Crossgendering im Tischrollenspiel — Revisited

Jun 10

Crossgendering im Tischrollenspiel — Revisited

Oder: Was, wenn jemand das „fal­sche“ Geschlecht spielt?

Rol­len­spiel lebt von zwei Din­gen: Vor­stel­lungs­kraft und Krea­ti­vi­tät. Jede Aktion im Spiel bedarf der Krea­ti­vi­tät des beschrei­ben­den Spie­lers und der Vor­stel­lungs­kraft aller ande­ren Run­den­mit­glie­der. Eine Rol­len­spiel­runde kann nur ver­nünf­tig funk­tio­nie­ren, wenn die Krea­ti­vi­tät und die Vor­stel­lungs­kraft aller Run­den­mit­glie­der halb­wegs kom­pa­ti­bel sind. Und gerade dann, wenn ein Spie­ler das „fal­sche“ Geschlecht spielt, kommt es hier zu den meis­ten Kompatiblitätsproblemen.

Eine Anmer­kung vor­weg: Wenn ich in die­sem Arti­kel von einem „Spie­ler“ rede, dann ist das grund­sätz­lich geschlechts­neu­tral gemeint, es sei denn natür­lich, ich setze ein ent­spre­chen­des Adjek­tiv davor.

„Visu­elle Verwechslung“

Das gän­gigste Pro­blem ist die „Visu­elle Ver­wechs­lung“ des Geschlech­tes durch die Runde. Gerade wenn die Immer­sion ins Spiel nicht allzu tief ist, ten­die­ren die Spie­ler samt Spiel­lei­ter gerne dazu, das Geschlecht des Cha­rak­ters mit dem Geschlecht des Spie­lers gleich­zu­set­zen. Wenn also ein weib­li­cher Spie­ler einen männ­li­chen Cha­rak­ter spielt, kann es durch­aus vor­kom­men, dass der Cha­rak­ter in der Taverne von ande­ren männ­li­chen (N)SC ein­deu­tige Ange­bote bekommt – bis die ent­spre­chen­den Mit­spie­ler wie­der an das Geschlecht des Cha­rak­ters erin­nert werden.

In den meis­ten Fäl­len sorgt diese Ver­wechs­lung aller­dings nur für einen klei­nen Lacher am Rande, und spä­tes­tens nach­dem die Runde zwei, drei Abende gespielt hat, nimmt die Häu­fig­keit der Ver­wechs­lun­gen ab.

Wenn aller­dings in einer län­ger­fris­tig gespiel­ten Tisch­runde die Ver­wechs­lun­gen anhal­ten, ist dies ein Indi­ka­tor dafür, dass die betref­fen­den Spie­ler ent­we­der nicht ganz bei der Sache sind (siehe nächs­ter Punkt) oder aber ein ernst­haf­tes Pro­blem mit der Dar­stel­lung haben (siehe über­nächs­ter Punkt)

Auf Con­ven­ti­ons aller­dings muss man bei Cha­rak­te­ren mit abwei­chen­dem Geschlecht damit rech­nen, dass es in jeder Runde pas­sie­ren wird – schlicht und ein­fach, weil man es immer mit neuen Run­den zu tun hat.

Feh­lende Immersion

Spie­ler tau­chen unter­schied­lich tief in die Spiel­welt ein. Einige Spie­ler ver­set­zen sich wie Schau­spie­ler in ihren Cha­rak­ter hin­ein und sehen die Spiel­welt durch des­sen Augen. Andere Spie­ler tau­chen nicht so tief ein und über­le­gen sich bei jeder Hand­lung aufs neue „Was würde mein Cha­rak­ter jetzt tun?“. Und dann gibt es noch die Spie­ler, für die ein Cha­rak­ter wirk­lich nur eine Spiel­fi­gur ist, die man braucht, um die­ses Spiel zu gewinnen.

Gerade letz­tere Spie­ler nei­gen lei­der dazu, die Dar­stel­lung der eige­nen Cha­rak­tere zu ver­nach­läs­si­gen und sich im Zuge des­sen auch nicht allzu sehr für die Dar­stel­lung der ande­ren Cha­rak­tere der Gruppe zu inter­es­sie­ren. Gerade für diese Leute wird die Krie­ge­rin der Gruppe, gespielt von einem männ­li­chen Spie­ler, auf „Nah­kämp­fer“, „Front­li­ner“ oder „Tank“ redu­ziert, denn die Berei­che außer­halb der Kämpfe inter­es­sie­ren eh nicht. Und so wird dann schnell aus dem Tank „der Tank“ – mit dem Effekt, daß diese Spie­ler regel­mä­ßig an das tat­säch­li­che Geschlecht des Cha­rak­ters erin­nert wer­den müssen

Die Frage ist, wer jetzt eigent­lich stö­rend her­aus­sticht. Ist es die­ser Spie­ler, wäh­rend der Rest der Runde eigent­lich tie­fe­res Rol­len­spiel betrei­ben möchte? Dann spricht nichts gegen den Cha­rak­ter, und der Spie­ler muss halt ler­nen, damit umzu­ge­hen. Ist aber die ganze Gruppe nicht auf Tief­gang im Cha­rak­ter­spiel aus­ge­legt, muss man selbst ler­nen, damit umzu­ge­hen, oder not­falls den Cha­rak­ter wech­seln. Es kommt immer auf den Grup­pen­kon­sens an.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!

