In Aeon’s End: Legacy werden die Spielenden zu Riss-Magier*innen ausgebildet. Daher gibt es zu Beginn der Kampagne nur die nötigsten Regeln und Materialien. Das klingt nach guten Voraussetzungen, um in die Welt von Aeon’s End Aber lohnt sich die Legacy-Variante auch für Aeon’s End-Kenner*innen?
In Vorbereitung auf diese Rezension fiel auf: Es gibt nicht viele Legacy-Deckbauspiele. Neben Aeon’s End: Legacy, das 2019 auf Englisch erschien, ist der prominenteste Vertreter wohl Klong! Legacy (auch aus 2019) und im weitesten Sinne kann man auch Gloomhaven aus 2017 dazu zählen. Als kooperativer Deckbuilder hat sich die Aeon’s End-Reihe mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht. Nachdem ab 2020 die ersten Ableger in Kooperation mit Pegasus Spiele erschienen, hat der Verlag Frosted Games, welcher 2023 die Legacy-Variante des beliebten Koop-Deckbuilders veröffentlichte, inzwischen die alleinige Lokalisierung übernommen.
Und Aeon’s End: Legacy verspricht so einiges: Es soll eine spannende Kampagne, ein eigenständiges Grundspiel und eine Erweiterung sein, die mit allen Spielen der Aeon’s End-Reihe kombinierbar ist. Wir haben die Kampagne für euch durchgespielt und berichten euch – natürlich spoilerfrei –, ob es hält, was es verspricht.
keine typischen Trigger
Spielablauf
Wer Aeon’s End bereits gespielt hat, wird bei Aeon’s End: Legacy kaum Regeländerungen finden. Doch einige Regeln kommen erst im Verlauf der Kampagne dazu. Daher ist es sowohl für Erfahrene als auch Neulinge wichtig, die Spielanleitung – in der noch einige Lücken zu finden sind, die später mit Stickern gefüllt werden – komplett zu lesen und dem Spielaufbau genau zu folgen.
Als Lehrlinge lernen die Spielenden im Verlauf der Kampagne gemeinsam, die Feste der letzten Ruhe, die schützende Bastion, vor den Erzfeinden zu verteidigen. Dazu müssen sie sich mehreren Prüfungen unterziehen, sprich: in acht Kapiteln den jeweiligen Erzfeind besiegen, bevor das Leben der Feste auf null sinkt.

Zu Beginn steht den Spielenden dazu je ein identisches Startdeck bestehend aus zehn Karten zur Verfügung. Aktive und gebündelte Risse erlauben den Spielenden, Karten mit Zaubern gegen den Erzfeind und seine beschworenen Monster zu wirken. Kristalle sind die Währung um Spiel. Mit diesen Karten können die Spielenden im Verlauf der Partie ihr Deck aufwerten, indem sie davon neue Karten aus den verfügbaren Vorräten kaufen, wie wertvollere Kristalle, Artefakte oder Zauber. Eine Besonderheit bei Aeon’s End ist, dass das eigene Deck niemals gemischt wird. Gekaufte Karten landen direkt auf dem Ablagestapel und gespielte Karten können in einer selbst gewählten Abfolge ebenfalls darauf platziert werden. So kann das Deck strategisch zusammengestellt werden.
Doch auch das Glück spielt mit: Denn das Reihenfolge-Deck, welches jede Runde neu gemischt wird, bestimmt die Zugreihenfolge zufällig. So kann es im schlechtesten Fall sein, dass der Erzfeind innerhalb von zwei Runden viermal hintereinander dran ist.
Wird eine Spieler*innen-Farbe gezogen, läuft der Spielzug der entsprechenden Person wie folgt ab:
- Zauber wirken, die an Risse gebunden sind.
- Beliebig oft folgende Aktionen ausführen: einen Kristall oder ein Artefakt spielen, eine Karte (Zauber, Kristall, Artefakt) aus dem Vorrat erwerben, einen dunklen Riss bündeln, einen dunklen Riss aktivieren, einen Zauber an einen aktiven Riss oder gerade gebündelten dunklen Riss binden sowie einen Plan verhindern.
- Karten auf fünf nachziehen und die gespielten Karten aus dem Spielbereich auf den Ablagestapel räumen.
Ist der Erzfeind an der Reihe, passiert Folgendes:
- Ansturm-Effekte von allen ausliegenden Monstern werden abgehandelt und Pläne verlieren Zeitmarker oder werden ausgeführt.
- Es wird eine neue Erzfeind-Karte vom Stapel gezogen. Ein Angriff findet sofort statt und die Karte wird anschließend abgelegt. Monster und Pläne werden in der Auslage mit den angegebenen Lebensmarkern beziehungsweise Zeitmarkern platziert.
Neulingen empfehlen wir zusätzlich die Regellektüre aus unserer Rezension zum Aeon’s End-Grundspiel. Wer Aeon’s End kennt, für den klingt das sehr vertraut. Also, was gibt’s Neues? Schauen wir uns an, was die Legacy-Kampagne bietet.
Die Legacy-Kampagne

