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Der zweischneidige Held Scott Pilgrim, erdacht von Bryan Lee O’Malley, dürfte den meisten aus dem Film Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (2010) ein Begriff sein. Mit der aktuellen Netflix-Animation erlebt die Story rund um Scott und Ramona ein Revival. Passend dazu präsentiert Panini die Comic-Reihe in Neuauflage.

Der Name Scott Pilgrim ist mittlerweile sogar als Trademark gesichert. Als die Comic-Reihe 2004 zunächst in schwarz-weiß und 2010 dann auf Deutsch erschien, wurde Scott Pilgrim zum Überraschungshit. Spätestens mit der Netflix-Animationsserie erlangt die Reihe nun erneut Bekanntheit, ähnlich wie bei diesem Charakter.

Triggerwarnungen

leichte Gewaltszenen einer Schlägerei

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Handlung

Auf den ersten Blick scheint die Reihe einfach von einer Liebesgeschichte zu handeln. Wirkt die Animationsserie aber deutlich skurriler und actionreicher, so verläuft die Erzählweise und Story zumindest des ersten Comicbands viel bodenständiger und vom Tempo her gemäßigter. Aber nun zum Plot:

Scott bestellt sich etwas beim Lieferdienst, für den die mysteriöse Person aus seinem Traum arbeitet.
Scott bestellt sich etwas beim Lieferdienst, für den die mysteriöse Person aus seinem Traum arbeitet.

Scott hat eine Band, die Sex-Bob-Ombs, und lebt wie eine Art Schmarotzer bei seinem Freund Wallace Wells in dessen kleinem Apartment. Zu Beginn hat er eine Freundin, die noch minderjährig und etwas jünger als er selbst ist. Sie beobachtet die Band während ihrer Bandprobe und ist schockverliebt in diese. So richtig sicher ist sich Scott aber nicht mit dieser Beziehung und seine Zweifel erhärten sich, als er in einem Traum einer rollschuhfahrenden Frau mit pinken Haaren begegnet.

Seit dieser bedeutungsvollen Nacht denkt er ständig an jene Unbekannte – bis zu dem Tag, als er ihr, Ramona Flowers, plötzlich auf einer Party begegnet. Diese Begegnung vermasselt er jedoch mehr oder weniger. Als er später erfährt, dass sie für einen Lieferdienst arbeitet, bestellt er dort sofort etwas und bekommt es auch einige Zeit und einen Traum später persönlich von ihr geliefert.

Scott und Ramona kommen sich sehr nah, sie sind gleich auf einer Wellenlänge.
Scott und Ramona kommen sich sehr nah, sie sind gleich auf einer Wellenlänge.

Zu dieser Gelegenheit fragt er sie nach einem Date und sie willigt ein. Die beiden verbringen Zeit miteinander und kommen sich sehr nah. Sein Gewissen, seine Schwester und seine Freund*innen melden sich jedoch schnell bei ihm, dass er klare Verhältnisse mit Knives, seiner jungen Freundin, schaffen muss …

Alles spitzt sich zu, als er mit seiner Band bei einem Konzert auf beide junge Damen trifft – aber seine ungeklärten Beziehungsverhältnisse sind nicht das einzige Problem. Mitten im Gig taucht ein Unbekannter auf, der Scott ohne Umschweife angreift. Es bricht ein ernstes Handgemenge aus und die Lesenden erfahren dann, dass Scott von nun an gegen alle ehemaligen Ex-Freunde von Ramona kämpfen muss, wenn er sie für sich gewinnen möchte.

Der Plot ist einfach zu verstehen und die Handlung wird mit einigen übernatürlichen Elementen, die bei den Charakteren aber nicht sonderlich Aufmerksamkeit erregen, gespickt, was ihr eine Atmosphäre eines Videospiels verleiht.