Es gibt auch Men­schen, die aus ethi­schen, reli­giö­sen oder sons­ti­gen welt­an­schau­li­chen Grün­den die Dar­stel­lung des „fal­schen“ Geschlech­tes in ihren Run­den grund­sätz­lich ableh­nen. Ich möchte diese Gründe an die­ser Stelle nicht zer­re­den, da jeder Mensch das Recht auf eine eigene Mei­nung hat. In den meis­ten Fäl­len kann man sich in einem Gespräch mit den ent­spre­chen­den Spie­lern auf einen Kon­sens eini­gen, wahl­weise indem man einen ande­ren Cha­rak­ter spielt oder seine Dar­stel­lung mäßigt, oder halt, im schlimms­ten Fall, aus der Runde austritt.

Das klingt zwar dras­tisch, aber im Grunde genom­men pas­siert das glei­che, wenn in einer in der Ober­schicht ange­setz­ten gesell­schaft­li­chen Shadowrun-Runde ein hoch­op­ti­mier­ter Stra­ßen­sa­mu­rai mit­spie­len möchte, der nur für Kämpfe zu gebrau­chen ist. Hier bleibt auch nur die Wahl, den Cha­rak­ter anzu­pas­sen, einen ande­ren Cha­rak­ter zu spie­len oder die Runde zu verlassen.

Män­ner kön­nen keine Frauen spielen!

Ein weit ver­brei­te­tes Argu­ment ist, dass Män­ner ein­fach keine Frauen spie­len kön­nen, weil sie nicht das Ein­füh­lungs­ver­mö­gen dafür hät­ten. Ähn­li­che Argu­men­ta­tio­nen gibt es auch über Frauen, die Män­ner spie­len möch­ten. In bei­den Fäl­len wird den Spie­lern vor­ge­wor­fen, ein­fach nur die gän­gi­gen Cli­chées zu bedienen.

Hierzu soll­ten wir uns mal vor Augen hal­ten, das Rol­len­spiel im Grunde von genau die­sen Cli­chées lebt!

Um einen Cha­rak­ter glaub­haft dar­zu­stel­len, ach­tet man, bewusst oder unter­be­wusst, dar­auf, wich­tige Punkte, die andere Spie­ler (und man selbst) ein­fach erwar­ten wür­den, zu erfüllen.

Ein Bei­spiel aus dem Live-Rollenspiel: Wenn ich einen Cha­rak­ter in Plat­ten­rüs­tung mit einem gro­ßen Schwert sehe, dann gehe ich davon aus, daß das ein Krie­ger ist – alle gän­gi­gen Cli­chèes sind erfüllt. Wenn die­ser Spie­ler mir erzäh­len würde, er wäre ein Elfen­ma­gier, würde ich das nicht glau­ben. Da stimmt ein­fach etwas nicht an dem Bild.

Genau das glei­che trifft auch beim Tisch­rol­len­spiel auf: Wenn man den elfi­schen Bogen­schüt­zen beschreibt, dann dür­fen weder die spit­zen Ohren, noch der schlanke Kör­per­bau, noch der kunst­voll gear­bei­tete Bogen feh­len. Es gibt hier inter­es­sante Abwei­chun­gen, wie bei­spiels­weise den fet­ten Elfen, aber im Grunde ist selbst dies ein Spiel mit einem gän­gi­gen Cli­chée, wäh­rend die rest­li­chen Cli­chées erhal­ten bleiben.

Diese Chli­chées tre­ten immer wie­der auf: Magier tra­gen Roben, Bar­ba­ren große Zwei­hand­schwer­ter, Diebe sind flink, ath­le­tisch und meist dun­kel geklei­det, Geweihte/Priester schrei­ten, anstatt zu gehen, Adlige sind hoch­nä­sig etc.

Um wie­der auf die Ausgangs-Unterstellung zurück­zu­kom­men: Ich als Mann kann mich natür­lich nicht in eine Frau hin­ein­ver­set­zen und die Gefühls­welt völ­lig kor­rekt abbil­den. Aber Hand aufs Herz: Ich kann mich auch nicht in einen Bar­ba­ren im Len­den­schurz mit Zwei­hand­schwert hin­ein­ver­set­zen, um die Gefühls­welt kor­rekt abzu­bil­den. Oder in einen aka­de­mi­schen Magier. Oder gar in einen Elfen. Das heißt: Alle diese Dar­stel­lun­gen sind gleich falsch.

Wenn ich von die­ser Prä­misse aus­gehe, dürfte ich eigent­lich nur Men­schen spie­len, die unge­fähr Mitte 30 sind, wahl­weise Medi­en­ge­stal­ter, Demo­s­ce­ner, Musi­ker, Schau­kämp­fer oder Blog­au­to­ren sind – und mit einem gewis­sen Über­ge­wicht zu kämp­fen haben. Das schränkt die Cha­rak­ter­aus­wahl schon enorm ein, finde ich.

Aber glück­li­cher­weise geht es im Rol­len­spiel nicht darum, die Gefühls­welt eines Cha­rak­ters kor­rekt dar­zu­stel­len – es geht darum, sie glaub­haft darzustellen!

Sus­pen­sion Of Disbelief

An die­ser Stelle muss ich einen klei­nen Exkurs machen und ein Fach­wort erklä­ren, wel­ches haupt­säch­lich im Zusam­men­hang mit Ani­ma­ti­ons­fil­men geprägt wurde: Sus­pen­sion Of Disbelief.

