruppen zu unterfordern. Die hochwertige Ausstattung unterstreicht das Spielerlebnis zusätzlich – die Neopren-Spielmatte und die glänzenden Karten lassen auch das Herz von Sammler*innen höherschlagen.

Unterm Strich bereichert Dungeon Legends das Avel-Universum um ein gelungenes, kooperatives Abenteuer. Die Wertung am Tisch ist damit verdient – vier von fünf Holo-Foil-Karten.

  • Hochwertiges Material und Ordnungssystem
  • Ideal für Familien
  • Abwechslungsreiche Szenarien
 

  • Schwaches Regelheft
  • Kampagne nur lose verbunden
  • Glücksfaktor

Artikelbilder: © Asmodee
Layout und Satz: Mika Eisenstern

Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Tim Billen
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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