Mit einer Mischung aus Urban Fantasy und historischen Fakten entführt Natasha Pulley in Die verlorene Zukunft von Pepperharrow in die 1880er Jahre Japans. Rund um den Hellseher Mori entfaltet sich eine komplexe, vielschichtige Geschichte. Doch Mori scheint nicht alles vorhergesehen zu haben, denn seine Vertrauten kommen immer weiter in Bedrängnis.
Nach Der Uhrmacher in der Filigree Street erzählt Die verlorene Zukunft von Pepperharrow die Geschichte um den außergewöhnlichen Menschen Keita Mori weiter, ohne dass Lesende auf das Wissen aus dem ersten Roman angewiesen wären. Keita Mori, seines Zeichens Uhrmacher und Hellseher, kann die Zukunft vorhersehen. Doch er sieht nicht nur die eine Zukunft, sondern viele verschiedene Möglichkeiten, die er Fäden gleich verwebt. Seine engsten Vertrauten kennen das Gefühl bereits, in der von ihm dirigierten Gegenwart zu wandeln. Doch als es für Thaniel Teepleton von London plötzlich nach Japan geht, fühlt er sich wie im freien Fall. Die extremen Ereignisse, die sich vor ihm und Mori im Folgenden entfalten, bestärken diese Gefühle nur noch. Denn ein drohender Krieg zwischen Japan und Russland und Geister in der britischen Gesandtschaft gehen über das hinaus, was Thaniel als einfacher Übersetzer gewohnt ist. Als Mori dann auch noch verschwindet, scheint alles falsch zu laufen.
- Klaustrophobie
- Tod von Tieren
- Schwerwiegende/ letale Krankheiten (Tuberkulose)
- Diskriminierung (Rassismus, Homophobie, Sexismus)
- Gewalt (körperliche Gewalt, Gewalt in einer Beziehung, Entführung, Verletzung durch Feuer)
- Body Horror (Folter)
- Medikamentenmissbrauch
- Tod
Inhaltsverzeichnis
Story
Mit der Erzählung um den Hellseher Keita Mori erzählt Natasha Pulley in Die verlorene Zukunft von Pepperharrow eine vielschichtige Geschichte. Der Hauptteil der Handlung wird aus Sicht Moris sowie Thaniel Steepletons erzählt. Neben diesen beiden Hauptpersonen bereichern jedoch noch zahlreiche weitere Menschen die Handlung. Dies gibt dem Buch eine unglaubliche Tiefe, bedeutet für Lesende zunächst jedoch einen schwierigen Einstieg. Bereits in den ersten 30 Seiten treten in verschiedensten Szenen die sieben wichtigsten Protagonist*innen auf.
Keita Mori, gebürtiger Japaner mit außerordentlichen Fähigkeiten, ist Hauptfigur des Romans. Er ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Oft an seiner Seite zu finden ist Thaniel Steepleton, ein britischer Übersetzer des britischen Außenministeriums, der fließend zwischen Englisch und Japanisch wechseln kann. Mori und Thaniel führen eine lockere Beziehung, für die sie, sollte sie öffentlich werden, angeklagt oder eingesperrt werden könnten. Thaniel ist es gewohnt, dass Mori stets die Strippen zieht, um die Zukunft nach seinen Wünschen zu beeinflussen. So verwundert es ihn kaum, dass Mori bereits vor ihm wusste, dass er nach Tokio versetzt werden würde. Six, das neunjährige Pflegekind der beiden, begleitet sie. Six weist autistische Züge auf. Sie wird als berührungsängstlich beschrieben, kann mit Emotionen von Menschen nicht umgehen und sie nicht einordnen. Die Beschreibung bereichert, ebenso wie ihr interessanter Charakter und ihre außerordentlichen Fähigkeiten im Bereich der Elektrotechnik, die Handlung.