Das Gehirn hat die Ange­wohn­heit, Dinge, die nur gering­fü­gig von der eige­nen Wahr­neh­mungs­welt abwei­chen, zu kor­ri­gie­ren und als „noch rea­lis­tisch“ ein­zu­stu­fen. Das heißt, es erkennt zwar, dass es hier um etwas künst­li­ches geht, aber das Künst­li­che wird als glaub­haft ein­ge­stuft. Hier wird also der Zwei­fel unter­drückt – und genau das meint Sus­pen­sion Of Disbelief.

Wenn man ein Dia­gramm malt, in dem man auf einer Achse den Grad des Rea­lis­mus auf­trägt und auf der ande­ren den Grad der Glaub­haf­tig­keit, würde man erwar­ten, dass in die­sem Dia­gramm eine gerade zu Zeich­nen ist, die mit zuneh­men­dem Rea­lis­mus auch zuneh­mende Glaub­haf­tig­keit anzeigt. In der Rea­li­tät wird man aber von einem ziem­lich star­ken Ein­bruch der Kurve in der Nähe der rea­lis­ti­schen Dar­stel­lun­gen überrascht.

Das liegt daran, dass es im Gehirn irgend­wann zu einem kras­sen Umschwung kommt: Von „Das ist zwar nicht mensch­lich, aber ich akzep­tiere es als mensch­lich“ geht es abrupt über zu „Mit die­sem Men­schen stimmt etwas nicht!“.

Auf Ani­ma­ti­ons­filme bezo­gen liegt die Grenze irgendwo zwi­schen „Mons­ters, Inc“ und „Ava­tar“: Wäh­rend die ani­mier­ten Figu­ren bei Ava­tar so rea­lis­tisch sind, dass man sie als Men­schen durch­ge­hen lässt, sind die Mons­ter bei Monster-AG zwar sehr unrea­lis­tisch, aber so mensch­lich, dass man sie auch als mensch­lich durch­ge­hen lässt. Aber: Die weni­gen Men­schen, die in „Mons­ters, Inc“ vor­kom­men, nimmt bei­nahe nie­mand als mensch­lich wahr, hier schlägt der Knick in der Kurve zu.

Dabei ist der Grad der Sus­pen­sion von der Vor­bil­dung des Betrach­ters abhän­gig. Wenn ein lang­jäh­ri­ger Anime-Fan einen Anime schaut, wird er die Dar­stel­lun­gen für rea­lis­ti­scher hal­ten als der­je­nige, der an Disney-Filme gewöhnt ist. Anders­herum funk­tio­niert das auch: Der Anime-Fan wird die Disney-Figuren für weni­ger mensch­lich halten.

Was hat das jetzt mit Rol­len­spiel zu tun?

Der Vor­wurf, dass Män­ner Frauen nicht rea­lis­tisch dar­stel­len kön­nen, hängt recht stark mit die­sem Knick in der Dar­stel­lung zusam­men. Je rea­lis­ti­scher ein männ­li­cher Spie­ler ver­sucht, die völ­lig andere Gefühls­welt einer Frau nach­zu­stel­len, desto unglaub­haf­ter wird er dabei. Aus dem Cha­rak­ter, der als Frau durch­ge­hen könnte, wird schnell eine Dar­stel­lung, bei der einem eher die Feh­ler auf­fal­len. Gerade, wenn Spie­le­rin­nen in der Runde sind, kann sowas schnell dazu füh­ren, dass diese sich unwohl füh­len oder über das „fal­sche Frau­en­bild“ meckern. Anders­herum pas­siert sowas übri­gens sel­te­ner: Män­ner beschwe­ren sich weit­aus sel­te­ner über durch Frauen falsch dar­ge­stellte Männer.

Was kann man aber in die­sem Fall tun? Eine Idee wäre, die Dar­stel­lungs­qua­li­tät zu redu­zie­ren, um aus die­sem Tal her­aus­zu­kom­men und wie­der in die Sus­pen­sion Of Dis­be­lief zu fal­len, also in den Bereich, wo klar ist, dass man nur spielt und nicht simu­liert, und das Spiel dann wie­der als glaub­haft ein­ge­stuft wird.

Erwei­ter­ter Horizont

Spie­ler, die gerne Cha­rak­tere mit ande­rem Geschlecht spie­len, argu­men­tie­ren häu­fig damit, sich bei der Cha­rak­ter­er­schaf­fung nicht ein­schrän­ken zu wollen.

Wenn bei­spiels­weise ein männ­li­cher Spie­ler Serien wie Alias oder Dark Angel gut fin­det und die ent­spre­chen­den Haupt­dar­stel­le­rin­nen als Vor­lage für Shadowrun-Charaktere nut­zen möchte, fühlt er sich ein­ge­schränkt, wenn er die Kon­zepte auf männ­li­che Cha­rak­tere umdich­ten müsste. Ähn­lich geht es einer Spie­le­rin, die vom Kon­zept eines James Bond oder eines Sher­lock Hol­mes für eine Cthulhu-Kampagne begeis­tert ist, und die diese Kon­zepte nicht ohne Ver­luste von wich­ti­gen Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten auf weib­li­che Cha­rak­tere über­tra­gen kann.

Ver­sucht ein­fach selbst ein­mal, die kat­zen­hafte Art einer Max Gue­vara in einen männ­li­chen Cha­rak­ter zu ver­pa­cken, ohne dass die­ser komisch wirkt. Oder ver­sucht mal, Euch Geheim­agen­tin und Play­girl Jane Bond vorzustellen.