Bevor die Kampagne von Aeon’s End: Legacy startet, werden die angehenden Riss-Magier*innen erstellt. Vier doppelseitige Charaktertableaus – je eine Seite mit einer weiblichen und einer männlichen Person – stehen dafür zur Verfügung. Es gibt noch keine Spezialfähigkeiten oder Ähnliches, dafür aber viele Felder, auf denen im Laufe des Spiels Sticker platziert werden. Anfangs unterscheiden sich die Riss-Magier*innen also nur optisch.
Parallel zur Spielanleitung werden die Spielenden mithilfe des Legacy-Kartenstapels in die Geschichte ein- und weitergeführt. Außerdem erhält die Gruppe über die Legacy-Karten Anweisungen, an welcher Stelle welcher Umschlag oder welches Kartenpaket geöffnet werden darf. Auf diese Weise entwickeln sich die Charaktere und auch die Monster im Laufe der Kampagne stetig weiter. Besonders die Entwicklung der Monster – auf die wir aus Spoilergründen nicht näher eingehen – ist schön gelöst. Beim Lesen der Geschichte und dem Öffnen der Umschläge gab es immer wieder spannende Überraschungen.
Wichtig: Sobald die Kampagne mit einer Gruppe gestartet wird, kann sie nur in der gleichen Spieler*innen-Anzahl weitergeführt werden. Mit wie vielen Personen sie gespielt wird, ist laut BoardGameGeek-Community aber relativ egal. Aeon’s End: Legacy empfiehlt sich für alle Spieler*innen-Anzahl ähnlich, am besten soll es aber zu zweit sein.
Die Kampagne lässt sich auch solo spielen. Entweder übernimmt man mehrere Riss-Magier*innen ohne Regelanpassungen oder man wählt den True-Solo-Modus, den es in der englischen Ausgabe nicht gab. Dabei gibt es ein paar Regelveränderungen sowie optional eine einfachere Variante.
Erfahrene Aeon’s End-Gruppen können die Kampagne in erhöhtem Schwierigkeitsgrad starten. Allerdings fanden wir die Kampagne im normalen Schwierigkeitsgrad zu zweit schon herausfordernd und teilweise sogar etwas frustrierend, wenn der Sieg über den Erzfeind ausblieb. Das Gute: Man verliert nie so ganz, da man trotzdem neue Fähigkeiten erhält – auch wenn es sich teilweise unverdient anfühlt. Aber: Der Spielverlauf fügt sich authentisch in die Geschichte ein. Schließlich sind wir unerfahrene Riss-Magier*innen, die auch aus ihren Fehlern lernen müssen.
Und nach der Kampagne? Grundsätzlich lässt sich die Kampagne nur einmal spielen. Hat man sie zu zweit oder allein gespielt, ist es mit etwas Improvisation theoretisch möglich, ein zweites Mal zu spielen. Genug Material für vier Riss-Magier*innen ist vorhanden. Und auch danach muss Aeon’s End: Legacy nicht im Regal einstauben, sondern kann mit allen anderen Spielen der Aeon’s End-Reihe kombiniert werden. Denn die bis zu vier einzigartigen Magier*innen-Tableaus, alle Karten und Erzfeinde lassen sich weiterverwenden. Dazu gibt es am Ende der Kampagne noch einen besonderen Kartenstapel, der alles erklärt. Es ist also ein guter Einstieg, eine eigene Aeon’s End-Sammlung anzulegen oder die bestehende zu erweitern.
Ausstattung
Die gut gefüllte Box mit einem stattlichen Gewicht hat einiges an Material zu bieten. Allerdings ist zu Beginn der Kampagne noch vieles in den 15 Umschlägen und sechs Kartenpaketen versteckt. Ohne besondere Überraschungen vorwegzunehmen, kann man aber schon verraten, dass darin Erzfeinde, diverse Sticker und Marker sowie weitere Spielmaterialien zu finden sind.