Charaktere

Scott ist der etwas naive Antiheld: Er redet sich um Kopf und Kragen, lebt in den Tag hinein und verhält sich wenig erwachsen. Er ist aber auch spontan, lebenslustig und tapfer. Ramona ist mehr eine mysteriöse, coole aber auch verletzliche Person. Wallace, der Mitbewohner, ist immer auf der Suche nach dem Richtigen und Knives wirkt zunächst kindlich, so ist aber nur der erste Anschein.

Zeichenstil

Beim Konzert der Sex-Bob-Ombs wird Scott angegriffen und erfährt sein Schicksal.
Beim Konzert der Sex-Bob-Ombs wird Scott angegriffen und erfährt sein Schicksal.

Das Besondere an Bryan Lee O’Malleys Stil ist, dass er früh Manga-Elemente in seinen Zeichenstil mischte. Dieser zeichnet sich durch starke, satte und skizzenartige Linien aus: O‘Malleys Zeichnungen wirken fast schon naiv und beinahe schludrig aufs Papier gebracht. Die Kolorierung wurde von Nathan Fairbarn übernommen. Der Comic ist durchgehend mit gesättigten Farben (viele Blautöne) und Schattierungen koloriert. Hintergrunddetails wurden eher sparsam verwendet, was aber nicht besonders schlimm ist. Jede Figur hat eine eindeutige äußerliche Charakteristik.

Erscheinungsbild

Der Hardcover-Band wirkt wertig und schwer, das Papier ist dick, die Farben satt und kontrastreich. Der erste Band umfasst 192 Seiten und ist komplett farbig. Ungewohnt ist das randlose Layout – lediglich zur Mitte des Buches hin ist etwas weißer Abstand auf den Seiten, sodass keine Elemente der Bilder aufgrund der Buchbindung verloren gehen, was bei manchen bildlastigen Büchern durchaus vorkommt. Das Buch ist in Kapitel aufgeteilt und enthält fast ausschließlich Text in Form von Sprechblasen: Es gibt also keine erzählerischen oder erklärenden Elemente. In manchen Panels werden Infos direkt zu den Objekten oder Personen gegeben.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in(nen): Bryan Lee O’Malley
  • Zeichner*in(nen): Bryan Lee O’Malley
  • Erscheinungsjahr: 2024 (Neuauflage)
  • Sprache: deutsch
  • Format: 15,7x 23,4 cm
  • Seitenanzahl: 192 Seiten
  • Preis: 19 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Bonus

Am Ende des ersten Bandes finden sich Zeichnungen und Hintergrundinfos zur Entstehung der einzelnen Charaktere, aber auch ein Nachwort des Zeichners und Charakter-Portraits.

Fazit

Wer Scott Pilgrim kennt, wird sich über die qualitativ hochwertige und schicke Neuauflage sehr freuen. Das Cover ist überzeugend und dynamisch, die Charaktere haben Alltagsprobleme und sind daher authentisch. Der übernatürliche Touch durch Videospiel-Elemente ist sehr lässig und bringt Action in die Story.

Die Tatsache, dass Scott um seine Angebetete kämpfen muss, ist vielleicht etwas klischeehaft, aber dennoch ist Ramonas Charakter eine starke und eigenständige Frau, die (wie man insbesondere auch in der Animationsserie sieht) je nach Lebensphase ihre Haare andersfarbig färbt. Sie ist cool und hat einen alternativen Look, ist aber dennoch nahbar. Das Setting in Kanada, rund um die Band und das Konzert, genauso mit verschiedensten Personen in ihren Zwanzigern, ist gelungen. Letztendlich zeigt die Comicserie, wofür es sich lohnt zu kämpfen und wie jede*r sein Leben selbst in die Hand nehmen kann. Wir empfehlen, zunächst die Comicreihe zu lesen, bevor die Animationsserie geschaut wird.

 

  • Actionreich und kurzweilig

  • Lebendige und witzig gezeichnete Charaktere

  • Scifi/Fantasy-Elemente

 

  • Weniger skurril als die Animationsserie

  • Der Plot ist in Ordnung

 

Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Norbert Schlüter
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Verena Tribensky
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