Wenn ich in mei­ner Pathfinder-Runde sage, dass ich nur Ras­sen aus dem Grund­buch zulasse (Also Men­schen, Zwerge, Elfen, Gnome, Halb­linge), gibt es auch Spie­ler (Hallo, Hol­ger ;-) ), die sich in ihren mög­li­chen Cha­rak­ter­kon­zep­ten sehr ein­ge­schränkt füh­len. Trotz­dem ist das „meine“ Runde, und der Kon­sens in der Runde ist: Wir spie­len in einer Art Wikinger-Gegend, da gibt es nicht so viel „bun­tes Zeugs“. Das ist ein Kon­sens, der für die Runde gilt. Diese Ein­schrän­kung ist aller­dings in der Spiel­welt begrün­det (da gibt es ein­fach nicht genug Genasi, Tengu und wie sie alle hei­ßen), und sie ist darin begrün­det, dass wir Anfän­ger dabei­ha­ben, die ich erst­mal nur mit „nor­ma­len“ Cha­rak­te­ren kon­fron­tie­ren möchte.

Ich per­sön­lich könnte eine Ein­schrän­kung wie „bitte nur das glei­che Geschlecht“ schlecht durch­set­zen, ein­fach weil ich dafür keine ver­nünf­tige Begrün­dung inner­halb der Spiel­welt finde. Aber das ist wie gesagt meine per­sön­li­che Meinung.

Wenn der Spiel­lei­ter einer Runde das Spie­len des ande­ren Geschlech­tes ver­bie­tet, warum auch immer, ist das eine Ent­schei­dung, die für die Runde gilt. Viel­leicht kann man kurz dis­ku­tie­ren, oder aber man passt sich an und schränkt den Ent­schei­dungs­hori­zont bei der Cha­rak­ter­er­schaf­fung ein. Das ist nichts ande­res, als hätte er die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Berufe ein­ge­schränkt oder die Spie­ler auf einen bestimm­ten Land­strich festgelegt.

Die Rolle der Frau

Ein Argu­ment, wel­ches ich oft von Spie­le­rin­nen höre, die lie­ber Män­ner spie­len, ist geschicht­lich begrün­det: Die Rolle der Frau im Mit­tel­al­ter ist nicht gerade das, was sie für hero­isch und spie­lens­wert hal­ten. Auch, wenn die meis­ten Fantasy-Welten inzwi­schen die Gleich­be­rech­ti­gung ein­ge­setzt haben, heißt das noch lange nicht, dass dies auch in den Köp­fen aller Spie­ler ange­kom­men ist.

Des­halb nei­gen diese Spie­le­rin­nen eher Dar­stel­lung eines männ­li­chen Rit­ters oder Krie­gers, weil sie glau­ben, dass eine Rit­te­rin oder Krie­ge­rin weni­ger Beach­tung in der Gesell­schaft der Spiel­welt fin­det. Und je nach Spiel­welt kann das tat­säch­lich auch so sein – wie gesagt: viele Fantasy-Welten haben Gleich­be­rech­ti­gung, aber noch lange nicht alle.

Inter­es­san­ter­weise wird die­ser Weg auch gerne von männ­li­chen Spie­lern gewählt, die nicht die Ver­ant­wor­tung einer Erb­folge oder die Ver­tei­di­gung ihres Hau­ses über­neh­men wol­len, son­dern ver­su­chen, einen „ein­fa­chen Cha­rak­ter“ in einer mit­tel­al­ter­li­chen Welt zu spie­len. Viele Ver­su­che, einen „Ein­fa­chen Dörf­ler“ zu erschaf­fen, enden aus dem sel­ben his­to­ri­schen Den­ken her­aus mit einem weib­li­chen Charakter.

Kon­klu­sion

Ich habe ver­sucht, die gän­gigs­ten Argu­mente für und gegen Cross­gen­de­ring in einem neu­tra­len Licht zu betrach­ten, und ich hoffe, mir ist dies gelun­gen. Ich per­sön­lich habe nichts gegen Cha­rak­tere mit unter­schied­li­chem Geschlecht – ich habe nur etwas gegen das Wort „Cross­gen­de­ring“, weil hier ein Kunst­wort für einen Ein­trag unter vie­len auf dem Cha­rak­ter­bo­gen geschaf­fen wurde ;-)

Wie seht Ihr das? Habt Ihr noch etwas hin­zu­zu­fü­gen? Oder liege ich Eurer Mei­nung nach irgendwo völ­lig daneben?

LARP

Im Live-Action-Rollenspiel muss man sei­nen Cha­rak­ter selbst dar­stel­len. Dies schließt die rea­lis­ti­sche Dar­stel­lung des ande­ren Geschlech­tes in den meis­ten Fäl­len von vorn­her­ein aus. Aber auch hier gibt es einige Dar­stel­ler, die einen enor­men Auf­wand trei­ben, um eine glaub­wür­dige Dar­stel­lung des ande­ren Geschlech­tes zu erreichen.