Eigentlich freute sich Thaniel nur darauf, aus dem Londoner Smog herauszukommen und die frische japanische Seeluft zu genießen. Gemeinsam reisen sie zu Moris riesigem Anwesen Yoruji, das seit Jahrhunderten in Familienbesitz des Hauses Mori ist. Die Tatsache, dass er in Moris Anwesen Yoruji plötzlich Moris Frau, Mrs. Takiko Pepperharrow, vorgestellt wird, wirft ihn jedoch aus der Bahn, wusste er bislang nichts von einer Ehe. Diese emotionalen Herausforderungen sollten jedoch nicht die einzigen sein, denn auch der japanische Premierminister, Kiyotaka Kuroda, wartete bereits sehnsüchtig auf Mori. Warum er das tat, sollte Thaniel spätestens dann klar werden, als Mori verschwand und es zu immer mehr seltsamen Ereignissen kommen sollte. Als Tokyo schließlich brennt, im wortwörtlichen Sinne, ist letztlich der Zeitpunkt gekommen, an dem Thaniel handeln muss. Denn war das alles wirklich so von Mori geplant?
Nach und nach werden die Lesenden in die Geschichte um Mori und seine Vertrauten, Partner*innen und Freund*innen eingeführt. Anschaulich werden sowohl Moris direkte Fähigkeiten im Alltag als auch seine langfristigeren Ambitionen vorgestellt, bis die Lesenden schließlich unversehens mitten in der Handlung stecken. Diese ist ob der Wahrsagethematik komplex und undurchsichtig gehalten und schafft es, bis zum Ende hin die Spannung hochzuhalten. Die Vielzahl wichtiger Protagonist*innen neben Mori und Thaniel wirkt eingangs zwar etwas abschreckend, verleiht dem Roman jedoch eine Vielschichtigkeit, die zur Geschichte passt und die handelnden Personen lebensecht werden lässt. Die Handlung, eingebettet in die 1880er Jahre Japans, spielt zwar mit historischen Eckdaten, wurde vor deren Hintergrund jedoch weitestgehend von der Autorin erdacht. Durch die ausführliche Darstellung der japanischen Kultur fühlen sich Lesende letztlich nicht nur in die Handlung, sondern auch ins Japan dieser Zeit versetzt.
Schreibstil
Natascha Pulley spielt mit dem Unwissen der Lesenden. Sie geht hierbei einen Ticken raffinierter vor, als es Lesende insbesondere von Brandon Sanderson gewohnt sind. Während sie einerseits die scheinbar allwissende Person des Hellsehers Mori in der Geschichte spielen lässt, verrät sie den Lesenden andererseits nur das, was Thaniel als sein Begleiter wahrnimmt und vermutet. In dritter Person erzählt sie die Geschichte. Die Erzähltechnik bedient sich dabei Dialogen, Beschreibungen der Umwelt als auch Mutmaßungen der jeweiligen Protagonistinnen.
Die Handlung bettet sie ein in das Japan der 1880er Jahre. Vor dem Hintergrund akkurater japanischer Gepflogenheiten als auch historischer Eckpunkte erdachte sie sich die auf Hellseherei und Politik basierenden Wendungen. Die verwendeten Figuren sind hierbei mit Ausnahme prominenterer Namen wie beispielsweise derer von Minister*innen rein fiktiv. Trotzdem schafft sie es, dass sich in dieser beschriebenen Welt ein stimmiges Bild ergibt.
Die Übersetzung von Jochen Schwarzer tut diesem Bild keinen Abbruch. Im Gegenteil schafft es Schwarzer gekonnt, deutsche Eigenheiten bei den Formulierungen der Autorin einfließen zu lassen, sodass bewusst anrüchige oder an Slang erinnernde Äußerungen stimmig erscheinen.
