Die Suche nach einer verlorenen Schatzkarte, Sirenenmagie und eine furchtlose Piratin, die sich zwischen all den Männern ihres Standes zu wehren weiß. Die mystische Welt von Daughter of the Pirate King nimmt dabei nicht nur die Protagonistin Alosa gefangen, sondern schlägt auch die Lesenden in den Bann der Sirenen.
Die junge Kapitänin Alosa bekommt von ihrem Vater, dem König der Piraten, einen Auftrag: Finde den verlorenen Teil einer Schatzkarte. Soweit, so normal, wäre diese nicht ausgerechnet auf dem Schiff eines seines ärgsten Gegenspielers versteckt. Doch Alosa ist aus gutem Grund die Geheimwaffe ihres Vaters. Nach einer harten Ausbildung ist sie nicht nur eine herausragende Kämpferin, sondern durch das Erbe ihrer Mutter auch in der Lage, die Magie der Sirenen einzusetzen. Diese ist besonders wirksam gegen Männer und damit gegen die Crew des gegnerischen Kapitäns durchaus nützlich. Doch da kommt ihrem Plan nicht nur ihre Gefangennahme in die Quere, sondern auch der attraktive Erste Maat Riden, welcher sich scheinbar vollständig ihrer Magie entziehen kann.
Neben der Überarbeitung ihres ursprünglichen Plans muss sie sich durch Wortgefechte mit Riden kämpfen, welche ihr mehr Spaß bereiten, als sie bereit ist zuzugeben. Und er ist nur das erste Hindernis, welches es zu überwinden gilt, wenn sie ihren Vater nicht enttäuschen will. Die Wiedererlangung des Teils der Schatzkarte wird somit zu einer Herausforderung, welcher sich Alosa nur zu gerne stellt. Denn niemand kann sich dauerhaft der Tochter des Piratenkönigs in den Weg stellen, oder?
Alkoholmissbrauch, Erwähnung von Vergewaltigung, Folter, Gewalt, Mord
Story
Daughter of the Pirate King erzählt ähnlich wie das Buch Die Abenteuer der Piratin Amina al-Sirafi eine klassische Seeräuber*innengeschichte in neuem frischem Gewand. Mit der jungen Alsoa wird eine starke weibliche Protagonistin in den Vordergrund gestellt, aus deren Perspektive die Lesenden die gesamte Erzählung erleben. Dass es im Kern trotzdem eine einfache Schatzsuche bleibt, ist der Spannung nicht abträglich, denn diese Art der Geschichte funktioniert aus gutem Grund seit vielen Jahren immer wieder. Warum das Rad also neu erfinden, dachte sich die Autorin Tricia Levenseller vermutlich, und fokussiert sich ganz auf ihre Charaktere und die Dynamik zwischen ihnen. Dadurch tritt der eigentliche Auftrag von Alosa teilweise in den Hintergrund, was allerdings durch wunderbare Dialoge und Wortgefechte zwischen den Protagonist*innen verkraftbar wird. Am Ende wartet die Geschichte aber doch immer wieder mit Überraschungen auf, welche den Spannungsbogen konstant hoch halten.
Alosa als Erzählerin der Geschichte ist eine junge, unabhängige Frau, welche mit ihren 17 Jahren bereits Kapitänin ihrer eigenen, nur aus Frauen bestehenden Mannschaft ist. Stark, unerschrocken, mutig und ein wenig dickköpfig sind die Attribute, mit welchen sie sich wohl selbst beschreiben würde. Sie ist nicht auf den Mund gefallen und gibt den vor allen männlichen Nebencharakteren häufig Kontra, wenn diese sie aufgrund ihres Geschlechts vorverurteilen. Ihre Entwicklung im Laufe des Romans und vor allem die Sicht auf ihre Motivation und Innenwelt ist besonders gelungen.
Ein weiterer wichtiger Charakter im Laufe der Handlung ist Riden, welcher als Erster Maat für das Verhör nach der Gefangennahme von Alosa verantwortlich ist und seine eigene Geschichte mitbringt. Als Untergebener seines Bruders, welcher das Schiff nach dem Tod des Vaters als Kapitän übernommen hat, verbirgt er eine eigene, tragische Vergangenheit, welche ihn und Alosa im Laufe der Geschichte näher zueinander bringt. Andere Nebencharaktere wie die beiden Piraten Enwen und Kearan sind ebenfalls interessant gestaltet, wobei der Fokus der Handlung klar auf den wenigen Hauptcharakteren liegt.
Ein wesentlicher Inhalt des Buches ist Alosas Herkunft und ihr Umgang mit der Macht der Sirenenmagie. Da diese nur auf Männer wirkt und vor allem darauf ausgelegt ist, diese zu bezirzen und zu unterwerfen, ist Alosa häufig davon abgeneigt, sie einzusetzen. Sie möchte lieber für ihre eigenen Taten Ruhm ernten und nicht für das, was sie ihrer Herkunft nach ist, sei dies die Herkunft als Tochter des Piratenkönigs oder als Halbsirene. Als Leser*in taucht man tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistin ein und kann ihre Beweggründe daher gut nachvollziehen. Dass Themen wie Identitätsfindung und weibliche Ermächtigung in einer Männerdomäne so offen im Buch angesprochen werden, obwohl die sonstige Erzählung eher seicht ist, zeigt, dass in Pirat*innengeschichten noch viel mehr Potenzial steckt, als aktuell abgerufen wird.