Das ent­schei­dende Wort hier ist „glaub­wür­dig“. Auch wenn man sich durch Details wie bei­spiels­weise die Stimme leicht ver­rät, ist es mög­lich, diese Punkte durch eine gene­relle glaub­hafte Dar­stel­lung zu über­spie­len. Hier­für ist jedoch ein höhe­rer Auf­wand für Gewan­dung, Schminke, Acces­soires etc. not­wen­dig als etwa für „Durch­schnittscha­rak­tere“, aber es gibt einige „pro­mi­nente“ Bei­spiele dafür, dass es funk­tio­nie­ren kann.

Auch hier gilt natür­lich auch das für Pen&Paper-Charaktere Gesagte.

 

 

Auch lesens­wert:

10 Kommentare

  1. Mir wird bei sol­chen Punk­ten, wie „Män­ner kön­nen nicht über­zeu­gend Frauen-Charaktere dar­stel­len“ und umge­kehrt, immer viel zu sehr die SPIELER-Perspektive eingenommen.

    Als SPIEL­LEI­TER muß man als „Nicht-Mann“ Männer-NSCs dar­stel­len kön­nen, als „Nicht-Frau“ Frauen-NSCs, als „Nicht-Mutter“ Mutter-NSCs, als „Nicht-Großvater“ Großvater-NSCs, als „Nicht-Polizist“ Polizisten-NSCs, als „Nicht-Elf“ Elfen-NSCs, usw.

    Wer also mit der Argu­men­ta­tion der glaub­wür­di­gen Dar­stel­lung bzw. der „Unmög­lich­keit“ diese geschlech­ter­über­grei­fend vor­zu­neh­men kommt, für den müßte ja im Prin­zip — je nach Geschlecht des SLs — die HALBE SPIELWELT-BEVÖLKERUNG grund­sätz­lich unglaub­wür­dig dar­ge­stellt sein!

    Ist das so?

    Nimmt man einem typi­schen, über­ge­wich­ti­gen, fus­sel­bär­ti­gen, lang­haa­ri­gen Metal-Shirt-Träger an SL die von ihm dar­ge­stellte Pries­te­rin, die Femme Fatale, die Poli­zis­tin NICHT ab?

    Spiel­lei­ter müs­sen sowieso die GESAMTE Spiel­welt glaub­wür­dig genug für die Spie­ler dar­stel­len kön­nen. Warum sollte es also für einen Spie­ler eine beson­dere Erschwer­nis, ja gera­dezu eine „Unmög­lich­keit“ sein eine glaub­wür­dige Dar­stel­lung eines Cha­rak­ters ande­ren Geschlechts abzuliefern?

    Klar, da kom­men Klischee-Darstellungen zum Tra­gen. Aber das Rol­len­spiel LEBT von Kli­schees! Diese erleich­tern ja gerade das Wiedererkennen!

    Somit halte ich sol­che „Unmög­lich­keits­er­klä­run­gen“ oder das Rum­zi­cken aus Grün­den des „Rea­lis­mus“ für BESCHEUERT.

    Es gibt ja auch Rol­len­spiele, bei denen die Geschlech­ter vor­ge­ge­ben sind. ALLE Space Mari­nes in WH40K sind (ehe­mals) männ­lich. ALLE Magie­be­gab­ten in Wheel of Time sind weib­lich. Nur weib­li­che Cha­rak­tere und Kas­tra­ten kön­nen in Glo­r­an­tha man­chen Kul­ten bei­tre­ten, Frauen, die bestimm­ten männ­li­chen Kul­ten bei­tre­ten, wer­den in JEDER Bezie­hung wie Män­ner behan­delt und hören de facto auf eine Frau zu sein. (Glo­r­an­tha hat sowieso sehr inter­es­san­tes Geschlech­ter­spiel zu bie­ten — wer es noch nicht kennt, sollte mal einen Blick reinwerfen.)

    In vie­len Rol­len­spie­len herrscht (lei­der) eine totale Gleich­ma­che­rei von Frauen und Män­nern. Das stößt ins­be­son­dere da auf, wo die SCs — egal ob Frauen oder Män­ner — glei­che Spiel­werte haben, glei­che Eigen­schaf­ten erwer­ben kön­nen, und nur eben andere Klei­dung (wenn über­haupt) tra­gen. Diese SCs „wirft“ man dann in eine Spiel­welt, die in sich aber durch­aus Geschlech­ter­rol­len kennt! Da gibt es im „fän­tel­al­ter­li­chen“ Bauern-Idyll natür­lich die Frau, die sich um Kin­der, Küche, Klein­vieh küm­mert, wäh­rend der Mann Feld, Wald und Wie­sen beackert. Nur die SCs pas­sen da KEIN STÜCK in diese Geschlech­ter­rol­len der dar­ge­bo­te­nen Spiel­welt hin­ein. — Das finde ICH nun wie­der unglaubwürdig.