Die Autorin
Die Autorin Natasha Pulley stammt aus Cambridge. Im Zuge ihres Studiums der Englischen Literatur erhielt sie die Möglichkeit eines Stipendiums in Japan. Sie lebte anderthalb Jahre in Tokio, wo sie für ihr erstes Buch Der Uhrmacher in der Filigree Street recherchierte. Bei diesem handelt es sich um ihr Debüt über den Uhrmacher Keita Mori. Die hier besprochene Fortsetzung Die verlorene Zukunft von Pepperharrow kann unabhängig von diesem Werk gelesen werden.
Erscheinungsbild
Das deutsche Cover stammt aus den Händen Birgit Gitschiers unter Verwendung der originalen Daten der britischen Ausgabe. Da dieselben Grafiken verwendet wurden, entspricht das deutsche Cover mit Ausnahme der Übersetzungen und kleiner Zitate der Originalausgabe. Es sticht durch seine minzgrüne Farbgebung und die Darstellung einer Glühbirne mit einem Oktopus zwischen üblichen Covern der Phantastik stark hervor. Die Taschenbuchausgabe weist darüber hinaus in der ersten Auflage einen schwarzen Buchschnitt auf sowie vergoldete Zierelemente auf dem Cover. Gerade der Buchschnitt harmoniert mit dem grünen Cover und sorgt für Aufmerksamkeit. Das Gesamtbild erscheint zunächst ungewöhnlich, gleichwohl jedoch auffällig und dem Inhalt des Buches angepasst.

Die harten Fakten:
- Verlag: Hobbit Presse für Klett-Cotta
- Autorin: Natasha Pulley
- Erscheinungsdatum: 16. November 2024
- Sprache: Deutsch (Aus dem britischen Englisch übersetzt von Jochen Schwarzer)
- Format: Taschenbuch
- Seitenanzahl: 592
- ISBN: 978-36089-881-78
- Preis: 16,00 EUR (Print) + 12,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle Fachhandel, Amazon
Fazit
In Die verlorene Zukunft von Pepperharrow gelingt Natasha Pulley eine interessante Verbindung von Urban Fantasy und historischen Elementen, die die Lesenden in das Japan der 1880er Jahre entführt. Die Geschichte dreht sich um den Hellseher Keita Mori, dessen Fähigkeit, verschiedene Zukunftsstränge zu erkennen, sowohl seine Vertrauten als auch ihn selbst in gefährliche Situationen bringt. Durch die Perspektiven von Mori und dem britischen Übersetzer Thaniel Steepleton wird eine komplexe Handlung entfaltet, die von Überraschungen, politischen Intrigen und Spannung geprägt ist.
Pulley schafft es, mit einer Vielzahl von Protagonist*innen eine vielschichtige Erzählung zu entwickeln, die anfangs herausfordernd erscheinen mag, aber letztlich über Tiefe und Lebendigkeit verfügt. Die detaillierte Darstellung der japanischen Kultur und der historischen Kontexte verleiht dem Roman Authentizität und lässt die Lesenden in diese faszinierende Welt des vergangenen Japans eintauchen.
Der Schreibstil ist durchdacht und spielt geschickt mit dem Wissen der Lesenden, indem er Informationen nur schrittweise offenbart. Der Stil trägt nicht nur zur Spannung bei, sondern passt sich perfekt der Handlung an. Die Übersetzung von Jochen Schwarzer ergänzt das Werk harmonisch, indem sie den Stil der Autorin bewahrt und gleichzeitig deutsche Eigenheiten einfließen lässt.
Das auffällige Coverdesign unterstreicht den phantastischen Charakter des Buches und zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Insgesamt bietet Die verlorene Zukunft von Pepperharrow eine packende, durchdachte und vielschichtige Lektüre. Pulley gelingt es meisterhaft, eine fesselnde Erzählung zu kreieren, die durch ihre Komplexität und kulturelle Tiefe besticht.

- Vielschichtige Charaktere
- Kulturelle Authentizität
- Spannende Erzählweise
- Zu komplexer Einstieg
Artikelbilder: © Klett-Cotta
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Katrin Holst
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