All das Material findet in einem funktionalen Pappinsert mit drei Kammern seinen Platz. Nicht besonders hochwertig, aber besser als nichts. Zumindest die Karten können dank der Kartentrenner ordentlich verstaut werden, wodurch die Kampagne pausiert und später schnell wieder aufgebaut werden kann.
Apropos Karten: Auf einigen Karten werden im Laufe der Kampagne Sticker platziert. Diese lösen sich nicht wieder ab, selbst wenn sie ausnahmsweise gemischt werden. Die Karten sind zudem in gewohnt hochwertiger Qualität und erlauben einige Partien, ohne sich abzunutzen. Auch die Aufkleber auf den Charaktertableaus halten sehr gut.
Die Anleitung ist übersichtlich, verständlich und die Beispiele machen es für Einsteigende leicht, die Regeln zu lernen. Ein separates, doppelseitiges Glossarblatt erklärt die wichtigsten Schlagworte. Nach und nach werden die Anleitung und das Glossar mit Stickern mit Regelergänzungen gefüllt. Auf der Rückseite der Spielanleitung kann außerdem der Kampagnenfortschritt festgehalten werden.
Die harten Fakten:
Verlag: Frosted Games / Indie Boards & Cards- Autor*in(nen): Kevin Riley, Nick Little
- Illustrator*in(nen): Daniel Solis
- Erscheinungsjahr: 2023
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 45–90 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 1 2 3 4
- Alter: ab 14 Jahren
- Preis: 79,95 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo
Bonus/Downloadcontent
Auf der Produktseite von Frosted Games lässt sich die spoilerfreie Anleitung herunterladen. Außerdem gibt es ein Dokument, in dem erklärt wird, wie das Spielmaterial nach Abschluss der Kampagne weiterverwendet werden kann.
Interessant zu wissen: Für die englische Version gab es ein Reset-Pack zu erwerben, damit man die Kampagne mehrmals durchspielen kann. Da dieses nicht so gut ankam, hatte sich Frosted Games bei ihrer Lokalisierung gegen eine solche Möglichkeit entschieden.
Fazit

Aeon’s End: Legacy macht es Neulingen einfach ins Deckbuilding an sich, aber auch in die Welt von Aeon’s End einzusteigen. Und trotzdem finden auch Profis in den Bereichen hier eine herausfordernde und relativ kurze Kampagne, in der sich ihre Charaktere zu individuellen Riss-Magier*innen entwickeln. Und auch die Gegner*innen werden sich weiterentwickeln, was viel Spannung in die Partien bringt.
Unser größter Kritikpunkt: Beim Testen der Kampagne erschien uns das Gewinnen eines Kapitels auch im normalen Schwierigkeitsgrad fast unmöglich. Zwar hat man in der Regel einen zweiten Versuch; wenn auch dieser scheitert, schreitet die Geschichte trotzdem voran. Das heißt, man erlernt neue Fähigkeiten und Ähnliches. Das fühlte sich unbefriedigend und unverdient an. Ein richtiges Erfolgserlebnis kam während der gesamten Kampagne nicht auf.
Dennoch ist Aeon’s End: Legacy zu empfehlen, insbesondere, wenn man in die Welt einsteigen will oder Kampagnenspiele und Deckbau liebt. Frosted Games bietet hier ein wirklich tolles Spiel mit hochwertigem Material und der einen oder anderen Überraschung. Außerdem zahlt sich der stattliche Preis bei dem hohen Wieder- beziehungsweise Weiterspielreiz nach der Kampagne aus.
Wir vergeben dafür vier von fünf wertvollen Kristallen.

- Spannende Entwicklung der Charaktere und Monster
- Hohe Materialqualität: Sticker halten sehr gut
- Weiterspielreiz durch Kombinierbarkeit mit anderen Teilen
- Wenig verdiente Erfolgserlebnisse
- Unbefriedigende Kampagne
Artikelbilder: © Frosted Games
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Susanne Stark
Fotografien: Michelle Saarberg
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Verlag: Frosted Games / Indie Boards & Cards
