    Glo­r­an­tha oder auch Dead­lands machen das anders. Hier sind die Kul­tu­ren durch­aus mit unter­schied­li­chen TYPI­SCHEN, für die Kul­tur übli­chen, nor­ma­len Geschlech­ter­rol­len ver­se­hen. Aber: Die SCs bekom­men die Mög­lich­keit sich als AUS­SEN­SEI­TER bewußt ent­ge­gen ihrer typi­schen Rolle zu pla­zie­ren. In Glo­r­an­tha sind dies die Kulte, wel­che expli­zit für anders­ge­schlecht­li­che Mit­glie­der einen Weg öff­nen, der auch vom Rest der Gesell­schaft ANER­KANNT wird. In Dead­lands wird die auch his­to­risch im Alten Wes­ten bekannte Pionier-Pragmatik — nicht zuletzt auf­grund des ins 20. Jahr gehen­den Bür­ger­kriegs — für deut­lich selb­stän­di­gere Frau­en­rol­len her­an­ge­zo­gen. Gab es his­to­risch schon Großran­che­rin­nen und Unter­neh­me­rin­nen im Alten Wes­ten, so sind in Dead­lands weib­li­che Guns­lin­ger zwar immer noch etwas BESON­DE­RES, aber etwas, das man akzep­tiert, weil die Frauen eh die Lücken der in den Kriegs­hand­lun­gen im Osten ver­heiz­ten Män­ner aus­fül­len müs­sen. Damit umschifft Dead­lands ele­gant all die Pro­bleme, die man bekommt, wenn man in einer „rea­lis­ti­schen“ vik­to­ria­nisch ange­sie­del­ten Spiel­welt eine Frau spie­len möchte.

    Ich finde nur eben die allzu gedan­ken­lose, es sich zu ein­fach machende Gleich­ma­che­rei öde und langweilig.

    Es GIBT unter­schied­li­che Geschlech­ter. Und die SIND nun ein­mal anders. — Sie haben ihre eige­nen Stär­ken und Schwä­chen und — in funk­tio­nie­ren­den Kul­tu­ren — ihre eige­nen Rol­len und den RESPEKT, der mit die­sen Rol­len einhergeht.

    Und das macht es dann auch wie­der inter­es­sant für einen Mann z.B. in Glo­r­an­tha oder Hell­frost oder Engel eine Frau zu spie­len. Keine Gleich­ma­che­rei, son­dern inter­es­sante UNTERSCHIEDE!

  2. Ich hatte den Kom­plex Cross­gen­de­ring eigent­lich nie wirk­lich wahr­ge­nom­men, bis ich vor der Ent­schei­dung stand, einem (im Hobby fast gänz­lich neuen) Spie­ler einen weib­li­chen Cha­rak­ter zuzu­las­sen. Ich hatte meine Zwei­fel, aber er kriegt das gut hin — was auch daran liegt, dass er zwar Kli­schees bedient (wie wir alle immer wie­der im RPG), aber eher intel­li­gente. Keine Charisma-21-Sexbombe, die alles flach legt. Das würde mich ver­mut­lich am meis­ten stö­ren: Wenn ich merke, dass ein Spie­ler durch den weib­li­chen Cha­rak­ter irgend­was kom­pen­siert. Das kann man mit 15 aus­pro­bie­ren, aber nicht mehr in einer „erwach­se­ne­ren“ Runde.

    Wir haben das Thema übri­gens auch im aktu­el­len Plots­pren­ger gestreift — da geht es um „Wege der Ver­ei­ni­gung“ (http://cyclopeancitadels.wordpress.com/2012/06/07/plotsprenger-6-wege-der-vereinigung-unter-der-lupe/). All­ge­mein scheint Sex und Geschlecht­lich­keit im Rol­len­spiel ja ein belieb­tes Thema zu sein, da könnte man fast mal einen rsp-blogs Kar­ne­val dazu machen o.ä.

  3. Zorn­hau sagt das Wesent­li­che.
    Warum ich trotz­dem keine gegen­ge­schlecht­li­chen Cha­rak­tere von Spie­lern mag: wegen der Stimme. Die Spra­che ist ein­fach immer das Medium des Rol­len­spiels, und wäh­rend ich mit ohne­hin die ganze Spiel­welt visu­ell ima­gi­nie­ren muss, ist das gespro­chene Wort des Spie­lers stets das, was den direk­ten Link zwi­schen in– und off-game. Heißt, ich kann mir Mit­spie­ler gut anders im Spiel vor­stel­len, als sie aus­se­hen und sich am Tisch bewe­gen, aber sobald jemand das Wort in direk­ter Rede sei­nes Cha­rak­ters erhebt, wird das Gesche­hen am Spiel­tisch 1:1 zum Gesche­hen in der Spiel­welt. Und da pas­siert für mich der große Bruch, dass eine Män­ner­stimme zu einem Frau­en­cha­rak­ter und anders­herum mich aus der Immer­sion reißt.
    Beim Spiel­lei­ter lässt sich das ein­fa­cher akzep­tie­ren, aber man macht sich von NSCs meis­tens auch kein so genaues Bild wie von den Mit­spie­ler­cha­rak­te­ren, bzw. da zieht sich das als gän­gi­ges Mus­ter durch das ganze Spiel, und man muss es halt ein­fach akzep­tie­ren. Das fällt mir aller­dings bei unse­rer Spiel­lei­te­rin auch leich­ter als bei männ­li­chen SLs, wenn es jeweils um die Dar­stel­lung anders­ge­schlecht­li­cher Figu­ren geht.
    Aber wie gesagt, für mich ist der ent­schei­dende Punkt das gespro­chene Wort als Ver­bin­dung zwi­schen Spiel und Wirk­lich­keit. Hier fin­det der große Bruch beim „cross-gender“ statt, und der ist für mich nicht über­wind­bar. Drum spiele ich weder weib­li­che Cha­rak­tere im P&P (in einem Forum dage­gen kann das her­vor­ra­gend funk­tio­nie­ren! Aber das ist ein ande­res Thema), noch finde ich es gut, wenn Mit­spie­ler für ihren Cha­rak­ter das andere Geschlecht wählen.