Schreibstil
Der Schreibstil der Autorin ist locker und leicht gestaltet und beinhaltet oft auch humoristische Elemente. Dies zeigt sich häufig an der einfachen und wenig komplizierten Sprache, sowie den kurzen, prägnanten Sätzen. Besonders positiv wirkt dies auf die dynamischen Dialoge, welche die Wortgefechte vor allem zwischen Alosa und Riden zu witzigen Duellen gestalten und die Lesenden mit einem Lachen zurücklassen. Die Wahl der Autorin, die Handlung aus der Ich-Perspektive von Alosa zu erzählen, bringt charakterliche Tiefe und lässt die Lesenden mitfühlen. Besonders gut stellte sich dadurch die innere Zerrissenheit des Charakters heraus, ihre Magie nur im Notfall einzusetzen, da sie Angst hat, sich darin zu verlieren. In diesen Momenten transportiert der Schreibstil durch die Wahl der richtigen Worte viel Gefühl. Die romantischen Elemente, die im Laufe der Erzählung auftauchen, gehen nie über leichte Zärtlichkeiten hinaus, weshalb das Buch auch für Leser*innen, die mit dem Genre der romantischen Phantastik oder Romantasy weniger anfangen können, geeignet ist.
Die deutsche Übersetzung ist grundsätzlich gut gelungen, leider fallen immer wieder grammatikalische Schnitzer auf, vor allem in der Satzbaustellung. Hier hätte besser nachlektoriert werden sollen, da dies das Lesevergnügen an einigen Stellen mindert.
Die Autorin
Tricia Levenseller wuchs in Oregon in den USA auf und lebt heute in Utah. Ihrer Leidenschaft für das Schreiben geht sie in Vollzeit nach und erschafft mit Vorliebe High Fantasy-Geschichten für junge Erwachsene. Dabei hat sie eine Schwäche für romantische Geschichten und glaubhafte Charaktere. Auf ihrer englischen Website berichtet sie regelmäßig von neuen Buch-Projekten. Daughter of the Pirate King ist ihr Debütroman.
Erscheinungsbild
Das Cover von Daughter of the Pirate King unterstützt mit seinem Design das Thema der Seeräuber*innen-Thematik. Dort sind Steuerrad, Schwert und zwei Moränen zu sehen: alles bekannte Elemente dieses Subgenres der Phantastik. Das abgebildete Schwert wird auch im deutschen Untertitel des Romans aufgegriffen. Der Klappentext auf der Rückseite des Buches fasst den zu erwartenden Inhalt gut zusammen und macht neugierig auf die Geschichte. Es wird außerdem auf das zusätzliche Material im Buch hingewiesen. Auf der Innenklappe ist ein sich spannend lesender Ausschnitt eines Gesprächs der Protagonist*innen abgedruckt, welches sehr gut den neckenden Ton einfängt, der die Konversationen der beiden stets begleitet. Dies macht direkt Lust auf mehr und wirbt damit gut für das Buch.

Die harten Fakten:
- Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
- Autorin: Tricia Levenseller
- Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2024
- Sprache: Deutsch (Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Frauke Meier)
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 320
- ISBN:978-3734163883
- Preis: 16 EUR (Print) + 9,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle Fachhandel, Amazon
Bonuscontent
In der deutschen Taschenbuchausgabe ist als Bonus ein mehrseitiges exklusives Interview mit der Autorin Tricia Levenseller abgedruckt. Des Weiteren findet sich auf der Innenseite der vorderen Klappe eine Karte des Schiffs Night Farer, welches Hauptschauplatz der Handlung ist. Diese gezeichnete Karte unterstützt die Lesenden bei der Orientierung zwischen den typischen Orten auf einem Segelschiff.
Fazit
Daughter of the Pirate King macht vor allem eins: Spaß. Die Geschichte um die Piratin und Halb-Sirene Alosa, welche sich im Auftrag ihres Vaters auf ein feindliches Schiff schleicht, um den verlorenen Teil einer Schatzkarte zu finden, erfindet das Rad der Pirat*innengeschichte sicherlich nicht neu, macht aber auch wenig falsch. Alosa ist als Protagonistin nicht auf den Mund gefallen. Sie weiß mit ihren 17 Jahren bereits, was sie will und was sie nicht will. Den Leser*innen präsentiert sie sich damit als starke Persönlichkeit, mit welcher man sich identifizieren möchte. Die Elemente der Sirenenmagie sind sinnvoll in die Erzählung integriert und laden dazu ein, genau wie von Alosa auch von den Lesenden hinterfragt zu werden.
Das Buch überzeugt nicht nur mit den interessanten und vielschichtigen Charakteren, sondern auch mit der gelungenen optischen Aufmachung. Allein die Übersetzung mindert das Lesevergnügen etwas, indem der sonst flüssige Schreibstil unter Grammatik- oder Satzbaufehlern leidet.
Wer auf der Suche nach einer locker-leichten Geschichte über Pirat*innen kombiniert mit dem mystischen Elementen der Sirenen ist, wird bei Daughter of the Pirate King auf jeden Fall fündig und erlebt eine kurzweilige Abenteuergeschichte mit ein wenig Romantik. Diese wird im zweiten, bereits erschienenen Teil fortgesetzt (Achtung: der Titel des zweiten Bandes enthält einen kleinen Spoiler) und mit einem dritten Spin-Off-Band abgeschlossen.

- Starke weibliche Protagonistin
- Spannendes Storytelling
- Tolle optische Aufmachung
- Übersetzung grammatikalisch ausbaufähig
Artikelbilder: © Blanvalet
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Rick Davids
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