  4. Zorn­haus Aus­füh­run­gen in allen Ehren, aber ich habe auf Cons nicht die Erfah­rung gemacht, dass Spiel­lei­ter ihre Spiel­wel­ten mit der­art prä­zi­sen Details und durch­dach­ten Ein­bli­cken in soziale und kul­tu­relle Struk­tu­ren aus­stat­ten, dass die Unter­schiede zwi­schen Män­nern und Frauen irgend­wie spür­bar wären. Auch die Bei­träge, Kom­men­tare und Äuße­run­gen auf Foren und Blogs legen nicht nahe, dass die Simu­la­tion die­ser Gesell­schaf­ten der­art kom­plex ist, dass man sich ernst­haft Gedan­ken machen kann wie Män­ner und Frauen jeweils anders gespielt wer­den könn­ten bzw. müssten.

    Viel häu­fi­ger hin­ge­gen fällt mir in sol­chen Situa­tio­nen (egal ob SL oder Spie­ler) ein stark ver­ein­fach­tes und stel­len­weise auch nur offen sexis­ti­sches Geschlech­ter­bild auf, das unter dem Vor­wand des „iro­ni­schen Humors“ die glei­chen abwer­ten­den Ste­reo­ty­pen wie­der­käut, die man sonst nur von schmie­ri­gen Knei­pe­n­as­seln kennt. Oder halt von Mario Barth.

    Letzt­end­lich ist das mein Grund, wes­halb ich bei Spie­lern, die gerne eine anders-geschlechtliche Rolle spie­len wol­len eher ange­spannt und ner­vös werde. Bei mir schwingt da immer die Befürch­tung mit, dass Leute, die ich ja eigent­lich mag, beim Ver­such das Geschlecht ihres Cha­rak­ters aus­zu­spie­len, in Fett­näp­chen treten.

    Ich denke es gibt im Rol­len­spiel durch­aus Platz, um Geschlech­ter­rol­len ins Spiel ein­flie­ßen zu las­sen. Gerade Set­tings wie „Song of Ice and Fire“ erlau­ben es Grup­pen Kon­flikte und Span­nun­gen mit und um das Geschlecht ein­zel­ner Cha­rak­tere zu spin­nen. Dar­über hin­aus denke ich aber, dass das Geschlecht eines Cha­rak­ters nur unwe­sent­lich spiel­re­le­van­ter ist als seine Haar­farbe oder sein Lieb­lings­ge­richt. Des­halb finde ich auch die Frage, wel­cher Spie­ler was für ein Geschlecht spielt, in der Regel unwich­tig und belanglos.

  5. In eigent­lich allen Run­den, in denen ich spiele, spielt die Cha­rak­ter­dar­stel­lung keine SO große Rolle, dass das ins Gewicht fällt. Ich per­sön­lich finde die­ses ganze Bohei um die Immer­sion oder den Rea­lis­mus eines Cha­rak­ters ganz schön über­trie­ben (aber darum spiele ich wohl auch nicht in SOL­CHEN Runden).

    Ich spiele prin­zi­pi­ell nur weib­li­che Cha­rak­tere — wenn ich mir gän­gige Geschich­ten so ansehe gibts eh schon mehr als genug männ­li­che Hel­den. Und je nach­dem, wie Sozi­al­las­tig das Rol­len­spiel wird, über­treibe ich durch­aus auch. Meine Ori­en­tie­rungs­punkte lie­gen eben nicht in der Rea­li­tät, son­dern in Comics, in B-Movies und Gro­schen­ro­ma­nen. Mit Absicht. Klar kann man auch dann und wann Mal Tiefe im Rol­len­spiel zei­gen (und damit meine ich nicht den Aus­schnitt), aber das ist eben nicht der ein­zige Weg.
    In den Grup­pen in denen ich spiele gibt es mit die­ser Her­an­ge­hens­weise keine Probleme.

  6. Ein Grund fuer die Wahl eines anders­ge­schlecht­li­chen Cha­rak­ter koennte sein etwai­gen sozia­len Mecha­nis­men zu entgehen.

    Je nach Gruppe kann man davon aus­ge­hen das ein weib­li­cher Spie­ler­cha­rak­ter inner­halb der naechs­ten zwan­zig Minu­ten ent­we­der eine Bezie­hung mehr oder weni­ger auf­ge­draengt wird oder es zu ent­spre­chen­den Feed­back aus der Rei­hen der ande­ren Spie­ler­cha­rak­tere kommt.
    In die­sem Fall kann es durch­aus erfri­schend sein einen maenn­li­chen Cha­rak­ter zu ueber­neh­men der von der­lei Avan­cen ver­schont bleibt. Umge­kehrt moechte ein maenn­li­cher Spie­ler viel­leicht ein­fach mal einige Avan­cen aus­spie­len ohne gleich als Macho oder Schwul zu gelten.

    Ansons­ten ist meine Erfah­rung, in Online Chro­ni­ken, das es die meis­ten nicht gross­ar­tig kuem­mert was fuer ein Geschlecht sie spie­len. Es wird gewaehlt was cool ist und/oder zum Kon­zept passt.

    Was die Stimme betrifft.
    Wenn es danach ginge, habe ich die Befu­erch­tung, duerfte ich nur rela­tiv mono­ton agie­rende Cha­rak­tere spie­len @.@ … und viel­leicht Guel­cans (ich kriege keine grosse Modu­la­tion hin°

  7. Am Anfang die­ses Arti­kels (also vor eini­gen Sei­ten Text) fiel mir auf, dass es so klang als wür­den Pro­bleme mit den Crossgender-Spiel immer am Publi­kum lie­gen und nicht an dem Spie­ler, der Cross­gen­der spielt. Wurde dann aber spä­ter nicht mehr so bestä­tigt, aber einer mei­ner Gründe, warum ich mit Crossgender-Chars nicht so viel anfan­gen kann ist, dass es eben meist nicht gut gespielt wird. Die Sus­pen­sion of Dis­be­lief wird regel­mä­ßig zer­ris­sen. Stört mein Spiel­ge­fühl. Aber bis auf ein biss­chen Gemaule habe ich noch nichts gegen sol­che Chars unter­nom­men. Wenn, dann weise ich sie lie­ber nach dem Spiel dar­auf hin, was mei­ner Mei­nung nach schlecht war.

  8. Wie schon im Arti­kel geschrie­ben, ist mir „Cross­gen­de­ring“ noch nie als der­art kon­tro­ver­ses Thema auf­ge­fal­len, bis ich mich für den Arti­kel damit beschäf­tigt habe. Vor­her wusste ich ja noch nicht­mal, daß es ein Wort dafür gibt ;-)

    Zorn­hau hat einen wich­ti­gen Aspekt ins Spiel gebracht, den ich im Arti­kel ver­ges­sen hatte: Cross­gen­de­ring beim Spiel­lei­ter. Wobei ich auch das Argu­ment aus der nach­fol­gen­den Dis­kus­sion auf­grei­fen möchte: Auf Spie­ler­cha­rak­te­ren liegt ein deut­lich grö­ße­rer Fokus als auf NSC. Trotz­dem müsste es die Hard­li­ner eigent­lich auch schon stö­ren, wenn der Spiel­lei­ter das fal­sche Geschlecht spricht. Dann bräuchte ich eine Co-SL für die weib­li­chen Parts ;-)

    Was das Argu­ment der Stimme angeht: Ich bin ein sehr audi­tiver Mensch, und die Stimme ist für mich wich­ti­ger als das Bild. Trotz­dem ordne ich die Stimme immer einem Cha­rak­ter zu, nicht aber einem Geschlecht.
    Mich hat es bei­spiels­weise noch nie gestört, daß Bart Sim­pson von San­dra Schwit­tau gespro­chen wird, die auch Schau­spie­le­rin­nen wie Hil­lary Swank, Eva Men­dez oder Mila Jovo­vic syn­chro­ni­siert. Oder daß Gabi Glock­ner und Ash Ketchum sich eben­falls eine Syn­chron­stimme teilen.

    Eine Stimme ist unheim­lich wan­del­bar, wenn man sich damit mal beschäf­tigt. Ich bin bis­lang immer gut damit weg­ge­kom­men, die Damen mit Kopf­stimme zu spre­chen, und wich­ti­gen NSC dann noch einen eige­nen Sprech­rhyth­mus und eine eigene Sprach­me­lo­die, sowie Quirks wie Sprach­feh­ler, Räus­pern oder Lieb­lings­worte mitzugeben.

  9. Arduinna /

    Ich spiele sowohl Män­ner als auch Frauen, und habe schon häu­fig gehört, dass meine „Männer-Darstellungen“ sehr rea­lis­tisch wären. Ich finde aber auch, dass Gefühls­wel­ten von Män­nern und Frauen nicht der­art unter­schied­lich sind, und dass es um die rea­lis­ti­sche Dar­stel­lung eines *Men­schen* geht — und die sind mei­ner Mei­nung nach gar nicht so ver­schie­den. Klar, es gibt die gän­gi­gen Mario-Barth-Klischees, aber ich bin der Ansicht, dass das in gro­ßen Tei­len von der Gesell­schaft auf­ok­troy­iert ist, und dass Frauen prima auch ohne 100 Paar Schuhe leben kön­nen. Oder ich bin ein­fach nur selt­sam.
    Was gleich­be­rech­tigte Rol­len­spiel­sys­teme angeht, bin ich da auch für Kon­se­quenz. Wenn Hel­den und Hel­din­nen größ­ten­teils gleich­be­rech­tigt sind, dann muss auch ab und an der Bauer die Kin­der hüten und die Frau Holz hacken. Das macht aber, zumin­dest bei uns am Spiel­tisch, auch oft den Reiz aus. ;)
    Was Stimme angeht: Wir haben in einer Gruppe von fünf Leu­ten drei gele­gent­li­che Cross-Gender-Player — die Immer­sion ist zwangs­läu­fig so groß, dass Stimme oder Aus­se­hen ein­fach außen vor blei­ben. *g*

  10. Weggabeck /

    Zorn­hau, auf was bezieht sich denn dein vor­letz­ter Absatz? Auf die Spiel­welt oder auf die reelle Welt?

Trackbacks/Pingbacks

  1. Crossgendering im Rollenspiel | Teilzeithelden - [...] Roger jedoch mahnte mich (wie­der ein­mal) zur Ernst­haf­tig­keit, und ich fing an mich ein wenig mit dem Thema zu ...
  2. [Juni] Teilzeithelden – Artikelübersicht | Aktion Abenteuer - [...] Themen wollen auch nicht verschwiegen werden, Henning hat sich nochmal mit dem Thema Crossgendering befasst, Andreas versucht nachzuforschen, was ...

Einen Kommentar schreiben